Meine Arbeit an der 48. Schule in Ulaanbaatar

„Bagscha! Bagscha!“  („Lehrerin! Lehrerin!“)

Es ist schon halb 1 Uhr mittags, und mit lauten Rufen werde ich beim betreten des Schulhauses von vielen Schülern begrüßt. Von manchen werde ich auch einfach nur komisch angeschaut. Im zweiten Stock gehe ich vorbei an einer riesigen Pinnwand in Farben der deutschen Flagge auf das Lehrerzimmer zu. Dort kann ich kurz runterkommen und mich von dem Lärm auf den Gängen erholen, bevor ich in den Unterricht gehen muss.

Meinen Unterricht mache ich nach 4 Wochen Hospitation in den Klassen weitestgehend alleine. Was kulturweit und meine Aufgaben als Freiwillige angeht eigentlich eher eine Grauzone.  Im Unterricht mithelfen ist eigentlich die Aufgabenbeschreibung. AGs machen darf ich auch. Also hat man mir, nachdem ich einen Monat hier war, zwei AGs gegeben. Eine Bastel-AG und eine Wortschatz-AG. Vorgewarnt hat man mich im Vorfeld nicht.  Aber egal, dann muss das eben aus dem Stegreif funktionieren.

Viel mehr Unterricht hat man mir nicht gegeben. In der Woche habe ich in etwa 10-12 Unterrichtsstunden. 3-5 davon sind in Englischunterricht. Noch so eine Grauzone.  2 Stunden wöchentlich soll ich mit der 6. Klasse Basteln. 2 Stunden, die mich immer etwas nervös machen. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft hier in der Mongolei hat diese Klasse gerade das deutsche ABC gelernt. Ein viel größeres Sprachniveau ist also noch nicht vorhanden, verständlicher Weise. Trotzdem halte ich auch viele dieser Stunden mittlerweile alleine, was überraschend gut funktioniert.

Der Rest meiner Woche besteht daraus, dass ich mich wöchentlich 3 Stunden lang mit einer Klasse hinsetze und Spiele spiele, durch die die Schüler ihren Wortschatz erweitern sollen. Und mit einer 10. Klasse soll ich Hörbeispiele besprechen.

Im Großen und Ganzen ist meine Einsatzstelle komplett anders als ich es mir am Anfang vorgestellt habe. Ich habe einerseits das Gefühl, das man mir sehr viel zutraut und manchmal auch eventuell zu viel. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob man tatsächlich mein ganzes Potential ausnutzt, oder ob es da nicht noch viel mehr gäbe was ich tun kann.

In Ulaanbaatar sind wir insgesamt 7 Freiwillige, von denen 5 im Prinzip die selben Aufgabenbereiche haben. Wir sind zwar alle an verschiedenen Schulen, aber es war eigentlich klar wofür wir da sind. Den Deutschunterricht und die Lehrer/-innen bei der Vorbereitung unterstützen. Mittlerweile ist aber klar, dass wir zwar die selbe Stelle haben, aber trotzdem haben wir im Endeffekt alle komplett verschiedene kulturweit-Erfahrungen. Ich denke, dass es bei keinem von uns tatsächlich so läuft wie man sich den Freiwilligendienst vorher ausgemalt hat.

Manche von uns werden von den Kollegen nur so mit Arbeit überschüttet oder verstehen sich mit den Kollegen einfach nicht. Ich verstehe mich super mit meinen Kollegen. Über den tatsächlichen Sinn meines Aufenthalts hier bin ich mir oft allerdings nicht ganz sicher. Ob ich mit meiner Einsatzstelle und den kurzen Arbeitszeiten das große Los gezogen habe ist fraglich.

Trotzdem ist diese Über- beziehungsweise Unterforderung, die wir alle an verschiedenen Stellen in unserem Auslandsaufenthalt sicherlich schon mal verspürt haben eine Erfahrung auf die ich nicht verzichten will. Trotz der Frustration die ich in letzter Zeit oft habe, freue ich mich angesichts des neuen Jahres was nun schon vor der Tür steht, auf die letzten zwei Monate meiner Zeit hier und bin gespannt was sonst noch alles auf mich zukommt.

 

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