Langsam schleicht sich der Herbst auf bunten Blättern in die warmen Gassen unserer Großstädte. Wo vor ein paar Wochen noch bunte Radtrikots an den Straßenrändern blühten, das Flutschfinger-Eis auf den Bordstrein tropfte, die Fernseher durch die kleinen Wohnungen die Straße beschallten und bis um halb eins Vino auf den Stadtfesten gesoffen wurde, begleitet mit der Aussage „Nächtes Jahr Camping-Urlaub auf Portugal“, so hat man nun das Gefühl, dass Anstand, Disziplin und Ruhe walten. Die Klamotten werden dezenter, schicker, die Herbstmäntel fegen durch die Innenstädte, kleine schwarzen Stifeletten klacken auf dem mittelalterlichen Bordstein und die herbstlichen Farben lassen eh alles nachdenklicher erscheinen.
Ich laufe durch die lichtdurchfluteten Gassen, es ist 19:10 und es wird bereits dunkel. In der Universität verirren sich einzige verwirrte Erasmus-Seelen durch die dunkler werdenden Gänge, Menschen strömen hinaus in den Feierabend und gehen zu ihren von Blättern bedeckten Autos.
Es macht so viel Spaß, Tübinger in ihrem Reservat zu beobachten. Manchmal sind Menschen wie Tiere. Hier in Tübingen leben nämlich die glücklichsten Menschen der Welt, so stand es mal im Spiegel. Nicht falsch verstehen: Ich liebe diese Stadt, aber manchmal ist sie mir aber auch ziemlich anstrengend.