Über das Ankommen

14. September 2018

Jetzt sitze ich also hier in Sofia, habe den ersten Tag fast hinter mir und aus meinem Fenster den Schulhof ganz genau im Blick. Zum Glück habe ich mir noch intuitiv eine Lichterkette gekauft, dachte ich gestern Abend kurz nach dem ich mein kahles Zimmer bezogen hatte. Diese baumelt jetzt mit Bildern von meinen Lieben über meinem Bett und ist aber auch das einzige, was meine leeren Wände ziert. Kurz bevor wir zum Flughafen gefahren sind, habe ich noch alle meine NEON Zeitschriften zusammengekramt, um mir im Auto noch schicke Fotos rauszureißen. Als hätte ich gewusst, dass mein Zimmer komplett leer sein wird (naja immerhin habe ich zwei Tische (zwar ohne Stuhl) , ein kleines Regal und ein Bett.). Doch nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, ist alles gar nicht mehr so ernüchternd wie noch gestern Abend und ich habe Lust auf ein halbes Jahr Minimalismus! Schließlich habe ich das Zuhause auch immer wieder versucht und war doch kläglich gescheitert. Genauso leer wie mein Zimmer fühlte ich mich bei der Ankunft in Sofia. Der Abschied von Murmel und Papu war zum Glück schneller von der Bühne gegangen als erwartet, weil wir doch auf den letzten Drücker ankamen (wer hätte es anders erwartet :D). Doch umso schmerzfreier war es. Im Flugzeug konnte ich meine Tränen aber dann doch nicht mehr zurück halten, was mir den ersten Kontakt mit einer einheimischen Bulgarin bescherte, die mich komplett überfordert damit zu beruhigen versuchte, dass „die Bulgaren doch gar nicht so schlimm seien“. Den Brief von Emma, den sie mir in mein Gepäck schmuggelte und den ich im Flugzeug öffnen sollte, traute ich mich dann erst recht nicht mehr zu öffnen vor lauter Angst, wieder in Tränen auszubrechen. Der restliche Flug verlief zum Glück super entspannt, was meiner Flugangst sehr zu Gute kam! Als ich dann 21:20 landete, wurde ich von meiner Mentorin abgeholt, die wie sich das vorher auch schon andeutete, sich als super nett und hilfsbereit entpuppte. Generell sind hier alle sehr offen und freundlich. Von den Lehrern an der Schule bis zur DM Verkäuferin bei mir um die Ecke, die mir meinen geräucherten Tofu schenkte, weil ich nicht genug Leva dabei hatte. Nun zu der wichtigsten Frage: ja, ich wohne tatsächlich auf dem Gelände der deutschen Botschaft und ich wollte es auch bis zu dem Moment nicht wirklich glauben, bis ich hier ankam. Man fühlt sich zwar sicherer, weil hier und da ein paar Wachmänner sitzen aber es ist bei weitem nicht so spektakulär, wie erwartet! 😀 Ich wohne hier bei einer Grundschullehrerin, welche Griechin ist und über das Wochenende immer zu ihrer Familie nach Griechenland fährt. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mich für ein halbes Jahr bei sich wohnen lässt und wir jetzt so etwas wie eine WG sind… In dem Haus von meiner Wohnung befinden sich auch schon einige Klassenräume. Ich bin also permanent von der Schule „umgeben“, was seine Vor und Nachteile hat. Doch der Vorteil des Ausschlafens überwiegt dennoch klar. Dadurch, dass jede Klasse als Klassenraum ihre eigene Wohnung hat (das sind ehemalige Wohnungen von Botschaftsangestellten) hat die Schule einen ganz besonderen und muckeligen Flair. Da die Schule an der ich bin eine DAS Schule ist, das bedeutet, dass jedes Fach außer Bulgarisch komplett auf Deutsch unterrichtet wird, sind die Ferien auch anders als an den „typisch Bulgarischen“ Schulen, an denen die anderen kulturweit Freiwilligen sind. So hörten auch die Sommerferien eine Woche früher auf und wider Erwarten musste ich heute schon in die Schule und meinen ersten Tag antreten. Also wurde ich heute um 7:00 von den seichten Tönen meines Weckers aus dem Schlaf gerissen und super erschöpft quälte ich mich ins Badezimmer. Die 3a und ein paar Kopfrechenaufgaben (eine Kurvendiskussion wäre mir deutlich lieber gewesen haha) wirkten dann aber besser als jeder Kaffee. Meine kommende Schulwoche sieht so aus, dass ich in jede Grundschulklasse mal rein schauen werde und mich am Freitag dann für zwei Klassen „entscheide“ mit denen ich enger zusammenarbeiten möchte. Außerdem kommt Donnerstag auch schon der erste Besuch aus Deutschland.

Eure Greta

P.S. Da ich in meinem Zimmer leider kein WLAN habe und es für mich nur im Lehrerzimmer zugängliches WLAN gibt, gestaltet sich die Sache mit dem Internet aber leider etwas schwieriger.

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