Stagnation.

Dobre den,

Lange nichts mehr voneinander gehört. Das kann sowohl ein negatives als auch positives Zeichen sein, oder?. Entweder ich bin hier so beschäftigt, dass ich ganz vergesse euch an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen oder ich erlebe einfach keine neuen Dinge mehr, die sich lohnen würden mit euch zu teilen. Ich vermute die Antwort lautet, dass es eine Mischung aus beiden ist.

An dem Fakt, dass ich hier angekommen bin, zweifele ich nicht. Ich habe einen Alltag und eine Handvoll Leute, die diesen mit mir gestalten. Dennoch habe ich in den letzten Wochen eine innere Stagnation festgestellt, die ich mir schmerzhaft bewusst gemacht habe. Schmerzhaft, weil dieses halbe Jahr so schnell an mir vorbeifliegt und es kaum zu glauben ist, dass schon über die Hälfte meiner Zeit in Sofia vorbei ist. Am 22. Februar 2019 wird das Kapitel Sofia für mich zu Ende geschrieben sein. Das bedeutet aber auch, dass ich jetzt noch fleißig schreiben und gestalten kann und die Möglichkeit habe, diese Zeit zu einer ganz besonderen zu verwandeln. Dieses kribbelige Gefühl, die Euphorie, die ich Anfang September als ich hier ankam verspürte, ist verflogen. Ich habe mich an die Tatsache in Sofia zu leben gewöhnt und bin abgestumpft. Verrückt wie schnell man eine gewisse Normalität für die absurdesten Dinge entwickelt. Noch vor ein paar Monaten, als ich fleißig für mein Abitur büffelte, hätte ich alles gegeben um mein jetziges Leben mit dem damaligen einzutauschen. Das anfängliche Gefühl wieder aufleben zu lassen ist schwer und eigentlich war doch genau mein jetziger Zustand der Grund sich bei kulturweit zu bewerben. Arbeitserfahrungen im Ausland machen, länger in einer Stadt im Ausland verweilen, um sie intensiv kennen zu lernen (nicht so oberflächlich wie es bei einem zweiwöchigen Städtetrip der Fall wäre), eine neue Kultur kennenlernen. Eben seine Komfortzone verlassen. Über den Tellerrand schauen.                                     Nächstes Wochenende werde ich nach Thessaloniki zu Vivi fahren und danach wieder ein Neubeginn mit Sofia wagen. Denn eigentlich habe ich mich doch in die Stadt verliebt und nichts wäre schlimmer für mich als am Ende der sechs Monate festzustellen, dass ich die Zeit nicht sinnvoll für mich genutzt habe.

Ende November fand in Bankja (20 Minuten von Sofia entfernt) das Zwischenseminar statt. Dort trafen sich alle Freiwilligen aus Bulgarien und Rumänien, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Ich habe mich zwar gefreut, die anderen Freiwilligen wieder zu sehen, doch Inhaltlich habe ich von den Seminartagen nicht all zu viel mitgenommen. Für Freiwillige, die Unzufriedenheit bezüglich ihrer Einsatzstellen verspürten (das waren erstaunlicherweise über die Hälfte), waren das sicher aufschlussreiche Tage. Doch ich hatte keine bestimmten Themen, die mir am Herzen lagen und so verbrachte ich die Tage nur mit reflektieren. Immerhin wurde mir dadurch vor Augen geführt, was für einen Glücksgriff ich doch mit meiner Arbeitsstelle gemacht habe! Auch nicht schlecht…

Darüber hinaus habe ich mich (obwohl ich doch eigentlich im hier und jetzt leben möchte) noch mit der Zeit nach Sofia beschäftigt, was zum Teil sicherlich auch meine Entfremdung mit Sofia befeuerte. Wenn mich jemand vor ein paar Monaten gefragt hätte, warum ich an eine Schule gehe, hätte ich ihm geantwortet: weil ich mir gut vorstellen kann Grundschullehramt zu studieren und mal schauen möchte, ob das was für mich ist. Ich hätte vermutet, dass wenn sich derjenige zum jetztigen Zeitpunkt bei mir melden würde, um sich zu erkundigen, ob ich mich schon entschieden habe, ich ihm ein klares Ja oder Nein zur Antwort geben könnte. Klar, wer mich gut kennt weiß, dass Entscheidungen zu treffen eher nicht zu den Sachen gehört, die ich furchtbar gut beherrsche. Doch ich hätte gedacht, dass ich in meinem jetzigen Stadium mit meiner Entscheidungsfindung deutlich fortgeschrittener bin. So viel wie die kleinen, süßen Racker einem auch zurückgeben, zerrt das Arbeiten mit ihnen doch ganz schön den Nerven.                                                                                                                                           Was die Zeit unmittelbar nach Sofia betrifft, werde ich (aber das wissen wahrscheinlich schon die meisten J ) mit Emma nach Südostasien reisen. Und für alle die jetzt fragen: NEIN!-, es ist noch nichts Näheres geplant außer das wir wissen, dass es Anfang März los gehen wird. Das ist aber eine Baustelle, die ich in den nächsten Wochen definitiv noch beseitigen werde.

Zurück zum hier und jetzt. Seit einiger Zeit weiß ich auch, dass direkt nach mir ein neuer Frewilliger kommt und das ist für meine Schule ziemlich unüblich. Sie/Er wird in mein Zimmer ziehen, mit den anderen Lehrern abhängen und einfach genau in das Leben reinhüpfen, was ich zur Zeit lebe. Irgendwie ein komisches Gefühl.

Während mir in Deutschland (fast) nie was passiert, ist es gang und gebe, dass ich wenn ich im Ausland bin mindestens einmal ein Krankenhaus von Innen gesehen haben muss. So war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das auch hier in Bulgarien passiert. Der Tag sollte der letzte Abend des Zwischenseminars sein. Genau wie vor zwei Jahren verdrehte ich mir mein Knie. Ich reiste am nächsten Tag frühzeitig ab und was die ganze Sache für mich nur noch dramatischer machen sollte war die Tatsache, dass Julius am Abend landen sollte. Im Krankenhaus war ich sehr verzweifelt, weil mich keiner verstanden hat und ich folglich von A nach B geschickt wurde. Als ich schließlich nach Stunden völlig verzweifelt Mama anrief und irgendwann wieder auflegte, kam eine Frau auf mich zu, die unser Telefonat belauscht hatte und mir anbot beim Übersetzen der Gespräche mit den Ärzten zu helfen. Mein persönliches Happy End. Ich bekam für sieben Tage Schmerztabletten verschrieben und ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, was ich da geschluckt habe, doch seit dem kann ich wieder normal gehen (während in Deutschland Krücken für ein paar Tage meine Begleiter waren). Julius und ich hatten uns ein Mietwagen geholt und sind dann über das Wochenende nach Plovdiv gefahren. Dort waren wir, wer hätte das gedacht, nicht sehr produktiv und haben lieber in unserer wirklich wunder-, wunderschönen Airbnb Wohnung gefaulenzt. Ansonsten haben wir noch den Glühwein auf dem deutschen Weihnachtsmarkt in Sofia einen Test unterzogen.

Ganz angesteckt von der weihnachtlichen Vorfreude der Kinder, genieße ich die Vorweihnachtszeit sonst aber in vollen Zügen und habe dank Mama sogar einen selbstgebastelten Weihnachtskalender in meinem Zimmer hängen. Mit den Kindern der ersten Klasse habe ich auch gemeinsam einen Weihnachtskalender gebastelt und bis zum 21.12. (letzter Schultag) ist jeder morgen ein kleines Highlight. Morgen habe ich mir vorgenommen schon ein paar Weihnachtsgeschenke zu kaufen und am Sonntag findet dann eines meiner absoluten Highlights im Dezember statt. Ich gehe zum Mando Diao Konzert und freue mich schon so sehr darauf! Alles nimmt also wieder fahrt auf.

Ich freue mich schon so sehr auf Zuhause, meine Freunde und natürlich das Weihnachtskomplex. Vielleicht sieht man sich ja…

Greta

 

 

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