Eine Nacht in der Wüste und viel mehr als erwartet

Eine Woche vor meiner ersten Patrouille stand ein Ausflug an. Zusammen mit Hermine und Grit durfte ich eine Nacht in der Wüste verbringen. Gemeinsam mit dem Parkdirektor und einem Fahrer wollten wir Benzin zu den Rangern bringen, die draußen nach Wasser bohren, eine Photovoltaikanlage an einer Wasserstelle austauschen und Schülerinnen und Schüler treffen.

Am Freitagnachmittag vor der Abfahrt haben wir mit einigen Rangern im Hof der Parkadministration ein Ger aufgebaut. Es war für Gäste des Finanzministeriums gedacht, die nach unserem Ausflug dort eintreffen sollten. Ich fand es faszinierend, mit anzupacken und zu sehen, wie schnell aus den einzelnen Teilen ein Zuhause wird. Am Abend ging es endlich los. Die Strecke führte durch Gebirge. Dunkler Stein, der teils wie Schiefer aussah, bestimmte die Landschaft. Gefühlt alle zwei Meter wuchs ein kleiner Busch, der zu dieser Jahreszeit nur noch aus Ästen bestand. Während der Sonnenuntergang den Himmel gelb und orange färbte, folgten wir den Spuren vorheriger Autos.
Ich hatte mit höchstens drei oder vier Stunden Fahrt gerechnet, schließlich war von einem Ausflug mit nur einer Übernachtung die Rede. Doch erst nach gut acht Stunden Fahrt erreichten wir unser Nachtlager.

Die Nacht war durch den fast vollen Mond so hell, dass ich die Umgebung erkennen konnte. Unerwartet tauchte in einer weniger bewachsenen Gegend ein Container auf. Weit und breit war sonst nichts zu sehen. Zwei Ranger begrüßten uns und waren bereits dabei, auf einem kleinen Campinggaskocher Suppe aus Reis und Ziegenfleisch für uns zu kochen. Die Suppe schmeckte mir, wenn man von Knorpeln und Sehnen absah, richtig gut. Ich aß alles auf. Das gehört hier einfach dazu.

Wir hätten im Container schlafen können. Grit, Hermine und ich entschieden uns aber für das Zelt. Draußen war es windig, drinnen machten wir es uns zwischen Decken und unseren Schlafsäcken gemütlich. Nach der langen Fahrt war ich froh, endlich anzukommen und für diese Nacht unser kleines Lager in der Wüste zu haben.

Am nächsten Morgen wurden wir um halb acht von einer Sirene geweckt. Zumindest dachten wir das. Später erfuhren wir, dass es ein Bewegungsmelder war. Zum Frühstück gab es wieder Ziegenfleisch. Diesmal mit Nudeln, dazu schwarzen Tee. Wir waren gerade mit unserem Tee beschäftigt, als die Ranger aufbrachen. Also hieß es: Sachen packen!

Die Schülerinnen und Schüler, die wir eigentlich treffen wollten, standen nicht auf dem Programm. Stattdessen fuhren wir zum Lager eines Teams, das nach Wasser bohrte. Es lag in ähnlicher Umgebung wie der Container: Ebene mit kargem Bewuchs, so weit man sehen konnte. Der riesige LKW, der den Bohrer transportierte, fiel in dieser Weite sofort auf. Neben ihm sah unser Land Cruiser winzig aus.
Dort luden wir das Benzin ab, machten eine Teepause und bekamen kaltes Ziegenfleisch vom Knochen angeboten. Nach etwa zwei Stunden fuhren wir gemeinsam mit den Rangern weiter zur Bohrstelle.

Warum die Ranger überhaupt nach Wasser bohren? Sie legen neue Quellen an und halten bestehende instand. Die Tiere sollen so von einer Wasserquelle zur nächsten durch die Wüste ziehen können. Die voranschreitende Desertifikation, also die Ausbreitung der Wüste, soll sie nicht von der Wasserversorgung abschneiden.

Der Bohrer wurde abgeladen, ausgerichtet und in Position gebracht. Dann starteten die Motoren. Tiefschwarze Abgaswolken stiegen in den blauen Himmel, der Bohrer setzte sich in Bewegung und keine zehn Minuten später stand alles wieder still. Es sah aus, als hätte sich der Bohrer verkeilt. Die Ranger zerlegten kurzerhand den Bohrkopf, um das Problem zu finden. Eine schwere Arbeit, erst recht unter der Sonne, die trotz der kühlen Temperaturen unbarmherzig vom Himmel brannte.
Als der Fehler gefunden war, fuhren wir drei zusammen mit dem Parkdirektor, dem Fahrer und zwei weiteren Rangern zu einer künstlichen Wasserquelle mit Photovoltaikanlage. Das Glas der Module war völlig zerborsten. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Ranger setzten neue Module ein, aber damit war es nicht getan: Auch die Pumpe musste ausgetauscht werden. Den Schlauch aus dem Rohr ziehen, die neue Pumpe befestigen, den Schlauch wieder hinablassen und alles testen. Es war beeindruckend, diese Arbeit aus nächster Nähe mitzuerleben und zu sehen, wie viel Einsatz nötig ist, damit Wasser an einem so abgelegenen, trockenen Ort verfügbar bleibt.

Am frühen Abend kehrten wir zur Bohrstelle zurück. Das Rohr war inzwischen erfolgreich in den Boden gesetzt worden. Als die Pumpe angeschaltet wurde, schoss das Wasser in einer Fontäne nach oben. Dieser Moment war spektakulär: Nach all der Arbeit sprudelte plötzlich Wasser aus der Erde.
Wir fuhren nicht wie geplant nach Hause, sondern übernachteten in einem nahen Ger aus Lehm. Die Umgebung wirkte im Vergleich zu den bisherigen Orten fast grün. Die kleinen Büsche trugen noch ihre Blätter und wuchsen auf sandigeren Erhebungen, auch wenn der Boden weiterhin hauptsächlich aus Kies bestand. Zum Abendessen gab es wieder Ziegenfleisch mit Reis und dazu Wassermelone. Am Lagerfeuer, unter einem vom Vollmond erleuchteten Himmel, wurde der Abend für mich perfekt. Nach den langen Stunden unterwegs und den vielen neuen Eindrücken saß ich da und dachte: Genau so habe ich mir das vorgestellt.

Am Sonntagmorgen gab es, wen wundert’s, wieder Ziegenfleisch mit Nudeln. Das knorpelige, sehnige Fleisch fiel mir inzwischen deutlich schwerer. Aber der Hunger siegte. Anschließend fuhren wir noch einmal zur Bohrstelle. Wir sammelten kleine Steine, um das Rohr zu stabilisieren, und ließen dann das Wasser laufen. Wir setzten uns daneben und schauten zu, wie es nach und nach klarer wurde. Ein ruhiger Moment, der mir gerade deshalb im Gedächtnis geblieben ist.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg. Wir hielten an verschiedenen Stationen, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei fuhren wir durch richtige Sandwüste, über Boden, der so ausgetrocknet war, dass er Risse hatte, und immer wieder durch steinigere Abschnitte. Die Dichte der Vegetation wechselte so oft wie der Untergrund.
Ein besonders schöner Moment: Der Parkdirektor drückte jeder von uns eine halbe Wassermelone in die Hand, die wir auf der Rückbank des Land Cruiser essen durften. Nach all den staubigen Wegen und dem Ziegenfleisch war das eine herrlich süße Pause.

Gegen acht Uhr abends waren wir schließlich zurück in der Parkadministration. Ich war erschöpft und froh, wieder da zu sein. Dort wartete ein warmes Abendessen auf uns. Diesmal zum Glück ohne Ziegenfleisch: Reis, Kartoffeln, Kohl, Möhren, Paprika, Zwiebeln und Ei, dazu Brot mit Gurke und Tomate. Was für ein Gedicht!
Müde fiel ich ins Bett und freute mich auf den freien Tag. Wobei der dann doch ziemlich gefüllt war. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

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