Mitte September 2026 bin ich zusammen mit zehn weiteren Kulturweit-Freiwilligen früh am Morgen in Ulaanbaatar gelandet.
Vom Flieger aus ging es für einige von uns erstmal zur Visumsbeantragung. Da so früh am Morgen niemand anzutreffen war, mussten wir gute 45 Minuten warten. Anschließend wurden unsere Anträge in aller Ruhe von einer netten Dame bearbeitet und wir durften endlich durch die Passkontrolle. Auf der anderen Seite warteten die anderen bereits mit unserem Gepäck. Wir waren die Letzten in der Halle und wurden regelrecht in den Vorraum geschoben. Das löste bei uns Belustigung aus und zugleich etwas Stress. Schließlich konnten wir nichts für die lange Wartezeit beim Visum.
Die Freiwilligen des Goethe-Instituts wurden von ihrem Fahrer erwartet. Kurzerhand durften drei weitere Personen in einem anderen Auto mit in die Stadt fahren. Ich war eine dieser drei Personen. Die Fahrt dauerte gut eine Stunde. Zuerst zog wundervolle Steppenlandschaft am Fenster vorbei. Vereinzelt gab es Gers (mongolische Bezeichnung für Jurten), Pferde, Ziegen oder Schafe zu sehen. Es sah aus wie im Reiseführer und löste bei mir eine noch größere Vorfreude aus. Dann kam die Skyline von Ulaanbaatar in Sicht. Gehüllt in eine Glocke aus weißem Nebel, die im Sonnenaufgang gelb, orange glitzerte. Zumindest dachte ich das. Der Fahrer belehrte mich eines Besseren. Er erklärte, dass das der erste Smog des Winters sei und er sich im weiteren Verlauf des Jahres schwarz färben werde. Mir war zwar bewusst, dass es hier im Winter viel Smog gibt. Ihn schon Mitte September so deutlich zu sehen hat mich dann doch erschreckt.
Die Fahrt durch die Stadt war weniger entspannt. Es herrschte absolutes Verkehrschaos. Der Fahrer schlängelte sich jedoch gekonnt durch den dichten Verkehr. Wechsel von der äußeren Spur auf die andere äußere Spur waren dabei ganz normal. Mehr als einmal sah ich uns in einen Unfall verwickelt. Doch wir kamen wohlbehalten an der Wohnung an.
Nachdem alles mit dem Vermieter geklärt war, stand fest, dass wir uns ein Hostel für die kommenden Nächte suchen müssten. Nerv! Doch erstmal hieß es: Schlaf nachholen! Wir waren alle so erschöpft vom Flug und der Ankunft, dass wir erst am späten Nachmittag wieder wach wurden. Zusammen ging es im State Department Store einkaufen. Überraschenderweise gibt es dort sehr viele deutsche Produkte. Das kam uns sehr gelegen. So konnten wir (noch immer müde) schnell das Nötigste einkaufen, um den aufkommenden Hunger zu stillen.
Abends zogen fünf von uns in ein nahe gelegenes Hostel. Das „Golden Gobi“ liegt sehr zentral in einer ruhigen Seitenstraße nur zwei Querstraßen vom State Department Store entfernt. Die Inhaber sind sehr zuvorkommend und helfen gerne. Für fünf Nächte würde das 10er Zimmer unser temporäres Zuhause werden.
Die erste Nacht war ungewohnt. Die Betten waren sehr hart und taten mir im Rücken und in der Hüfte weh. Zudem quietschten sie bei jeder Bewegung. Mitten in der Nacht bekamen wir noch zwei Gäste dazu. Entsprechend unausgeruht ging es am nächsten Morgen auf die Suche nach Frühstück. Fündig geworden sind wir wieder im State Department Store. Sandwich und schwarzer Tee. Ein Gedicht für den grummelnden Magen.
Anschließend kümmerten wir uns darum, Geld zu wechseln. Wir staunten nicht schlecht über den Wechselkurs. Über 800.000 ₮, so viel Bargeld hatten wir noch nie in der Hand. Es fühlte sich befremdlich an, zeigte es doch, wie privilegiert wir sind.
Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt ging es erstmal zurück in die Wohnung der anderen. Dort erwartete uns der erste Sprachunterricht. Unsere Lehrerin Tsermaa brachte uns bei, wie wir uns begrüßen, vorstellen und verabschieden können. Sie lobte unsere Aussprache und war sichtlich begeistert. Mit einem guten Gefühl ging es für uns anschließend wieder durch die Stadt und abends zeitig ins Bett. Gespannt darauf, was uns die nächsten Tage bringen werden.