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Pischki – eine Liebeserklärung

Es gibt eine Sache, die ich von Russland nicht erwartet hätte, nämlich dass ich hier mein neues Lieblingsgebäck finden werde. Aber Pischki, diese von der Form her an Donuts erinnernden kleinen Racker waren mir von Tag eins, beziehungsweise von Tag zwei an ein Freund in der Not. Egal ob für das erste Wiedersehen nach langer Zeit, gegen menstruell bedingte cravings und Heimweh oder für den klassischen kleinen Hunger zwischendurch, Pischki sind Alleskönner – und eine Petersburger Institution. Es gibt also genug Gründe, unsere Lieblingsspots, wie es auf schönstem Bloggerdeutsch heißt, einmal vorzustellen, mit einem kleinen Gastbeitrag meiner Mitbewohnerin (und fast-kulturweitlerin) Kira:

Viel „russischer“ geht es kaum.

Sarahs Empfehlung:

Leningradskiye Pyshki

Diese Butze sieht zwar von außen ein bisschen abgerockt aus und ich bin mir im Moment nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein Ladenschild gibt, aber ich hänge inzwischen mit großer Sentimentalität daran. Hier habe ich nämlich das erste Mal Pischki probiert, aufs Kiras eindringliche Empfehlung hin,  und auch einige Läden später bin ich immer noch der Meinung, dass sie hier am besten schmecken. Schön knusprig und handlich, mit Puderzucker bestreut, serviert auf einem Pappteller und dazu einen Tee, ebenfalls im Pappbecher (niemand hat behauptet dass Russen umweltbewusst sind), könnte ich hier stundenlang sitzen, futtern und über Gott und die Welt plaudern. Beim Kostenpunkt 17 Rubel für einen Pischki kann man sich ruhig einen mehr gönnen und dabei über die Einrichtung schmunzeln, das Geschehen auf der Straße beobachten oder wie ich überlegen, wie man die uralte Schreibmaschine im Schaufenster am besten klauen kann.

Adresse: Zagorodnyy Prospekt, 10, Sankt-Peterburg, 191002

       

 

Kiras Empfehlung:

Pyshechnaya

Liebe Leute!

Wenn ihr saftige, fluffige, extra große und natürlich schön fettige, liebevoll mit Puderzucker bestreute Pischki genießen, nicht lange warten und euch mit Einheimischen umgeben wollt dann biegt vom Newsky Prospekt am Gostiny Dvor in die Sadovaya ulitsa ein und haltet euch auf der linken Straßenseite. Nach den ganzen etwas gruseligen und abschreckenden Billigläden kommt der Pischkiladen, der zwar keinen Namen hat, allerdings gegenüber vom 585 Gold liegt. Im Zweifelsfall vertraut einfach eurem Geruchssinn. Wenn es nach frittiertem Schmalzgebäck duftet, seid ihr goldrichtig. Haltet 22 Rubel pro Pischki parat und wohl bekomm’s.

Adresse: Sadovaya ulitsa 32, Sankt-Petersburg, 191023

Immer diese Paparazzi.

Das ist pure Glückseligkeit.

Man achte auf den ästhetischen Teller.

        

Nicht zu vergessen…

Pyshechnaya

Hier muss man sich auf Schlange stehen gefasst machen. In einer Seitenstraße des Newsky-Prospekts gelegen, ist dieses kleine Café nicht stadt-, sondern weltbekannt, weil es in jedem St. Petersburg Reiseführer steht und das nicht zu Unrecht. 1958 gegründet, besitzt dieser Ort immer noch das, was Nostalgiker Sowjet-Charme nennen. Die Einrichtung ist straight outta 50s, die Servietten sind zurechtgeschnittene Papierquadrate, es gibt hauptsächlich Stehplätze, natürlich auch eine dicke, seelenruhige Katze und die meisten Leute machen sich nicht die Mühe, ihre Jacken auszuziehen, weil sie gleich weiter müssen. Die Warteschlange kann abschrecken, sollte sie aber nicht, weil man schneller bestellen kann als man beim ersten Anblick befürchtet. 18 Rubel pro Pischki und dazu kostenlos eine kleine Zeitreise – es lohnt sich.

Adresse: Bolshaya Konyushennaya ulitsa 25, Sankt-Peterburg, 191186

 

Alles in allem kann mal also sagen: Pischki – eine runde Sache.

PS: Macht euch allerdings darauf gefasst, dass ihr danach selbst wie ein Pischki riecht. Das ist es allerdings wert.

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