Proteste/Weihnachtsstimmung

„Hast du schon was von den Protesten mitbekommen?“ – von welchen denn genau? war mein erster Gedanke, als ich das am Montagabend von Saskia gefragt wurde, schließlich gibt es in Südamerika ja gerade genug davon. In Ecuador hat sich die Lage zwar wieder beruhigt, aber in Chile, Bolivien und auch Kolumbien geht es hoch her. Bisher war ich nur begrenzt davon betroffen – statt zum Zwischenseminar nach Santiago ging es eben nach Cordoba in Argentinien, und dass eine der Freiwilligen in Bolivien nach ihrem Seminar nicht mehr einreisen konnte, habe ich auch erst heute erfahren.

In Peru war es bisher sehr ruhig. Bis zum Montagabend: Saskia hatte nämlich eher als ich mitbekommen, das im Zentrum Limas, genauer gesagt am Plaza San Martin, protestiert wurde, mit ersten kleinen Zusammenstößen mit der Polizei. Nichts ernstes. Noch nicht?
Auslöser war die Freilassung des ehemaligen Präsidenten Keiko Fujimoris, der wegen Korruption festgenommen wurde. Wer sich an meinen Blogeintrag zur politischen Lage in Peru erinnert, dem sind die politischen Anhänger Fujimoris, die Fujimoristas, schon ein Begriff, und zwar als die Mehrheit in peruanischen Kongress, die dem jetzigen Präsidenten nicht gerade wohlgesonnen sind. Er steht für den Kampf gegen die Korruption, und hat dabei viele Anhänger, was die Proteste gegen die Freilassung des korrupten Fujimoris zeigen.

Heute (Donnerstag) ist wieder alles ruhig, die Proteste waren also ziemlich kurzweilig, das Thema ist wieder unter den Tisch gefallen. Stattdessen ist Weihnachten in aller Munde: jeden Morgen, wenn ich in die Lobby komme, ist ein neues bisschen Weihnachtsdeko dazugekommen; auf eine Plastiktanne folgte eine Girlande über den Aufzügen, dann über dem Eingang, hinter dem Portier, über dem anderen Ausgang;  heute musste das Sofa einer Weihnachtsmann-Figur weichen. Viel Platz ist nicht mehr, vielleicht kommen nichtsdestotrotz noch ein paar Rentiere oder Kunstschnee dazu?

Auch im Supermarkt und auf der Straße dreht sich fast alles um Weihnachten – ich bin im Gegensatz dazu gar nicht in Weihnachtsstimmung, dazu fühlt sich alles viel zu sehr nach Sommer an. Trotzdem beneide ich euch um Lebkuchen, Glühwein und vor allem Weihnachtsmärkte!

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