Frühsommer auf dem Lande

 

Endlich bricht der Sommer an: Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und langsam stelle ich fest, dass das Schuljahr dem Ende zuschreitet.

Der Frühsommer schmeichelt Nová Baňa: Die Blumen blühen bunt im Garten und die Sonne taucht die hügelige Umgebung in ein besonderes Licht. Die sommerliche Atmosphäre auf dem Lande bewegt mich dazu, auch an den Wochenenden mehr Zeit vor Ort zu verbringen.

Einem Wochenendausflug Anfang Mai konnte ich jedoch nicht widerstehen – insbesondere, weil ich mich auf das ausgewählte Reiseziel schon seit langer Zeit freute.

Die Hohe Tatra

Im Norden der Slowakei liegt die Hohe Tatra, die das kleinste Hochgebirge der Welt bildet. Dass das Hochgebirge für die slowakische Bevölkerung eine wichtige Bedeutung innehält, erkennt man auch an der Nationalhymne. Die Zeilen „Nad Tatrou sa blýska, hromy divo bijú“ – auf Deutsch „Über der Tatra blitzt es, die Donner schlagen wild“ eröffnen die Hymne.

Die Hohe Tatra wird jedoch nicht nur in der Hymne angepriesen. Es geschieht auch in alltäglichen Unterhaltungen in der Schule und mein Slowakischlehrbuch würdigt das Hochgebirge ebenfalls als „Juwel der Slowakei“.

Meinen Reisewunsch teilte ich mit weiteren Freiwilligen in Tschechien und der Slowakei, so dass sich der Wochenendausflug als sehr gesellige Veranstaltung erwies. Gemeinsam mieteten wir eine Wohnung in Poprad, dessen deutscher Name „Deutschendorf“ mich sehr zum Schmunzeln brachte.

Poprad liegt am Fuß der Hohen Tatra und mit einer Bahn gelangt man zu Ausgangspunkten für Wanderungen. In der Tatra besichtigten wir den berühmtesten Bergsee der Slowakei „Štrbské Pleso“ und wanderten entlang von Wasserfällen.

Ein fester Bestandteil jedes Wochenendausflugs ist eine Reise mit der Slowakischen Bahngesellschaft. Slowakische Durchsagen und knappe Umsteigezeiten erzeugen Spannung. Die Rückreise aus Poprad gestaltete sich als besonders abenteuerlich: Auf Grund von Verspätungen wurden aus zwei geplanten Umstiegen vier. Die Planänderung erzeugte in mir zunächst Unmut, jedoch entschloss ich mich bald dazu, die Unannehmlichkeit mit Gelassenheit zu betrachten. Vielleicht kann auch die Fahrt mit langsamen slowakischen Bimmelbahnen als Erfahrung für sich gewertet werden.

Langsame Tage zuhause

Mittlerweile befindet sich mein Leben in Nová Baňa in einem unaufgeregten Schwebezustand: Die Kleinstadt Nová Baňa und die Menschen, die hier wohnen nehme ich als eigene kleine Welt wahr. Mir gefällt die Ruhe, die das Leben hier mit sich bringt. Ich werde herausgefordert viel Zeit allein zu verbringen, doch  glücklicherweise sorgen gemeinschaftliche Unternehmungen dafür, dass keine Langweile auftritt.

Besonders fröhlich stimmen mich kleine und große Ausflüge mit meinen Freundinnen Evka und Anežka. Nach der Schule treffen wir uns gelegentlich in der Konditorei oder machen einen Ausflug zum Tajch – einem Erholungsgebiet in Nová Baňa.

Zudem lud mich Evka an einem Sonntag in ihr Dorf ein, wo wir nicht nur im Garten zu Mittag aßen, sondern auch durch die hügelige Landschaft radelten. Obwohl mich Radfahren stets beglückt, stimmt es mich auch ein wenig nostalgisch, da mein Alltag in Köln so eng mit meinem Fahrrad verknüpft ist.

In der Slowakei erlebe ich stetig eine sehr große Gastfreundschaft. Bei Besuchen und in der Schule muss ich mehrmals versichern, dass ich satt bin. Zudem erhalte ich Kleinigkeiten wie Kuchen oder Eier der eigenen Hühner für Zuhause.

Seitdem die Maturita (Abitur) – Prüfungen vorüber sind, ist der Alltag in der Schule ruhiger geworden. Trotzdem vertrat ich in der vergangenen Woche einige Deutschstunden. Zu Beginn meines Freiwilligendienstes hatte mich die Verantwortung sehr eingeschüchtert, die mit eigenen Unterrichtsstunden einhergeht. Während der fünfundvierzig Minuten ist der Fokus auf dich gerichtet. Die Aufmerksamkeit erfordert große Konzentration, jedoch ist das Gefühl nach einer gelungenen Unterstunde sehr belohnend.

Besuch

Nachdem ich Ende April Košice besucht hatte, durfte ich am vergangenen Wochenende meinen Gegenbesuch in Nová Baňa empfangen. Mit Cora und Emmy fuhr ich nach Banská Bystrica. In Banská Bystrica befindet sich mein Lieblingscafé in der Slowakei, das ich gerne mit verschiedenen Bekanntschaften aufsuche.