Von Inflation und Indomie

Die Inflation hat was von einer Dampfwalze, wie sie hier über das Land rollt. Man kann zuschauen, wie die Preise über Nacht um umgerechnet 1, 2, 3 Euro steigen und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Mitangetrieben wird das natürlich vom Wert fall des Ghanaischen Cedi. Während ich beim Geld wechseln Mitte September noch 9,50 Cedi für einen Euro bekam, sind es Mitte November fast 15 Cedi. Das bedeutet für mich, dass, selbst wenn die Preise steigen, alles ungefähr seinen Eurowert behält, für Ghanaer:innen allerdings wird einfach alles deutlich unerschwinglicher. Besonders in Kaufsituationen bekomme ich deshalb auch in letzter Zeit häufiger Streitgespräche mit. Vor allem mit den Uberfahrern muss man lange Diskussionen führen, in denen sie dir erklären, dass sie bei den hohen Spritpreisen ständig Verluste machen, aber du trotzdem nicht ganz einsiehst das dreifache von dem zu zahlen, was die App dir anzeigt. In den Tro Tros wurde das Wortgefecht einmal so stark, dass ein zahlungsunwilliger Fahrgast auf der Mitte der Strecke wutentbrannt ausgestiegen ist und beim Pizzaessen neulich wurden die Preise auch erhöht. Ich bin wirklich am rätseln, wie sich das weiterentwickeln wird. Selbst wenn der Cedi wieder mehr Kaufkraft erlangt, werden die Preise doch sicher nicht sinken.

Temperaturtechnisch merkt man, dass es auf die Trockenzeit zugeht, denn es wird immer wärmer. Allerdings regnet es noch zu oft, was klar dem Klimawandel geschuldet ist. Ich werde immer dankbarer, wenn ich Ventilatoren in Innenräumen vorfinde und laufe immer seltener in langen Jeans draußen herum. Insgesamt komme ich aber seit meiner Ankunft sehr gut mit dem feuchtwarmen Klima zurecht.

Unser Social Media Project zum internationalen Tag der Biosphärenreservate, das ich in meinem letzten Eintrag noch vage angeteasert habe, hat sich mittlerweile sehr gut entwickelt. Wir haben Farbschemata entworfen, Posts erstellt, Artikel geschrieben, Instagram Storys entwickelt… Die ersten Beiträge sind auch schon auf dem Instagram Account Unescoghananatcom gepostet, allerdings zieht sich der Veröffentlichungsprozess doch länger als gedacht, weil wir noch auf das finale Go des Verantwortlichen warten, der sich gerade für ein paar Wochen in Indien aufhält.

Hier in meiner Einsatzstelle möchte ich es unbedingt versuchen mich weiter in den Konzeptionsprozess des Informationscenters für den Lake Bosomtwe einzubinden. Ich vermute nämlich, dass es dort einige spannende Aufgaben für mich gibt (Recherchieren, Designideen, Google Drive verwalten etc.). Sobald die Chefin des Büros in dem ich arbeite, wieder da ist, werde ich sie mal darauf ansprechen.

Was mich aktuell noch wirklich gefreut hat, war, dass ich erfahren habe, wer in der nächsten kulturweit Ausreise im März nach mir in meine Einsatzstelle kommt. Es macht Spaß, Fragen zu meinem Leben hier zu beantworten. Ich fühle mich nach meinen 2 ½  Monaten (nächste Woche ist Halbzeit) hier tatsächlich schon „ganz erfahren“. Ich habe schließlich mittlerweile schon einiges erlebt. Über Reisen, Essen, Einkaufen, öffentlichen Nahverkehr, die Arbeit, das Klima und die Sprache weiß ich so Einiges zu berichten. Was ich gerade lerne sehr wertzuschätzen ist, dass man hier an jeder Ecke Essen bekommt. Ich habe irgendwie gerade durchgehend Hunger und freue mich, wenn ich nur zwei Meter laufe und dann zwischen Bread and Egg, Reis, Nudeln, Bohnen, jeglichem Gebäck und ganz viel Obst entscheiden kann. Eines meiner Lieblingsgerichte ist Indomie. Dabei werden Instantnudeln mit Gemüse und Ei scharf angebraten und für nicht-Vegetarier noch mit Wurst, Corned Beef oder Fisch dekoriert. Gerade habe ich übrigens beim Schreiben einen Pfannkuchen vertilgt und heute Abend mache ich Reibekuchen.

Das Zwischenseminar, dass letzte Woche stattgefunden hat war ein voller Erfolg. Obwohl es kostenbedingt online stattgefunden hat, haben einige von uns Ghana Freiwilligen sich in einer traumhaften Lodge direkt am Meer getroffen. Zwischen den Zoomsitzungen wurde dann geschwommen, gesurft, gewandert, in der Hängematte gelegen, abends gefeiert und ganz ganz viel gegessen. Am Wochenende danach haben wir noch den Kakum Nationalpark besucht. Ein Stück relativ unberührten Waldes, durch dessen Baumwipfel man auf Hängebrücken laufen konnte. Eine Nacht haben wir sogar (leider bei einem fürchterlichen Regen) in einem Baumhaus übernachtet und im Morgengrauen eine Sonnenaufgangstour gemacht.

Besonders freue ich mich auf Weihnachten. Zwar war ich vermutlich noch nie so wenig in Weihnachtsstimmung, wie jetzt, aber die Aussicht auf Heilig Abend in einer kurzen Hose mit den anderen Freiwilligen und meiner Schwester (sie kommt mich für zwei Wochen besuchen <3) in Accra  zu verbringen und zwischen den Jahren zur Safari in Ghanas Norden zu fahren reizt doch sehr. Es sind ja auch nur noch 4 ½ Wochen 😊.

Im nächsten Blogeintrag wünsche ich Euch dann allen frohe Weihnachten auf Twi. Meine Sprachkenntnisse beginnen schon sich auszuweiten.

Bis bald
Sophie

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