Ansichten aus einem Tro Tro

Zugegeben, ich bin schon fasziniert von diesem Kleinbussystem. Im Tro Tro Fahren habe ich durch meinen täglichen Arbeitsweg schon sehr viel Erfahrung, aber heute hatte ich einige, fast schon philosophisch anmutende Gedanken, die ich Euch nicht vorenthalten will. Zunächst mal: Der Name Tro Tro kommt vom englischen Threepence (three penny), auf Twi „Tro“, da die Busse einen für wenig Geld transportieren sollten. Trotz Inflation halten sie auch heute noch ihr Versprechen, denn die teuerste Kurzstrecke, die ich bisher gefahren bin hat ca. 50 Cent gekostet. In jedem Tro Tro arbeiten zwei Personen (eigentlich sind es immer Männer). Der Fahrer, der den Kleinbus durch die dichtesten Staus kurvt und es erstaunlicherweise meistens schafft die schlecht gewarteten Dinger (manchmal knarzt und kracht die Gangschaltung schon gewaltig) auch steile Berge hochzuziehen und natürlich der Mate, der nicht nur für das Abkassieren zuständig ist, sondern auch Kindern beim Aussteigen hilft, einem auf Nachfrage durch das Fenster einen Snack oder Wasser von den um die Autos stehenden Verkäufer*innen kauft (natürlich muss man ihm dafür das Geld geben) oder Gepäck, das Leute mitnehmen wollen verstaut (Das können dann auch mal 25 Bananenstauden und drei Wannen voller Plantainchips sein, die eine Marktfrau von A nach B transportieren möchte und die auf magische Weise alle hineinpassen). Außerdem kommuniziert der Mate mit dem Fahrer. Wenn jemand aus dem Tro Tro aus-, oder von der Straße in das Tro Tro einsteigen will, klopft der am Fenster sitzende Mate laut auf das Dach und gibt damit das Zeichen: Anhalten, beziehungsweise Losfahren. Ist das Tro Tro noch nicht voll, lehnt er sich aus dem Fenster oder steigt an Ampeln aus und ruft laut in welche Richtung der Bus fährt und an welchen Haltestellen er hält, um Fahrgäste „anzulocken“. Dabei helfen dann manchmal sogar Passanten, die vom Mate dafür ein paar Cedi in die Hand gedrückt bekommen. Die Mates sind im Generellen sehr loyal und freundlich. Haben sie mal nicht das exakte Wechselgeld, runden sie es zu Gunsten des Fahrgastes auf, sie können dir sogar 100 Cedi wechseln, wenn du drei bezahlen musst und erst neulich habe ich gesehen, dass, als bei der Übergabe des Rückgeldes eine Münze runtergefallen ist, vom Mate einfach noch eine gegeben wurde. Obwohl das Tro Tro System auf den ersten Blick sehr ungeordnet und planlos wirken mag, gibt es ein ausgeklügeltes System, das sehr gut funktioniert. Es gibt kaum Wartezeiten, da einfach immer viele Kleinbusse unterwegs sind, durch das Abkassieren im Auto ist die Schwarzfahrendenrate gleich null und man braucht, wegen der allgemein festgeschriebenen Preisliste (die man auch auf Wunsch einsehen kann), keine Angst zu haben abgezogen zu werden. An größeren Tro Tro Stationen gibt es sogar oft kleine Stände and denen Mates größere Scheine zu Kleingeld wechseln können.

Aber genug zum Organisatorischen. Für mich stellen Tro Tros Orte der Begegnung dar. Auf kleinstem Raum kommen schlecht angezogene und Leute in schicken Businesskostümen, Kinder und Alte, Frauen und Männer, Weiße und Schwarze friedlich zusammen um alle einen Zweck zu verfolgen: Vorwärtskommen. Frauen stillen ihre Kinder, ältere Kinder stapeln sich übereinander, denn nur für jeden besetzten Platz muss man zahlen, Leute Essen, Leute Reden, meistens läuft auch das Radio nebenbei. Ich sitze besonders gerne am Fenster, versuche in den engen Sitzreihen Platz für meine Knie zu finden und meine umherfliegenden Haare zu bändigen (irgendwie gibt es durch die vielen Fenster immer Luftverbwirbellungen) und schaue hinaus, denn auf den Straßen gibt es immer viel zu sehen. Die bunten Häuserfassaden, unbenutzte und überwachsene Eisenbahnschienen, Läden und Essensstände, Flüsse in denen Plastik schwimmt, und natürlich: Menschen.

Apropos Menschen: Lasst uns mal über Fashion reden. Ich hoffe niemand in meiner Leserschaft geht davon aus, dass Ghanaer*innen ausschließlich African Prints, also diese bunt gemusterten Stoffe um sich gewickelt haben. Natürlich tragen die Menschen hier auch (nicht zuletzt als Erbe des Kolonialismus) „westliche Kleidung“. Es gibt, vor Allem im kommerziellen Zentrum Adum sehr viele Klamottenstände, die viel second-hand Kleidung verkaufen, aber auch Neuwertiges. Neulich habe ich zum Beispiel eine lange Jeans von Topshop, die definitiv noch niemand getragen hatte (das merkt man doch) für umgerechnet ca. 2,70€ gekauft und bin sehr zufrieden damit.

Im Straßenbild sieht man aber auch African Prints (sie werden hier hergestellt und zu Massen verkauft, natürlich werden sie auch getragen). Entweder werden sie zu schönen Oberteilen, Kleidern und Röcken genäht um dann zum Beispiel Sonntags in der Kirche getragen zu werden, sie werden einfach als Alltagskleidung getragen, sie werden von Marktfrauen als Schürze getragen, in der in zwei Taschen das Wechselgeld aufbewahrt wird, oft sieht man sie auch zu einer Art Kissen aufgerollt, dass das auf dem Kopf Tragen von schweren Gegenständen angenehmer macht oder sie werden als Babytragetuch verwendet (Kinderwagen sind in den vollen Straßen absolut unpraktisch. Ich habe noch keinen einzigen gesehen).

Viele Weiße Freiwillige kaufen sich hier während Ihres Aufenthalts Unmengen an Stoff und lassen sich dann daraus alle erdenklichen Kleidungsstücke schneidern. Dafür, muss ich aber sagen, hab ich noch nicht viele Weiße in African Print herumlaufen sehen. Braids, also diese Zopffrisuren mit ganz vielen kleinen Zöpfen, die oft auch durch Extensions verlängert werden bemerke ich dafür häufiger an Weißen. Mir persönlich wäre aber das Tragen von zu viel Prints und/oder Beides auch etwas unangenehm. Hier in Ghana stört es zwar niemanden, aber in Deutschland liegt der Vorwurf der kulturellen Aneignung schon sehr nahe, und das verstehe ich auch. Falls jemand nicht weiß, was ich meine: Bitte informieren. Ich kann das leider nicht ausreichend erklären, dafür fehlt mir Einiges an Hintergrundwissen und ich möchte hier nichts Unzureichendes schreiben. Je mehr Menschen aber darüber Bescheid wissen, desto besser.

Da mein letzter Blogeintrag noch nicht lange zurückliegt, gibt es aus meinem Leben nicht allzu viel Neues zu erzählen. Ich habe mit anderen Freiwilligen Pfannenplätzchen gebacken, oder viel mehr improvisiert (Kein Ofen und Öl statt Butter) und war endlich mal in dem Rattray Park, von dem ich im dritten Blogeintrag geschrieben habe (war ganz nett, aber nicht umwerfend). Neu ist noch, dass ich langsam anfange mich hier angekommen zu fühlen. Ja, nach 2 ½ Monaten erst, aber immerhin. Manche ganzjährige Freiwillige sagen, sie hätten erst nach einem halben Jahr in Ghana wirklich wohlgefühlt.

Weil es vor Weihnachten vielleicht keinen Eintrag mehr geben wird, wie versprochen: Afenhyiapa – Fröhliche Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

Und ich möchte jetzt bitte alle die richtige Antwort darauf murmeln hören: Afe nkɔ me to yɛn.

Bis bald
Sophie

Von Inflation und Indomie

Die Inflation hat was von einer Dampfwalze, wie sie hier über das Land rollt. Man kann zuschauen, wie die Preise über Nacht um umgerechnet 1, 2, 3 Euro steigen und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Mitangetrieben wird das natürlich vom Wert fall des Ghanaischen Cedi. Während ich beim Geld wechseln Mitte September noch 9,50 Cedi für einen Euro bekam, sind es Mitte November fast 15 Cedi. Das bedeutet für mich, dass, selbst wenn die Preise steigen, alles ungefähr seinen Eurowert behält, für Ghanaer:innen allerdings wird einfach alles deutlich unerschwinglicher. Besonders in Kaufsituationen bekomme ich deshalb auch in letzter Zeit häufiger Streitgespräche mit. Vor allem mit den Uberfahrern muss man lange Diskussionen führen, in denen sie dir erklären, dass sie bei den hohen Spritpreisen ständig Verluste machen, aber du trotzdem nicht ganz einsiehst das dreifache von dem zu zahlen, was die App dir anzeigt. In den Tro Tros wurde das Wortgefecht einmal so stark, dass ein zahlungsunwilliger Fahrgast auf der Mitte der Strecke wutentbrannt ausgestiegen ist und beim Pizzaessen neulich wurden die Preise auch erhöht. Ich bin wirklich am rätseln, wie sich das weiterentwickeln wird. Selbst wenn der Cedi wieder mehr Kaufkraft erlangt, werden die Preise doch sicher nicht sinken.

Temperaturtechnisch merkt man, dass es auf die Trockenzeit zugeht, denn es wird immer wärmer. Allerdings regnet es noch zu oft, was klar dem Klimawandel geschuldet ist. Ich werde immer dankbarer, wenn ich Ventilatoren in Innenräumen vorfinde und laufe immer seltener in langen Jeans draußen herum. Insgesamt komme ich aber seit meiner Ankunft sehr gut mit dem feuchtwarmen Klima zurecht.

Unser Social Media Project zum internationalen Tag der Biosphärenreservate, das ich in meinem letzten Eintrag noch vage angeteasert habe, hat sich mittlerweile sehr gut entwickelt. Wir haben Farbschemata entworfen, Posts erstellt, Artikel geschrieben, Instagram Storys entwickelt… Die ersten Beiträge sind auch schon auf dem Instagram Account Unescoghananatcom gepostet, allerdings zieht sich der Veröffentlichungsprozess doch länger als gedacht, weil wir noch auf das finale Go des Verantwortlichen warten, der sich gerade für ein paar Wochen in Indien aufhält.

Hier in meiner Einsatzstelle möchte ich es unbedingt versuchen mich weiter in den Konzeptionsprozess des Informationscenters für den Lake Bosomtwe einzubinden. Ich vermute nämlich, dass es dort einige spannende Aufgaben für mich gibt (Recherchieren, Designideen, Google Drive verwalten etc.). Sobald die Chefin des Büros in dem ich arbeite, wieder da ist, werde ich sie mal darauf ansprechen.

Was mich aktuell noch wirklich gefreut hat, war, dass ich erfahren habe, wer in der nächsten kulturweit Ausreise im März nach mir in meine Einsatzstelle kommt. Es macht Spaß, Fragen zu meinem Leben hier zu beantworten. Ich fühle mich nach meinen 2 ½  Monaten (nächste Woche ist Halbzeit) hier tatsächlich schon „ganz erfahren“. Ich habe schließlich mittlerweile schon einiges erlebt. Über Reisen, Essen, Einkaufen, öffentlichen Nahverkehr, die Arbeit, das Klima und die Sprache weiß ich so Einiges zu berichten. Was ich gerade lerne sehr wertzuschätzen ist, dass man hier an jeder Ecke Essen bekommt. Ich habe irgendwie gerade durchgehend Hunger und freue mich, wenn ich nur zwei Meter laufe und dann zwischen Bread and Egg, Reis, Nudeln, Bohnen, jeglichem Gebäck und ganz viel Obst entscheiden kann. Eines meiner Lieblingsgerichte ist Indomie. Dabei werden Instantnudeln mit Gemüse und Ei scharf angebraten und für nicht-Vegetarier noch mit Wurst, Corned Beef oder Fisch dekoriert. Gerade habe ich übrigens beim Schreiben einen Pfannkuchen vertilgt und heute Abend mache ich Reibekuchen.

Das Zwischenseminar, dass letzte Woche stattgefunden hat war ein voller Erfolg. Obwohl es kostenbedingt online stattgefunden hat, haben einige von uns Ghana Freiwilligen sich in einer traumhaften Lodge direkt am Meer getroffen. Zwischen den Zoomsitzungen wurde dann geschwommen, gesurft, gewandert, in der Hängematte gelegen, abends gefeiert und ganz ganz viel gegessen. Am Wochenende danach haben wir noch den Kakum Nationalpark besucht. Ein Stück relativ unberührten Waldes, durch dessen Baumwipfel man auf Hängebrücken laufen konnte. Eine Nacht haben wir sogar (leider bei einem fürchterlichen Regen) in einem Baumhaus übernachtet und im Morgengrauen eine Sonnenaufgangstour gemacht.

Besonders freue ich mich auf Weihnachten. Zwar war ich vermutlich noch nie so wenig in Weihnachtsstimmung, wie jetzt, aber die Aussicht auf Heilig Abend in einer kurzen Hose mit den anderen Freiwilligen und meiner Schwester (sie kommt mich für zwei Wochen besuchen <3) in Accra  zu verbringen und zwischen den Jahren zur Safari in Ghanas Norden zu fahren reizt doch sehr. Es sind ja auch nur noch 4 ½ Wochen 😊.

Im nächsten Blogeintrag wünsche ich Euch dann allen frohe Weihnachten auf Twi. Meine Sprachkenntnisse beginnen schon sich auszuweiten.

Bis bald
Sophie

Wie schnell die Zeit vergeht, kann man ganz gut selbst beeinflussen

Ich wünschte ich würde endlich aufhören die Wochen zu zählen. Immer wieder erwische ich mich selbst dabei auf den Kalender zuschauen und auszurechnen, wann die Hälfte des Freiwilligendienstes vorbei ist, wie viele Tage noch vergehen, bis ich zwei Monate hier bin und wie viele Wochenenden es noch sind, bis endlich das Zwischenseminar anfängt, auf das ich mich wirklich freue. Vielleicht vermisse ich den Matheunterricht in der Schule, vielleicht versuche ich auch diese beängstigend lang wirkenden fünf Monate in kleinere überschaubarere Abschnitte zu zerteilen. Ich möchte nämlich sicherlich nicht die Zeit totschlagen und/oder darauf warten, bis dieses halbe Jahr vorbei ist. Es gibt viel zu viel zu Erleben und zu Unternehmen. Diese Möglichkeit einen finanziell unterstützten Auslandsaufenthalt zu erleben, ohne an eine Schule oder Universität gebunden zu sein und nicht nur Urlaub zu machen, sondern wirklich hier zu wohnen ist schließlich einmalig und unbezahlbar. Ich brauche ganz dringend eine entspanntere „laisser-faire“ Einstellung und mehr Aufgaben im Büro, denn immer, wenn mir dort langweilig wird erobern die negativen Gedanken meinen Kopf. Gerade steht leider auch nicht viel Fieldwork an, was die wenige Abwechslung stark intensiviert. Die Zeit vergeht gleichmäßig schnell, aber wie langsam sich das anfühlt, das kann man ganz gut selbst beeinflussen und das möchte ich zu meinem Vorteil nutzen.

Es ist nämlich, abgesehen von der Büroarbeit manchmal, nicht so, dass es mir langweilig werden würde. Wenn ich nicht mit meinen mittlerweile schon relativ zahlreichen neugefundenen Freundinnen unterwegs bin oder mich bei Studierendenpartys durch das Buffet durchprobiere, räume ich auf, putze, wasche, koche, schreibe Berichte und Blogeinträge oder versuche mein Zimmer noch weiter zu personalisieren. Ich bin übrigens doch nicht in ein anderes Zimmer umgezogen, obwohl ich es in meinem ersten Bericht angekündigt hatte. Es ist es mir doch Wert für den eigenen Kühlschrank, die Klimaanlage und die paar Quadratmeter mehr einen höheren Mietpreis zu zahlen.

Dieses Wochenende fahre ich übrigens in die Hauptstadt um Sara, die als kulturweit Freiwillige in der UNESCO Nationalkomission arbeitet, zu besuchen. Obwohl es das Wochenende vor Halloween ist, werden wir es wahrscheinlich ruhig angehen lassen, gut essen und uns nicht in den „Gruseltrubel“ (Bitte als Neologismus einführen) werfen.

Auf dem Universitätscampus geht es seit ein paar Wochen sehr sportlich zu. Das campuseigene Stadion wird immer von Fußballteams bespielt und von Leichtathlet*innen berannt. Auch die Basketball- und Volleyballfelder sieht man selten leer. Das liegt daran, das die universitätsübergreifenden GUSA Games dieses Jahr auf dem KNUST Unigelände ausgetragen werden. Diese zwei Wochen andauernden Sportspiele sind wirklich auf einem sehr professionellen Niveau und ich bin schon gespannt, ob ich ein paar Wettkämpfe mitverfolgen kann. Besonders aufregend stelle ich mir die Eröffnung am 04.11. vor, denn man hört sogar Blaskapellenproben immer mal wieder aus verschiedenen Gebäuden schallen.

Was mich sehr bereichert, ist, dass ich den großen Markt, der sich direkt am Eingang des Campus befindet, entdeckt habe. Ich hatte zuvor immer nur die vereinzelten Obststände gesehen, mich aber nie weiter hineingewagt. Ein bisschen ist es, wie das Zelt der Weasleys im vierten Harry Potter Band. Von außen sieht es klein aus, aber geht man in die Marktgassen hinein, wird alles viel größer und ausladender, als man dachte. Ich habe auf diesem Markt schon allerhand Obst und Gemüse gekauft, aber auch Rosmarin, Mehl, Milch, Eier und Zucker und eine Pfanne, mit der erstmal Pfannkuchen gebacken wurden. Meine Kochambitionen für die nächsten Tage sind genauso groß und ich hoffe, dass mir in Zukunft nicht mehr mitten im Kochen auf dem Elektroherd der Strom ausfällt.

Gerade ist außerdem die Idee aufgekommen, dass wir, ein paar der kulturweit Freiwilligen in Ghana, Posts und Stories für den Instagram Account der ghanaischen UNESCO Nationalkommission entwerfen und damit unsere jeweiligen Biosphärenreservate vorstellen. Das bedeutet Bildmaterial und Fakten sammeln und ästhetisch zusammenführen. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Noch eine Information zum neuen Titel des Blogs: Queen Elisabeth II. hat 1961 einen Staatsbesuch in der ehemals britischen Kolonie Ghana abgehalten, die kurz zuvor, 1957, die Unabhängigkeit erlangte. Dass sie auch Kumasi besucht hat, merkt man tatsächlich, nachdem Einiges (zum Beispiel ein Studentenwohnheim auf dem Campus) nach ihr benannt wurde. Elisabeth II. bezeichnete Kumasi damals als „the garden city“, da ihr dort besonders die vielfältige und ausgedehnte Vegetation imponiert hatte. In den Folgejahren musste diese aber, wie in so vielen Großstädten, immer weiter großen Gebäuden und Straßennetzen weichen. Es gibt zwar noch grüne Areale, sie werden aber witerhin dezimiert. Um dem Titel der „garden city“ wieder gerecht zu werden, wurde allerdings 2015 der Rattray Vergnügungspark, eine große Grünanlage mit mehreren Spielplätzen, eröffnet. Der Eintritt kostet einen vertretbaren Euro. Ich war bisher noch nicht dort, die Besichtigung steht allerdings auf meiner To-Do Liste.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag 😊

 

Aus einer Woche ist ein Monat geworden

Ich gebe zu, es war nicht geplant, dass der erste Eintrag meines Blogs zur gleichen Zeit, wie der zweite erscheint, aber nun ist es wohl so. Obwohl ich guten Gewissens nicht behaupten kann, ich hätte überhaupt keine Zeit gehabt weiter von meiner Zeit hier zu berichten, ist mir doch immer wieder etwas, und war es auch die Langeweile, dazwischengekommen. Es ist aber in den letzten dreieinhalb Wochen schon einiges passiert.

Ich musste aber erst gerade einen englischen, einseitigen Bericht über meine Arbeit und Erfahrungen bisher bei der UNESCO Nationalkommission Ghana einreichen und dasselbe nochmal hier auf Deutsch statt englisch darzulegen erscheint mir sehr …Worthänger… „unattraktiv“.

Damit meine Erläuterungen also für mich spannender und für die Lesenden vielleicht greifbarer werden werde ich hier möglichst chronologisch auflisten, was ich in den letzten Wochen alles das erste Mal gemacht habe und kleine Erklärungen dazu geben:

Ich habe/bin das erste Mal:

Mit einem gut gefederten Jeep über so hügelige Straßen gefahren, dass man aufpassen muss mit dem Kopf nicht gegen die Decke zu stoßen (Hatte aber was von Achterbahn)

Instantnudeln in einer Metallflasche zubereitet

  • Wurde leider un(an)fassbar heiß und ich hatte weder Löffel noch Gabel, sodass ich die Nudeln aus der Flasche in meinen Mund kippen musste

Twi gesprochen

  • nachdem ich mit „Ete sein“ (Wie geht es dir) angesprochen wurde, wusste ich, was „Mir geht es gut“ heißt.

Allein Tro Tro (Kleinbus, der Öffis ähnelt) gefahren

  • Das Tro Tro Netz hier ist sehr zuverlässig und geordnet, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Wenn man aber weiß, wo man hinmuss um Tro Tros in eine bestimmte Richtung zu erwischen und weiß, wo man wieder raus will, dass kommt man ziemlich gut und günstig (ca. 20-35 ct. Pro Fahrt) Von A nach B. Es gibt aber auch Tro Tros, die längere Strecken und sogar bis ins Ausland fahren. Da zahlt man höhere, aber im Vergleich immer noch sehr annehmbare Preise.

An dem See gewesen, um den sich meine Arbeit dreht (Das Biosphärenreservat hat eine unfassbar schöne Vegetation)

  • Einerseits war ich dort für Wasserproben und Umfragen in den Communities um den See, denn der Managementplan für das Biosphärenreservat wir neu entworfen und dazu werden Daten benötigt, andererseits für das so genannte Coevahcop Camp. Eine Art Sommercamp, bei dem Studierende Communityarbeit am See betreiben. Das sind zum Beispiel gemeinsam gefeierte Gottesdienste, Umweltbildung in Schulen, Klamotten und Schuhe verteilen, oder auch das Medical Health Screening, bei dem alle, die wollten untersucht wurden und dann kostenlos Medikamente bekamen. Während diesem wunderbaren fünftägigen Aufenthalt sind die folgenden sechs Punkte passiert.

In selbigen See voll bekleidet geschwommen (Die Badesachen waren einfach zu weit weg)

Frisch gepflückte Papaya und Kokosnuss geschnitten und gegessen

Yam (eine Wurzelknolle, ähnlich der Kartoffel) geschält

  • Das Beste, was man mit diesem Yam meiner Meinung nach machen kann, ist frittieren. Das schmeckt dann genau, wie dicke Stakehouse Pommes. Richtig gut!

Einen Riesenbottich Bohnen sortiert in gut und schlecht (Hab mich gefühlt, wie Aschenputtel)

Für die Küche Wasser aus einem Brunnen geholt

Ich wurde das erste Mal auf eine ghanaische Hochzeit eingeladen, die praktischerweise einen Tag vor meiner Abreise stattfindet.

Bei einem open Air Gottesdienst gewesen und zur ohrenbetäubend lauten Musik getanzt

Auf andere Deutsche getroffen

  • Mitarbeitende vom Biosphärenreservat Schaalsee waren da um als Partnerorganisation mit dem Lake Bosomtwe einen am See gelegenen Informationscenter einzurichten, der Touristen, aber auch Schulklassen anziehen soll

Bäume gepflanzt

13 Stunden allein unterwegs gewesen

  • Ich habe andere Freiwillige in Ada Foah, einem schönen, kleinen Ort an dem Ort, an dem der große Voltafluss ins Meer mündet. Die Fahrt war allerdings wirklich auslaugend

Echte Krokodile gesehen

  • Leider unter ziemlich schlechten Haltungsbedingungen. Das „Crocodile Island“ beherbergt drei Krokodile im Betonbecken, ein paar halb ertrunkene Schildkröten, zwei depressive Affen und drei Pythonschlangen in Käfigen. Abgesehen von der halbstündigen Bootsfahrt dorthin keine Empfehlung wert

Bread with Egg genossen (eigentlich bin ich kein Fan von Rührei, aber das hat richtig gut geschmeckt)

Auf dem großen Kejetja Markt gewesen

  • Einer dreistöckigen, riesigen Markthalle, in der man alles finden könnte, aber irgendwie nichts findet. Nicht mal den Ausgang

Selbst hier gekocht!

  • Endlich habe ich nach einigem Hin und Her meinen eigenen Herd bekommen und schon einiges ausprobiert.

Einen Wasserausfall erlebt (es kam einfach nichts mehr aus den Hähnen)

Workouts bei 80 Prozentiger Luftfeuchtigkeit gemacht und danach geschwitzt, wie blöd

 

Es kommt immer mehr dazu, je länger ich nachdenke. Diese Auflistung hilft mir selbst auch. Manchmal habe ich das Gefühl nicht genug zu erleben. Ich denke mir dann, dass ich schließlich auch in München vor meinem Laptop sitzen und mich langweilen kann. Ich muss mir aber wohl häufiger klarmachen, dass ich bei nur einem Schritt vor die Tür hier mehr erlebe, sehe und lerne, als in einer Woche München.

Es wird leichter, habe ich jetzt auch schon vielen Leuten gesagt, die mich gefragt haben, wie es mir denn geht. Es wird jeden Tag leichter, denn ich lerne neue Leute kennen, mit denen ich mich verabreden kann, um am Wochenende etwas zu tun zu haben, ich weiß schon mehr über Sehenswürdigkeiten und schöne Ausflugsziele, ich weiß, dass die anderen Freiwilligen gar nicht unendlich weit weg sind, sondern nur eine Busfahrt und 8€. Mein Kalender besteht nichtmehr nur aus leeren Tagen, die vergehen müssen, sondern füllt sich mit Verabredungen und Events, auf die ich mich freue. Ich weiß, wo ich etwas zu essen bekomme, was mir schmeckt und was nicht.

Und trotzdem. Ich fühle mich auch manchmal fehl am Platz, weiß nicht wohin und stehe vor Problemen, für die ich keine Lösung finde. Ich kann nicht immer einschätzen, ob mich jemand abzieht, oder ob ich den normalen (hohen) Preis zahle. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, wenn mich jemand auf etwas einlädt, oder mir etwas schenken will. Ich bleibe aber zuversichtlich gestimmt und wage mich einfach immer weiter über meinen Tellerrand hinaus.

Hier noch eine kleine Hommage an mein P-Seminar Poetry Slam aus der Schule, das ich sehr vermisse:

Ich denke nach, ich denke vor, ich denke weiter

Ich stehe und habe die Augen geschlossen. Ich höre Vogelgezwitscher, Bässe dröhnen, Stimmen schreien und Grillen zirpen. Ich rieche gebratenes Ei, Orange, und Autoabgase, ich schmecke das Schokoladen- und das Ananasstück, das ich vorher gegessen habe, ich fühle warmen Wind, das Jucken meiner Mückenstiche und meine Fußsohlen, an denen ich vom vielen Laufen schon ein paar Blasen habe. Ich denke wirr. Meine Gedanken kreisen. Das Schubladensystem in meinem Kopf musste sich in vier Wochen auf das doppelte vergrößern und ich merke, dass zwischendurch IKEA geschlossen hatte, sodass vieles nun ungeordnet auf einem Haufen liegt.

 

 

Cape Coast

Die ersten Tage

Fair berichten – Das ist mittlerweile schon ein geflügelter Ausdruck geworden. Wenn man, wie ich gerade, ein Land besucht, das dem globalen Süden zugeordnet wird, sollte man bei Erzählungen darauf achten nichts zu pauschalisieren und das Land möglichst realitätsnah und nicht verunglimpfend darzustellen. Aber wie macht man das? Wie beschreibt man seine Unterkunft in Ghana ohne, dass die Zuhörenden sofort ein „falsches“ Bild von ganz Afrika im Kopf haben? Wie macht man Fotos, ohne dass sie nicht pauschalisierend wirken?

Ein Beispiel um dieses abstrakte Konstrukt etwas handfester zu machen:

Ich verbringe einen Tag auf dem innerstädtischen Markt Kumasis, schicke ein Bild von einer Marktfrau in einer einfachen Marktbude, die Stoffe verkauft und von einem Obststand daneben in die familiäre Whatsappgruppe. Darunter schreibe ich, dass hier solche Märkte oft zu finden sind und dass zwischen Stoffen und Tieren, die lebendig verkauft werden auch auf dem Boden auf einem kleinen Lagerfeuer gekocht wird.

Selbst obwohl ich nicht geschrieben habe wie „einfältig“ oder „schlecht entwickelt“ (entsetztes Einatmen bei Verwendung dieser Begriffe) das hier alles ist, hat die Familie dann nur eine Vorstellung von dem was an einem Ort zu einem Zeitpunkt passiert, sieht vielleicht aber dann vor ihrem geistigen Auge Kumasis komplette Innenstadt so wie auf einem Foto abgelichtet.

Das Problem ist, dass neben dem heruntergekommenen Taxi ein Jeep steht und neben dem Markt ein chinesisches Restaurant. Das Problem ist, dass die Frau hinter dem Stoffstand nicht 100 mal am Tag fotografiert werden möchte und die Äpfel in dem Obstkorb die der Züchtung „Pink Lady“ sind und aus Südamerika importiert werden. Das Problem ist, dass hinter allem, was man sieht mehr steckt, als das von dem man berichtet, aber das können die Reisenden und schon gar nicht, die die erzählt bekommen erfassen.

Das ist mir hier klar geworden. Nachdem ich vor Abreise ständig getönt habe ich wolle einen Blog schreiben und diesen sogar als meinen literarischen Durchbruch bezeichnet habe, habe ich schon kurz nach meiner Ankunft dieses Vorhaben schnell überdacht. Denn schon der erste Tag hier hat mir mehr zum Nachdenken gegeben, als jede philosophische Frage in der Schule bisher.

Warum gibt es jetzt doch diesen Blog? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich es versuchen möchte, das fair berichten. Ich habe im Moment nämlich noch die wahrscheinlich utopische Annahme für die Beschreibungen meiner Erlebnisse die richtigen Worte zu finden. Da mich sowieso jede Person meines Bekanntenkreises, die ich nach meiner Rückkehr treffe fragen wird, wie es denn war, möchte ich auf dieser Plattform mit mehr Zeit über Formulierungen nachzudenken erzählen. Teil davon soll auch diese Einleitung sein. Mit diesen Worten: welcome to my blog!

Zu mir: Mein Name ist Sophie, ich habe gerade Abitur gemacht und bin kurz vor Start meines Freiwilligendienstes 18 Jahre alt geworden. Ich verbringe von September 2022 bis Februar 2023 in der ghanaischen Stadt Kumasi und werde hier bei der Water Recources Commission arbeiten, die unter dem Dach der UNESCO Nationalkommission steht, welche wiederum eine Partnerorganisation des Freiwilligendienstanbieters Kulturweit ist, mit dem ich unterwegs bin.

Trotz des zehntägigen Vorbereitungsseminars am Werbellinsee in Berlin kam ich meiner Meinung nach recht unvorbereitet am Flughafen der am Meer gelegenen Hauptstadt Accra in Ghana an. Ich war heilfroh, dass ich den ganzen Stress des Fluges mit Umsteigen nicht allein durchstehen musste, sondern dort, wie auch die ersten fünf Tage in Accra, fünf andere deutsche Freiwillige um mich herumhatte. Wir waren in einem sehr zentral gelegenen Hostel untergebracht, von dem aus wir bis zu einer großen Einkaufsstraße, der Oxfordstreet, laufen konnten und dabei noch an mehreren Verpflegungsmöglichkeiten und einer Geldwechselstelle vorbeikamen.

Besonders war, dass genau zu der Zeit zu der wir ankamen eine sehr aufwändig geplante, dreitägige, Zusammenkunft der UNESCO-Kommissionen afrikanischer Länder in Accra veranstaltet wurde, bei der nicht nur mehrere sehr intelligente Professoren, sondern auch der ghanaische Bildungsminister anwesend war und der Präsident Ghanas die Teilnehmenden mit einer Videobotschaft begrüßte. Wir verschwitzte und übernächtigte Freiwillige waren mittendrin und kamen uns mit unseren Alltagsklamotten schrecklich underdressed vor. Teil dieser Konferenz waren außerdem eine „Accra by night“ Bustour, mehrere Abendessen (eines sogar vom Bildungsminister himself ausgelegt) und eine Bustour nach Cape Coast, wo alle durch die dortigen Burgen geführt wurden, die während der Kolonialisierung als Sklavenumschlagplatz genutzt wurden. In diesen Mordanstalten sind im Erdgeschoss Schwarze in Kerkern verhungert und haben darauf gewartet mit dem nächsten Schiff ans an das andere Ende der Welt verschickt zu werden, während Weiße ein Stockwerk höher fröhlich diniert haben. Das war ein sehr prägendes Erlebnis, für das ich aber trotzdem dankbar bin. Es ist immer wichtig Geschichte aufzuarbeiten. Jeder Genozid, den es je gab und heute gibt, ist etwas unbeschreiblich Grausames, das in Zukunft nicht vorkommen darf.

Während des großen UNESCO Events haben wir ein paar junge ghanaische Frauen kennengelernt, die eine Art Praktikum bei der Nationalkommission machen und während der Versammlung hinter dem Helpdesk und als Helferinnen für Alles zur Verfügung standen. Wir haben uns viel mit ihnen unterhalten und schon erste Vokabeln der hier neben der Amtssprache Englisch oft gesprochenen Sprache Twi (ausgesprochen Tschi) gelernt.

Was ich hier aber auch erwähnen muss: So wichtig Austausch und Kommunikation auch ist, haben wir sechs Freiwilligen das Setting der Zusammenkunft als nicht wirklich passend empfunden. Die meisten Teilnehmenden und Delegierten wohnten im selben Hotel, in dem auch alle Konferenzen stattfanden. Dem Tang Palace Hotel. Das ist eine riesige Anlage mit Pool, drei WLAN Zugängen und Sicherheitskontrolle vor der Tür. Es gab alle 2 Stunden Snack Time und zu Mittag gegessen wurde in dem Hoteleigenen Restaurant. Das führte dazu, dass viele der Teilnehmenden (darunter waren auch ein paar deutsche, ein Kanadier und ein Franzose) , von Ghana beziehungsweise ganz Afrika kaum etwas anderes sahen, als Luxus pur. Wie davon fair berichtet werden kann stelle ich mir unmöglich vor. Vor Allem am ersten Abend, an dem nur ein paar Delegierte und wir Freiwilligen bei der „Accra by night“ tour auch die ärmeren Viertel sahen, die sich direkt neben den Luxusgebäuden befinden kam uns Freiwilligen unsere Anwesenheit bei diesem Zusammentreffen der reichsten Schicht in einem Land, dass sich auf der Schwelle zum Entwicklungsland befindet und in dem es sehr vielen an Geld mangelt, einfach falsch vor.

Nach dieser Konferenz, einem Tag, dem wir frei gestalten durften (Taxi fahren, Simkarten kaufen, Supermarkt, Essen) und einer kurzen Fragerunde zur Klärung von Unklarheiten am letzten Tag in Accra, ging es dann für mich allein weiter. Obwohl ich eigentlich zu zweit mit einer anderen Freiwilligen in Kumasi hätte arbeiten sollen, sie und die Nachrückkandidatin waren leider vor Antritt des Dienstes abgesprungen, wurde ich am 16.09. allein in den Reisebus gesetzt, der mit einiger Verspätung nach fünf Stunden Fahrt in Kumasi ankam. Untermalt war die Busfahrt von einer ziemlich albernen ghanaischen Serie, die im Bus über zwei kleine Monitore lief. Sie war allerdings komplett auf Twi war, was dazu führte, dass ich kein Wort verstand. Zwar gab es freundlicherweise englische Untertitel, aber die waren so klein, dass ich keine Chance hatte sie zu lesen.

Hier in Kumasi bin ich auf dem 18 Quadratkilometer großen Universitätsgelände der KNUST, also der Kwame Nkrumah University of Science and Technology untergebracht. Es ist eine sehr schöne, sehr grüne Anlage, auf der neben Fakultätsgebäuden auch verschiedene Studierendenwohnheime und Hostels stehen. Ich befinde mich im Moment noch in einem Guest Room eines Hostels, werde aber vermutlich in den nächsten zwei Wochen ein Studierendenzimmer im selben Haus umziehen, in dem ich hoffentlich sogar eine kleine eigene Kochzeile habe.

Apropos: Ich finde das Essen hier sehr gut. An traditionellem habe ich bisher folgendes gesehen, beziehungsweise probiert: Mehrere verschiedene Arten von Reisgerichten (Mit Bohnen, ohne Bohnen, gelb, rot, etc.) die meist scharf gewürzt und oft mit Fisch oder Fleisch gegessen werden, Fufu, einer Art Stärkeknödel, zu dem Fleisch-, oder Fischsuppe gereicht wird, Plantain, zu Deutsch Kochbanane, die oft gegrillt oder gebraten wird und salzigen scharfen Gerichten etwas Süße verleiht, gedünstetes Gemüse und Palmwine, der wohl irgendwie (ich habe das Konzept nicht ganz verstanden) aus Palmenblättern gegoren wird und undurchsichtig weiß ist.

Ich tue mir allerdings bei dieser Aufzählung gerade sehr schwer zu definieren, was traditionell ist. Deshalb mache ich es jetzt einfach mal von dem abhängig, was es, beziehungsweise was es nicht in dem Restaurant gab, das mit seiner ghanaischen Traditionalität geworben hat.

Außerdem habe ich hier schon Rattatouille mit Kartoffeln Penne all‘ Arrabiata, gebratenes Gemüse mit Sojasauce und Spagetti gegessen.

Mir geht es hier also im Allgemeinen gut. Natürlich sind manche Dinge anders und es gibt genug Herausforderungen zu bezwingen, aber ich habe mich schließlich auch mit den Worten „Ich will meinen Horizont erweitern“ beworben und möchte diesen Satz nicht zur leeren Floskel machen.

Mittlerweile sitze ich etwa zwei Stunden an diesem Bericht und langsam fallen mir die Augen zu. Selbst kann ich kaum einschätzen, wie fair mein Bericht ist und ob unsere Gruppenleiterin Ria vom Vorbereitungsseminar damit zufrieden wäre. Ich werde ihn nun mal meinen fünf Ghana-Mitfreiwilligen zum Probelesen geben und ihre Meinung abwarten.

Eine schöne Zeit wünsche ich euch allen Lesenden!

Bis bald

Sophie