Mit Winkekatze und Langlebenudeln ins neue Lebensjahr oder Cro in Deutschland ein bisschen Konkurrenz machen

Drei Geburtstagskinder, ein typisches chinesisches Geschenk sind die Umhänge wohl nicht, aber ich habe mich sehr gefreut und liege mit dem Panda-Outfit wie Cro ja voll im Trend
Drei Geburtstagskinder, ein typisches chinesisches Geschenk sind die Umhänge wohl nicht, aber ich habe mich sehr gefreut und liege mit dem Panda-Outfit wie Cro ja voll im Trend

Gestern war mein Geburtstag. Eigentlich mache ich mir nicht viel aus diesem Tag, aber diesmal war es schon ganz besonders, nicht nur weil ich in China war, sondern weil wir gleich drei Geburtstagskinder waren.

Von den Schülern hatte ich erfahren, dass hier in der Region die Geburtstage meistens nur im sehr engen Familienkreis gefeiert werden und so erzählte auch Wei (meine Mentorin),dass dies für sie ein sehr besonderer Geburtstag sei, da sie bisher noch nie so viele Gäste gehabt hätte.

Eigentlich war besprochen, dass jeder der Gäste etwas kocht, doch als wir ankamen war der Tisch schon gedeckt und mit leckeren Speisen gefüllt.

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Stutzig macht nun bestimmt viele, dass eine durchsichtige Plastiktischdecke den Tisch „schmückt“. Dies hat aber seinen Sinn und Zweck und ist gut durchdacht. In Ningbo und ich las auch in anderen Teilen Chinas, ist es häufig so, dass man Essensreste wie Knochen und Gräten direkt auf den Tisch legt und nicht auf den Teller. Da ist es natürlich praktischer wenn man eine Plastikfolie überzieht, sodass der Tisch keinen Schaden nimmt und man alles schneller wegschmeißen kann. Ich las auch, das man in Restaurants die Reste einfach hinter sich auf den Boden schmeißt. Das habe ich hier aber in Ningbo noch nie erlebt – und ich gehe hier jeden Tag mehrfach essen.

Achja das Thema war Geburtstag.

Also … Wir hatten sehr viel Glück, denn der Schwiegervater von Wei ist ein großartiger und sehr gelassener Koch, der uns an diesem Abend unzählige Spezialitäten der Region serviert hat. Wir haben bei 17 Gerichten aufgehört zu zählen.

Besonders wichtig am Geburtstag sind allerdings die Langlebe Nudeln. Man sollte sie unbedingt essen, nicht nur weil sie sehr Lecker schmecken, sondern auch weil eine lange Nudel am Geburtstag ein langes Leben symbolisieren soll.

Später wurde mir auch erklärt, dass man auch gerne Eier am Geburtstag ist, da diese Glück bringen.

Damit ich viel Glück im kommenden Jahr in China habe, bekam ich von der Schwiegermama von Wei auch einen Glück- Glücksbringer geschenkt.

Außerdem das leckere Tofucan, dass einzige Tofu, dass ich wirklich gerne esse und eine Spezialität in Ningbo ist.

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Am Ende des Abends brachte uns Wei’s Schwiegervater noch bei, wie man Ningbo Knödel herstellt. Dies sind aus Reismehl geformte und gedünstete Knödel mit einer Sesamhonigfüllung. Sehr lecker.

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Zuletzt gab es noch eine nach Marshmallow schmeckende Torte, die uns der Schulleiter geschenkt hatte. Außerdem bekam ich von der Schule einen Seidenschal und von den anderen Lehrern einen guten Tee sowie eine Winkekatze. Sie soll glaube ich Reichtum bringen. Und das wichtigste -eine CD mit chinesischen Liedern, damit ich wenn wir das nächste Mal zu KTV (Karaoke)gehen auch etwas auf chinesisch singen kann…DSCN0258

Die verschiedenen Speisen werde ich im nächsten Beitrag nochmal erläutern.

Liebe Grüße aus Ningbo

 

Guten Flug und lass dich nicht blitzen- oder von einem Mann der meine Tasche wirklich nicht klauen wollte.

Zuhause ist nun schon echt weit weg.

Abschiedsgrillen in Hamburg (9.03.12)

Es gab viele gute Wünsche aber auch viele, viele Tränen. Die Wünsche habe ich leider in der  Aufregung vergessen, aber Tränen haften noch an meiner Brille. Peinlich denke ich, und erinnere mich doch noch an einen guten Rat. Er kam von meinem kleinen Bruder, 6 Jahre alt:

„Guten Flug, und lass dich nicht blitzen“.

Alle schmunzelten. Ich habe an dieser Stelle meinen Eltern dann doch besser verschwiegen, dass sie bald Post bekommen werden, weil ich am Werbellinsee zu schnell war.

Am Flughafen in Hamburg gab es noch große Aufregung. Mein Handgepäck wurde gewogen. Und es stellte sich heraus, dass ich 7 kg loswerden musste, wenn ich nicht 750 Euro drauf bezahlen wollte. Dafür hätte der Koffer dann aber einen eigenen Sitzplatz verdient fand ich.

Doch die dramatische Geschichte mit dem Koffer nahm hier erst ihren Anfang.

Nach langer Reise in Ningbo am Bahnhof angekommen, muss ich feststellen, dass es weder eine Rolltreppe noch einen Fahrstuhl gibt, der mich und meine rund 40 kg die Treppen vom Bahngleis hinaufbringen könnten. Ich versuche also mühsam meine beiden Koffer hinauf zuhiefen.

Ziemlich mühsam, ziemlich erfolglos.

Gott sei Dank kommt ein Mann, nimmt mir, leider den leichteren Koffer, ab und flitzt geschwind die Treppe hinauf. Ganz schön flott, aber auch echt nett denke ich noch als ich ihm hinterherschaue. Doch plötzlich ist er weg. Verschwunden! Mit meinem Koffer! Alle meine Fotos von Freunden drin, meine ganze Schokolade, meine Schuhe!

Und ich, ich stehe unten, mit meinem 32 kg schweren Koffer, den ich niemals die Treppe allein hochbekommen werde, und …bin schon wieder den Tränen nahe.

Glück im Unglück gehabt. Ein anderer Mann hilft mir den Koffer hoch zutragen. Mit dem schweren Gepäckstück kommt er ja schließlich nicht so schnell davon,denke ich und lasse mir helfen.

Oben angekommen weiß ich eigentlich wirklich nicht so genau wohin ich eigentlich will. Die Lehrerin der Schule hatte gesagt, sie würde mich abholen, doch hier ist weit und breit keiner zu sehen, der mich abholen wollen würde. Und weit und breit kein Mann der mit meinem kleinen deutschen Ikeakoffer auf mich wartet.

Mist denke ich, und schließe mich der Masse an, die auf der anderen Seite des Bahnhofes eine Rolltreppe (Puhhh!) hinunterfährt. Da ich vor Verzweiflung langsam tränenüberströmt bin, sprechen mich sehr nette Menschen an und begleiten mich zum Ausgang des Bahnhofes.

Endlich sehe ich auch ein Schild mit meinem Namen drauf. Es winkt hinter der Absperrung durch die man gehen muss, um noch einmal seine Fahrkarte vorzuzeigen. Es erklärt sich nun, dass keiner am Bahnsteig stand, da man nur mit Fahrschein durch die Absperrung kommt.

Ich falle den beiden Lehrerinnen in die Arme, vor Glück und vor Erleichterung. Bei einem Blick über die Schulter der Lehrerin entdecke ich, wie der Mann mit meinem Koffer auf mich zukommt und ihn mir mit einem Lächeln entgegenstreckt. Er hatte bestimmt 10 min hinter der Absperrung auf mich gewartet und sich einfach neben die beiden mit dem Schild, auf dem ein ausländischer Name stand, gestellt. Er hatte wohl kombiniert, dass ich dazugehören muss.

Dankend nahm ich den Koffer an mich und schon war auch der Mann wieder flink in einer Menschentraube verschwunden. Und so nahm die Geschichte mit dem Gepäck doch noch ein gutes Ende.

Morgens 6:15,

ich bin müde, die Luft ist schwül, der Nebel steigt vom Parkplatz vor dem Krankenhaus auf. Ich drehe mich noch einmal zu dem grauen Klotz um in dem ich die letzen 9 nächtlichen Stunden geschuftet habe. Eine Horde schwarzer Krähen steigt von dem düsteren Gebaude auf und kreist seine Runden. Wie die Aasgeier denke ich und bin froh endlich in mein Auto, das mich nach Hause bringt, steigen zu dürfen. Ich habe keine Lust mehr auf diese grauen Tage. Ich muss hier weg!

An diesem Tag noch schicke ich meine Bewerbung für Kulturweit ab. Ich stehe kurz vor Ende meiner Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin(Krankenschwester). Mit Tatendrang und Idealismus habe ich die Stelle dort angefangen aber nun bin ich müde und sehe nur noch grau. Ich habe sehr viel Respekt vor allen, die dort jeden Tag ein und Ausgehen, ich mag auch die vielen Geschichten die man dort von den Menschen erfährt, auch vielleicht die Dankbarkeit aber auch die Freude über kleine Fortschritte und nicht zu vergessen die medizinischen Aspekte, einfach superinteressant, vor allem aber die Schokolade die man zum Abschied geschenkt bekommt. Nicht aber die starren Hierarchiestrukturen, Stresssituationen in denen kein Stress nötig wäre,Materialmangel den Zeitdruck, den rauhen Ton der daraus entsteht, wenn kein Arzt kommt, weil keiner Zeit hat, weil keiner sich zuständig fühlt. Da mag ich nicht mehr mitmachen.

Jetzt ein Jahr später bereite ich mich auf mein Jahr in China mit Kulturweit vor. Immer noch arbeite ich ,nun als Examinierte, in verschiedenen Krankenhäusern. Täglich fragt mich die ein oder andere Schwester: „China? Aber die starren Hierrarchiestrukturen, meinst du nicht es gibt Stress wenn du dich inadäquat äußerst?“ oder „Ich habe einen Artikel über den rauhen Ton an Chinas Schulen gelesen“ und „Wie ist eigentlich die medizinische Versorgung?“Auch Freunde und Verwandte stutzten erst.

Ich auch, über die doch teilweise ablehnende Haltung auf die ich stoße.

Mag ich da mitmachen? Bin ich leichtsinnig oder lebensfroh?

Ich freue mich auf Ningbo!

Ich freue mich auf jeden Fall drauf zu sehen wie die Realität aussieht und möchte den Geschichten der Menschen lauschen und dann auch davon berichten. Ein ganz wenig chinesisch kann ich schon. Mit etwas mehr Zeit, einem Jahr um genau zu sein, kommt da bestimmt einiges zusammen.

Kein Bock mehr auf grau in grau… Ich will rot sehen!

 

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