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Rund um den »kulturweit« Blog

3. Ruky hore víkend!

Hoch die Hände Wochenende! Ich bin nun seit vier Tagen hier. Der Empfang am Flughafen war sehr freundlich. Ludmila, eine Deutschlehrerin der Schule an der ich arbeiten werde, holt mich vom Flughafen ab und erklärt mir meine Aufgaben für die nächsten Tage. Ich werde sie in den nächsten Tagen in den Sprachunterricht von zwei verschiedenen Sprachklassen begleiten und eine Gruppe von Schüler*innen auf das europäische Projekt Schulbruecke vorbereiten. Was neu für mich ist: an der Schule gibt es eine nullte Stunde, die die Schüler hin und wieder haben. Sie fängt um 7.05 Uhr an, also vor der ersten Stunde. Ob man diese Stunde hat, hängt von der Fächerwahl ab.
Als wir in dem Studentenwohnheim, in dem ich wohnen werde ankommen, fällt mir zuerst auf, dass es von außen aussieht wie eine Schule. Von innen ist es dann schon ganz anders, meine Wohnung ist schön, groß und sauber. Ja, hier kann ich sehr gut ein Jahr lang leben. Ludmila lädt mich noch zum Abendessen mit ihrer Familie ein und als noch ein Nachbar vorbei kommt, stoßen wir mit slowakischem Schnaps auf meine Ankunft an. Ich bin glücklich darüber, dass ich hier so freundlich aufgenommen werde.
Am nächsten Tag in der Schule ist es ähnlich, die Schüler*innen sind sehr offen und ich bin überrascht, wie gut vor allem ein paar der älteren Schüler*innen Deutsch sprechen. Leider ist das nicht überall so. Ich realisiere zum ersten Mal wie wichtig es ist schnell slowakisch zu lernen als die ältere Frau, die neben mir wohnt, mir sehr ausführlich irgendetwas erzählt. Ich verstehe kein Wort. Ich versuche ihr erst auf Deutsch, dann auf Englisch zu antworten und sie versteht ebenfalls kein Wort. Auch die Leute an der Rezeption sprechen nur slowakisch. Anscheinend ist es ähnlich wie in Deutschland, dass erst die jüngeren Generationen in der Schule Englisch hatten. Aber irgendwie ist das auch gut, denn dann werde ich die Sprache bestimmt schnell lernen. Das wichtigste ist, dass ich mich mit den Schüler*innen und dem größten Teil der Lehrer*innen unterhalten kann.
Jetzt ist erstmal Wochenende, sogar verlängertes Wochenende. Der 15.09. ist in der Slowakei nämlich ein Feiertag. Diesen Feiertag verbringe ich mit Alexandra, einer Schülerin, die sich sehr viel Zeit nimmt mir die Stadt zu zeigen. Die Stadt ist schön und nicht zu groß. Verglichen mit dem 18.000 Einwohner Dorf aus dem ich komme ist Michalovce mit seinen 40.000 Einwohnern auch nicht gerade klein für mich. Wir gehen lecker Pizza essen, da Alexandra Pizza genauso liebt wie ich und auch das tschechische Bier, das ich trinke ist sehr gut. Es war ein schöner Tag und ich freue mich auf das restliche Wochenende, an dem ich mich mit ein paar anderen Schüler*innen in einem Café treffen und vielleicht mit dem Zug nach Košice fahren werde.

2. Über den Wolken

Und schon sitze ich im Flieger, der mich von Köln nach Wien bringt. Ich tippe diesen Text gerade in das Notizfeld meines Handys. Schließlich möchte ich den netten Flugbegleiter, der mir gerade eine Flasche Wasser geschenkt hat, nicht dadurch verärgern, dass ich meinen Laptop raushole.
Jetzt geht es wirklich los. Plötzlich ging alles so schnell.

Das Vorbereitungsseminar in Berlin verging wie im Flug. Obwohl ich sehr vieles davon mitnehmen werde. Irgendwie habe ich jetzt wirklich das Gefühl vorbereitet zu sein. Nicht nur auf das FSJ sondern auch ein kleines bisschen aufs Leben. So viele neue Bekanntschaften, Eindrücke, Gedanken. Themen mir sehr viel Stoff zum Nachdenken geben. Rassismus, Sexismus, Nachhaltigkeit und noch so viel mehr. Sogar die eigenen Ansichten kritisch sehen. Vor allem der TED-Talk von Chimamanda Adichie (https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg) ist mir im Gedächtnis geblieben. Außerdem ist es toll so viele nette Leute kennenzulernen, die sich auch auf das FSJ vorbereiten und damit alle Sorgen und Vorfreuden mit mir teilen. Menschen aus ganz Deutschland und auch noch ein paar Incomerinnen aus Ägypten und Tunesien. Alle sind sehr offen hier und alle wollen raus in die Welt. Bei ca. 350 Menschen ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass ich täglich neue Gesichter sehe. Da ist es ganz schön dass es die Homezone gibt. In Homezone 19 sind ein paar der Teilnehmer*innen die in die Slowakei, nach Tschechien, Polen oder Ungarn gehen. Wir verstehen uns auf Anhieb alle gut und unsere Trainerin Steffi gibt uns Ruhe und Zeit zum Austauschen, was zwischen den ganzen Seminaren, Workshops und vor allem dem Partner*innen- Tag auch dringend notwendig ist. Aber zum Glück gibt es ja auch noch ein bisschen Freizeit die man mit wunderschön sinnlosen Dingen, wie morgens um 7 im See schwimmen gehen (während des Aufstehens bereut man es total, aber das Gefühl danach ist es auf jeden Fall wert), abends durch den dunklen Wald laufen und wenn man Glück hat auf ein Lagerfeuer treffen oder vor der Disco am letzten Abend schnell noch drei Stunden Herr der Ringe gucken, füllen kann. Warum nicht. Es ist schon irgendwie schade, dass ich mich von den ganzen coolen Menschen die ich kennengelernt habe schon wieder verabschieden muss. Aber irgendwie gefällt mir auch der Gedanke, dass wir jetzt in der ganzen Welt verstreut sind.

Der Abschied am Flughafen ist ein Scheiß-Gefühl. Meine Mama, meinen Papa, meine Schwester und meine beste Freundin in den Armen zu halten und zu wissen, dass ich sie erst mal für lange Zeit nicht sehen werde, ist hart. Aber als ich dann im Flugzeug sitze geht es mir gut. Ich habe es wirklich getan. Ich fliege los, ohne richtig zu wissen was mich erwartet. Ich spüre dieses Kribbeln im Bauch. Das habe ich immer wenn ich fliege. Nur das dieser Flug anders ist. Es geht von Köln nach Wien und von Wien nach Kosice. Ich schaue aus dem Fenster, sehe den blauen Himmel, die Sonne und die weißen Wolken, die es auf der Erde regnen lassen. Und bevor ich das Gefühl hatte, dass wir richtig oben sind, kommt auch schon die Ansage, dass nun der Sinkflug startet.

1. Alles beginnt mit einem Abschied

„Was du willst echt für ein Jahr ins Ausland?“ „Nach Amerika oder Australien?“ Diese Fragen oder ähnliche haben mir in letzter Zeit viele Leute gestellt. Wenn ich geantwortet habe, dass ich in die Slowakei gehen werde, kam dann meistens zurück: „So wie Slowenien?“ „Wo liegt das denn nochmal?“ „Wie kommst du denn darauf?“ Nein, die Slowakei und Slowenien sind zwei verschiedene Länder. Die Slowakei liegt zwischen Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn und der Ukraine. Und darauf gekommen bin ich eigentlich gar nicht selbst. Eigentlich wollte ich nämlich nach Afrika. Aber als die E-Mail von kulturweit mit dem Platzierungsangebot für die Slowakei kam, habe ich trotzdem keine Minute gezögert es anzunehmen. Erstens fand ich die Idee an einer Schule auszuhelfen und mit Schülern zu arbeiten echt gut und zweitens, wieso nicht in ein Land gehen, das so nah an Deutschland liegt und über das ich aber trotzdem überhaupt nichts weiß? Afrika kann ich auch noch wann anders bereisen. In die Slowakei würde ich ohne kulturweit bzw. den Pädagogischen Austauschdienst nicht gehen und damit bestimmt vieles verpassen. Zum Beispiel würde ich die Kultur und den Alltag der Slowaken nicht kennenlernen und vielen verschiedenen Menschen niemals begegnen.

Warum ich das FSJ eigentlich so gerne machen wollte und die Menschen die ich lieb habe einfach für ein Jahr zurück lasse? Das kann ich am besten mit einem Artikel erklären, den ich gestern zufällig im Internet gefunden habe. Darin geht es um ein Mädchen, das nach dem Abitur erst mal keinen Plan hat was sie machen soll. Sie fliegt daraufhin nach Nairobi und wohnt bei einer Gastfamilie. Dort lernt sie viele neue Leute kennen, die ihr dabei helfen mehr über sich selbst zu erfahren und sie zu einem tollen Projekt inspirieren: Sie stellt vielen in ihrer Umgebung die Frage, was sie der Welt sagen würden, wenn sie die Möglichkeit hätten zu allen Menschen zu sprechen. Während ihrer Zeit in Nairobi erfährt sie jedoch ebenfalls, dass viele Menschen dort die Deutschen als ein sehr rassistisches und kaltherziges Volk sehen und trotzdem begegnen ihr dort alle sehr herzlich und freundlich. (Hier der Link zu dem Artikel: http://ze.tt/was-wuerdest-du-sagen-wenn-die-ganze-welt-zuhoeren-wuerde/?utm_source=ze.tt+Newsletter&utm_campaign=de9e0c5097-EMAIL_CAMPAIGN_2017_08_18&utm_medium=email&utm_term=0_919504426c-de9e0c5097-227959589 ). Dieser Artikel hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gestimmt. Mir geht es ähnlich wie der Protagonistin in dem Artikel. Ich habe keinen Plan was genau ich eigentlich jetzt nach der Schule machen möchte und deshalb möchte ich einfach mal weg. Um einerseits mehr über mich selbst zu lernen und herauszufinden wie ich eigentlich so bin, wenn ich nicht ständig meine Familie oder Freunde um mich herum habe. Und andererseits finde ich es ziemlich cool neue Aufgaben zu übernehmen und die Möglichkeit zu haben evtl. auch eigene Projekte umsetzen zu können. Noch hab ich natürlich keinen Plan ob mir überhaupt ein guter Einfall zu einem solchen Projekt kommen wird, aber das hat ja noch Zeit. Ein weiterer Grund ins Ausland zu gehen ist für mich, dass ich es traurig finde, dass Deutschland teilweise als rassistisch angesehen wird. Als Freiwillige stehen wir dagegen, meiner Meinung nach, alle für das tolerante, offene und multikulturelle Land in dem wir leben wollen und das auch weiterhin für diese Werte stehen sollte. In einer globalisierten Welt wird es immer wichtiger, dass sich die Länder untereinander verständigen können und dafür muss man die Menschen die in den anderen Ländern leben erst mal kennenlernen. Ich möchte also die Menschen in der Slowakei kennenlernen.

Klingt in der Theorie alles ganz locker easy, aber je näher der Ausreisetag rückt, desto aufgeregter werde ich. Fragen wie: „“Krieg ich das wirklich alles alleine hin?“ „Komm ich gut mit dem Heimweh klar?“ „Und ist ein Jahr nicht vielleicht doch ein bisschen lang?“, schwirren durch meinen Kopf. Aber viel größer als die Sorgen ist dann doch die Vorfreude. Mein eigenes kleines Abenteuer. Viele neue Menschen die ich kennenlernen, Aufgaben die ich übernehmen und Erfahrungen die ich machen darf. Auch wenn es mir jetzt gerade schwerfällt von den Menschen, die ich hier zurücklassen werde Abschied zu nehmen, weiß ich ja , dass ich sie alle wiedersehen werde, auch wenn ich mich in der Zeit im Ausland vielleicht verändern werde. Jetzt gerade freue ich mich erst mal auf das Vorbereitungsseminar in Berlin, das nächste Woche anfängt. Ich schreibe diesen Blog, damit ihr meine wirren Gedanken und spannenden Erfahrungen während meiner Zeit im Ausland (fast) hautnah miterleben könnt. Ich werde versuchen regelmäßig zu schreiben.

Bis dahin, liebe Grüße eure Dani