Tage des Abschieds (Woche 42)

Dieser Beitrag kommt ein wenig früher als üblich. Das liegt daran, dass das Wochenende sehr viel besser zu den kommenden Wochen passt, als zu dieser Woche. Warum, dazu kommen wir noch.
Da in den letzten fünf Tagen aber sowieso so viel passiert ist, dass man damit locker einen ganzen Blogeintrag füllen kann, ist es vielleicht sogar gut so, dass ich das Wochenende auf den nächsten Eintrag verschiebe.

Der Montag startete bereits recht ereignisreich mit einem Schulausflug. Es ging zur Rozhledna Holedná, einem Aussichtsturm am Rande von Brno. Obwohl die Temperaturen bereits am Vormittag auf die 30°C zugingen, war es im Wald noch angenehm kühl, sodass wir den Aussichtsturm schließlich einigermaßen munter erreichten. Nach einer kurzen Pause ging es dann auch schon weiter zur Straßenbahn, wo der Ausflug bereits endete.

Blick auf Brno.

Besonders viel Zeit für eine Pause blieb mir allerdings nicht, denn nach der Lehrerbesprechung (zu der ich zum Glück nicht musste) gab es noch eine kleine Feier auf dem Schulhof, wo mit Paella, Sangria und anderen spanischen Spezialitäten (das schien das Motto zu sein), schon mal die bevorstehenden Ferien begrüßt wurden.

Leider nicht vegetarisch, aber wohl sehr lecker.

Nach einer Partie Volleyball auf dem Schulhof, machte ich mich dann auf den Weg in die Stadt, wo ich mich mit Antonie treffen wollte. Zum letzten Mal, bevor es für mich in den Urlaub geht. Wir testeten gemeinsam ein neues Café und ich muss gestehen, der Iced Café Latte war wohl der beste, den ich je getrunken habe. Sogar besser als im Café Mitte… (nur dass er dort größer ist) Obwohl wir uns ja im Sommer noch einmal sehen, fiel der Abschied schon jetzt schwer und ich will nicht darüber nachdenken, wie es uns in einem Monat gehen wird, wenn ich endgültig zurück nach Deutschland fahre.

Der Schaum war himmlisch.

Lieblingscafébegleitung

Hiermit habe ich jetzt vermutlich wirklich jedes Haus in Brno fotografiert.

Vor dem Abend machte ich nur einen kleinen Abstecher nach Hause, sprang kurz unter die Dusche (das habe ich in den letzten Tagen mindestens zwei Mal täglich gemacht, anders hält man die Temperaturen nicht aus) und machte mich erneut auf den Weg ins Zentrum, um mich ein letztes Mal mit den beiden DSD-Lehrkräften der Stadt zu treffen. Durch Zufall landeten wir schließlich in einem kleinen französischen Restaurant unterhalb des Petrov, von dessen Garten aus man einen wunderschönen Blick auf die Kirche und die alten Gemäuer ringsherum hat. Essen und Getränke waren außerdem so billig, dass es selbst für tschechische Verhältnisse auffällig war. Genauso überraschend war es, als uns plötzlich Noten und Liedtexte ausgeteilt wurden und schließlich die Nonnen, welche das Restaurant leiten, ihre Arbeit unterbrachen, um ein paar Lieder zu singen und schließlich wieder, als wäre nichts gewesen, in die Küche verschwanden.

Sehr idyllisch.

Und sehr imposant.

Diesem ersten endgültigen Abschied sollten in dieser Woche noch einige mehr folgen, was ziemlich an meinen Nerven zehrte. Die Vorstellung, dass ich all diese Menschen, die ich im vergangenen Jahr beinahe täglich gesehen habe, plötzlich nicht mehr sehen werde, ist erschreckend, auch wenn es noch nicht ganz in meinem Kopf angekommen ist. Ich vermute, die Erkenntnis trifft mich umso härter, wenn es dann eingetreten ist.

Auch der Dienstag war ein Tag des Abschieds.
Am Vormittag war es allerdings noch nicht so weit, denn zunächst stand der Sporttag der Schule an, sodass ich mich morgens aus dem Bett quälte um pünktlich um 8 Uhr zum Treppenlauf bereitzustehen. Nachdem ich also in den dritten Stock gesprintet war, hatte ich erstmal Pause, die ich auch dringend benötigte und schließlich ging es weiter mit Seilspringen. Das Besondere daran war, dass alle Mitglieder einer Gruppe gleichzeitig über ein langes Seil springen mussten. Meine Gruppe war, wie schon beim Treppenlauf, die 5.A, da ihnen ein Mitglied fehlte. Wir schafften es auf 23 Sprünge am Stück, was uns im Seilspringen und später auch in der Gesamtwertung, Platz 3 verschaffte!

Nach einer dringend nötigen Dusche und einer kleinen Stärkung ging es dann weiter zum Gartenfest. Dort wurde es dann für mich Zeit, mich von den Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden, die ich nicht mehr sehen würde und was soll ich sagen, der Abschied viel verdammt schwer. Dass mir ein:e Lehrer:in nach dem:der anderen versichterte, wie sehr mich auch die Klassen vermissen würden, machte es nicht leichter, sodass ich auf dem Rückweg in der Straßenbahn erstmal tief durchatmen musste, bevor ich mich wieder einigermaßen gesammelt hatte.

Denn von dem Gartenfest ging es nicht direkt nach Hause, sondern zu einem anderen Deutschlehrer, der ebenfalls dieses Jahr zurück nach Deutschland gehen wird. Wir beschlossen also, eine kleine Abschiedsfeier zu veranstalten, für die wir etwas backen wollten. Die Wahl fiel auf Kirschstreußelkuchen und Käseigel.

Einmal von Hand verrühren.

Und besser wurde es nicht.

Augen auf beim Mehlkauf. Das hier ist auf jeden Fall nicht richtig.

Obwohl ich nach diesem Terminmarathon eigentlich schon völlig erschlagen war, machte ich mich am Abend trotzdem auf den Weg zum letzten Roller Derby Training. Ausgerechnet heute kam es mir so vor, als hätte es endlich geklickt, was manche Übungen anging. Blöd nur, dass ich davon jetzt erstmal nichts mehr haben werde. Hoffentlich werde ich die Mädels aber im Sommer bei ihrem ersten Spiel noch einmal sehen.

Am Mittwochvormittag fand dann die geplante Abschiedsfeier statt, bei der ich mehr als einmal den Tränen nahe war.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen (und geschmeckt hat es auch)

Käseigel Br(u)no.

Zum Glück war es aber noch kein richtiger Abschied, denn am Nachmittag ging es mit dem gesamten Kollegium an den Stausee, wo wir den Nachmittag und Abend mit Baden, Volleyballspielen und Essen verbrachten, sodass es sich fast anfühlte, wie im Urlaub. Der Gedanke, dass das der letzte gemeinsame Ausflug war, rückte dabei vorübergehend in den Hintergrund.

Über die Wolken waren wir alle heilfroh.

Am Donnerstag ließ sich der Abschied dann aber nicht weiter hinauszögern. Denn nachdem die Zeugnisse verteilt waren und der Chor gesungen hatte, stand die letzte Lehrerversammlung des Schuljahrs an. Der Direktor hielt eine kurze Rede, es wurde mit Sekt angestoßen und plötzlich waren die letzten Minuten in der Schule da. Ich verabschiedete mich von den Deutschlehrer:innen, nicht ohne ein paar Tränen zu verdrücken, und all den anderen Kolleg:innen, die ich im letzten Jahr liebgewonnen hatte.

letzter Schultag-Vibes

Danke!

Allein das war eigentlich schon genug für meine Nerven. Umso schöner war es, mich am Nachmittag nochmal mit der JDI-Gruppe, aus der inzwischen eine echte Freundesgruppe entstanden ist, zu treffen. Wir saßen stundenlang im Café, wie es inzwischen zu unserer Tradition geworden ist, und vergaßen darüber völlig die Zeit, bis wir schließlich feststellten, dass es schon später Abend geworden war und das Café schloss.

Zurück in der Wohnung war ich von diesem Tag so aufgewühlt und gleichzeitig total erschlagen, dass ich nichts Anderes schaffte, als zu duschen, mich umzuziehen und im Bett zu verschwinden.

Freitag war dann der erste Ferientag. Und wie es so langsam zur Gewohnheit wird, hatte ich am Vormittag des ersten Ferientages kein Wasser. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn der Vormittag war sowieso gefüllt mit tausend anderen Dingen. Aufräumen, Telefonieren, Bewerbungen fertig machen und Putzen waren nur ein Teil davon, bis ich mich zum Mittagessen mit einem Freund in der Stadt traf und anschließend noch einkaufen ging. Zurück in der Wohnung war ich heilfroh, dass die Temperaturen noch erträglich waren, denn jetzt kam die anstrengendste Aufgabe des Tages: Packen. Denn ich werde ab Samstag (daher auch der kürzere Beitrag) für circa drei Wochen gemeinsam mit Fiona auf dem Balkan unterwegs sein. Da mein Rucksack nicht besonders groß ist, musste gut überlegt werden, was ich brauche und als der Rucksack schließlich gepackt war, war ich heilfroh.

Das muss alles mit.

Mit ein bisschen Improvisation ist es dann auch geschafft.

Um den Abend noch ein bisschen zu genießen, traf ich mich mit Ema und einer Freundin von ihr und der Abend bescherte mir definitiv eine Aufmunterung, nachdem ich den ganzen Tag über doch ein wenig in Gedanken war.

Wie regelmäßig die nächsten Blogeinträge kommen, kann ich noch nicht abschätzen, ich werde aber versuchen, sie, wenn möglich noch auf der Reise zu verfassen und hochzuladen. Ansonsten wird natürlich alles nachgeliefert. Versprochen!

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