Abschied (Woche 46)

Nach der langen Reise, musste ich am Samstag erst einmal dringend ausschlafen. Einigermaßen erholt, ging es dann mehr oder weniger direkt schon wieder weiter. Viel Zeit zum Luftholen blieb mir also nicht. Aber es stand ein Event an, das ich auf keinen Fall verpassen wollte: das erste Roller-Derby Match in Brno. Es ging also auf zur Eishockeyhalle, wo das Ganze stattfand. Es war nicht nur schön, endlich mal ein richtiges Spiel zu sehen, sondern ich habe mich vor allem darüber gefreut, all die Spielerinnen nochmal wiederzusehen, mit denen ich jetzt ein Jahr lang trainiert habe. Umso größer war dann natürlich die Freude, als unser Team auch noch gewann! Das Schöne am Roller Derby ist aber, dass es zwar ein Wettkampf ist, dass der Spaß aber trotzdem im Vordergrund steht. Das gegnerische Team war extra aus Polen angereist, die Jury kam aus Prag und so war klar, dass es nach dem Spiel nicht direkt wieder nach Hause geht. Für den Abend stand eine Afterparty an.

Bevor es aber zur Party ging, war ich noch mit Massi und Fanda im Café Mitte verabredet. Die Jugend debattiert Clique hat sich zu einer echten Freundesgruppe entwickelt und darüber bin ich sehr dankbar! Umso schwerer war dann auch der Abschied.

Leicht demotiviert, schleppte ich mich dann nach Hause, schon am Überlegen, ob ich überhaupt zur Party gehen soll. Kneifen kam aber nicht in Frage, schließlich wollte ich mich ja von allen verabschieden. Und einmal dort, waren diese tristen Gedanken auch schon vergessen. Die Stimmung war klasse, und das Feuerwerk, das im Rahmen von Ignis Brunensis auf der Burg stattfand, war ein würdiger Abschluss des Abends.

Am Sonntag brauchte ich dann auch mal Zeit für mich, für den Berg an Wäsche, der sich angesammelt hat und vor allem für die ganzen Blogeinträge. Es gab schließlich viel zu berichten über unsere Balkantour und noch mehr Fotos zu sortieren. Den Tag lies ich gemütlich mit einer Pizza im Park ausklingen. Damit war auch der erste Punkt auf meiner „Was ich nochmal machen möchte, bevor ich gehe“-Liste abgearbeitet.

Nachdem alles ein wenig sortiert war, konnte ich mich am Montag dann auch wieder auf andere Sachen konzentrieren. Eigentlich wollte ich mich mit einer Lehrerin treffen, da sie dann aber leider krank war, beschloss ich kurzerhand, einfach alleine ins Café zu gehen und hier wirklich alle Blogeinträge fertigzustellen. Erfolgreich gewesen, ging es von da aus ins Forky’s, das beste vegane Burgerrestaurant überhaupt und Punkt 2 auf meiner Liste.

Am Dienstag traf ich mich dann endlich wieder mit Antonie und lernte bei dieser Gelegenheit auch ihren Hund kennen. Gemeinsam mit Forest ging es dann erst ins Skog, was passenderweise ebenfalls Wald heißt, und dann noch für einen Spaziergang über den Zelný trh und zu Faency Fries, Punkt 3 auf meiner Liste.

Forest und ich.

Antonie, Forest und ich.

Ganz verschont von lästigen Pflichten blieb ich leider auch an meinen letzten Tagen hier nicht, also setzte ich mich am Mittwoch nochmal an den Laptop, um mich weiter um Bewerbungen für Stipendien zu kümmern.

Umso glücklicher war ich dann über den Ausgleich dazu am Donnerstag. Ich war zum ersten Mal in einem Katzencafé! Und was soll ich sagen, es war großartig! Nur auf seine Getränke und sein Essen muss man aufpassen. Meine Begleitung war natürlich Antonie, die jetzt den Auftrag hat, mich über die Entwicklung der süßen Katzenbabys auf dem Laufenden zu halten.

Achtung, Katzenspam!

Das Toast finden nicht nur wir lecker.

Länger konnte ich mich jetzt aber wirklich nicht mehr vor dem Packen drücken, deshalb verbrachte ich den Nachmittag damit, Sachen von A nach B zu räumen, zu sortieren, Koffer zu packen und festzustellen, dass sich in einem Jahr ganz schön viel Zeug ansammelt. Aber zu meiner Verteidigung muss ich auch sagen, dass das ja quasi alles ist, was ich besitze.

Mehr als gedacht.

Hungrig von dem ganzen Gepacke, kam das Abendessen dann genau richtig. Natürlich war es wieder ein Punkt auf meiner Liste: Annapurna, der beste Inder der Stadt. Und natürlich begleitete mich Antonie auch hier wieder und obwohl wir uns schon vorsorglich die Portionen teilten, schafften wir nicht mal die Hälfte der riesigen Gerichte. Weil man nach dem Essen ja 1000 Schritte tun soll, holten wir Forest ab und schlenderten noch ein wenig durch die Stadt.

Lecker, aber viel zu viel. Und das ist für eine Person!

Der Freitag bestand leider auch aus Packen und Putzen, was definitiv mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man denkt, deswegen gibt es auch hier nicht viel zu berichten.

Stattdessen springen wir direkt zum Samstag, auf den ich mich schon die ganze letzte Woche gefreut hatte! Meine Eltern kamen noch einmal zu Besuch. Und Kuchen hatten sie auch dabei! Der wurde dann erstmal gegessen, bevor wir noch ein wenig durch die Stadt schlenderten, dem Bierfest einen Besuch abstatteten und schließlich zu Abend aßen.

Der eigentliche Anlass für den Besuch war aber der Sonntag. Das war nämlich mein Geburtstag und mit der Familie (zumindest einem Teil davon) zu feiern, ist doch immer am schönsten. Zur Feier des Tages ging es zum Frühstück ins Podnebi und schließlich luden wir auch schon meine ganzen Sachen ins Auto, die sie praktischerweise schonmal mit nach Hause nahmen. Da das Wiedersehen ja nicht so weit entfernt ist, viel der Abschied auch nicht so schwer. Beziehungsweise die zwei Abschiede. Ich hatte nämlich den Luxus genutzt, Handy und Geldbeutel mal wieder bei meiner Mutter in die Handtasche zu packen. Man sollte nur daran denken, sie auch wieder rauszunehmen. Eine hilfsbereite Tschechin lieh mir zum Glück ihr Handy, sodass ich rechtzeitig anrufen konnte, bevor sie allzu weit weg waren.

Knapp an dieser Katastrophe vorbeigeschrammt, machte ich mich am Abend auf den Weg zu Antonies Wohnung, wo wir gemeinsam Pizza machten und die letzten gemeinsamen Stunden genossen. Der Abschied war einer der schwierigsten bisher und ich werde unsere gemeinsamen Cafébesuche definitiv vermissen.

Und dann war er da. Der letzte Tag in Brno. So ganz wollte ich es noch nicht wahrhaben und war deshalb umso froher, den ganzen Tag beschäftigt zu sein. Denn vormittags traf ich mich nochmal mit Honza, für eine allerletzte Tandemstunde, die aber ehrlich gesagt größtenteils auf Deutsch stattfand. Wir hatten uns nämlich wirklich viel zu erzählen und wenig Zeit.
Von da aus ging es kurz nach Hause, Wäsche aufhängen und dann wieder ins Zentrum, um mich mit Klára im Café Mitte zu treffen und damit auch den letzten Punkt auf meiner Liste abzuhaken. Die Zeit verging viel zu schnell und wir haben schon fleißig Pläne geschmiedet, wann wir uns gegenseitig besuchen wollen.
Am Abend gab es dann tatsächlich noch ein erstes Mal. Das letzte erste Mal hier in Brno. Ich war das erste Mal Sushi essen. Gemeinsam mit Tadeáš, der zum Glück ein echter Experte ist.
Und dann war ich plötzlich alleine in meiner Wohnung und die ganzen Gedanken, die ich den Tag über erfolgreich verdrängt hatte, stürzten auf mich ein. Der Versuch, mich mit dem letzten Putzen und Aufräumen abzulenken, scheiterte kläglich und ich muss wahrscheinlich nicht extra erwähnen, dass ich in dieser Nacht nicht besonders gut geschlafen habe.

Jetzt sitze ich gerade im Zug zurück nach Hause und kämpfe mit gemischten Gefühlen. Ich freue mich auf daheim, aber gleichzeitig vermisse ich Brno und meine Freunde dort jetzt schon. Und ich trauere um die Zeit, die jetzt vorbei ist. Ich habe den Freiwilligendienst und die damit verbundenen Freiheiten in vollen Zügen genossen und bin noch nicht bereit, sie wieder aufzugeben. So richtig angekommen ist die Erkenntnis noch nicht, dass es jetzt wirklich vorbei ist. Das kommt wahrscheinlich in den nächsten Wochen. In denen wird es hier ruhig bleiben, bevor dann der letzte Beitrag zum Abschlussseminar kommt, in dem ich meine Gedanken vielleicht ein bisschen mehr sortieren kann. Bis dahin, Ahoj!

Live aus dem Zug.

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