Sommer, Sonne, See (Woche 40)

Der neue Beitrag beginnt dort, wo der letzte Beitrag geendet hat: In Bratislava.
Da ich dort ja gewissermaßen gestrandet war, hatte ich am Montag die Wahl, entweder ganz früh morgens nach Brno zu fahren, oder erst am Nachmittag, da ich um die Mittagszeit eine Online-Infoveranstaltung einer Universität hatte. Die Ticketpreise machten mir die Entscheidung dann leicht und ich genoss noch einen entspannten Vormittag bei bestem Wetter in Bratislava, bevor ich mich in einem Café in die Infoveranstaltung einloggte und schließlich am Nachmittag endlich mit dem Bus nach Brno fuhr.

Kunst in den Straßen von Bratislava.

Und Blumen über Blumen.

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Ein bisschen entspannen an der Donau.

Immerhin war ich im Trockenen.

Scheinbar haben es sich die Busfahrer in letzter Zeit zur Aufgabe gemacht, Autobahnen zu meiden und lieber direkt daneben über die Landstraße zu gurken. Daher war ich heilfroh, als ich mit einer halben Stunde Verspätung endlich in Brno ankam und mir immerhin noch genug Zeit blieb, vor dem Sprachkurs kurz nach Hause zu gehen und meine Sachen abzuladen.

Der Dienstag war dann wieder ein ganz normaler Arbeitstag, auch wenn in den Unterrichtsstunden so kurz vor den Ferien wirklich nicht mehr viel passiert. Die meiste Zeit spielen wir Spiele, schauen vielleicht einen Kurzfilm und sprechen im Anschluss darüber, oder hören deutsche Musik.

Latein wird zum Abschluss des Kurses begraben – ist ja schließlich eine tote Sprache.

Am Nachmittag traf ich mich noch ein letztes Mal mit Natália, bevor sie nächste Woche ihre Deutschprüfung ablegen wird. Allzu viel Zeit hatte ich allerdings nicht, denn bis zum nächsten Tag wollte noch ein Klassensatz Aufsätze korrigiert werden. Jetzt weiß ich aber immerhin, wie diese Klasse ihre Sommerferien verbringt und welche verrückten Geschichten ihnen schon im Urlaub passiert sind. Es gibt deutlich langweiligere Aufsatzthemen!

Am Mittwochvormittag fielen, wie so oft in letzter Zeit, alle Stunden aus, da die Klassen auf Klassenfahrt waren. Die Zeit konnte ich aber mehr als gebrauchen, um mich um Motivationsschreiben, Lebensläufe und was man sonst noch so für die Uni braucht, zu kümmern.

Als das erledigt war, ging es mit Fiona an die Planung unseres gemeinsamen Sommerurlaubs. In zwei Wochen geht es los und dann werde ich auch verraten, was genau wir vorhaben 🙂

Wenn Halloumi im Supermarkt im Angebot ist, muss ich das natürlich nutzen.

Donnerstag war dann mal wieder ein Tag der Abschiede und letzten Male.
Am Vormittag stand wieder eine letzte Stunde mit einer Klasse an. Gerade diese Klasse ist mir im vergangenen Jahr besonders ans Herz gewachsen, weil ich hier wohl am meisten zu kämpfen hatte, am Ende aber dafür belohnt wurde. In der ersten Stunde habe ich in 21 stumme Gesichter geschaut und schon daran gezweifelt, ob ich mit dieser Klasse jemals warm werden werde. Im Laufe des Schuljahres hat es, ohne dass ich mir so richtig erklären kann, „Klick“ gemacht. Plötzlich wurde in den Stunden gelacht, ich wurde auf dem Schulflur fröhlich gegrüßt und die Schüler:innen sprechen im Unterricht freiwillig untereinander Deutsch. Es hat sich ausgezahlt, dass ich mich durch die ersten Monate gekämpft und gute Laune im Unterricht vorgetäuscht habe, obwohl mich die fehlenden Reaktionen der Klasse eher in Grabesstimmung versetzt haben. Am Ende habe ich mich ehrlich auf die Stunden gefreut, weil ich genau wusste, dass ich mit besserer Laune aus dem Klassenzimmer gehen werde, als ich hineingehe und ich habe gelernt, dass es sich lohnt, dranzubleiben.

Am Abend folgte meine vorletzte Tschechischstunde, die allerdings die letzte mit unserer bisherigen Lehrerin sein sollte. Um das gebührend zu feiern, zogen wir nach dem Unterricht gemeinsam weiter in eine Brettspielbar, in der wir bis spät in der Nacht gemeinsam saßen und ein Brettspiel nach dem anderen auf Tschechisch, Englisch oder irgendwas dazwischen spielten und ich hoffe, dass wir das noch einmal wiederholen werden, bevor ich zurück nach Deutschland fahre.

Am Freitagvormittag war dann noch einmal halbwegs normaler Unterricht, worüber ich ganz froh war, da ich so das rasant näher rückende Ende des Schuljahres ein wenig verdrängen konnte.

Die Motivationsschreiben konnte und wollte ich aber nicht verdrängen, genauso wenig wie den Blogeintrag über die Hohe Tatra, weshalb ich mich auf den Weg in ein mir unbekanntes, aber viel gelobtes Café machte, um dort zu arbeiten. In meiner Wohnung ist es nachmittags momentan viel zu heiß, um sich dort lange aufzuhalten, sodass ich mich regelmäßig in kühlere Teile des Schulgebäudes oder in Cafés flüchte (Letzteres tut meinem Geldbeutel definitiv nicht gut).

Der Freitag bestand allerdings nicht nur aus Arbeit, sondern am Abend trafen Paula, Leonie und Jurij, Freiwillige aus Prag und Erik aus Žilina ein, um mich über das Wochenende zu besuchen. Wir starteten mit einem Picknick im Park, bevor wir uns auf den Weg in eine Studentenbar machten und schließlich um 2 Uhr nachts feststellen mussten, dass Bars in Brno scheinbar früher zu machen, als anderswo. Vermutlich liegt das einfach daran, dass man hier viel früher weggeht, als das bei uns der Fall ist.

Pizzapicknick

schlechte Qualität, gute Stimmung.

So wachten wir am Samstag immerhin halbwegs ausgeschlafen auf, was definitiv auch seine Vorteile hatte, da wir so mehr Zeit hatten, durch die Stadt zu bummeln, Secondhand-Shops unsicher zu machen, und – mein Highlight des Tages – auf dem Mark zu frühstücken. Warum das mein Highlight des Tages war? Weil mich der Verkäufer des Bäckerstandes, an dem ich, falls ich auf dem Markt frühstücke, die Koláčen kaufe, wiedererkannt hat! Ich vermute mal, mein Akzent ist definitiv ein Erkennungsmerkmal, aber da ich das letzte Mal vor beinahe einem Monat da war, war ich dennoch sehr überrascht. Umso mehr, werde ich mich aber an diese Begegnung erinnern, da ich kaum jemanden getroffen habe, der sich mehr Mühe dabei gibt, mit mir auf Tschechisch zu kommunizieren, auch wenn die Schlange hinter mir immer länger wird. Und fehlte mir mal eine Vokabel, wurde eben einmal quer über den Marktplatz gerufen, was denn „nadaný auf Englisch hieße. Es heißt „talentiert“ und ich habe mich sehr über das Kompliment gefreut!

Stadtbummel.

Päuschen.

das gleiche Päuschen (und das Rot auf meiner Schulter ist kein Sonnenbrand!).

Das obligatorische Touri-Foto.

Auch am Abend konnte ich mein Tschechisch mal wieder anwenden, als wir schließlich endlich ein Restaurant fanden, dessen Küche nicht um 21 Uhr schließt. Der „Faust Burger Pub“ hat zwar einen deutsch-englischen Namen, alles andere ist aber echt tschechisch und seeeeeehr lecker.

Da das Wetter am Sonntag genauso schön war wie am Samstag, fuhren wir morgens mit der Straßenbahn zum Stausee, wo wir den halben Tag mit Nichtstun, Schwimmen, Lesen und Sonnen verbrachten, bis es für die Anderen schließlich Zeit wurde, zurück nach Prag, beziehungsweise Žilina zu fahren.

Seetage sind gute Tage.

und noch besser mit Wassermelone!

Die nächste Woche beginnt und endet ein wenig geregelter als die Letzte, daher kommt der Beitrag hoffentlich auch wieder zu geregelten Zeiten! In diesem Sinne: Ahoj!

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