Veselé Velikonoce! (Woche 31)

Ich weiß, ich weiß, ich bin schon wieder spät dran mit meinem Eintrag. So langsam schleicht sich da eine ungesunde Routine ein. Aber das liegt nur an dem noch immer kaputten WLAN in meiner Wohnung, ehrlich! Und daran, dass mir die letzte Woche, insbesondere gegen Ende nicht eine Sekunde Zeit gelassen hat, mich hinzusetzten und das Erlebte aufzuschreiben.

Aber von vorne. Der Montag begann, noch recht entspannt. Zumindest für mich, denn für die Abiturient:innen standen diese Woche die ersten Abiturprüfungen an. Die ersten? Genau, denn hier gibt es neben dem staatlichen Abitur noch das Schulabitur und verschiedene andere schriftliche und mündliche Prüfungen, die aber nicht alle Schüler:innen ablegen müssen, falls sie zum Beispiel ein Sprachdiplom haben, aber auch nur, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen, die… Ähh und das wars dann auch schon wieder mit meinem Durchblick. Falls ich euch verwirrt habe, dann wisst ihr, wie es hier allen, vielleicht mit Ausnahme der stellvertretenden Schulleiterin, geht. Nicht einmal die Schüler:innen selbst können mir erklären, warum sie welche Prüfungen schreiben. Sie schreiben einfach das, was ihnen gesagt wird und hoffentlich Mathe nur bei der staatlichen Prüfung, die ist nämlich einfacher. Das ist aber auch so ziemlich alles, was ich verstanden habe.

Ach und habe ich schon erwähnt, dass dieses ganze Chaos oftmals ziemlich unnötig ist, weil die meisten Universitäten nochmal separate Aufnahmeprüfungen veranstalten? Und das auch noch zur gleichen Zeit wie das Abitur. Falls nicht, und ihr euch jetzt fragt, was das ganze Theater dann eigentlich soll, dann stellt ihr euch die gleiche Frage, wie jährlich tausende Abiturient:innen in ganz Tschechien. Eine Antwort darauf hat bisher noch keiner gefunden, ich für meinen Teil werde mich aber in Zukunft mit Beschwerden über das deutsche Abitur ein wenig zurückhalten. Okay, vielleicht mit Ausnahme des Leseverstehens, und die Korrekturdauer, und überhaupt der Dauer der Prüfungen uuuund… Aber dieser Beitrag soll ja nicht in einer Schimpftirade auf Abiturprüfungen enden, also: wo war ich stehen geblieben? Ach ja, beim Montag.

Also, der Montag verlief wie gesagt aufgrund der Abiturprüfungen recht ruhig, ich traf mich lediglich zum Konversationsunterricht mit einem Schüler, der die Deutscholympiade in Südmähren gewonnen hat und somit in die nächste Runde kommt, in der die 16 Besten aus ganz Tschechien gegeneinander antreten.

Den Nachmittag verbrachte ich dann trotz des guten Wetters in meiner Wohnung, wo ich fleißig und inzwischen auch etwas gestresst an meinem aktuellen Häkelprojekt – ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter weiterhäkelte, das dringend auf die Post musste (Spoiler: es kam trotz Versprechungen des Postlers nicht rechtzeitig an).

Mit leichter Verspätung zu Hause angekommen…

Am nächsten Morgen gab ich das Paket dann auch auf, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte, wo ich eigentlich Lucie und Hanna treffen wollte, um mit ihnen gemeinsam im Mährischen Karst wandern zu gehen. Lucie und ich hatten am Abend vorher noch gescherzt, dass ihr Zug ja wohl keine 20min Verspätung haben würde (dann fuhr nämlich der Bus) und wir behielten in gewisser Weise recht: der Zug hatte ganze 25min Verspätung. Immerhin schien die Sonne, sodass ich mir auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Královo-Pole (ein Stadtteil von Brno) die Beine vertrat und überlegte, wie wir es anstellen sollten, zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu kommen, zu dem nur dreimal täglich ein Bus fährt. Zahlreiche Runden auf dem Vorplatz des Bahnhofs später, stießen dann endlich Lucie und Hanna zu mir, und wir fragten jeden Busfahrer, der auch nur ansatzweise in die richtige Richtung fuhr, ob er eine Idee hätte. Nachdem wir gefühlte hundert Mal Pech hatten, konnte uns der 101. Busfahrer dann weiterhelfen. Wir sollten einfach einen Bus nehmen, der in 20min kommt und bis in das Nachbardorf fahren. Das wir darauf nicht selbst gekommen sind… Mit vielen „Děkuji moc!“ unsererseits und einem kleinen Hupkonzert vonseiten des Fahrers verabschiedeten wir uns, winkten dem abfahrenden Bus nach und warteten auf unseren eigenen Bus, der uns schließlich tatsächlich bis in das Nachbardorf brachte. Dort folgten wir dann der dreisprachigen Wegbeschreibung eines Joggers: „500 meters, rechts, dolů“ die aber absolut ausreichend war, da es den letzten Kilometer wirklich nur noch bergab ging. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen wir dann auch, auf jeden Fall den Bus, der aus dem Dorf abfährt zu erwischen, da keine von uns große Lust hatte, diesen Berg wieder nach oben zu kraxeln. 

„runter“ trifft es ganz gut.

Endlich am Startpunkt unserer Wanderung angekommen, mussten wir feststellen, dass dieser Plan auch bedeutete, dass wir uns keine der Höhlen anschauen konnten, für die der Mährische Karst bekannt ist, da diese nur mit geführten Touren zugänglich sind, die für uns leider zeitlich nicht machbar waren. Die Wanderung an sich war dann mehr ein großer Spaziergang, was überwiegend daran lag, dass 90% des Weges asphaltiert oder durch Geländer gesichert waren und die restlichen 10% unserer Abenteuerlust geschuldet waren. Immerhin – an einem Dienstagvormittag begegneten wir kaum anderen Menschen, sodass man immerhin ein wenig das Gefühl von Natur und Einsamkeit vermittelt bekam.

Endlich am Startpunkt angekommen.

Der Weg war ein wenig zu eben für unseren Geschmack.

Ein bisschen Abenteuer muss sein

Wieder an unserem Startpunkt angekommen, waren wir immerhin rechtzeitig für den Bus, sodass einer gemütlichen Heimfahrt eigentlich nichts mehr im Wege stand. Wäre da nicht diese verflixte Anzeige gewesen, die uns an unserer Umstiegshaltestelle einen Bus direkt zum Hauptbahnhof in Brno versprach, der in 9 – 5 – 1min und dann wieder 9min kommen sollte. So ging das eine Weile, bis wir, beflügelt von unserem Erfolg heute morgen, wieder einen Busfahrer fragten, der uns ebenfalls versicherte max. 15min. Tja, er hatte leider unrecht und so entschlossen wir uns, doch zurück nach Královo Pole zu fahren. Prompt saßen wir in einem passenden Bus und fuhren los, kam uns dann – wie könnte es anders sein – der Bus zum Hauptbahnhof entgegen.

Insgesamt war der Ausflug aber dennoch ein Erfolg, denn jetzt wissen wir immerhin, dass man immer irgendwie zum Ziel kommt, wenn auch mit Verspätung und auf Umwegen und dass Busfahrer (fast) immer recht haben.

Ganz im Gegensatz zu dem leicht chaotischen Dienstag, grenzte der Mittwoch dann doch beinahe an Perfektion. Zumindest waren Klára und ich uns darin einig, als wir am Vormittag gemeinsam nach Olomouc aufbrachen, da sie bereits mit den Abiturprüfungen fertig war. Während die anderen also über dem Deutsch-Abitur brüteten, schlenderten wir bei bestem Wetter durch die Stadt, probierten tschechische Spezialitäten, lernten neue Wörter wie „malerisch“ und „léhatko“ (Liegestuhl) und relaxierten (nein Scherz, dieses Wort gibt es natürlich NICHT!) im Botanischen Garten, wo wir uns einig waren, dass Brno dringend auch so einen Ort braucht (der Brünner Botanische Garten eignet sich nicht so sehr zum Hinliegen und Entspannen).

sehr malerisch

Ein wenig Kunst darf auch nicht fehlen.

Olmützer Käse, seeeehr intensiv.

Der Ostermarkt rund um das Rathaus

So einen Ort braucht einfach jede Stadt.

Entspannt und jede mit einem Kaffee in der Hand, kamen wir perfekt getimt wieder am Busbahnhof an und beschlossen, diesen Tag so schnell wie möglich, mit den vielen Ausflugszielen, die wir den ganzen Tag über gesammelt hatten, zu wiederholen.

Am Donnerstag verschanzte ich mich dann erstmal in meinem Kabinett um das lästige, aber dringend nötige Thema „Studienbewerbung“ anzugehen. Zugegeben, ich habe es das letzte halbe Jahr genossen, einfach mal auf Pause drücken zu können, ohne wirkliche Verpflichtungen zu haben oder mich groß um meine Zukunft kümmern zu müssen. Diese Ruhe ist jetzt ein wenig vorbei, zumindest, bis die Bewerbung abgeschlossen ist. Irgendwann zog es mich dann aber doch nach draußen uns so setzte ich mich vor einem der vielen Theater ins Gras und erledigte dort die angesammelte Arbeit, bis ich mich, nach mehrmaligem Umziehen, schließlich entgültig von einer Ameisenhorde vertreiben ließ.

Da hatte ich die Ameisenhorde noch nicht bemerkt.

Besonders schlimm war das aber nicht, denn so blieb mir immerhin Zeit genug, noch eine Kleinigkeit zu essen (Vesper natürlich), bevor ich mich auf den Weg zu einem traditionellen Folklore-Konzert machte. Entgegen der Vorstellung vieler, gibt es dabei, zumindest in Südmähren nicht nur Bier, sondern auch Wein, in diesem Falle sogar nur Wein, wogegen ich aber auch nichts einzuwenden hatte, denn südmährischen Wein sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Wer sich jetzt fragt, warum ich freiwillig auf ein Folklore-Konzert gehe, wo ich mich doch zu Hause wann immer möglich vor diversen Blasmusikauftritten drücke, dem versichere ich, dieses Konzert übertrifft alles, was wir bei uns zu Hause haben bei Weitem! Das liegt zum einen daran, dass ich Geigen und einer Zimbál irgendwie mehr abgewinnen kann, als Hörnern und Querflöten und an der guten Stimmung, die dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn das Publikum nicht mehr dass singt, was die Band spielt, sondern die Band das spielt, was das Publikum singt.

Den Freitag ließ ich dann entsprechend ruhig angehen, machte ein paar Besorgungen, ging eine Runde joggen und machte mich schließlich Abends auf den Weg zu einer weiteren Tandemstunde/Spieleabend. Brettspiele, oder Spiele im Allgemeinen und Activity im Besonderen sind, das möchte ich an dieser Stelle anmerken, prima, um eventuelle Sprachbarrieren zu überbrücken und lassen sich auch prima spielen, wenn es keine gemeinsame Sprache gibt, die alle Mitspielenden verstehen.

Am Samstag genoss ich es wieder einmal, ausschlafen zu können, bevor ich mich für einen etwas vorgezogenen Osterspaziergang mit Adéla traf, wo wir das Gebiet rund um den Steinbruch noch ein wenig erkundeten und uns beinahe verliefen, bis mir die Bäume irgendwann wieder bekannt vorkamen (es hat eben seine Vorteile, wenn man viel Zeit in diesem Wald verbringt).

 

Den Abend verbrachte ich mit Packen, wozu, dass erfahrt ihr in meinem nächsten Beitrag, der dann auch den Sonntag dieser Woche enthält, da der a) thematisch einfach besser zu nächster Woche passt und b) die Länge dieses Beitrags vollends überstrapazieren würde.

Also sage ich bis dahin – Ahoj!