210 Tage (Woche 30)

Ahoj zu einem neuen Beitrag! Woche 30 – Wahnsinn! Nie hätte ich gedacht, dass die Zeit so schnell vorbeigeht. 30 Wochen, das sind 7 ½ Monate, 210 Tage, 5 040 Stunden,… – kurzum, eine ganz schön lange Zeit, die meiner Meinung nach viel zu schnell vergangen ist.

Aber kommen wir zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags: was in Woche 30 alles so geschehen ist.

Nachdem ich meinen Kühlschrank dank der Sonntags geöffneten Supermärkte schon am Tag zuvor wieder einigermaßen auffüllen konnte, blieb mir der lästige Gang in den Supermarkt am Montag erspart, worüber ich insbesondere aufgrund des schlechten Wetters ganz froh war.

Umso besser konnte ich mich daher auf die Probedebatte konzentrieren, die am Montagvormittag mit unseren Kandidat:innen für die Schulverbundsrunde am nächsten Tag anstand. So gut vorbereitet konnte in der Debatte eigentlich nichts mehr schiefgehen und ich verbrachte den Nachmittag damit, eine Stunde zum Thema „Ostern“ vorzubereiten. Das ist einfacher gesagt als getan, wenn man den Schüler:innen nicht nur einen Haufen Infomaterial und vielleicht noch ein Vokabelspiel auftischen will. Nachdem ich also für geraume Zeit in den Tiefen des „DaF-Kosmos“ und auf Seiten der Deutschen Welle, des Goethe-Instituts und Co. abgetaucht war, wurde es schließlich Zeit, meine Rolle als Sprachlehrerin gegen die der Sprachlernerin zu tauschen und ich machte mich auf den Weg zum Sprachkurs.
Die heutige Lektion der Präfixe ließ mich mal wieder stark daran zweifeln, ob ich diese Sprache jemals beherrschen werde. Zur Erklärung, bei Präfixen handelt es sich um Dinge wie auf-, über-, um-, ein-,… was erstmal nach simplem Auswendiglernen klingt, sich aber schnell als ganz schön kompliziert herausstellt.

Zwischendurch blitzt immer mal wieder die Sonne hinter den Wolken vor.

Am Dienstagmorgen stand dann endlich die Schulverbundsrunde an, für die wir die letzten Wochen so fleißig geübt hatten. Das Thema „Sollen tschechische Schüler:innen dazu verpflichtet werden, in den Ferien Praktika bei einer gemeinnützigen Organisation zu leisten?“ wurde in zwei wirklich guten Debatten ausführlich diskutiert und auch mit dem Ergebnis können wir mehr als zufrieden sein: eine Debattantin hat sich für die Landesqualifikation in Prag qualifiziert, ein weiterer Debattant ist Ersatzkandidat!

Nachmittags stand dann noch ein Telefonat mit meiner „Nachfolgerin“ an, denn zum Glück wird die Schule im September eine weitere kulturweit-Freiwillige bekommen! Jetzt, da ich die Bewerbungsphase quasi aus Sicht der Einsatzstelle und nicht mehr aus Sicht einer Bewerberin erlebe, wird mir erst richtig klar, dass die potenziellen Einsatzstellen mindestens genauso sehr auf eine:n Freiwillige:n hoffen, wie die Bewerber:innen. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn Freiwillige absagen und sich auch kein:e Nachrücker:in findet.

Im Anschluss daran, machte ich mich auf den Weg in die Stadt, wo ich mich mit einem Freund treffen wollte und mal wieder ein neues Café kennenlernte, dass sich hervorragend für verregnete Tage und auch Arbeiten eignet – es gibt sogar extra Steckdosen, für all die Studierenden, die hier stundenlang über ihren Hausarbeiten brüten (noch kann ich darüber Witze machen…).

Mittwochs kam dann endlich meine „Osterstunde“ zum Einsatz und das gleich mehrmals. Der Vorteil an solchen Stunden zu Festen und Landeskunde im Allgemeinen ist nämlich, dass sie sich meist recht leicht an verschiedene Niveaus anpassen lassen. Und so bearbeiteten die Schüler:innen an verschiedenen Stationen ein Kreuzworträtsel, ein Rezept für ein Osterlamm, einen Lückentext zu Osterfeuern und ein Leseverstehen zum Thema „Was haben der Osterhase und bunte Eier eigentlich mit Ostern zu tun?“ Und zum Schluss gab es selbstverständlich Schokoeier für alle, denn was ist schon eine Osterstunde ohne Osterschokolade?

Beim Drucken fühlt man sich wie eine richtige Lehrerin 🙂

Im Anschluss an die letzte Osterstunde ging es dann zu dritt zu einer Deutschlehrerin nach Hause, wo wir uns im Rahmen von Carcassonne einen Kampf um Städte, Wiesen und Klöster lieferten, bevor wir uns schließlich auf den Weg zu einem Benefizkonzert für die Ukraine machten, dass vom Chor unserer Schule und dem Orchester eines anderen Gymnasiums der Stadt in der Kapelle des ehemaligen Zuchthauses veranstaltet wurde. Die Atmosphäre dieses Ortes und das Talent der beiden Ensembles machten das Konzert zu etwas ganz Besonderem.

Im Anschluss an das Konzert saßen wir noch einige Zeit im gegenüberliegenden „Café in the Ghetto“ zusammen, das mit der zusammengewürfelten Einrichtung ebenfalls eine ganz eigene Atmosphäre verbreitet und die Vorstellungen, die man angesichts des Namens vielleicht von diesem Café hat, im positiven Sinne umkrempelt.

Zum Glück musste ich am Donnerstag nicht allzu früh aufstehen, da einige Stunden ausfielen und nach einer weiteren Osterstunde hatte ich beinahe schon wieder Feierabend und somit genug Zeit, mich mit zwei Freundinnen in einem Café zu treffen, in dem ich ebenfalls vorher noch nie war. Ihr seht, auch nach über sieben Monaten hat man in Brno noch nicht alle guten Cafés kennengelernt. Die beiden stehen kurz vor dem Abitur uns somit blieb uns nicht allzu viel Zeit, bevor sie sich wieder an den Schreibtisch setzen mussten. Froh, diesen Stress hinter mir zu haben, machte ich mich stattdessen auf den Weg zu einer weiteren Tandemstunde.

Codenames – das perfekte Spiel zum Vokabellernen

So vollgepackt wie der Donnerstag sowieso schon war, hatte ich natürlich auch den Abend schon verplant. Und zwar, um mich endlich mal wieder online mit Anna zu treffen, da unsere eigentlich regelmäßigen IDSS-Stunden in letzter Zeit doch eher unregelmäßig waren. Also quatschen wir ausführlich über ihre DSD-Prüfung (die natürlich kein Problem für sie war), die anstehenden Ferien und Osterbräuche in Deutschland und Russland.

Am Freitag war ich dann entsprechend erledigt von den letzten Tagen und ganz froh, nach dem Unterricht am Vormittag, keine weiteren „Termine“ zu haben und genoss die Ruhe meiner Wohnung.

Am Samstag allerdings, hatte ich schon wieder Pläne. Lucie und ihre neue Mitbewohnerin Hanna wollten für einen Einkaufsbummel in die Stadt kommen. Doch zunächst suchten wir in einem Café Schutz vor dem ungemütlichen Wetter. Nachdem wir mehr oder weniger erfolgreich in verschiedenen Läden vorbeigeschaut hatten, beschlossen wir, den Ostermarkt auf dem Náměstí Svobody zu erkunden, wo uns zuerst das Bier auffiel, dass die Leute tranken. Natürlich nicht die Tatsache, dass Leute Mittags Bier trinken, sondern vielmehr die Farbe des Biers, das fast ausnahmslos grün war. Dabei handelt es sich um eine Tradition zu Gründonnerstag (der eigentlich noch ein bisschen hin ist), das Bier schmeckt aber genau gleich wie normales Bier.

Wenn schon kein Weihnachtsmarkt, dann immerhin ein Ostermarkt.

Eine Parade bestehend aus alten Autos und Feuerwehrfahrzeugen.

Grünes Bier.

Außerdem stellten wir fest, dass an jedem zweiten Stand Stöcke aus geflochtenen Weidenzweigen verkauft werden, mit denen die Jungen und Männer den Frauen und Mädchen an Ostern auf den Po klopfen, was den Frauen Gesundheit und den Männern als Dankeschön ein bemaltes Ei bringen soll. Die Meinungen über diese Tradition sind geteilt.

Pomlázky – die Peitschen aus Weidenästen.

Am Sonntag war das Wetter zum Glück schon wieder etwas besser, woraufhin ich kurzerhand beschloss, wieder joggen zu gehen (eine Gewohnheit kann man es noch nicht nennen, aber ich freunde mich mehr und mehr mit der Joggingstrecke am Fluss an).

Der Frühling kommt.

Endlich!

Kaum war ich zurück, zog der Himmel dann allerdings auch schon zu und der Wind wurde stärker. Perfektes Wetter also für den am Nachmittag anstehenden Kinobesuch. Gemeinsam mit dem DSD-Lehrer der Schule und seiner Frau wollte ich mir den neuesten Teil der „Fantastische Tierwesen“-Reihe anschauen. Auf Englisch mit tschechischen Untertiteln, wie wir glaubten. Zu unserem – beinahe schon Entsetzen – stellten wir dann aber fest, dass der Film komplett auf Tschechisch war. Was insofern ein Problem war, als das zumindest zwei von uns dafür definitiv nicht gut genug Tschechisch sprechen. Im Anschluss wurde also wild spekuliert und schließlich die Wikipedia-Zusammenfassung zu Rate gezogen. Ob der Film gut war? Um das wirklich beurteilen zu können, müsste ich ihn wohl nochmal auf Englisch sehen, nur so viel kann ich sagen: der neue Grindelwald-Schauspieler lässt einen nach den ersten 10 Minuten vergessen, dass er nicht schon immer Grindelwald spielt und es wurde recht häufig gelacht (die Witze habe ich allerdings meistens nicht verstanden). Nach diesem mehr oder weniger erfolgreichen Kinobesuch brauchten wir dringend eine Stärkung und ich lernte endlich den wohl besten Inder der Stadt kennen, der wirklich ziemlich gut ist. Ich werde dort in den nächsten Monaten wohl noch öfter vorbeischauen müssen.

In den nächsten Wochen schaut hoffentlich auch die Sonne mal wieder öfter vorbei, aber die Wettervorhersage für die nächste Woche stimmt mich zumindest schon mal optimistisch. Und ob die Wettervorhersage recht behalten hat – das ist dann wohl Thema des nächsten Blogeintrags. Bis dahin – Ahoj!

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