Der ganz normale Wahnsinn (Woche 17)

Diese Woche war es dann soweit, die Schule und damit der Alltag begannen endgültig wieder.

Naja, zumindest fast, denn bis Dienstag war meine Wohnung noch eine kleine WG. Die slowakischen Freiwilligen hatten noch eine Woche länger Ferien und nutzten diese zum Skifahren, worauf ich sehr neidisch war. Da sie sich ein Skigebiet in Tschechien ausgesucht hatten, bot es sich an, von Brno aus direkt weiterzufahren.

Abgesehen davon, verlief der erste Schultag im neuen Jahr aber recht gewöhnlich. Es wurden die üblichen Fragen gestellt: „Wie waren deine Ferien?“, „Wie hast du Silvester und Weihnachten gefeiert?“, die sich aber in den Deutschunterricht sehr gut integrieren lassen und die Schüler:innen genauso wie die meisten Lehrer:innen waren eher weniger motiviert, nach diesen recht kurzen Ferien bereits wieder in die Schule gehen zu müssen, besonders da jetzt die letzte Klausurenphase vor den Halbjahreszeugnissen beginnt.

Mein Sprachkurs ging selbstverständlich ebenfalls weiter. Auch wenn ich bei weitem nicht so viel wiederholt habe, wie ich es mir vorgenommen hatte, bin ich doch dazu gekommen, mir ein paar Lektionen anzuschauen und war somit für das neue Thema gewappnet: Vergangenheit – ein Thema, das erstmal schwierig klingt, aber bei weitem nicht so kompliziert ist, wie man vermuten könnte.

Dienstags machten sich dann auch Fiona und Richard auf den Weg zum Skifahren – nochmal, ich war seeehr neidisch – und ich war tatsächlich wieder alleine. Ein Gefühl, das sich überraschend vertraut angefühlt hat. Besonders viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich aber auch gar nicht, denn es hieß, den Unterricht für Mittwoch und Donnerstag vorzubereiten. Die kleine Weihnachtspause hatte mir scheinbar wirklich gutgetan, was ich daran merkte, dass ich sehr viel motivierter und kreativer bei der Sache war, als noch vor den Ferien. Zwar fällt es mir gelegentlich noch immer schwer, zu einem Thema tatsächlich 45min sinnvollen Unterricht zu machen, allerdings habe ich schon ein deutlich besseres Gespür dafür entwickelt, wie lange man für welche Aufgaben braucht, was die Schüler:innen zum Reden animiert und bei welchen Aufgaben sie die Augen verdrehen.

Bevor ich mich allerdings an die Unterrichtsvorbereitung machte, musste ich ein Problem in den Griff kriegen, unter dem wir seit unserer Ankunft gelitten hatten: die sehr schlecht bis gar nicht funktionierende Heizung. Mit einem Schraubenzieher aus der Physik und einem Becher bewaffnet, machte ich mich also daran, die Heizung zu entlüften. YouTube sei dank, entpuppte sich diese Aktion als sehr viel einfacher als gedacht und siehe da, nachdem circa 2min nur Luft aus dem Rohr entwich, kam schließlich auch das Wasser und in Nullkommanichts war meine Wohnung wieder warm.

Ich werde noch zur Heimwerkerin.

Den Abend verbrachte ich dennoch gemütlich mit einer Tasse Tee und einem der Bücher, die ich in meinen Koffer gequetscht hatte, eingekuschelt in eine Decke, im Bett. Nach zwei Wochen war das vermutlich der erste Abend, den ich tatsächlich alleine verbrachte und ich genoss die Ruhe definitiv. Entsprechend früh ging es dann auch ins Bett, in der Hoffnung, meinen Schlafrhythmus wieder einigermaßen geraderücken zu können.

Reste der vorherigen Woche: Kartoffelrösti/Reibekuchen/Reiberdatschi – je nachdem, wen man fragt.

Der Mittwoch war dennoch hart. Aufstehen, wenn es draußen noch dunkel ist, das habe ich schon immer gehasst und ich werde mich vermutlich auch nie damit anfreunden können. Immerhin das Wetter war gut und der plötzliche Temperatursturz sorgte dafür, dass ich auf dem Weg zur Schule wach wurde.

Spätestens im Klassenzimmer fällt die Müdigkeit dann sowieso mehr oder weniger von einem ab, denn wenn eines nicht funktioniert, dann ist es Unterrichten, wenn man dabei  fast einschläft.

Ein Aspekt des Lehrer:innenberufs ist nämlich tatsächlich die Tatsache, dass man quasi dauerhaft unter Beobachtung steht und sofort ein Feedback erhält, zu dem was man tut. Auf der anderen Seite sollte man es sich aber auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen, wenn Schüler:innen mal nicht so mitmachen, wie man es sich erhofft hat. Denn das kann an tausend verschiedenen Faktoren liegen, die man als Lehrer:in gar nicht beeinflussen kann und muss nicht unbedingt etwas mit dem eigenen Unterricht zu tun haben.

Auf dem Rückweg kamen mir dann grinsend drei Schüler entgegen, die ich eigentlich nachmittags im Unterricht gehabt hätte. Zwar etwas verwundert, dachte ich mir zunächst nicht viel dabei und machte mich auf den Weg in die Abschlussklasse, die nächste Woche ihre mündliche DSD2-Prüfung haben wird. Seit meiner Englisch Kommunikationsprüfung ist es ziemlich genau ein Jahr her und so weiß ich in etwa, wie die Schüler:innen sich fühlen und hoffe, mit meinem Feedback und Tipps zu den Präsentationen und Kurzvorträgen zumindest ein bisschen helfen zu können.

Warum die anderen Schüler mir grinsend entgegen kamen, erfuhr ich dann von einem Lehrer und konnte zunächst nicht so sehr darüber lachen, denn: aufgrund von Bauarbeiten, bei denen es wohl einen Zwischenfall gab, hatte die gesamte Straße kein Wasser mehr. Als ich dann allerdings in meine Wohnung kam, erwartete mich eine freudige Überraschung: das Schulgebäude, in dem ich wohne liegt in einer Seitenstraße, welche nicht von dem Wasserausfall betroffen zu sein schien. Dennoch ist mir mal wieder bewusst geworden, wie sehr wir uns eigentlich darauf verlassen, dass wir einfach den Hahn aufdrehen können, wenn wir Wasser zum Trinken, Kochen, Waschen, Duschen, aufs Klo gehen, … brauchen.

Das unbestrittene Highlight des Donnerstags war eine Unterrichtsstunde, in der es um das Thema Schule und damit auch Lieblingsfächer und Co. ging. Denn nachdem ein Schüler zunächst meinte, Deutsch ist ein Fach, dass er nicht mag, widersprach ihm eine Mitschülerin auf Tschechisch, dass das ja nur bei dem anderen Lehrer so wäre und Deutsch mit mir gut sei. Diese Aussage freute mich mehr, als ich es mir hätte vorstellen können und meine Tschechischstunden haben sich definitiv schon gelohnt, sonst hätte ich das nicht verstanden.

Mit diesen Glücksgefühlen im Schlepptau genoss ich das gute Wetter bei einem Spaziergang durch die Stadt und weihte meinen neuen wiederverwendbaren Kaffeebecher ein.

Da schmeckt der Kaffee doch gleich viel besser.

Freitags vertrat ich dann spontan eine Lehrerin, die mir zum Glück ein Spiel für die Stunde mitgab, dass ich mit ihrer Klasse spielen konnte. Abgesehen davon, waren die Schüler:innen aber auch sehr motiviert, sich mit mir zu unterhalten, was mich sehr freute. Den späten Nachmittag verbrachte ich dann erneut damit, Sonne zu tanken, auch wenn es für längere Spaziergänge eigentlich zu kalt war und die Sonne für meinen Geschmack immernoch viel zu früh untergeht.

Der Sonnenuntergang: zu früh, aber schön.

Am Samstag begann das Wochenende allerdings noch nicht ganz, denn es stand die letzte Probe vor der DSD-Prüfung an. Wir verbrachten den Tag damit, uns Präsentationen anzuhören, Fragen zu stellen, letzte Tipps zu geben und uns mit der Technik zu ärgern. Letzteres muss am Montag definitiv noch behoben werden, alles andere lief dafür umso besser. Die Nervosität war dennoch bei Schüler:innen und Lehrer:innen spürbar und so verließen wir alle nach acht Stunden recht erledigt die Schule.

Nachdem ich den Samstag weitestgehend mit Rumsitzen verbracht hatte, war es am Sonntag Zeit für ein wenig Bewegung. Diese holte ich mir mit Lucie beim Bouldern, etwas das ich während meines kurzen Aufenthalts zu Hause das erste Mal gemacht hatte, an dem ich aber sofort Gefallen gefunden hatte. Nachdem wir uns mehr oder weniger orientiert hatten und klar war, welche Routen die leichten (also die für uns) und welche die schweren waren, konnte es los gehen und wir kletterten, bis uns beinahe die Arme ab- oder wir von der Kletterwand fielen (je nachdem, was zuerst eintrat).

Nach diesem erfolgreichen Abschluss der Woche und mit dem festen Plan, in Zukunft regelmäßig bouldern zu gehen, stand der kommenden Woche, die sich vor allem um die anstehenden DSD-Prüfungen drehen wird, nichts mehr im Wege.

Ahoj!

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