Pfützen und Nostalgie

Nach vier Wochen in Ruse und einem Wochenende in Varna war ein Ausflug nach Sofia genau das, was fehlte, um vollständig zu realisieren, dass ich in Bulgarien bin. Die Meinung vieler Bulgaren scheint von meiner abzuweichen, aber die Hauptstadt ist für mich dann doch der Mittelpunkt des Landes. Als ich hier anfing, mit den Menschen über Sofia zu sprechen, hörte ich oft eine gewisse Abneigung oder sogar Ablehnung gegenüber der Hauptstadt heraus. Das ist nichts Ungewöhnliches, oft beobachte ich, dass Menschen aus kleineren Städten mit ihren Hauptstädten fremdeln. Überrascht hat es mich trotzdem. In Ruse selbst gilt Ruse als ordentliche Stadt, während die Sofioter es „die Provinz“ nennen und die Kritik an ihrer Stadt belächeln.

Ich höre hier oft, dass Sofia zu überlaufen, sogar überfordernd sei. Dass die Stadt zu aufregend ist und man sie lieber meidet. Ich sehe es nicht so und mag die Stimmung in Sofia, halte aber in Ruse nicht gern dagegen, weil es hier eher gegenteilig ist. Ruse ist gemütlich, übersichtlich und ruhig. Das kann entspannend wirken, das wuselige und lebendige Sofia aber fehlte mir, und ich freute mich sehr, als ich dann im Zug saß und etwas über 6 Stunden durch bulgarische Landschaften tuckerte.
Herbstsonne erwartete mich nicht, es war überraschend kalt und regnerisch, aber wenn Hamburg mich auf ein Wetter vorbereiten konnte, dann ja wohl dieses.

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