Зуны сургалт | Sommerkurs

In der vergangenen Woche unterstütze ich einen Sommersprachkurs meiner Schule im Tereldsch-Nationalpark. Zunächst noch etwas geschwächt, geht es mir bald besser. Die Bäume sind grün, die Wiesen blühen. Meine Gruppe ist toll, ich soll auf die A2-Vergleichsarbeiten im nächsten Schuljahr vorbereiten. Auf der Wiese vor dem Holzhaus spielen wir viele Spiele. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Өвчтэй | Krank

Die letzten Tage verbringe ich die meiste Zeit zwischen Bett, Balkon und Toilette. Ich bin krank, mein Magen spielt verrückt und trotz täglicher Medizin scheint sich der Genesungsprozess nicht zu beschleunigen. Während des Herumliegens plagen mich Sinnfragen, Zukunftsängste und Selbstzweifel. Für die nächsten Tage habe ich nur kaltes Wasser in der Wohnung, Wartungsarbeitungen an den Wasserleitungen. Vielleicht eine erste kleine Krise.

Улаанбаатар | Ulaanbaatar 1951 & 1968

Folgende Filmszenen¹ geben einen Einblick in die Vergangenheit Ulaanbaatars um 1951 und 1968. Viele der repräsentativen Gebäude prägen bis heute das Stadtbild und sind mir aufgrund meiner täglichen Busfahrten durch das Zentrum der Stadt wohlbekannt. Die in den Szenen zu beobachtende exponierte Lage ist so meist nicht mehr vorhanden. Seit dem Zusammenbruch der Mongolischen Volksrepublik wächst die Stadt rasant. Die Bevölkerunganzahl steigt in achtundzwanzig Jahren von etwa 500.000 auf über 1,5 Millionen. Die nur wenig befahrenen Straßen aus den Filmausschnitten gehören der Vergangenheit an.

¹ Bei den Videos handelt es sich um unveröffentlichte Filmszenen aus dem britischen Pathé-Archiv. Pathé News produzierte von 1910 bis 1970 Wochen- und Dokumentarfilme in Großbritannien. Dieser Hintergrund beeinflusst zwangsläufig die in den Filmszenen eingenommene Perspektive und ist daher bei der Rezeption zu berücksichtigen. Autorenschaft und genauer Entstehungszeitraum der Szenen sind unbekannt.

Эрдэнэт | Erdenet

Mit einem Nachtzug der Transmongolischen Eisenbahn reise ich nach Erdenet, mit etwa einhunderttausend Einwohner*innen zweitgrößte Stadt der Mongolei. Gegründet wurde die Stadt erst 1975 für die Arbeiter*innen der dort ansässigen Kupfermine. Plattenbauten in den buntesten Farben, dazwischen kleine Rasenflächen mit Spielgeräten prägen das Stadtbild.

 

Хустайн нуруу | Chustain Nuruu

Das Wochenende vebringe ich mit Freund*innen im Chustain-Nationalpark. Berühmt ist der Park für das Auswilderungsprogramm der Przewalski-Pferde (mongolisch: Taxь), die vor etwa fünfzig Jahren fast ausgerottet worden wären. Neben Pferden tauchen immer wieder Murmeltiere am Rande der Pisten auf, in den fernen Berghängen entdecken wir Rentierherden. Erstmals sehe ich die Weite der mongolischen Steppe mit eigenen Augen. Braun, gelb und grün in einem unglaublichen Variantenreichtum bis an den Horizont. Wir übernachten bei einer Nomadenfamilie im fruchtbaren Tal des Tuul-Fluses. Während die Sonne langsam hinter den Bergen versinkt, spielen wir Fußball mit Tengis und Engi. Die Rückkehr in die Stadt fällt nicht leicht.

Өдөр тутмын амьдрал | Alltag

Langsam gewöhne ich mich an mein tägliches Leben. Die Schultage sind lang, abends bin ich oft müde. Von meiner Wohnung zur Schule nehme ich entweder den Bus oder laufe die dreieinhalb Kilometer durch die Stadt. Der Himmel ist fast immer blau, nur manchmal färbt er sich aufgrund der durch die Stadt ziehenden Sandstürme rot und braun. Das Unterrichten bereitet mir Freude. Am liebsten bin ich im Kunstraum im Keller der Schule, ein Tyrannosaurus Rex reißt David den Kopf vom Leib.

 

Гандан | Gandan

Die Sonne scheint, erstmals keine Mütze. Abseits der Hauptverkehrs-
straßen finden sich immer wieder Orte der Ruhe. Zwischen den Häusern wird Basketball gespielt. Ältere Herren sitzen gemeinsam in kleinen Holzpavillions und unterhalten sich. Nicht weit von meiner Wohnung entfernt, liegt auf einem Hügel das Gandan-Kloster. 1838 als religiöses Zentrum gegründet, bis heute bedeutendste Stätte des lamaistischen Buddhismus in der Mongolei. Herzstück der Anlage ist die 25 Meter hohe, vergoldete Statue der Göttin Janraisig. Ich beobachte, vieles scheint mir fremd und unbekannt.