Truly Nomadic?

https://www.bpb.de/apuz/208255/truly-nomadic-die-mongolei-im-wandel

Interessanter Text über historische und gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen in der Mongolei sowie den Hintergrund und die Verwendung des Begriffs Nomadismus, welcher mit kaum einem anderem Staat so häufig in Verbindung gebracht wird. Ines Stolpe ist Professorin für Mongolistik an der Universität Bonn.

Nomadism is a category imagined by outsiders“

Kaum ein Staat wird so ostentativ mit Nomadismus assoziiert – ob in Filmen, Bildbänden, bei Fotoausstellungen oder auf der Internationalen Tourismusbörse, auf der die Mongolei im März 2015 mit dem Slogan „Nomadic by Nature“ als offizielles Partnerland auftrat – Mongolen gelten als Nomaden par excellence. Es mag daher überraschen, dass diejenigen, die tatsächlich von mobiler Weidewirtschaft leben, sich selbst nicht dieses Begriffes bedienen. Denn: „Nomadism is a category imagined by outsiders“, eine externe Zuschreibung von Differenz. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrieb jedoch die Mehrheit der mongolischen Bevölkerung extensive Weideviehwirtschaft. Der mobile way of life war somit der Normalfall und bedurfte als kulturelle Selbstverständlichkeit keiner kontrastiven Terminologie.

„If we call ourselves nomadic people it will mean that we are simply a homeless tribe or people having no permanent abode. What kind of people will we be after all?“

Ebenfalls einzigartig verlief die Modernisierung des Landes mit ihrer dezidierten Ausrichtung auf Gleichstellung bei wechselseitiger Integration von räumlicher und sozialer Mobilität. Vor diesem Hintergrund kritisierten mongolische Wissenschaftler die ab 1990 einsetzende Konjunktur einer diskursiven „Nomadisierung“ als Anbiederung an externe Sichtweisen: „If we call ourselves nomadic people it will mean that we are simply a homeless tribe or people having no permanent abode. What kind of people will we be after all?“ Wie das Zitat exemplarisch illustriert, erschien das Nomaden-Image vor allem wegen impliziter Assoziationen mit Rückständigkeit problematisch.

Quelle: Truly Nomadic? Die Mongolei im Wandel, Autorin: Ines Stolpe, für Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ 26-27/2015)

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