Lagebericht: 1. Monat

Der Blick über Dakar vom Goethe-Institut #bossbüro

Liebe Leserinnen und Leser,

nach langer Zeit kommt mal wieder ein Lebenszeichen aus dem fernen Dakar.
Der erste Monat ist wie im Flug vergangen! Es gibt viel zu erzählen:

 

Mittlerweile habe ich mich gut gewöhnt an den Hitze-/Lärm-/ und Staubpegel Dakars. Bei mindestens 4 Litern Wasser am Tag und gut gewählten Ausgeh-Zeiten ist das alles ertragbar. Inzwischen finde ich auch recht gut von A nach B – solange es nicht schnell gehen muss. Denn obwohl das Bussystem wirklich viele Orte erreicht, kann man sich nicht wirklich auf die Regelmäßigkeit verlassen. Wenn man doch mal „pressée“ sein sollte, gibt es ja sowieso genug hupende Taxis, die einen – nach etwas Verhandeln – gerne durch die Stadt kutschieren.

Die Wohnsituation: Zuerst ist Franzi nach Saint-Louis gezogen und dann auch Johanna in ein anderes Viertel Dakars. Am Sonntag hat mich nun auch Clara verlassen und wohnt jetzt mit einem Franzosen in einer WG.
Seit einer Woche machen wir zusammen einen Sprachkurs im Institut Français, der unsere Aufsteh-Zeit erstmal zwei Stunden in die Früh verschoben hat. Doch auch der weite Weg ins Plateau-Viertel ist mit der richtigen Buslinie gemeistert.

Der Französischkurs ist leider nur mittelmäßig zufriedenstellend. Clara und ich sind im Gegensatz zu den anderen erwachsene(re)n Teilnehmern noch ziemlich auf das effiziente Lernen gepolt und es geht uns deshalb oft zu langsam. Aber das konzentrierte Beschäftigen mit der Sprache ist natürlich trotzdem sinnvoll und bringt uns hoffentlich weiter.
In einem waghalsigen Moment habe ich mir die sieben (französischen) Harry Potter Bände aufs Kindle geladen. Das Lesen geht immer besser und macht wirklich Spaß, da ich den Inhalt ja wirklich gut kenne und mir fehlende Vokabeln nie raussuchen muss. Mittlerweile ist Harry auch in „Poudlard“ angekommen und schwingt sein „baguette magique“ (magisches Baguette. MAGISCHES BAGUETTE).

Unter der Woche bin ich meistens ziemlich erschlagen, viel Energie für Unternehmungen bleibt mir selten übrig. Einige Male haben wir uns zum Sport aufgerafft und waren vor der Arbeit im Piscine Olympique schwimmen. Zu dem Komplex gehört auch eine Salle Gymnastiqe, in der für wenig Geld angeleitete Kurse stattfinden (1000 CFA; 1,50 €). Besonders lustig ist „Batons“: Zu ohrenbetäubender Musik wird mit langen Stöcken gesportelt.
Ansonsten sind unsere abendlichen Aktivitäten normalerweise Kochen, Essen, Filme, Lesen, Spielen, Malen und Nähen. Wie in Deutschland könnte ich also auch hier definitiv ein paar Jahrzehnte älter sein. Aber es ist genau richtig so!

Blick von der heimischen Dachterrasse.

Das gefühlte Hauptnahrungsmittel

Am Wochenende werden diese Aktivitäten durch Ausschlafen, Bananenpancakes und Ausflüge ergänzt.
In chronologischer Reihenfolge (die Ausflüge der ersten Tage sind im „Alphabet der ersten Woche“) –

Marché Kermel

Ein großer Markt in einem kreisrunden Gebäude, welches an die Kleinmarkthalle erinnert. Hier kann man scheinbar alles Essbare bekommen, was das Herz begehrt. In unserem Fall waren das Yassa-Gewürze (köstlich). Leider herrscht ein ziemlich durchdringender Fischgestank vor, deshalb sind wir recht schnell wieder raus geeilt.

Les Almadies

Ein schickes Viertel Dakars voller Hotels und der US-Amerikanischen Botschaft. Kein Wunder, denn hier liegt der westlichste Punkt Afrikas. Zu unserer Überraschung war dieser überhaupt nicht touristisch aufgemacht. Vielleicht waren wir auch eine Ecke davon entfernt? Der öffentliche Strand ist nicht so schön, aber die Maiskolben am Straßenrand dafür sehr lecker (obwohl es die eigentlich überall gibt).

Île de Gorée

Der wohl meist besuchte Ort Dakars. Die Insel liegt mit der Fähre 20 Minuten vor der Stadt und ist wunderschön grün. Von Touristen belagert ist sie aber vor allem wegen ihrer tragischen Geschichte: Sie ist ein Erinnerungsort für die ungeheure Anzahl der Menschen, die als Sklaven über den Atlantik verschleppt wurden. Die „Maison des Esclaves“ ist das bekannteste Symbol für diese Gräueltaten.

Ankunft auf Gorée

Im Hafen

Die langen Boote heißen Pirogues

An dieser Schule wird Clara tätig sein

In einer der kleinen Gallerie

Die berühmte „Maison des Esclaves“

 

Konzert im Institut Français

Mit leckeren Cocktails war es ein wunderschöner Abend im Institut Francais. Zu senegalesischen und internationalen Liedern wippten wir erstmal nur mit den Zehenspitzen, bis uns Aisha, eine Tanzlehrerin, mit der wir uns davor angefreundet hatten, mit Nachdruck auf die (von ihr erkorene) Tanzfläche zog.

Unsere Freundin Aisha, da war sie noch alleine am Tanzen

Musée Théodore Monod

Im recht großen Museum zu afrikanischer Kunst waren wir ziemlich lange ganz allein. Sehr schade, denn es hat echt sehr interessante Stücke zu bieten!

Ich sitze auf einer Hollywood-Schaukel, die aus Kronkorken gemacht ist!

Île de Ngor

Dort waren wir am Tag der Deutschen Einheit (für uns frei wegen des Goethe Instituts), der günstigerweise ein Mittwoch war – es war echt nicht viel los. Diese kleine Insel liegt mit der Pirogue (ein längliches, buntes Boot) gute fünf Minuten vor Dakars Küste. Wenn man die ganze Zeit von Großstadtlärm umgeben ist, schätzt man ein bisschen Ruhe so sehr! Und die Insel ist wirklich ein kleines grünes Paradies mit wunderschönen Stränden.

Die Insel vom Festland aus

Marché HLM

HACH! Dieser Markt ist ein wahr gewordener Traum – der größte Stoffmarkt Dakars. Clara hat in ihrem letzten Blogartikel die überwältigende Farbenpracht wundervoll beschrieben, schaut doch mal da vorbei 😉 https://kulturweit.blog/baobablog/2018/10/12/marche-hlm/
Wir sind schon mehrmals wiedergekehrt und werden dort sicherlich noch viiiele Stunden vertrödeln.

Musée Leopold Sedar Senghor

Das („originale“) Wohnhaus des ersten Präsidenten Senegals. Wir hatten eine (ungewollte) Privatführung durch das riesige Haus, welches wirklich „Schöner Wohnen“ aus den Achtzigern sein könnte. In Regalen steht Kunsthandwerk aus aller Welt und Bücher von Ungarischer Poesie bis zu Skandinavischer Staatsform.
Zwar ein interessanter Besuch, aber es fühlt sich ziemlich komisch an, dass Pool und Garten perfekt im Stand gehalten werden, aber scheinbar recht abgetrennt von der Öffentlichkeit sind. Vor allem, da es öffentliche Parks oder so etwas nirgends gibt.

Plage de Yoff

Ein umwerfender Strand im Norden der Stadt. Als wir Samstagmittag dort antrafen, waren auf den 3 Kilometern Sandstrand praktisch keine Menschen zu sehen, außer einzelne bei einer Moschee und ein paar, die Schafe im Meerwasser wuschen.
Gegen Abend bevölkerte es sich dann doch, vor allem mit Fußball spielenden jungen Männern. Freunde von Johannas Tandem-Partner, mit dem sie Wolof/ Deutsch lernt, bereiteten uns Attaya, den traditionellen Grüntee, vor. Eigentlich zu süß, aber toll!

An der Stelle noch nicht so traumhaft

Blick von unserer kleinen Strandhütte

Solche Pferdekarren sind auch viel im Straßenverkehr unterwegs

Die Abendsonne (die hunderten Fußballspieler nicht erkennbar)

Clara und ich <3

Wie man unschwer erkennen kann, leben meine Mitfreiwilligen und ich hier ziemlich idyllisch und komfortabel. Das ist zwar meistens sehr schön, aber fühlt sich doch in einigen Momenten total falsch an. Ich habe auf jeden Fall kein vollständiges Bild, bewegen wir uns doch an touristischen Orten und eher wohlhabenden Gegenden.
Aber die Armut ist doch auch so allgegenwärtig. Ab und zu strecken uns Kinder die Hände hin, kommen Bettler an die Taxitüren, bitten Leute vom Straßenrand um „pièces“, also Münzen. Und was machen wir? Wir schauen auf den Boden, schütteln den Kopf. Wie egoistisch kann man sein, wie empathielos? Wir wissen ja, was das Geld, was aus verschiedenen Quellen in unseren Aufenthalt hier fließt, an anderen Stellen absolut dringend gebraucht wird.  Bis jetzt verdränge ich diese Fragen ziemlich.

 

 

Um fürs Erste zum Ende zu kommen, kurzer Blick auf die Zukunft:

– dieses Wochenende fahren Clara und ich nach Saint-Louis, um Franzi zu besuchen

– am 3.11. ziehe ich nach Kaolack

– vom 19.-23.11. ist aber schon wieder das Zwischenseminar in der Nähe von Dakar

– ich komme über Weihnachten nach Hause

 

Ah ja, wieder sind alle Fotos von Clara gemacht! AllesLiebe und passt auf Euch auf!

Nora x

Das Alphabet der ersten Woche

Liebe LeserInnen,

Seit genau einer Woche lebe ich jetzt in Dakar – eine Woche, die sich gleichzeitig wie ein Wimpernschlag und ein ganzer Monat anfühlt! Um die Vielzahl meiner Eindrücke in eine halbwegs geordnete Form zu bringen, habe ich mir zu jedem Buchstaben des Alphabets ein Wort überlegt, das mit den letzten Tagen zu tun hatte. Im Folgenden Begriffe dann ausführlicher erläutert (Achtung, laaanger Artikel!). Dank gilt an dieser Stelle der lieben Clara: Nur durch ihr regelmäßiges Fotografieren könnt Ihr auf meinem Blog ein Stück näher dabei sein.

Alles Liebe
Eure Nora x

 

  1. S.: „Wir“ sind Clara, Franzi, Johanna und ich, teilweise noch Sonja, die im Goethe Institut ein Praktikum macht.
  2. P. S.: Wichtig: Wahrscheinlich werden nur die Wenigsten von Euch selbst in den Senegal reisen. Vielleicht sind Eure Quellen über dieses Land sehr vereinzelt, vielleicht bin ich auch die Erste, von der Ihr darüber hört. Dementsprechend trage ich eine nicht zu unterschätzende Verantwortung dafür, was für Eindrücke Ihr durch meinen Bericht bekommt, was für Bilder sich in Euren Köpfen eventuell festigen. Dessen bin ich mir bewusst und versuche natürlich, keine Verallgemeinerungen und Stereotypisierungen aufzubringen. Es ist zwar klar, aber denkt bitte trotzdem daran: Meine Berichte werden meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse behandeln und dadurch zwangsläufig subjektiv sein. Außerdem erlebe ich selbstverständlich nur Bruchteile der senegalesischen Kultur und sehe einen winzigen Teil des Landes (vor allem nach einer Woche).

Aufwühlend

Schon vor der eigentlichen Reise ging es mit dem „Aufwühlen“ los: Entgegen der Erwartung vieler der 330 Kulturweit-Freiwillige war das 10-tägige Vorbereitungsseminar kein regionenspezifischer Crashkurs. In der Zeit am Werbellinsee ging es vielmehr um unsere eigene Identität, persönliche Beziehungen, globale Machtstrukturen, Kolonialismus, Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form – um nur einige der Themen zu nennen. Teils wurden sie in großer Tiefe in unserer Homezone (feste kleine Seminargruppe) behandelt, teils in einzelnen Wahl-Workshops. Vor allem die kritische Auseinandersetzung mit Kulturweit und unserer eigenen Rolle als Freiwillige, außerdem das Beschäftigen mit unseren eigenen Rassismen war ein durchaus schmerzhafter Prozess (Höhlengleichnis??), der auf keinen Fall wieder aufhören darf.

In Dakar angekommen hatte das Aufwühlen dann vor allem mit der Reizüberflutung zu tun: Unbekannte Gerüche, Geräusche und Gassen (entschuldigt das holprige Trikolon). Nicht nur wegen der Hitze war die Anfangszeit deshalb von einer anhaltenden Müdigkeit geprägt.

Busse

Auf den Straßen Dakars haben wir eine Vielzahl von Fortbewegungsmitteln gesichtet: Am auffälligsten sind – außer den gelegentlichen Pferdekarren – die bunt angemalten Kleinbusse, die vollbepackt durch die Stadt ziehen. In ihnen sind wir noch nicht gefahren, aber dafür in den nächstgrößeren Varianten – Immer noch recht klein, aber gemütlich und echt günstig: Für 150 Francs (CFA), umgerechnet 23 Cent, kommt man sehr weit und hat einen fantastischen Blick auf das bunte Treiben um einen herum.

 Clara

Die bereits erwähnte, begnadete Fotografin Clara ist die erste meiner drei Mitfreiwilligen, mit der ich Kontakt hatte. Einige Wochen lang hegten wir einen sehr lebhaften Austausch von minutenlangen WhatsApp-Audios, bis wir uns dann am 1.9. endlich „in echt“ trafen. Clara ist ruhig und entspannt, aber trotzdem total spontan und abenteuerlustig; sie ist direkt und meinungsstark, und gleichzeitig eine wundervolle Zuhörerin und gute Seelsorgerin! Lieblingsspruch: „Ja mei!“. Sie ist auf ihrem Blog sehr fleißig, er ist nur zu empfehlen! https://kulturweit.blog/baobablog/

Dach

Die Unterkunft (à Zimmer), in der wir vier Kulturweiterinnen leben, hat eine riesige Dachterasse, von der man einen super Blick auf die Dächer des Viertels hat. Dort haben wir den Sonnenuntergang am Freitagabend genossen.

Essen

Ein wichtiger Punkt! Gleich am Donnerstag waren wir im kleinen Supermarkt (10 Minuten entfernt) einkaufen: Dort haben wir uns eingedeckt – die meisten Sachen bekommt man genauso wie in Deutschland. Vor allem Verpacktes kostet ähnlich viel, teilweise auch mehr. Obst und Gemüse kaufen wir an den kleinen Ständen am Straßenrand, Zwiebeln und Kartoffeln auch in den Boutiques, kleinen Läden, die man überall findet. Die Auswahl ist groß (Mangos, Süßkartoffeln, Avocados… und viel, das wir noch probieren werden), die jeweiligen Obst- und Gemüsestücke riesig. „Zu Hause“ beachten wir die Regel „Boil it, peel it or leave it“ sehr fleißig, vielleicht auch zu fleißig. In der Gemeinschaftsküche haben wir den Gasherd und –ofen (!) schon ziemlich gemeistert und einiges zusammen gekocht: Ein vegetarisches Chili, selbstgemachte Tomatensoße, Ofen-(Süß)kartoffeln und Gemüse, sehr originelle Sommerrollen, Bananen-Pancakes… Dabei haben wir festgestellt, dass drei Sachen eigentlich zu allem passen: a) Curry-Pulver b) Zwiebeln in großen Mengen und c) „La vache qui rie“. Spezifisch Glutenfreies (Brot oder Nudeln) habe ich noch nirgendwo gesehen und es ist mir leider auch nicht wirklich möglich, duftende senegalesische Speisen am Straßenrand zu kaufen. Das Nationalgericht „Yassa Poulet“ haben wir heute probiert und es war super lecker! Ich hab noch Brot übrig und ausgerechnet, dass ich pro Woche genau 213 Gramm meiner mitgebrachten Spaghetti essen kann, damit sie bis Ende Februar reichen. Ansonsten bin ich mit Kartoffeln, Reis, Polenta und Hirse gut bedient.

Franzi

Franzi ist ein Bündel guter Laune, singt in einem Fort und hat ein sehr ansteckendes Lachen. Leider fährt sie schon nächste Woche nach Saint-Louis, an „ihre“ PASCH-Schule – bis dahin wird sie uns andere bestimmt noch viel zu oft in „Lügner“ besiegen und zu meiner Scham auch in Kuhhandel (Anfängerglück!). Besonders schön ist unsere geteilte Affinität für Disney-Filme, die wir hoffentlich noch stärker ausleben werden!

Goethe Institut

Das Goethe Institut Senegal ist klein, aber fein: Die Mitarbeiter sind alle total freundlich und herzlich. Der Leiter ist gerade in Elternzeit, deshalb haben wir Praktikantinnen (Clara, Franzi und ich; Johanna arbeitet in der Kulturabteilung) das Chefbüro für uns. Chic! Im Moment ist nicht allzu viel zu tun, aber wir arbeiten uns in einige Bereiche ein, die uns dann an unseren Schulen hilfreich sein werden.

Heimweh

Ab und zu packt mich das Heimweh – ich bin schon verdammt weit weg! Viele Leute fehlen mir sehr und es ist nicht einfach, dass ich sie so lange nicht sehe. Zum Glück hat man mit WhatsApp und auch Videoanrufen sehr gute Möglichkeiten zum Kontakt, aber leider nicht in allen Fällen. Und es ist ja auch nicht das Gleiche. Prinzipiell geht es mir aber wirklich sehr gut, keine Sorge!

Institut Francais

Das Institut Francais haben wir am Samstag besucht. Es ist eine ruhige, grüne Oase in dem (bis jetzt) hektischsten Viertel, das wir gesehen haben. Das Restaurant, das dazu gehört, wurde auch schon von uns für gut befunden! In ein paar Tagen machen wir dort einen Einstufungstest und dann im Oktober einen Französisch-Intensivkurs.

 

Johanna

Johanna ist die vierte im Bunde und die einzige von uns, die bereits studiert hat. Sie läuft so viel barfuß wie möglich, hat immer lachende Augen und ist sehr herzlich. Unser Zusammenleben hat sie durch das Einführen einer tollen App sehr erleichtert („Settle Up“!!). Oh, und sie ist mutig (Das Überqueren von Straßen ist ein Abenteuer für sich!). Lieblingsspruch: „Wunderbar“ – „Zauberbärchen“

Klimaanlage

Ich habe mir zwar das günstigste Zimmer (à Zimmer) geschnappt – es hat dementsprechend keine Klimaanlage. Zum Glück verhindert ein Ventilator mein Schmelzen gerade so. Es ist eigentlich gar nicht soo heiß, um die 30 Grad. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% bin ich aber sehr froh, dass es bei Clara und Franzi gekühlt ist. Bei letzterer verbringen wir alle unsere gemeinsamen Mahlzeiten und auch sonst einiges an unserer Freizeit. Mal sehen wie es in Kaolack wird, wo ich Anfang November hinziehe. Da es im Landesinneren liegt, fehlt dort die Meeresluft, die zumindest etwas Frische nach Dakar bringt. Zum Glück ist die heißeste Zeit bald vorbei.

Lesen

Das hat wenig mit Dakar zu tun, aber es ist mir nichts mit L eingefallen… Gerade lese ich den vierten Teil von Elena Ferrantes Neapolitanischer Saga („The Story of the Lost Child“, unnötigerweise auf Englisch, da eh übersetzt). Die Reihe ist fantastisch, aber langsam wird es etwas schleppend. Vielleicht hätten drei Romane auch gereicht.

Monument de la Renaissance Africaine

Diese riesige Statue – größer als die Freiheitsstatue – steht bei Les Mamelles (die „Brüste“ Dakars; zwei Hügel am Meer). Schweißüberströmt sind wir dort angekommen und haben von ihrem Fuße aus das Häusermeer von oben betrachtet. Die Sicht ist unserer Meinung nach auf jeden Fall schöner als die Figur, die auch in ziemlicher Kritik stand, vor allem wegen ihrer Baukosten.

Na’nga def?

Das heißt „Wie geht es Dir?“ auf Wolof, der eigentlichen Sprache Senegals. Mein Wortschatz ist bis jetzt überschaubar, aber der nette Wächter des Instituts bringt uns täglich ein bisschen was bei. Vielleicht mache ich noch einen Sprachkurs!

Orientierung

Zuerst war es echt schwer für uns, Routen durch das Straßenwirrwarr zu planen. Mit Offline-Karten ist das jedoch absolut kein Problem und mittlerweile finden wir uns in unserem Viertel schon echt gut zurecht. Der Weg zur Arbeit ist auch echt sehr angenehm, 20 Minuten zu Fuß.

Piscine Olympique

Das größte Schwimmbad Dakars liegt direkt neben dem Goethe-Institut! Für 1000 Francs (circa 1,50 Euro) kann man dort unter der Woche seine Bahnen schwimmen. Gestern haben wir das frühere Aufwachen in Kauf genommen und waren vor der Arbeit da; sehr erfrischend!

Quoi?

Wolof verstehe ich wie gesagt praktisch nichts und auch die Brüchigkeit meines Französisch wird mir andauernd schmerzlich bewusst – man plappert so schnell! Es wird aber schon etwas besser und motiviert mich nur für den Sprachkurs und Duolingo-Sitzungen.

Regen

Als wir am Freitag das erste Mal zum Meer gelaufen sind, prallte die Sonne noch gnadenlos vom blauen Himmel auf uns hinab – zehn Minuten später war dieser dunkelgrau und wir waren ratzfatz nass bis auf die Knochen. Sehr erfrischend! Danach hat es noch einmal geregnet, da konnte ich das erste Mal meinen Ventilator ausmachen.

Schafe

Ab und zu hört man ein „mäh“ aus den benachbarten Hinterhöfen, einige Male haben wir auch Schafe auf den Straßen gesehen. In einem Zeit-Artikel wurden sie als Statussymbole beschrieben, aber genauer habe ich mich noch nicht mit ihnen befasst.

Taxi

Unzählige Taxis bevölkern hier die Straßen – alle paar Meter (nicht übertrieben!) hört man ein Hupen. Wir sehen nun mal wie Touristen und dementsprechend nach potentieller Kundschaft aus. Mittlerweile schütteln wir nur noch den Kopf – es ist zwar günstiger als eine Kurzstrecke in Frankfurt, aber in Bussen bekommt man einfach mehr mit.

Unterricht

Noch nicht hier in Dakar, aber dann in Kaolack werde ich an einer PASCH-Schule tätig sein. Wie das genau aussehen wird, weiß ich auch noch nicht ganz genau, aber wahrscheinlich werde ich beim Deutsch-Unterricht helfe, mit dem Deutsch-Club Projekte durchführen und vielleicht eine AG gründen. Im Moment denke ich an Standard-Tanz. Mal gucken, wie sich das realisieren lässt. Ich bin gespannt.

 

Viecher

Ich nehme täglich Malaria-Prophylaxe-Mittel und bin außerhalb des Hauses von Kopf bis Fuß mit Autan eigesprüht. Tatsächlich ist die Moskito-Lage im Moment total überschaubar, ich habe nur einen Stich. Der Gastgeber unserer Unterkunft hat mich ein bisschen ausgelacht und beruhigt – tatsächlich ist das mitgebrachte Moskitonetz echt nicht nötig (das Fenster ist sowieso auch abgedeckt).

Wasser

In regelmäßigen Abständen schleppen wir 10 Liter-Behälter zu uns in die Wohnung hoch – da wir das Wasser direkt um die Ecke bekommen, ist das kein Problem.

Ansonsten waren wir am Sonntag am/ im Meer. Das Wasser war im Vergleich zu anderen Atlantik-Stränden zwar auch echt warm, aber als Kontrast zur Luft eine wunderbare Abkühlung. Leider schwamm schon einiges an Plastik im Wasser herum.

Xenophil

Klar, dass ein bisschen Griechisch reinkommt 😉 Tatsächlich sind bis jetzt alle Einheimischen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, sehr freundlich und zuvorkommend – vor allem, wenn man sie auf Wolof begrüßt! An Bushaltestellen wird einem direkt weitergeholfen; ein lieber älterer Mann, den wir an einer Straßenecke nach der Richtung gefragt hatten, kam ungefragt zum Bus, um für uns sicherzugehen, dass alles stimmt.
Auch wenn unser WG-Leben sehr entspannt und gesellig ist, freue ich mich, in Kaolack mein Zimmer in einem Familienhaus zu mieten und dort mehr einzutauchen.

Yay!

Trotz den Heimweh-Episoden ist es insgesamt wirklich schön. Ich bin gut drauf und freue mich, hier zu sein. Yippie!

Zimmer

Unsere Unterkunft habe ich über AirBnb gefunden, sie ist geräumig und wir haben unsere eigenen Zimmer. Das Gemeinschaftsbad ist zwar echt nicht groß, aber vollkommen in Ordnung, und die Küche ist gut ausgestattet. Mein Zimmer ist hell, sauber, und wirklich gemütlich – vor allem mit meiner Lichterkette, Tape-Verzierungen und den Fotos einiger meiner Lieblingsmenschen.

 

Puh, danke, wenn Du durch diese 2000 Wörter gekommen bist! Ganz liebe Grüßen!

Bis bald, Deutschland!

Hallo hallo, willkommen auf meinem Blog!

Der Wortwitz im Namen könnte natürlich subtiler sein, ist aber recht passend – ich werde Euch ja vor allem mit persönlichen Updates auf dem Laufenden halten.

Wenn ihr das lest, bin ich gerade gesund und munter in Dakar angekommen. Zum Zeitpunkt des Schreibens fliege ich aber noch über Spanien, das letzte Stück Europa bis wahrscheinlich Ende Februar.

Bis jetzt ist alles ziemlich nach Plan verlaufen:
Meine zwei Koffer sind zwar unheimlich schwer, aber auf Gramm genau im zulässigen Bereich. Ich musste eine Stunde über den Flughafen Madrid irren, aber wegen ausreichend Puffer-Zeit war auch das ziemlich stressfrei. Und kurz bevor ich unter dem Gewicht meiner drei Handgepäck-Stücke zusammengebrochen bin (die glutenfreien Brote und ein paar Kilo Spaghetti mussten natürlich mit!), habe ich einen Gepäckwagen gefunden.

Tränen sind auch noch (!) keine geflossen.
Das liegt nicht etwa an fehlender Traurigkeit, sondern daran, dass ich es noch gar nicht wirklich glauben kann: Es geht schon los?! Selbst heute Vormittag, in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens, erschien es mir noch vollkommen surreal, dass es jetzt soweit ist, Abschied zu nehmen.

Das heute früh war der letzte Abschied. Die meisten anderen waren über die letzten Wochen verteilt, einige erfolgten in den wenigen Tagen zwischen Vorbereitungsseminar und Flug. Irgendwie war die Abreise aber immer noch so lange hin…

Ich bin voller Vorfreude auf das, was kommen wird! Ich werde mich melden.

Alles Liebe
Nora