Tropical Night fever (Forsetzung Tag 2 in Belém)

Weiter geht’s durch die schönen Docas an der ehemaligen Hafengegend von Belém. Wir machen ein paar Erinnerungsfotos, damit ich wenigstens ein Beweisstück meiner kurzzeitigen Existenz in den brasilianischen Tropen nach Deutschland mitnehmen kann.

Eu amo Pará – Ich liebe (den Bundesstaat) Pará (no joke, ich hab mich wirklich in den Ort verknallt)

Blick auf den mächtigsten Fluss der Erde

 

 

 

An den Docas liegen Nobelrestaurants und so etwas wie ein Einkaufzentrum für Durchreisende – aber: auch eine verdammt gute Eisdiele. Tiago bittet den Eisverkäufer, mich von ALLEN Sorten probieren zu lassen. Die Eissorten tragen kuriose Namen wie Taperebá (Gelbe Mombinpflaume, noch nie in meinem Leben gehört) oder Cupuaçu (großblütiger Kakako). Mir werden die Sorten durchgereicht. Von Löffelchen zu Löffelchen, von Sorte zu Sorte wird es immer exotischer, immer tropischer, immer delikater. Mein Mund verwandelt sich in ein amazonisches Winterwunderland.

 

Ich entscheide mich für classic açaí und Taperebá. Welch ein Genuss!

Ein ganzer Deutschlehrer und ein Fast-Deutschlehrer 😉 

 

Nach dem eisigen Vergnügen gehen wir zurück zum Auto und brechen zu einer Sightseeingtour durch das nächtliche Belém auf. Riesige Mangobäume säumen die Hauptstraßen. Belém wird daher im Volksmund auch cidade das mangueiras – Stadt der Mangobäume genannt.

An der bekannten Kathedrale Beléms halten wir – die  Catedral de Belém (Klick!)

Wir betreten ehrfürchtig das Gotteshaus und setzen uns für ein paar Minuten auf eine Bank in die erste Reihe. Ein paar Minuten der Stille, der Reflexion und des Gebets. Sie tun mir persönlich sehr gut.

Ein Fernsehteam baut sich vor dem Alter auf. Sie sind so freundlich, Fotos von uns zu machen.

 

Catedral de Belém bei Nacht

Tiago und ich gehen an einer der ältesten und renommiertesten Schulen Beléms vorbei und fahren, vorbei am Teatro da Paz, an der Praça da República zum nächsten bekannten Platz, der Praça Batista Campos. Vor allem tagsüber scheinen hier gerne Jogger und kleine Kinder ihre Zeit zu verbringen, ich sehe viele Spielgeräte. Jedoch stoße ich auf eine merkwürdige Entdeckung mitten im Park: Es ist ein Stand. Die Verkaufsidee: frisches Kokoswasser trinken und dabei im gemütlichen Beisammensein die aktuellen Telenovelas, Fernsehsoaps, glotzen. Für zwei Euro lässt man sich vom Kokos-Meister die Nuss mit einer Machete aufschlagen, Strohhalm rein, Klick auf die Fernbedienung und fertig. Und nein, es ist nicht der einzige Stand, der sich gegen 20 Uhr an der Praça Batista Campos aufgebaut hat, ich zähle um die sechs. Alle brav nebeneinander gereiht, sich gegenseitig nicht störend und das klassische Repertoire an brasilianischer Abendunterhaltung vorführend. Kokoswasser ist definitiv das Erfrischendste, was ich je in mich hineingekippt habe!

Tiago e eu bebendo água de coco e batendo um papo – Tiago und ich am Kokoswasser schlürfen und plaudernd    

 

Tiago und ich haben ein wirklich schönes Gespräch und wir verstehen uns sehr gut. „Hast du Hunger?“, fragt mich Tiago. Ich habe eigentlich immer Hunger. „Wir gehen jetzt Köstlichkeiten aus Pará probieren“. Der Speichel im Mund läuft mir zusammen.

Wir fahren eine ganze Weile, ehe wir an eine kleine Straßenecke gelangen, am Rande eines Militärgeländes. Ich höre fröhliche Musik und rieche verlockende Düfte.

Herzlich Willkommen beim Tacacá do Renato! Ihr denkt euch sicherlich: Was? Tacacá ist eine typische Suppe aus dem Amazonas. Zusammen mit anderen Leibspeisen der Menschen hier werden sie an diesem kleinen Straßenstand angeboten. Vielmehr ist es ein Schubwagen, der provisorisch an eine graue Wand gefahren worden ist. Fünf Meter daneben reihen sich weiße Plastikstühle und unverschämt tiefe Tischchen, um die Speisen im Beisammensein mit Freunden zu genießen.

Was gibt’s denn so im Angebot? Was sind diese Köstlichkeiten aus Pará?

  • O Tacacá Eine Tacacá besticht im Wesentlichen aus verarbeiteter Bittermaniok-Wurzel, Jambú (auch Parakresse genannt) sowie getrocknete und in Salz eingelegte Riesengarnelen, die sog. tucupí. Jambú ist auch als Schnaps dafür bekannt, für kurze Zeit die Mundhöhle zu betäuben. Wir haben es in São Paulo ausprobiert – was ein Spaß! :)Im Norden Brasiliens wird Tacacá in vielen Straßenküchen – wie beim Tacacá do Renato – angeboten. Renato, Mitte Fünfzig, braun gebrannt, verkauft Speisen mit kleinen Karren oder Schubwagen an den Straßenecken in den Städten der Amazonas-Region ihre selbstgekochte Tacacá verkaufen. Die Frauen, die Tacacá zubereiteten, heißen tacacazieras. Die Tacacazieras und ihre Tacacá gehören zur Kultur und zum Stadtbild in Belém und der umliegenden Region.Viele Brasilianer*Innen gönnen sich nach Feierabend eine Schale Tacacá. Ich sehe so unterschiedliche Menschen, die sich in die Schlange einreihen: Geschäftsmänner, Hausangestellte, Taxifahrer, Oma mit Enkelin, sie alle wollen nur eines: Eine wohlig-warme Suppe aus dem Amazonas.Es mag für Außenstehende merkwürdig erscheinen, da die Region ein sehr warmes Klima mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit aufzuweisen hat, doch Tacacá muss unbedingt brühend heiß getrunken werden.

  • O Vatapá  – ist ein afrobrasilianisches Gericht, vor allem aus der Region um Salvador da Bahía bekannt.  Vatapá besteht aus Fisch, Nusskernen, getrockneten Krabben, Kokosmilch, Gewürzen und vor allem Dendê-Ol. Es wird püreeartig verzehrt. Zusammen mit Reis, etwas Jambú-Blättern und etwas Chili-Sauce (pimenta) erzeugt es eine  wahre Geschmacksexplosion:

Yummy!

  • Maniçoba Maniçoba ist so etwas wie eine feijoada ohne Bohnen. Die entgifteten Maniokblätter werden über sieben Tage in einem aufwendigen Verfahren gekocht und anschließend zu einem „Blätterpüree“ mit Fleisch- und Wursstückchen vermischt. Zusammen mit Reis, Jambú und etwas pimenta schmeckt das wirklich delikat.

Dazu natürlich Guaven-, Mango-, oder Guanábana-Saft.

Das Essen war so köstlich, dass Nicolau und ich es uns am nächsten Tag nicht nehmen lassen, dort noch einmal zu speisen. Allerdings ist es zappenduster, als wir hungrig werden und ich hatte den Weg zum Lokal vergessen, also steigen wir in den alten Fiat und Nicolau bittet mich, das Fenster herunterzukurbeln und den Weg zu „erriechen“. Wie ein Hund strecke ich also den Kopf aus dem Auto und versuche, mich zu erinnern. Nach etwas Rumfahrerei finden wir den Stand und ich präsentiere meinem Pastor mein neues Lieblingsessen in Belém. Dieses Mal bestelle ich allerdings Maniçoba und es war wieder zum Umfallen gut!

 

Wieder einmal – mit vollem Magen – geht ein fantastischer Tag am Amazonas zu Ende. Tiago setzt mich bei Nicolau ab, er muss schließlich noch seinen Unterricht vorbereiten …

 

 

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