Gedankengedicht: Fliegen

Hey!

Angesichts dieser emotional sehr bewegten Zeit habe ich etwas geschrieben. Vor der Reise, in der Hoffnung eines Brasilien-Abenteuers und danach – nach Absage des Freiwilligendienstes.

Heute fange ich mit dem ersten Gedicht an. Es nennt sich „Fliegen“

Viel Spaß beim Lesen!

 

Gedankengedicht
Fliegen
Unter mir Häuser. Berge. Landschaften. Menschen, Freunde, die ich nie kennenlernen werde.
Bekanntschaften, die ich nie machen werde.
Vielleicht ja mein Lieblingsmensch?
Von hier oben ist alles so winzig.
Jeder Shit, jeder Streit, jede Argumentation, jedes Luxusproblem, jede Boshaftigkeit ist wie weggeblasen.
Das einzige, was ist, bin ich
über den Wolken
Gefangen in der Endlosigkeit des Himmels
Nah bei Gott

Ich sehe Büsche, Waldinseln, die sich vor mir aufbauschen wie Schambehaarung
Sind das die Schamhaare von Mutter Erde?

Die Fußballplätze, die sauber gezogenen Straßen im Miniaturwunderland

Wie Matchboxautos flitzen die bunten Blechbüchsen über die Rennstrecke

Was sind das für Menschen, die in den Wägenchen sitzen?
Wohin wollen sie hin?
Woher kommen sie?

Ist ein Verwandter im Krankenhaus und sie drücken auf die Tube, um rechtzeitig anzukommen?
Hat ihr Partner sie kürzlich verlassen und sie brettern aus Frust über die kühle Autobahn?
Woran denken sie?
Haben sie Familien, zu denen sie übers Wochenende fahren?
Was treibt sie an?
Ob sie alle brav wählen gehen?

Liegen sie abends im Bett und gucken in den Sternenhimmel und fragen sich, was das Ganze soll?
Was sie mit ihrem geraden, geordneten, glatt gebügelten Leben anfangen sollen?
Wo die Liebe ist?

Fragen. In der Luft.

Eines weiß ich: Wir leben unter der gleichen Sonne

 

Foto: Selbstaufnahme

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