routinemäßig Tagestitel

Die Tage sind kurz und und die Projekte unserer Vorgängerinnen im Geopark gestalten unsere Arbeit, deshalb gibt es nur logbuchmäßig ein paar Titel der vergangenen Tage:

25/03/2021
Kein festes Fest

26/03/21
Griechische Nüsse auf Sonnenstuhl und violette Holzbienen

27/03/21
Äpfel essen unter Fichten

28/03/21
Frappe nippen, Pferd reiten

29/03/21
Griechische Pastasauce zum Frühstück

30/03/21
Smell of spring and souvlaki

 

Agia Lavra, Ort des Ursprungs?

21/03/2021.

Kalt, Kälter, Unsere Wohnung

22/03/2021

Starten ganz offiziell unoffiziell

23/03/2021

Arbeiten, Schlafen, Kaffee Trinken

24/03/2021

Of Angry Monks, friendly dogs & snow caps like in chocolate ads

 

25/03/2021

Nicht lange in Griechenland, da dürfen wir schon den Nationalfeiertag miterleben und das auch noch in einem ganz besonderen Jahr, denn vor genau 200 Jahren begann die Revolution der Griechen gegen die Ottoman (die heutige Türkei). Im ganzen Land ist heute freier Tag und normalerweise marschieren Kinder und Erwachsene in Kostümen aus jener Zeit, um diesen Tag zu zelebrieren. In Athen fahren anscheinend auch dieses Jahr Militärfahrzeuge durch die Straßen, doch genauso pompös wie in den vergangen Jahren wird es aufgrund des Lockdowns sicher nicht werden. In Kalavryta sind wir nicht weit entfernt vom Ursprungsort jener Revolution. Diese soll nämlich im Kloster Agia Lavra begonnen sein, in dem ein Mönch zum Widerstand aufrief. Einige Griechen vermuten, dass die Revolution schon vorher in Rumänien begonnen hatte und nicht aus dem Monasterium hervorging. Einige Tage zuvor hatte wir direkt in unserer Nachbarschaft ein Feuerwerk bestaunen können, das vermutlich mit der Feier des Widerstands verbunden war. Seit einigen Tagen ist der Kirchplatz in Kalavryta mit blauen und gelben Fähnchen geschmückt und auch in Agia Lavra sieht es festlich aus. Nur fragt sich, wer zu diesem Fest im Kloster erscheinen wird und darf, da viele Klöster auch heute geschlossen sind aufgrund der Pandemie. 

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Kirchengongen, Schafsglocken, Feuerkörperknallen

 

21/03/2021

Ich schiebe die Fensterläden zaghaft zu den Seiten. Die Luft noch feucht und Nebel in der Ferne. In dem kleinen Berghüttencafé gegenüber unserer Hauses brennt das Licht bereits und die Luge zur Ausgabe ist geöffnet, ganz so als habe es nicht über Nacht geschlossen. Bis spät noch da aufgeregte Quatschen und Lachen der Menschen, die so weit entfernt scheinen. Fremde Zeichen tanzen durch die Schallwellen, formen Worte, die noch keinen Sinn ergeben. Ab und zu dreht ein Auto seine Runde, nicht die Streife, eher ein kleiner Audi, der stets durch die selbe Straßen saust und dieselben Hunde zu bellen beginnen. Wir riechen nicht griechisch, selbst unter Masken beäugt, wer denn da nach Kalavryta gekommen ist. Nicht um Ski zu fahren, kein Hotel genannt  dem Taxifahrer, sondern schlicht 13. Dezember – Zwei aus Deutschland kommende in der Straße an das Gedeckte Massaker  wohnhaft. Noch nicht ganz wohnend, immer noch am Ankommen. Listen schreiben mit allen Sachen, die vergessen wurden. Man überlebt’s, so wie jedes Mal, fragt sich nur, was wirklich je vermisst und gebraucht wurde.

Katerzug nach Kalavryta

16/03/2021

Dachterrasse mit territorialer Horizonterweiterung

 

17/03/2021

Ouzo und Deutsch Rap serviert mit analogen Fotos

 

18/03/2021

Katerzug nach Kalavryta

 

Heute wurde nicht viel geredet, jedenfalls nicht viel mehr als Efcharisto (Danke), Wo steigen wir um? und Wow, wie schön!. Viel geredet hat die Frau im Zug neben uns. Griechische Worte sprudelten aus hier heraus, dass selbst der Schaffner nicht wusste, was zu machen ist. Carl und ich schauten aus dem Fenster, wie sich die Landschaft von Häusermeeren zu tiefblauem Meer mit Bergen am Horizont änderte. Jedes Mal wenn ich versuchte, ein Foto zu schießen, kamen mir Bäume, Antennenmaste und Tunnel dazwischen. In Diakopto aus dem Bus ausgestiegen, weil der Zug nicht weiterfuhr, wurden wir direkt von einem Mann angesprochen, ob wir nach Kalavryta wollten. Sein Bruder betreibe ein Taxi. Urkomisch, denn eben jenen Bruder hatten unsere Vorfreiwilligen für uns angefragt. Er fuhr uns durch die Kurven der bergigen Landschaft Peloponnes’ und erzählte immer mal Interessantes zu der Umgebung. Die Gebirgskette hatte ungefähr eine Höhe von 1500 Meter, wirkte aber durch das Meer und die Weite viel größer. 

Nach dem städtischen Athen war Kalavryta ein krasser Kontrast – selbstverständlich. Kulturell aber auch klimatisch, denn die Temperaturen sind in der Höhe von 720 Metern über dem Meeresspiegel deutlich niedriger. Dafür saugte ich die frische Luft in meine Lungen, nach der Großstadt wirkte alles so pur und klar, genauso das Wasser. „Kalá“ bedeutet gut und „vryta“ soviel wie Quelle. Wir hoffen jedenfalls auf Gutes, so wie jeder hier, denn der Sommer scheint wie ein Lichtschimmer für viele Griechen. Bis jetzt sieht es nach Regen aus, und Schnee. Ich habe zwei Koffer voll bunter Sommerkleidung und frage mich wie viele Schichten ich mir überziehen kann. 

Was ich von hier aus sehen kann

14/03/2021

Wie im Garten Eden fühle ich mich, als Eva, die den goldenen Apfel nicht essen darf. Dieses Bild erzählte ich allen, die mich fragten, wie es denn so ist. Der Freiwilligendienst hat zwar schon am 1.März begonnen, so richtig los geht es erst jetzt. Jedenfalls so halb, denn wir, also Carl, mein Companion, und ich, müssen erst noch sieben Tage Quarantäne im wunderschönen antiken Athen absitzen, um dann weiter nach Peloponnes zu unserer Einsatzstelle fahren zu können. Wie ist es so? Wie ist das Wetter? Alles Fragen, die mit einem Foto aus dem Fenster beantwortet werden können. Mehr gibt es nicht zu tun, als warten und Nudeln beim Sieden zu schauen. Natürlich werde ich da wahnsinnig und das bereits am ersten Tag nach der Ankunft. Orangenbäume säumen die Straße gegenüber unserer Wohnung und es duftet nach Jasmin und Orangenblüten. Hinter dieser Straße ist noch eine Straße und dann kommt schon das Parthenon. Einfach entspannen und so tun als seien wir gar nicht in einer der ältesten Städte der Welt, das wie ein Freiluftmuseum scheint, ist deutlich schwieriger als ich anfangs angenommen hatte. 

Dieses kleine Dorn im Auge

19/01/2021

Die globale Situation hat sich verschärft, so steht es überall in den Medien und die Fallzahlen von Covid-19 steigen in Deutschland wieder drastisch an, sodass heute entschieden wurde, den Lockdown bis zum 15.Februar zu verlängern. Letzte Woche noch bin ich mit einem zuversichtlichen Gefühl zur UNESCO-Kommission nach Kreuzberg geradelt, um den ersten Stapel an Dokumenten einzuwerfen. Meine Wohnung konnte ich auch weitervermitteln und in der Uni habe ich mich weit zurückgelehnt in dem Wissen, dass ich weder Prüfungen noch Hausarbeiten schrieben muss, wenn ich im nächsten Semester gar nicht mehr immatrikuliert bin. Gestern dann hat sich mein Unsicherheitspegel eine erschreckende Bewegung gemacht. In einer E-Mail informierte kulturweit alle Freiwilligen, dass es kurzfristig (!) Also noch bis zum letzten Tag vor der Ausreise entschieden wird, ob wir ausreisen werden oder nicht. Eine ellenlange Mail mit Berücksichtigungen, möglichen Alternativen und einem Anhang in dem wir uns entscheiden sollen, zu welcher Option wir uns verpflichten.. Von einem Moment auf den nächsten scheint mir die Realität wieder wie ein Schlag ins Gesicht und meine Zuversicht in die Medizin und die Gesellschaft ein wenig verschoben. Ich frage mich, ob es mir besser ginge, wenn höhere Instanzen Entscheidungen für mich träfen und auch wenn meine Antwort im ersten Augenblick „Ja” wäre, weil die Entscheidung außerhalb der eigenen Kraft und Gefühlsmäßigkeit liegt,  dennoch wäre meine Antwort Nein, einfach, weil ich gerade diese Entscheidung selbst in die Hand nehmen wollen würde. 

Was ich aber eigentlich dachte, noch bevor ich an moralische Instanzen philosophierte, war die Tatsache, dass ich keine griechischen Oliven essen würde. Vor dem Einschlafen hatte ich mir schon vorgestellt all die leckeren schwarzen und grünen und violetten Oliven zu naschen und in den Bergen darüber nachzudenken, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Aber ich dachte mehr an die Oliven, um ehrlich zu sein. Auch, wenn es im Nachhinein sehr egoistisch ist, denn kurze Zeit später, stellte ich mir vor, wie Millionen Menschen mit den wirtschaftlichen Folgen der Krise kämpften, geschweige denn mit den akut Betroffenen – und ich dachte daran, keine griechischen Oliven essen zu können. Dafür gab es erstmal eine gedankliche Schelle meinerseits. 

Nun hat mein Companion Carl mich zu beruhigen versucht, denn auch die Freiwilligen vor uns hatten mit derselben Situation zu tun gehabt, mit den selben Problemen und letztendlich sind sie den Freiwilligendienst angetreten. Wir wissen mehr über die Pandemie, jedenfalls Wissenschaftler, denn ich schließe mich da aus. So verbleibe ich mit der Hoffnung, obwohl ich weiß, dass Hoffnung weder etwas verändert, noch etwas auslöst und doch ist sie wichtig für unsere Mentalität.

Erste Gedanken auftanken

18/12/2020

Nachdem die ersten Freudensprünge langsam nachließen, kam erstmal eine ziemlich peinliche Frage: Was weiß ich über Griechenland? Nicht viel: Olivenöl, Tzatziki, Oliven und eine europäische Schuldenkrise von 2016, wahrscheinlich auch schon früher und später. Eine komische Mischung und ich muss selbst kurz darüber lachen. Griechische Götter fallen mir noch ein, aber da hört es auch schon auf. Eigentlich doch schon ein paar Dinge, doch weiß ich wenig über das tatsächliche Griechenland, wahrscheinlich gib es auch nicht „das” Griechenland genauso wenig wie es „das” Deutschland gibt.

Das Einzige, woran ich aber gedacht hatte, war, wie lecker die Oliven dort sein müssten. Und wie schön warm es dort sein würde. Wenn ich an Griechenland denke, wird mir warm, denn weiße Strände und Olievnbaumfelder mit einer mediterranen Berglandschaft fluten meinen Kopf. Prahlende wärmende Sonne und schon habe ich mich in ein warmes Bild umhüllt. Klarer blauer Himmel und Sandalen; die Wärme ist bloß ausgedacht und obwohl es gerade ziemlich kühl und karg ist, möchte ich eigentlich nicht wissen, wie sich 40 Grad im Sommer anfühlen. „In den Bergen ist es immer etwas kühler”, beruhigt mich der Geologe George, während wir uns über zoom ein wenig kennenlernen. „Bald fängt hier die Skisaison an” Ich schaue ihn mit großen Augen sprachlos an. Das Bild von Schnee und in Skianzüge eingepackte Menschen passt nicht in den Sommerurlaub der in meinem Hirn festgebrannt ist. 

Die einzige Berührung, die ich je mit der heutigen griechischen Kultur hatte, waren die zahlreichen Restaurantbesuche zu denen meine Eltern mich überredeten und ich mir danach schwor, niemals wieder griechisch essen zu gehen. Gyros und Schaschlikspieße, die von breit grinsenden Männern serviert wurden und mir versicherten, das sei alles sehr gut. Ich fand es schlicht eklig und wahrscheinlich waren es auch oftmals keine Griechen, die diese Restaurants in Berlin betrieben.

George lachte als ich auf seine Frage antworte, dass ich kein Fleisch aß. „Dann sind wir schon vier Leute im ganzen Dorf mit den Freiwilligen gerade!” Das ist eine Tatsache, die ich gar nicht bedacht hatte, aber klar, Länder mit weniger Möglichkeiten und Menschen, die eher auf ihre Großeltern schauen, wachsen mit Fleischkonsum auf. Umweltbewusstsein is wie in allen anderen Ländern der Welt kein Thema, denn oftmals geht es eher um existenzielle Probleme. Dass Umweltbewusstsein auch ein existenzielles Problem ist, fällt im ersten Moment ja nicht auf, solange Essen auf dem Tisch kommt.