Frühlingsferien (Woche 26)

Wie bereits in meinem letzten Eintrag angekündigt, standen diese Woche die Frühlingsferien vor der Tür. Und was soll ich sagen, sie haben ihrem Namen alle Ehre gemacht.

Doch zunächst startete die Woche mit einer eher nicht so schönen Erfahrung. Denn nachdem ich mich am Montagmorgen von Leonie verabschiedet hatte und schließlich am Bahnhof ankam, begegnete ich dort weitaus mehr ukrainischen Flüchtlingen, als ich erwartet hatte. Viele hatten außer einem Rucksack nichts dabei und nicht wenige trugen ein Haustier auf dem Arm. Der Zug in Richtung Bratislava war bis auf den letzten Platz besetzt, überwiegend von Frauen mit Kindern und alten Menschen. Ein älterer Mann, der mir gegenübersaß, erklärte mir zwischen erstickten Schluchzern, dass er aus der Ukraine komme, dort alles zurückgelassen habe und jetzt auf dem Weg zu seinem Sohn sei, der in der Slowakei lebt. Den Schmerz und die Trauer, die der Mann und die Menschen um mich herum empfanden, war trotz der Sprachbarriere spürbar.

Auf halber Strecke nach Bratislava, der Zug leerte sich zusehends, bekam ich dann Gesellschaft von Fiona, mit der ich gestern Abend spontan beschlossen hatte, noch einen Zwischenstopp in Bratislava einzulegen, von dem ich bisher nur den Bahnhof kannte (von diesem sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn Bratislava ist wirklich schön).

Wir vertrieben uns die Zeit mit Pläne schmieden für den Sommer und als wir schließlich in Bratislava ankamen, hatten wir die verschneiten Berge der Tatra und Fatra weit hinter uns gelassen und traten vor dem Bahnhofsgebäude in strahlenden Sonnenschein, der uns in unseren Winterjacken ganz schön ins Schwitzen brachte.

Also machten wir uns erst einmal auf den Weg zu Richards Wohnung, der freundlicherweise so spontan war, uns in seiner WG, die er bis zur Ankunft der neuen Freiwilligen vorübergehend alleine bewohnt, zu beherbergen. Von dort aus erkundeten wir schon einmal die Stadt, genauer gesagt bekamen wir eine astreine Stadtführung, die wir mit einem Sonnenuntergang an der Donau und einem kurzen Abstecher zur Burg ausklingen ließen.

Der Martinsdom (auch Krönungskiche genannt), wenn ich mich nicht irre.

Das „UFO“ und eine Brücke, die ohne Rücksicht auf Verluste an die Stelle einer Synagoge gebaut wurde, an die heute nur noch ein Denkmal erinnert.

Fotoshooting bei Sonnenuntergang.

Ich wollte schon immer Mal Hochrad fahren!

Das durchaus imposante Parlamentsgebäude.

Zurück in Richards Wohnung, machten wir es uns gemütlich und spielten Karten und „Wer bin ich?“, bis uns vor lauter Müdigkeit die Augen zufielen.

In den nächsten Morgen starteten Fiona und ich gemütlich und stärkten uns erst einmal mit einem Frühstück in der Panenska Kaviaren, einem Café, das uns wärmstens empfohlen worden war (wir können die Empfehlung guten Gewissens weitergeben). Zu unserer Überraschung bekamen wir dort jede eine Tulpe geschenkt. Ein Blick auf den Kalender sorgte allerdings schnell für Aufklärung, denn heute war Weltfrauentag!

Seeehr lecker!

Gestärkt und mit den Tulpen im Gepäck machten wir uns auf den Weg in die Stadt, statteten dem Goethe-Institut einen Besuch ab, besichtigten den Präsidentenpalast (wir sind uns ziemlich sicher, die Präsidentin gesehen zu haben), schlenderten durch die Altstadt, vorbei an zahlreichen schönen Gebäuden, Botschaften, niedlichen Läden, witzigen Statuen und Vielem mehr, bis wir uns schließlich wieder mit Richard trafen, gemeinsam noch einen Secondhand-Laden und ein Antiquitätengeschäft durchstöberten und uns schließlich mit den nötigen Zutaten für selbstgemachte Pizza auf den Weg zurück zu seiner Wohnung machten.

Das Notausgangschild im Goehte-Institut stört das Bild ein wenig.

Ein ganz schön imposanter Präsidentenpalast.

Rechtschreibung ist im Englischen wie im Deutschen wichtig, auch wenn ich die singenden Masken zu gerne gesehen hätte.

Die deutsche Botschaft – wie immer scheinbar unbewacht (im Gegensatz zu der US-amerikanischen Botschaft)

Die wunderschöne blaue Kirche

Wohin es das Schwäbische überall verschlägt, ist schon beeindruckend.

Da waren die Tulpen schon sichtlich mitgenommen.

Das können wir auch!

Und zu guter Letzt noch ein wenig kommunistischer Flair.

Wer diesen Blog schon länger ließt, der weiß, dass ich in meiner Wohnung eigentlich nur eine Sache vermisse: einen Backofen. Daraus folgt, dass ich, wann immer ich bei anderen Freiwilligen zu Besuch bin, die Chance nutze, etwas im Backofen zu kochen/backen. Dieses Mal war es selbstgemachte Pizza, die uns als großartige Stärkung für die Weiterfahrt nach Brno diente, die am Abend noch anstand.

Glücklicherweise sind es von Bratislava nach Brno nur 1,5 Stunden, sodass ich Bratislava, die kleine aber feine Hauptstadt, die mich innerhalb eines Tages in ihren Bann gezogen hat, bestimmt noch einmal besuchen werde.

Zurück in Brno, stand am Mittwoch eine Tour durch das Studentenviertel an, dass ich Fiona unbedingt zeigen wollte. Vorbei am Bahnhof ging es also durch das Zentrum, wo wir nicht widerstehen konnten und auf dem Markt die ersten Erdbeeren des Jahres kauften. Nach einem Spaziergang durch das Viertel, machten wir es uns schließlich auf einer Parkbank im kleinen Park neben der Bibliothek gemütlich, genossen unsere Erdbeeren und typisch tschechisches Gebäck und spekulierten darüber, was wohl all die Studierenden um uns herum studieren.

Die Plastiktüten werden selbstverständlich wiederverwertet.

Auf dem Rückweg statteten wir dem botanischen Garten der Universität einen Besuch ab, bis es schließlich an der Zeit war, nach Hause zu gehen, da für mich am Abend die erste Stunde Sprachkurs seit Langem anstand.

Es blüht!

Auf Erkundungstour

Für den Donnerstag hatten wir uns einen weiteren meiner Lieblingsorte in Brno vorgenommen: Hády – den Steinbruch von dem ich hier schon so oft geschwärmt habe. Dort machten wir es uns mit einem kleinen Picknick gemütlich und genossen die Tatsache, einfach so in der Sonne sitzen zu können, ohne zu frieren.

Am Nachmittag trennten sich unsere Wege vorübergehend, denn während Fiona sich auf den Weg zu Decathlon machte, traf ich mich mit einem ehemaligen Schüler meiner Schule, mit dem ich mein Tschechisch und sein Deutsch verbessern möchte. Zugegeben, zunächst verlief die Kommunikation auf Tschechisch sehr holprig, aber ich bin guter Dinge, dass das beim nächsten Mal schon besser wird.

Im Anschluss ging es für mich direkt weiter, denn ich wollte gemeinsam mit Luca und Franzi eine neue Folge des Podcasts „die Kultis“ aufnehmen Wenn es euch interessiert, wie es nach dem Freiwilligendienst so weitergeht, dann hört gerne mal rein:) (https://open.spotify.com/episode/1hXL7lsNAQUeGtnK3zBnwE?si=c4e1c8609ca241c6)

Gemeinsam machten Fiona und ich uns dann auch schon auf den Weg, um Zoe, eine weitere Freiwillige, vom Bahnhof abzuholen. Den Abend verbrachten wir in einer Studentenbar, erzählten von den Erlebnissen der letzten Wochen, tauschten Erfahrungen im Unterricht aus und quatschten über alles Mögliche.

Entsprechend spät wurde es an diesem Abend und so kamen wir auch am nächsten Morgen eher schwer in die Gänge, bis wir uns schließlich doch aufrafften und Zoe eine Tour durch die Stadt, inklusive Kaffeepause gaben.

Wenn jetzt Sommer wär…

Kremrolky vom Markt – absolut zu empfehlen!

Erschlagen von den letzten Tagen (unser Schrittedurchschnitt tat unseren Füßen definitiv nicht gut), machten wir es uns in meiner Wohnung gemütlich, für eine weitere Bar oder Ähnliches waren wir alle viel zu müde.

Der Wein unseres Vertrauens, wenn es um billigen, akzeptablen Wein geht.

Der entspannte Abend tat uns allen gut, denn so waren wir am Samstagmorgen deutlich schneller auf den Beinen, um uns noch Špilberk anzuschauen, bevor Fiona und Zoe sich am Nachmittag jeweils auf den Weg nach Hause machten.

Zum ersten Mal seit über einer Woche alleine, genoss ich es, nichts zu tun, die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen und meinen Füßen, genauso wie meinem Gehirn, eine Pause zu gönnen.

Nichtsdestotrotz stand am Sonntag eine weitere Verabredung an, auf die ich mich sehr freute. Ich traf mich mit Adéla, einer Schülerin und nach einer kleinen Tour durch ihren Stadtteil, der mehr wie ein heimeliges Dorf wirkt (ich habe mich direkt zu Hause gefühlt), ging es zu ihr nach Hause, wo ich zum Mittagessen eingeladen war (Vielen Dank!) Gemeinsam backten wir anschließen noch eine Torte, die sich, wie ich finde, wirklich sehen lassen kann, probieren diese natürlich auch, zusammen mit selbstgemachten Koláčen ihrer Großmutter (die besten, die ich bisher gegessen habe und vermutlich nicht zu toppen) und starteten gemeinsam eine neue Serie, die wir beide noch nicht kannten: Teen Wolf. So viel familiäre Atmosphäre hatte ich seit langem nicht mehr erlebt und genoss sie daher in vollen Zügen.

Spinattorte – schmeckt genauso lecker, wie sie aussieht.

Nächste Woche beginnt bereits wieder der Schulalltag, ein seltsames Gefühl, nachdem ich beinahe zwei Wochen am Stück quasi Ferien hatte. Umso mehr freue ich mich, wenn sich das Schulhaus wieder mit Leben füllt und ich nicht mehr wie ein einsames Gespenst durch die verlassenen Gänge spuke.

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