Coronatagebuch (Woche 24)

Tja, der Titel verrät es eigentlich schon, ich habe es tatsächlich geschafft, mir nach über zwei Jahren Pandemie schlussendlich doch noch Corona einzufangen. Juhuuuu – nicht.

In einem meiner vorherigen Beträge hatte ich darüber spekuliert, nicht vielleicht ein kleines „Coronatagebuch“ zu schreiben, weil ich sonst ja wirklich nichts zu tun habe während der Quarantäne, also: here we go.

Tatsächlich begann der Montag noch ganz normal. Wir hatten ein „Jugend debattiert“-Seminar an unserer Schule, dass von Alumni für zukünftige Debattierende veranstaltet wurde und bei dem ich mitmachen und mithelfen durfte. Montags waren die Anfänger:innen dran, die sich aber ziemlich gut schlugen und vor allem mit großer Motivation und keinerlei Scheu vor dem Sprechen bei der Sache waren. Neben den Grundlagen wie der Struktur einer Debatte wurde auch das Formulieren von Argumenten und schließlich das Debattieren selbst geübt.

Gleich im Anschluss an das Seminar stand dann noch die Deutscholympiade an, bei der ich für das Abspielen der Höraufgabe zuständig war. Was zunächst leicht klang, stellte sich doch als etwas komplizierter heraus, nachdem klar wurde, dass die Pausen und Wiederholungen nicht auf der CD integriert sind, sondern wir diese manuell durch stoppen und zurückspulen erzeugen müssen. Also saßen eine weitere Lehrerin, die eine andere Gruppe betreute, und ich kurz vor Beginn hoch konzentriert vor dem CD-Player, um uns schonmal mit den Aufgaben vertraut zu machen.

Die tatsächliche Prüfung verlief dann reibungslos, die Schüler:innen meisterten selbst die Hürde des österreichischen Dialekts und ich machte mich, als die Ergebnisse notiert waren, schließlich auf den Weg in meine Wohnung.

Der Dienstag verlief ganz ähnlich, mit dem kleinen Unterschied, dass ich mit leichtem Halskratzen aufwachte. Für mich nichts Ungewöhnliches und so dachte ich mir zunächst nichts dabei. Das Seminar für die Fortgeschrittenen verlief dann ebenfalls reibungslos, allerdings war ich nach vier Stunden doch ein wenig groggy. „Wird wohl die Anstrengung gewesen sein, schließlich haben wir gerade zwei Stunden lang Debatten bewertet“ mutmaßten eine Alumna und ich, wobei sie noch scherzhaft hinzufügte: „Solange es kein Corona ist…“ Da mein Test am vorherigen Tag allerdings negativ war, machte ich mir keine großen Sorgen.

Anders sah die Sache dann knapp eine Stunde später aus, als wir alles aufgeräumt hatten und noch zur Nachbesprechung im Kabinett saßen. Da fühlte ich mich dann doch leicht fiebrig und definitiv mehr als nur ein wenig groggy. Der Schnelltest, den ich daraufhin machte, bestätigte dann meine schlimmsten Befürchtungen. es war zwar nur ein zweiter Schatten, aber ein Schatten, der sich nicht leugnen ließ.

Also Maske auf und ab zum PCR-Test. Tja, leichter gesagt als getan. Denn als ich gemeinsam mit einem Lehrer, der sich ebenfalls testen lassen wollte, vor dem ersten Testzentrum stand, mussten wir feststellen, dass dieses nur bis halb zwei geöffnet hat. Seltsame Öffnungszeiten inmitten einer Pandemie, aber okay, auf zum nächsten Testzentrum. Nach einem Fußmarsch quer durch die ganze Innenstadt standen wir schließlich vor dem Krankenhaus, wo wir nach einigem Suchen schließlich das Testzentrum fanden. Der Test ging dann recht schnell über die Bühne und ein paar Minuten später standen wir wieder auf der Straße, winkten noch einem unserer Schüler im Fahrschulauto zu und schließlich machte ich mich auf den Heimweg.

Das letzte bisschen frische Luft (okay, so frisch ist die Luft am Hauptbahnhof definitiv nicht)

In meiner Wohnung angekommen checkte ich erstmal meine Vorräte, verhungern würde ich in den nächsten drei Tagen schonmal nicht, informierte sämtliche Kontaktpersonen und legte mich schließlich völlig fertig ins Bett.

Mittwoch:

Okay, die Nacht war ziemlich kacke. Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen sind eben nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf.

Erster Stopp: Küche. Mit Tee bewaffnet ab in den Sessel. Hier bleibe ich jetzt erstmal. Ein fertiges Häkelprojekt, mehrere Kapitel des Harry Potter Hörbuchs Teil 3 und eine Runde „Baden in Selbstmitleid“ später habe ich genug vom Sessel. Also ab ins Bett und Häkelnadel gegen Laptop tauschen. Zu besonders viel ist mein Matschkopf aber nicht fähig. Dann, die Nachricht, auf die ich die letzten Stunden gewartet habee: das Ergebnis des PCR-Tests. Eigentlich war es klar, aber ein winziger Funken Hoffnung blieb. Tja, der  Satz: „testu z 22.02.2022 na Covid-19 je pozitivní.“ macht diesen zunichte. Frustrierend das Ganze. Zum Abendessen gibt es Gnocchi mit Tomatensuppe, besser wird es die nächsten Tage auch nicht werden.

Mein fertiges Top.

Donnerstag:

Aufwachen um kurz vor 11. „Hmm, wenn das so weitergeht, dann geht die Quarantäne ja recht schnell rum, ich schlafe einfach die ganze Zeit“  Ein postiver Gedanke, direkt gefolgt vom Stimmungskiller des Tages: „Heute Abend ist die Schulparty und ich sitze hier rum.“ Auf die Party hatte ich mich schon die ganzen letzten Wochen gefreut, wie hätte es auch anders sein können, schließlich gibt es seit einem Monat quasi kein anderes Thema mehr. Tja, scheiß Corona, keine Party für mich. Statt Partyvorbereitungen heißt es: Niesen, Husten, Nase putzen uuuund von vorne. Highlight des Tages: mein Zimmer aufzuräumen (so gründlich wie schon lange nicht mehr) und mir ein Vesper machen. Ein Blick auf die Uhr: noch 30min bis zu Beginn der Party“. Pfff für mich heißt es stattdessen Trübsal blasen und den Abend – Überraschung – im Bett verbringen.

Ausblick des Tages.

Freitag:

Mist, der Plan, einfach die meiste Zeit zu schlafen, geht denkbar schlecht auf, wenn man schon um kurz vor 9 aufwacht. Da kann ich mal nach Lust und Laune ausschlafen und mein Körper meint plötzlich, zum frühen Vogel werden zu müssen. Immerhin der Husten und Schnupfen sind besser geworden. Gut genug, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, bevor ich mich – mal wieder – ins Bett setze. Problem: irgendwann gibt es einfach keine bequeme Position mehr. Also tigere ich eine Weile durch meine Wohnung (es sind 10 Schritte vom Bett bis in die Küche und 20 bis in das am weitesten entfernte Zimmer) strecke meine Nase aus dem Dachfenster, bis mich beinahe ein Regenschauer erwischt und ignoriere krampfhaft die Instagram-Stories der vergangenen Party. Zeit fürs Mittagessen: Couscous mit Gemüse, es könnte schlechter sein. Ein wenig durch Instagram scrollen und mich in verschiedenen Positionen in meinem Zimmer langweilen. Mit langweilen fertig, rege ich mich ein wenig über das inzwischen gute Wetter auf (wehe es regnet, wenn ich wieder raus darf) und gehe mir selbst auf die Nerven. Außerdem habe ich beschlossen, ein kleines Experiment zu starten. Stand jetzt habe ich schon über 24 Stunden kein Wort mehr gesagt. Ob sich meine Stimme wohl kratzig anhört, wenn ich dann das erste Mal wieder spreche? Wahrscheinlich nicht.

Jetzt gerade ist es 17;35, bis ich schlafen kann, dauert es noch mindestes 4 Stunden (was ein Mist), die ich vermutlich mit Essen (Vesper), dem Erstellen einer Liste an Dingen, die ich erledigen könnte und Netflix oder einem Buch verbringen werde. Spannende Pläne, oder?

Die schönste To do Liste, die ich wohl je erstellt habe.

Samstag:

Aufwachen, diesmal immerhin um 9:45, allerdings mit einem nervtötenden Tatendrang, der sicherlich nicht in den eigenen vier Wänden befriedigt werden kann. Frühstücken – Müsli, das sollte für die nächsten Tage reichen. Telefonieren mit zu Hause – meine Stimme klang tatsächlich anders, definitiv kratzig. Dem Tatendrang nachgeben und die Küche putzen – so sauber war sie schon lange nicht mehr, sogar den Kühlschrank habe ich geputzt. Eine Runde dehnen – ich glaube, so steif habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Mittagessen – Mist es ist noch Couscous-Salat von gestern übrig, ich kann mir die Zeit also auch nicht mit kochen vertreiben. Nicht, dass ich großartig etwas kochen könnte, der Kühlschrank ist ziemlich leer. Lesen – irgendwie kann ich nicht richtig stillsitzen. Plötzlich dann doch so müde, dass ich wegdämmere. Schlechte Idee um kurz vor 5. 18:30 – das Highlight des Tages: Antonie bringt mir ein paar Lebensmittel vorbei und als kleine Überraschung auch ein paar Kekse. Sie ist ein Schatz. Abendessen- Vesper, was sonst. Danach – Netflix, Lesen, wieder Netflix, Instagram, Netflix und Instagram gleichzeitig, eigentlich habe ich auf beides keine große Lust. Also doch wieder Lesen. Vielleicht macht es mich ja wieder müde.

Eine sehr süße Überraschung.

Sonntag:

Aufwachen – es ist Punkt 10:00. Frühstücken – Müsli mit Tee und ein halber Apfel. Danach wird der Rest der Wohnung geputzt. Schööööön gründlich, ich habe ja Zeit. Im Anschluss dann das erste Highlight des Tages: den Müll rausbringen. Immerhin kann ich durch die Schule und über den Schulhof laufen. Mittagessen: Vesper – diesmal koche ich Abends, man soll ja Abwechslung im Leben haben. Der Nachmittag wird sinnvoll genutzt. Und zwar mit Tschechisch lernen. Da geht die Zeit schnell vorbei. Zum Abendessen gibt es: Nudeln mit Pesto – der absolute Tiefpunkt meiner Quarantäneküche. Danach das zweite, echte Highlight des Tages: telefonieren mit einem Freund aus Deutschland, der sich passenderweise gerade in Selbstisolation befindet. So können wir uns gegenseitig die Langeweile vertreiben.

Ausblick des Tages.

Sooo, Montag und Dienstag finden sich dann in meinem nächsten Blogeintrag, bevor es hoffentlich wieder normal weitergeht. Bis dahin – Ahoj und bleibt gesund!

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