Anfänge

Die ersten Tage in Ulaanbaatar haben wir gemeinsam mit Beree verbracht. Wir waren Simkarten kaufen, ich habe mir eine Buskarte zugelegt und wir haben alle gemeinsam die Stadt erkundet. Wir haben das lokale Goethe-Institut besucht und auf dem Weg dahin noch einen kurzen Abstecher zu einem buddhistischen Tempel gemacht. Im Tempel selbst waren wir allerdings nicht, lediglich die Außenseite haben wir bewundert.

Im Goethe-Institut haben wir dann auch noch Tuxu und Leonhard kennengelernt. Tuxu war bereits bei den kulturweit-Auswahlgesprächen mit dabei und arbeitet zusammen mit Beree in der Sprachabteilung des Instituts. Leonhard ist Leiter des Instituts und kommt – wie der Name bereits vermuten lässt – aus Deutschland. Auf gewisse Weise passte er auch nicht ganz in diese Welt. Seine Begrüßung war zu formell, zu sehr wirkte sie wie nicht mehr als ein weiterer Punkt auf einer Liste, der abgehakt werden muss. Auf gewisse Weise war sie das ja für ihn auch nur und nichtsdestotrotz stand sie in so starkem Kontrast zur bisher erlebten Gastfreundschaft der Mongolen, dass sie selbst mir etwas befremdlich vorkam. 

Im Goethe-Institut waren wir allerdings nur kurz, der Großteil unserer Zeit wurde von unserem kläglichen Versuch, die Miete für unsere Wohnung zu bezahlen, verschlungen. Insgesamt mussten wir die Kaution plus drei Monate Miete im Voraus auf einmal zahlen. An einem Mangel an Geld lagen unsere Schwierigkeiten allerdings nicht, vielmehr war der Zugang zum Geld der problematische Teil. Nun ist es zwar nicht unmöglich, Geld von einem deutschen auf ein mongolisches Bankkonto zu überweisen, allerdings dauert dies wohl ewig. Letztendlich haben wir es geschafft mit einer Kombi aus vor Ort abgehobenem Bargeld und amerikanischen Dollars zu zahlen, ursprünglich waren es eigentlich Euros, die einer unserer  Mitbewohner über moneygram an eine Bank in der Mongolei geschickt und vor Ort dann aber in der Form von Dollars abgehoben hat.

Etwas interessantes, was mongolische Geldscheine angeht, ist, dass der höchste Wert, den ein Geldschein haben kann, 20.000 Tugrik ist, was in etwa 6,00 Euro entspricht. Nun ist es aber keineswegs so, dass alles in der Mongolei deutlich billiger ist als in Deutschland, wobei man allerdings auch anmerken muss, dass sich unsere Wohnung in einer sehr guten Gegend befindet und die teuren Preise vor allem daran liegen. So mussten wir zum Beispiel für unsere Miete, abgesehen von dem Geld, das wir in Dollars hatten, noch jeder etwa eine Million Tugrik abheben. Was, wenn man nun hypothetisch alles in 20.000 Scheinen bekommt, bedeutet, dass man mit nicht weniger als 50 Scheinen herumläuft. Während dies zwar in der Theorie bereits etwas extrem erscheint, ist es aber in Realität meistens auch noch so, dass man vieles in 10.000 und gar nicht 20.000 Scheinen bekommt. Ihr könnt euch also selbst ausrechnen und vorstellen, wie viele Scheine das dann sind. Letztendlich saßen wir dann also alle gemeinsam mit 5 großen Stapeln Scheinen im Wohnzimmer und nun müsst ihr bedenken, dass die meisten davon Dollarscheine waren. Wäre alles Tugrik gewesen, wäre der Sofatisch wahrscheinlich komplett voll gewesen. Die gesamte Situation hatte etwas sehr Surreales an sich und zumindest ein bisschen wie der Boss eines mexikanischen Drogenkartells habe ich mich, als wir alle (fast noch) Teenager dann so um den Tisch herum versammelt saßen, doch gefühlt. Der beste Teil der Geschichte ist aber vermutlich der, wo die Vermieter nicht am verabredeten Tag gekommen sind, sodass dann sämtliches in die Butterbrotdose meines Mitbewohners verlegt wurde und dann erst einmal dort aufbewahrt wurde. Letztendlich hat dann aber auch doch alles geklappt.

In der Mongolei wird aufgrund des geringen Wertes der Scheine mittlerweile auch nahezu niemand mehr Bargeld mehr verwendet. Insbesondere eine App namens QPay ist hier besonders beliebt, über welche bargeldlos mit dem Handy bezahlt werden kann. Ohne ein mongolisches Bankkonto ist die Nutzung der App allerdings nicht möglich und so blieben wir auf Kreditkarten und abgehobenes Bargeld angewiesen.

Selfie vorm Sukhbaatar Square