Abschied

So, das sind sie nun, die gefürchteten letzten Stunden? Wie es sich anfühlt? Irgendwie seltsam. Während mein kulturweit-Profil einfach umgeschaltet hat und mich jetzt schon als Alumni deklariert, kann ichs ehrlich noch gar nicht so richtig fassen, dass ich in weniger, als 24 Stunden schon wieder in Deutschland sein werde und diesmal nicht mehr so schnell wiederkommen werde, die wunderschöne Altstadt und das Meer nicht mehr so schnell zu Gesicht bekommen werde, sowie auch all die wundervollen Leute, Schüler erstmal nicht mehr wiedersehen werde. Eigentlich sollte ich meinen Koffer zu Ende packen und ihn endlich schließen. Aber irgendwie möchte ich das nicht. Vielleicht ist das, was mich davon abhält die Gewissheit, dass es ernst wird.

Ok, jetzt reichts aber auch mit der Sentimentalität. Schließlich hat doch alles ein Ende (ok, bis auf die Wurst 😉 ) und schließlich erwarten die daheim Gebliebenen schon wieder sehnsüchtig meine Rückkehr und ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh, alle endlich wieder sehen und mit ihnen reden zu können.

Was ich unter anderem dieses Jahr gelernt habe? Nun:

1. Ich wäre eine ziemlich gute und coole Lehrerin (zumindest den Kindern zufolge).
2. Erasmusstudenten leben wirklich in ihrer „Blase“.
3. Esten können super freundlich und aufgeschlossen sein, sobald man sie nur näher kennenlernt.
4. Ich habe den dunklen, kalten estnischen Winter mit Temperaturen bis zu -25 Grad Celsius irgendwie überlebt.
5. Auch im Winter kann man tolle Sachen in Estland erleben und machen.
6. Die estnischen Donuts sind einfach richtig lecker!
7. Ich bin eine miserable Bloggerin. 😀 Sorry, guys.

Bin ich angekommen? Was heißt das überhaupt „angekommen“ zu sein? Es heißt Freundschaften zu knüpfen, sich akzeptiert und geliebt zu fühlen, Erinnerungen zu sammeln, sich auch einmal zu entspannen zu können oder auch sein Lieblingscafé/ -restaurant/ -bar zu finden und dort die Zeit auch mal mit eben den neuen Freunden zu verbringen. Bei so vielen Dingen kann es auch mal leicht passieren, dass die Freunde in der zurückgebliebenen Heimat, selbst bei größtem Bemühen, ab und an doch mal etwas in Vergessenheit gelangen (an dieser Stelle an alle meine Leute: Es tut mir wirklich und aufrichtig leid!).
In diesem Sinne würde ich sagen: „Ja, definitiv, ich bin angekommen.“ Ich habe Freunde aus den unterschiedlichsten Teilen Europas gefunden, könnte euch sofort eine Liste mit allen möglichen Ausgeh- und Essenstipps geben, und eine Menge Geschichte erzählen. Außerdem durfte ich eine Menge Dinge erleben und viele Erfahrungen machen, die ich nicht mehr missen wöllte.

In diesem Sinne möchte ich nun auch den letzten Beitrag zu Ende bringen.

Tschüss,

Anna

Sicht auf die Tallinner Altstadt vom Turm der St. Olafs Kirche

 

Update: Ich bin mittlerweile wieder gut in Deutschland angekommen, habe nun auch mein Nachbereitungsseminar erfolgreich hinter mich gebracht und somit meinen Freiwilligendienst nun auch offiziell beendet. Jetzt versuche ich mich erst einmal wieder hier in Deutschland und in die deutsche Kultur einzugewöhnen.

 

 

 

2 Gedanken zu “Abschied

  1. Ach Mensch, da ist das eine Jahr auf einmal vorbei und du bist wieder hier. Ich finde es super cool, wie viel du erlebt hast, was du alles erzählen kannst und wo du überall warst, bist und sein wirst. Und trotzdem ist da dieser egoistische Teil in mir, der sich freut, dich jetzt wieder öfter live und in Farbe gesehen zu haben.
    Es ist mega toll, mit wie viel Begeisterung du über das Erlebte berichtest. Da möchte man am liebsten dabei gewesen sein.

    Und zum Schluss noch: Du bist keine schlechte Bloggerin. Deine Texte kamen zwar manchmal etwas später, aber sie waren jedes Mal sehr schön geschrieben und lassen sich super gut lesen!

    So… dann beende ich mein Textchen mit Pipi Langstrumpfs klugen Worten: „Am besten, ihr geht jetzt nach Hause, damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.“

    • Danke Lisa, es freut mich zu riesig zu hören, dass dir mein kleiner Einblick in mein Leben gefallen hat. Es war wirklich ein sehr schönes und aufregendes Jahr. Aber jetzt ist es auch toll, euch alle einmal wieder zu sehen und gesehen zu haben. 🙂

      Liebe Grüße, Anna

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