Was machst du da eigentlich so?

Oft wurde ich gefragt: “ Was machst du (da) eigentlich in der Schule?“ oder “ Wie sieht deine Arbeit aus?“ Nun denn heute werde ich das Geheimnis lüften. Vorweg möchte ich mich einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken, dass sie mir so viel ermöglicht haben. Ich durfte mich sowohl im als auch außerhalb des Unterrichts ausprobieren.

Ehrlich gesagt mer russ ich zugeben, dass ich nicht „den typischen Montag“ oder „den geregelten Dienstag“ hatte, ganz im Gegenteil – ich hatte den größten Teil der Zeit nicht mal einen Stundenplan. Klar, gerade frisch aus der Schule, war ich das erstmal gar nicht so richtig gewohnt, aber ich habe schon zu Anfang recht schnell gemerkt, dass mir ein Stundenplan einfach nicht viel bringt. Ich wurde immer von den verschiedensten Deutschlehrern gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte, Unterrichtsideen hätte oder mit ihnen zusammen ein kleines Projekt machen möchte. Gerade die estnischen Deutschlehrer waren auch immecht dankbar, wenn ich dabei war und ihnen bei der Erklärung von weniger gebräuchlichen Alltagswörtern, wie z.B. bei der Frage: „Was sind Welpen?“, und anderen Kleinigkeiten helfen konnte. Auch in meinen „Freistunden“ wurde ich oftmals gefragt, ob ich denn nicht helfen könnte oder ob ich diesen oder jenen Satz verstehe oder auch, wie man das besser formulieren könnte.
Am Anfang haben mir unter anderem Hospitationen geholfen Lehrer, Schüler und Klassen kennenzulernen und mich zurechtzufinden in dem anfangs recht verwirrendem Schulhaus. An die H-Form des Hauses galt es sich nämlich erstmal dran zu gewöhnen.
Auch hatte ich mehrmals im letzten Jahr die Möglichkeit einen Lehrer zu vertreten. Meist bekam ich Aufgaben, was ich mit den Schülern machen sollte. Ab und an, wurde mir allerdings auch einfach das Thema erzählt und dann wurde es mir überlassen, ob ich mit den Schülern einen Film dazu ansehe, Lernspiele, wie Tabu, Domino etc. spiele oder mir Arbeitsblätter erstelle bzw. suche und diese zusammen mit den Kindern löse. Dabei war das meist noch der einfachere Teil. Schwieriger wurde es dann als Vertretung, wenn die estnischen Sprachfähigkeiten fehlten, man aber beispielsweise vor einem Haufen Zweit- oder Drittklässler steht, die seit 1 bzw. 2 Jahren Deutsch lernen und einen wie ein Auto anstarren. Was macht man in dieser Situation? – richtig man wechselt notfalls die Sprache. Estland sei Dank, können hier auch die Kleinsten schon Englisch. Hieß also, sobald ich mit Deutsch und Estnisch nicht mehr weiterkam wechselte ich in die englische Sprache. Besonders freut man sich dann immer über die kleinen Fortschritte, z.B. wenn ein Schüler dann laut: „Ahhhhh“ ruft und dann sofort auf Estnisch anfängt den anderen das eben Gesagte zu erklären. Irgendwie funktioniert es dann doch immer…
Zu meinen Aufgaben zählte aber auch beispielsweise das mit Auf- und Abbauen bei Veranstaltungen oder die Mithilfe bei der Klassenarbeits-/ Klausurenaufsicht.
Aber ich war, wie oben schon erwähnt, nicht nur im Unterricht tätig, sondern auch außerhalb. So begleitete ich die Lehrer u.a. auf Klassenausflüge nach Helsinki und Lahemaa oder auf den Tag der Deutschen Sprache in Rapla. Auch habe ich bei der Vorbereitung der Schüler auf das Landesfinale des Debattierwettbewerbs „Jugend debattiert International“, kurz „JdI“ geholfen, sowie auch bei den Vorbereitungen auf das „Lesefüchse“-Finale geholfen und auch in diesem mitgewirkt. Bei dem Projekt Lesefüchse lesen die Schüler deutschsprachige Jugendbücher, über deren Inhalte es dann zu diskutieren und das beste Buch unter den vorhandenen auszuwählen gilt. Neben der Lesefuchs- und JdI-Vorbereitungen galt es aber auch für den Kindergesangswettbewerb „Lautstark“ (für Kinder bis zur 6. Klasse) sowohl die Performance als auch den Text eines deutschen Liedes mit den Kindern der dritten und vierten Klasse einzustudieren und dann letztendlich auch performen.
Gerade gegen Ende des Schuljahres kamen auch viele Gäste und Delegationen ins Deutsche Gymnasium Tallinn. So hatten wir u.a. das ZDF, als auch verschiedenste Landtagsdelegierte und Schulvertreter in der Schule, welche es herumzuführen und auch in den Unterricht zu führen galt. Außerdem gab es auch noch einige Wettbewerbe, z.B. ein Vorlesewettbewerb, bei dem ich jurieren durfte.
All diese Dinge gestalteten meine Arbeit im Endeffekt dann doch viel abwechslungsreicher und interessanter als ich ehrlich gesagt am Anfang des Jahres dachte.

Vielen Dank nochmal an alle, die dieses wundervolle Jahr für mich ermöglicht und mich immer unterstützt haben. Vielen Dank, dass auch ihr mir bei den größeren, sowie auch kleineren Fragen des (Schul-)lebens immer beiseite standet!

Bis bald,

Anna

2 Gedanken zu “Was machst du da eigentlich so?

  1. Ich freu mich, einen neuen Blogeintrag lesen zu können. Vielen Dank erstmal dafür. 😀
    Da hattest du ja einiges zu tun in diesem Jahr. Also ich wusste ja so ungefähr, was deine Aufgaben an der Schule sind (dank einiger Sprachnachrichten neben dem Drucker ;D), aber jetzt bin ich super informiert, wie vielfältig dieses Jahr in Estland für dich war.
    Aus deiner Begeisterung lese ich mal, dass dir die Zeit im Norden sehr gut gefallen hat und immer noch gefällt 😀

    Ich wünsch dir noch eine schöne Zeit und wenn die vorrüber ist, schöne Erinnerungen an diese Zeit. Und ich freu mich auf den nächsten Blogeintrag ;D

    Dein Grünpups ;P XD

    • Vielen Dank, Grünpups! 😉 Es freut mich, dass er dir so gut gefällt! Und ja, die Zeit hier oben war wirklich toll, abwechslungsreich und leider viel zu kurz. Ja, die Sprachnachrichten neben dem Drucker. Manchmal sind es eben auch die kleinen Dinge im Leben, die erledigt werden wollen. Eben ganz so wie das Kopieren wichtiger Arbeitsblätter für die Schüler. 😀

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