Perth – Notizen einer Woche

Finalisiert am 16. November

09/11/2019 Angekommen. Zehn Tage und 4517 km und ich bin in Perth. Nach einem kurzen emotionalen Abschied verstauten die Tour Leute, die nicht gleich zum Flughafen mussten ihre Sachen im nächsten Hostel und zu acht machten wir uns auf zu einem letzten gemeinsamen Mahl. 

Nach dem nächsten Abschied, wartete ich darauf, dass Nina mich abholt. Nina kenne ich vom Yoga Teacher Training in Indien. Damals hatten wir im Scherz ausgemacht, dass ich sie besuchen komme, wenn ich schon in Australien bin – sind ja nur rund 4.000 km von Sydney. Nina ist eine wunderbarer herzensgute, kreative Person, mit so ziemlich dem gleichen Energielevel wie ich, nur neun Jahre älter. Nachdem im Frühjahr ihr Hund starb, wurde sie von verschiedensten Freunden als Pet-Sitterin angefragt. Daher kamen wir die ersten drei Nächte in einem sehr modernen, mit jeglichem Schnickschnack ausgestatteten Haus unter – wo Siri auf Zuruf das Licht ausknipst!

10/11/2019 Immer noch im Roadtrip-Modus standen wir gegen 5 Uhr auf und gingen mit der Hündin Jesse raus. Auf dem Weg zur Uferpromenade stoppten wir an einem kleinen Café, welches von einem Freund von Nina betrieben wird und sie spendierte mir einen ChaiLatte und einen fancy Zopfgummi – Yeahh! Wieder Zuhause versteckten wir uns vor der Sonne und den anstehenden 38*Grad. Irgendwann schlief ich auf dem Sofa ein – was ein Luxus. Am Nachmittag ging es trubeliger weiter, als Nina mich mit der Aussage: “Du fährst” überrumpelte. So kutschierte ich uns SEHR lange 20 Minuten zu ihren Eltern, zum großen Amüsement von Nina. Zu meiner Verteidigung – es war das erste Mal seit fast einem halben Jahr, dass ich selber Auto fuhr und das erste Mal überhaupt im Linksverkehr und sooo blöd habe ich mich dann auch nicht angestellt. Nichtsdestotrotz kamen wir zu dem Schluss, dass das Auto und ich zunächst nicht allein auf den Verkehr losgelassen werden sollten. Von Ninas Eltern ging es weiter Lebensmittel einkaufen, dann zum Strand und kurz ins Meer, danach zu einer Hausbesichtigung und im Anschluss saßen wir mit dem jetzigen Mieter, einem Freundesfreund von Nina in einer Bar, von wo aus wir den Sonnenuntergang bestaunten. Der sprach-freudige Ire erzählte uns wie er aus Versehen einer sehr giftigen Schlange das Leben rettete – es heißt jeder Bewohner Australiens könne eine Schlangengeschichte erzählen und auch wir hatten es auf der Tour geschafft, mehrere Minuten lang eine friedlich in der Sonne schlafende schwarze Schlange zu bestaunen und entspannt an ihr vorbei zu gehen, ohne zu wissen, dass diese tatsächlich auch ein giftiges Exemplar war. Noch amüsanter jedoch war die Geschichte, wie der schon lange in Australien lebende Ire der Polizei am Nullabur vorgaukelte, dass er ganz unabsichtlich viel viel zu schnell auf der Straße gefahren war und dafür seinen schönsten Akzent vorspielte, so dass selbst die beiden Polizisten ihren Spaß hatten und ihn mit einer Mahnung davonkommen ließen.

Die meisten Bekanntschaften und Gespräche der letzten Monate vermitteln mir das Gefühl, dass so gut wie jede in Australien lebende Person einen nicht australischen Hintergrund hat, abgesehen von den Aboriginal People – was ja bei der Geschichte des Landes auch ziemlich viel Sinn ergibt. Während es in Sydney vor allem chinesische Wurzeln sind, scheint es in Perth eher Irisch und Schottisch zu sein, wobei dieses Bild auch durch Ninas Freundeskreis gemalt wird. 

11/11/2019 Die Tage bzw. die Abende in Perth mit Nina und ihrer Familie zu verbringen, gibt der Zeit hier etwas sehr heimeliges. Und auch ihre Freunde zu treffen macht die Stadt für mich lebendiger. So war ich am Samstag endlich wieder beim Yoga und danach mit ein paar Tour Leuten auf einem Markt im Perther Stadtteil Freemantle – wo es Essen und viele schicke Dinge gab, die man eigentlich nicht braucht, um dann am Abend mit Nina zu einem Amy Winehouse Cover Konzert zu gehen. Zusammen mit einem bunten Haufen irischer Frauen, die alle sehr viel Spaß hatten.

12-13/11/2019 Während Nina am Montag unsere Sachen bei ihren Eltern abwarf, wo wir die nächsten Tage bis Freitag schliefen, spazierte ich in Richtung Stadtzentrum. Dabei kam ich zu einer “Shoppingmeile”, die man nur mit dem Auto bestreiten kann. Ein großer Laden neben dem anderen und tausende Parkplätze davor. Das ging sicher 3km so. 9.30 Uhr war ich mit Lara von der Tour verabredet, weil wir uns der Perth Free Walking Tour anschließen wollten. Diese fand jedoch “ausnahmsweise” nicht statt und erstaunlicher Weise passierte das gleiche einen Tag später nochmal. Statt die Stadt gleich auf eigene Faust zu erkunden machten wir es uns erst einmal ein paar Stunden in einem Café bequem und ließen die Reisetage Revue passieren. Endlich konnte hatte ich die Zeit meinen geliebten Planer mit Worten zu füllen. 

Dabei bekam ich auch zum ersten Mal etwas von den Buschfeuern in New South Wales bzw. in der Gegend um Sydney mit. Es scheinen die schlimmsten Feuer seit Jahren zu sein, bedingt durch Trockenheit und starke Winde. Die Mädels in Sydney schrieben mir, dass in der Stadt soweit alles gut ist, aber im Umland ist Notstand. Menschen starben, weil sie nicht schnell genug dem Rauch entkamen, oder ihre Haustiere retten wollten. Überhaupt wird versucht, auch Wildtiere wie beispielsweise Koalas zu retten. 

Während der Tour erfuhren wir, dass sich viele Pflanzen hier sehr gut an die immer wieder ausbrechenden Feuer angepasst haben. Manche Bäume “verstecken” ihren Stamm unter der Erde, sodass das Feuer nur die Krone über dem Boden abrennt. Andere brennen von innen aus, wachsen aber trotzdem nach oben weiter. Wieder andere lassen Blätter rum ihren Stamm wachsen, die sie vor den Flammen schützen. Busche nutzen das Feuer um sich zu regenerieren. Und manche Pflanzen ”love the fire ” (Zitat Janner). So gibt es eine Blume, die nur blüht, wenn genug Rauch in der Luft ist. Die Aboriginal People haben schon immer gesteuerte Feuer gezündet, u.a. um größere Schäden zu verhindern. Doch die europäischen Siedler hatten Angst vor Feuer und verboten die Praxis. So kommt es, dass jedes Jahr wieder und wieder Brände losbrechen und durch Winde angefeuert werden.

13/11/2019 Gerade ist Mittwoch und ich sitze auf der Fähre nach Rottnest Island. In 30 Minuten bin ich dort, wo die viel zu niedlichen Quokkas wohnen. Gerade wurde uns demontierter, wie wir im Fall der Fälle die Rettungswesen anlegen – safety first !

Nach meinem Ausflug kann ich sagen, dass die Quokkas tagsüber gar nicht so leicht zu finden sind – sie kommen eher am kühleren späten Nachmittag raus und dann auch mit Vorliebe in der Nähe von Menschen, wobei natürlich jeder darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Tiere nicht abgefasst und gefüttert werden dürfen. Ansonsten scheint Rottnest vom Tourismus zu leben, von Menschen, die über die Insel radeln, einmal rund herum sind ca. 25km, und versuchen an den idyllischen Stränden nicht in der Sonne zu verbrutzeln – den Bäume und Schatten gibt es eher selten. Dafür ist das Wasser bzw. der Ozean so natürlich blau/ türkis, klar und kalt, dass es schon unreal erscheint. Da konnte ich sogar einen sicher 20 Zentimeter langen Fisch um meine Beine herum schwimmen sehen. 

Am Abend des gleichen Tages besuchten Nina und ich mit den drei anderen übrig gebliebenen RoadTrip Menschen das alte Gefängnis von Fremantle, einem Stadtteil von Perth. Dort hörten wir bei Taschenlampenlicht unter anderem Folter und Gruselgeschichte aus den aktiven Tagen des Gefängnisses, aber auch von übernatürlichen Gruppenerfahrungen während geführter Touren. Von plötzlich in Räumen auftauchenden Menschen, sich von selbst bewegenden Mülltonnen, über kuriose Selbstmorde und Fluchtgeschichten war alles dabei. Eine dieser Geschichten endete damit, dass der “Flüchtling” sich für eine Packung Zigaretten wieder freiwillig in seine Zelle begab, nachdem er zuvor zwei Wachen in die Beine geschossen hatte. Die Wachen sprachen vor Gericht nichtsdestotrotz sehr wohlwollend über den Insassen und von welchem “Freund” dieser damals die Waffe bekommen hatte, ist noch heute ein Rätsel.

14-15/11/2019 Ansonsten verbrachte ich viel Zeit damit, mit Lara die große und kleine Graffiti Kunst der Stadt zu bestaunen. Am Donnerstag konnten wir zu viert Ninas Auto ausleihen und durch das Umland cruisen – da wurden Bus Erinnerungen wach. Nachdem wir uns tagsüber noch einmal die Seele aus dem Leib gesungen hatten, verabschiedeten wir uns schmerzlos voneinander. Und nun sind wir alle weiter unterwegs und auf Entdeckungstour. Zumindest Lara werde ich höchstwahrscheinlich nochmal in Tasmanien und definitiv in Sydney sehen! 

P.s. wir waren auch nackig in einem natürlichen Pool baden!

16/11/2019 Zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit machten Nina und ich am Samstag Vormittag einen Ausflug – soll heißen 2h Autofahrt, 1h rum spazieren und wieder 2h zurück – zu einer Wüste mit wunderbar aus dem Boden gewachsenen Steinwesen. Voller Freude suchten und fanden wir Eulen, Krokodile, Wale, Geister und Monster, Zauberer und Schlösser, das Krümelmonster, aber vor allem Penisse aus Stein.  

Auf der Fahrt begleitete uns ein überwältigendes Wolkengebirge. Erst dachten wir die Wolken seien aus Rauch geformt.Doch anscheinend war es einfach nur Nebel, der sich wie ein Fluss neben uns durch die Landschaft zog und dem Himmel die Farbe nahm.

Nun sitze ich wieder im Flugzeug, wobei wieder heißt, dass ich das letzte Mal geflogen bin, um nach Australien zu kommen. Das ist inzwischen 4 Monate her. Wenn ich nachspüre, wie schnell die letzte Woche in Perth vorbei gegangen ist, scheint es kein Wunder zu sein, dass es mir vorkommt, als wäre ich schon seit Ewigkeiten in diesem riesigen Land. Und mit riesig meine ich RIESIG – größer als Europa! Deshalb dauert es auch gute vier Stunden, um von Perth zurück nach Melbourne zu fliegen. Melbourne, wo ich vor gut 3 Wochen für 13 Stunden rum spazierte und wo ich heute gegen Mitternacht Ryan wiedersehe. Die Aufregung und Vorfreude steigt mit jeder Minute. Während ich mich inzwischen an die 38 Grad am Tag gewohnt habe, erwarten mich in Melbourne kühle 20 Grad. Ein großes Land – ein Land, das mich in seinen Dimensionen und Unterschieden an Russland erinnert. Und wie in Russland haben die meisten Touristen mehr Teile und Städte gesehen, als ein Großteil der australischen Bevölkerung. Die fliegen lieber nach Asien oder Europa oder Amerika.

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