Grasgrün, Himmelblau und Sonnengelb

Die Frage, die ich mir in letzter Zeit immer wieder stelle ist: ist aller Anfang wirklich schwer? Und, wenn ja: wäre das so schlimm (wie es mir vermittelt wurde)? Das ist jedenfalls, was in meinem Kopf für Gedanken geisterten und mir von vielen Seiten versprochen wurde. Die Anfangszeit würde hart werden, ich müsse mich beschäftigen um nicht zu viel zu grübeln und soll schnell neue Leute kennenlernen um nicht so oft alleine zu sein. Das klang alles total logisch für mich und schon bevor ich ausgereist bin habe ich mir überlegt wie ich denn schnellstmöglich Menschen treffe um nicht alleine zu sein. Ich habe von Deutschland aus nicht wirklich Wege dafür gefunden und habe mir zu viele Sorgen darüber gemacht nicht beschäftigt genug zu sein, nichts zu tun zu haben und eben „zu vereinsamen“. Jetzt kann ich das gar nicht richtig begreifen. Noch bevor ich ein Fuß in ein Land gesetzt habe, welches ich noch nie besucht habe, habe ich mich von zu vielen  Seiten (und zu oft von mir) verrückt machen lassen. Ich weiß, dass ich mehr Vertrauen in das haben sollte was kommt, in mich und meine Fähigkeiten. Ich kann viele Dinge nicht vorhersehen und es wird nie so wie man es sich vorstellt. Das ist mir so bewusst wie nie. Und auch gut so. Und natürlich war bei mir nicht alles rosarot…Aber, ich verstehe nicht warum es nicht auch positiv gesehen werden kann nach einer solchen Veränderung eher auch Zeit mit sich selbst zu verbringen. Mir hat es sicherlich geholfen mich nicht sofort mitten ins Getümmel zu stürzen (so wie das während steigender Inzidenzzahlen in einer Pandemie eben möglich ist) und die Anfangszeit (also meine schlappen zweieinhalb Wochen hier haha) in großen Teilen mit mir selbst zu verbringen. Noch keine Dutzend Menschen kennenzulernen oder ständig Sightseeing zu machen. Ich weiß jetzt, dass ich die Zeit die ich mit Spaziergängen, Straßenbahnirrfahrten und Freistunden verbracht habe mindestens genauso gebraucht habe wie die Wochenendunternehmungen und Nachmittage mit Nicole. Ich grübele manchmal ehrlich gesagt auch ganz gerne! Das Ding ist, ich würde nicht behaupten, dass mein Anfang hier schwer war. Es war halt ein Anfang. Vielleicht eine Art Neuanfang für mich. Dazu gehörte bei mir auch sehr verzweifelt und verloren durch meine Nachbarschaft zu laufen, weil ich keinen Weg zurückgefunden habe. Es schien alles gleich auszusehen. Auch, auf der Arbeit kurz auszusetzen, als ich bei Nicole loswerden möchte, was mir alles auf dem Herzen liegt. Das habe ich aber nicht getan, weil ich Heimweh hatte oder zu wenige Menschen kennengelernt. Das hab ich getan, weil mir so kleine Sachen auf einmal so groß vorkamen. Viele Eindrücke, Gefühle die ich von mir nicht kannte und Situationen in denen ich noch nie war. Das sind aber letztendlich genau die Dinge, die mich zu einem Freiwilligendienst bewegt haben. Und nebenbei habe ich dieses Land schon jetzt ziemlich lieb gewonnen. Im letzten Blogpost habe ich geschrieben, dass ich es bis zur letzten Minute nicht greifen konnte, nicht realisiert habe, dass ich ins Ausland gehe. Ich vermute stark, es ging vielen anderen Freiwilligen auch so und bin überzeugt davon, dass das nichts Unnormales ist. Aber für mich persönlich, feuerte das einfach doppelt so hart zurück. Was total okay ist. Ich wüsste auch nicht, wie ich mich besser hätte vorbereiten können (falls sowas jemals funktioniert). Ich bin vermutlich auch froh, dies nicht getan zu haben um noch mehr Erwartungen an mich selbst und Druck vermieden zu haben.

Wie gesagt, es war hier nie nur rosarot. Sondern manchmal eben auch grasgrün und himmelblau oder sonnengelb. Eine Mischung aus allem.

Dadurch war es für mich kein schwerer Anfang. Sondern eher wie eine sehr lange Unterrichtseinheit mit mehreren kleinen Lektionen und einigen größeren Hausaufgaben.

Man lernt nie aus! Im Gegenteil, ich habe das Gefühl ich fange gerade erst an ;)

5 Comments

  1. Detlev

    Liebe Klara, ich glaube es war eine gute Entscheidung in einem Bloc über dein rumänisches Dasein zu berichten. Ich werde dir folgen und frohe Ostern. Schreib mal etwas über die Schule. Herzlichst, Detlev

  2. Bernicke

    Liebe Klara ich denke oft an dich ..frage mich wie es dir und hoffe in der Schule macht es dir Spaß. Ostern bist du ja jetzt in einem anderen Land und ich verstecke für dich etwas das bis August auf dich wartet..Bis zum nächsten Blog 😆💋

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