Das Zwischenseminar

Ende Mai bin ich zurück nach Deutschland geflogen, um mein zweites Visum zu beantragen. Das war zwar teuer, hat aber zum Glück ohne Probleme geklappt. Ich hatte eine sehr schöne Woche, in der ich Familie und Freunde sehen konnte.

Am Sonntag, den 02. Juni habe ich mich auf den Weg nach Řehlovice, Tschechien gemacht, weil dort unser kulturweit Zwischenseminar stattgefunden hat. Im zweiten Zug habe ich Sara getroffen und im dritten Zug dann auch alle anderen. Wir drei aus Russland hatten unser Seminar nicht mit unserer Homezone vom Vorbereitungsseminar, sondern mit den Leuten aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Ein paar kannte ich ein bisschen, viele aber noch nicht. Sie haben uns aber sofort sehr gut integriert und wir hatten super viel Spaß zusammen!

Am ersten Tag haben wir zuallererst das Gelände bewundert. Řehlovice ist ein kleiner Ort mit viel Natur. Wir haben in einem großen Haus gewohnt, in dem wir uns alle zusammen einen Schlafsaal geteilt haben. Es gab zwei Duschen und eine Küche, in der wir selbst kochen konnten. Außerdem gab es einen kleinen Teich, eine Schmiede, einen Lagerfeuerplatz und ein super großes Gelände in der Natur. Ehrlich gesagt waren viele von uns vorher etwas skeptisch, aber als wir dann dort waren, waren wir total begeistert!

          

Unsere Trainer Matze und Kristina haben uns mit einer selbstgekochten Suppe begrüßt und dann haben wir ein paar Kennlernspiele gespielt und Organisatorisches besprochen. Abends haben wir Salat geschnippelt und gegrillt.

Am Montag haben wir intensiv unsere Erfahrungen ausgetauscht und konnten einige Parallelen entdecken. Generell kann man sagen, dass die allermeisten ziemlich glücklich sind. Es ist nie alles perfekt, aber niemand bereut seine Entscheidung, den Freiwilligendienst anzutreten, und alle haben bereichernde Erfahrungen gemacht und schöne Geschichten zu erzählen. Wir haben auch darüber gesprochen, welche Aufgaben wir an unseren Einsatzstellen bekommen und was uns Spaß macht und was eher weniger. Es war sehr schön, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen und vor allem auch den Geschichten der Anderen zuzuhören. Am Nachmittag ist eine Zeitzeugin zu uns gekommen, die uns über die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland nach dem zweiten Weltkrieg erzählt hat. Das war wirklich toll und interessant. Die Frau war kurz vorher gestürzt und ihr ganzes Gesicht war voll von Blutergüssen, aber sie ist trotzdem zu uns gekommen!

Am Dienstag sind wir nach Theresienstadt gefahren. Dort waren während des zweiten Weltkriegs einerseits Gestapo-Gefängnis und andererseits ein Ghetto. Wir hatten zu beiden Teilen je eine Führung und konnten sehen, unter was für schrecklichen Bedingungen die Gefangenen leben mussten. Sehr interessant ist, dass Theresienstadt als Vorzeige-KZ benutzt wurde. Das Deutsche Rote Kreuz wollte nämlich einen Besuch abstatten und deshalb wurde an diesem Tag alles so hergerichtet und geschauspielert, dass es so aussah, als hätten die Juden dort ein gutes Leben. Es gab viel Kultur, Musik und Theater und die Kinder hatten ein eigenes Heim. Das Krematorium wurde für genau einen Tag abgestellt. Der anschließende Bericht des Roten Kreuzes ist außerordentlich positiv ausgefallen und hat die schreckliche Wahrheit total ignoriert.

Nach dem Besuch haben wir im Steinofen Pizza gebacken und Lagerfeuer gemacht und abends eine kleine Party in der Küche veranstaltet.

   

Am Mittwoch hat uns jemand von der deutschen Botschaft aus Prag besucht und uns von seinen verschiedensten Arbeitsfeldern und Auslandseinsätzen erzählt. Außerdem hat er uns erklärt, welche Voraussetzungen man braucht, um in der Botschaft arbeiten zu können usw. An dem Tag haben wir außerdem in Kleingruppen über unsere Projekte gesprochen, über verschiedene Schulsysteme und über Persönlichkeitsentwicklung. Nachmittags haben wir auf dem Gelände Bewegungsspiele gespielt, hauptsächlich mit Verstecken und Fangen. Am Abend durften wir in der Schmiede tatsächlich selbst etwas schmieden, das war sehr cool. Danach haben wir alle zusammen am Lagerfeuer gesungen und getanzt.

   

Am Donnerstag haben wir über Probleme gesprochen und versucht, uns gegenseitig so gut wie möglich zu helfen. Zum Abschluss hat jeder ein paar Sätze aufgeschrieben mit schönen Erlebnissen mit einer anderen Person auf dem Seminar, aber ohne den Namen zu nennen, z.B. „Wir hatten tolle, intensive Gespräche und ich freue mich, dich wiederzusehen.“ Dann haben wir uns in einen Kreis gesetzt, die Augen geschlossen und Kristina hat die Sätze nacheinander vorgelesen. Bei jedem neuen Satz hat sie zwei Personen angetippt, die dann rumgegangen sind und alle Personen berührt haben, auf die der Satz für sie persönlich zutrifft. Das war wirklich sehr sehr schön. Danach haben wir alle zusammen aufgeräumt und dann sind die meisten von uns weiter nach Prag gefahren. Dort hatten wir ein Hostel gebucht und sind bis Sonntag zusammen dortgeblieben.

 

Wir sind sehr viel gelaufen, haben an einer Free Walking Tour teilgenommen, den Ausblick von einem Aussichtsturm genossen, Museen besucht, zusammen gekocht, gefeiert, gequatscht und einfach ein paar wundervolle Tage verbracht!

       

Musik Museum Prag

 

Fotogalerie

 

Kafka

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