Abschied

Die letzte Woche in SPB

Der Kindergarten und die Schule sind umgezogen und in meiner letzten Woche hier haben wir im neuen Gebäude die Räume eingerichtet, allerdings nur, soweit das möglich war, weil die Renovierungsarbeiten noch längst nicht abgeschlossen sind, kaum Möbel aufgebaut sind und einfach alles dreckig ist. Ich weiß nicht, wie in ein paar Tagen dort Unterricht stattfinden soll, aber die ganze Situation war irgendwie auch super witzig.

An meinem letzten Arbeitstag habe ich Kuchen gebacken und kleine Karten für alle geschrieben und wir haben nochmal nett beisammengesessen und uns gegenseitig Danke gesagt. Ich habe eine St Petersburg Karte zum Freirubbeln bekommen, ein Buch über die Hermitage und einen Pulli mit dem Logo der Deutschen Schule, sehr süß. Außerdem hat Marina an mich gedacht und mir ein kleines Tablett mit meinem Lieblings Van Gogh Muster geschenkt, super lieb und aufmerksam! Am Schluss haben wir alle zusammen noch ein letztes Mal das verhasst geliebte, zu oft gehörte, aber dann irgendwie doch schöne Lied „Jeder Tag im Kindergarten ist für mich ein schöner Tag“ gesungen. Es war für mich ein sehr emotionaler Abschied, der sich aber gleichzeitig gut angefühlt hat, weil ich den Kindergarten in sehr guter Erinnerung behalten werde und so viele schöne Momente dort erleben durfte!

In der Woche bin ich nochmal viel draußen gewesen und habe ein letztes Mal meine Lieblingsorte in dieser faszinierenden Stadt besucht.

Außerdem hatte ich das letzte Mal meinen German Speaking Club und habe mich von Sofia verabschieden müssen.

An meinem letzten vollen Tag habe ich meinen Geburtstagsgutschein eingelöst und zusammen mit Nastja den Matrioshka Malkurs besucht, das hat soo viel Spaß gemacht!

Ich habe so viele Freunde wie möglich nochmal gesehen in der Woche und habe am Freitag alle, die überhaupt noch in St Petersburg sind und nicht schon sonst wo in der Welt unterwegs, zu einer kleinen Abschiedsparty eingeladen. Der wirklich ernste Abschied ist dann allerdings erst zwei Tage später erfolgt, als nämlich fünf von den sechsen mich zum Flughafen gebracht haben! Unfassbar lieb… Ich war sehr sehr traurig und musste auch ein bisschen weinen. Diese Menschen sind so genial und es ist so schwierig zu realisieren, dass man sich jetzt (in den meisten Fällen) für eine sehr lange und teils unbestimmte Zeit nicht sehen wird… Ganz seltsames Gefühl, irgendwo zwischen Bauch und Brust.

Auch mein Zimmer zu verlassen, ist mir irgendwie schwer gefallen.

Ich habe so viel gelernt in der Zeit, so tolle Menschen getroffen, so viel an Kultur mitgenommen, zumindest in Ansätzen eine neue Sprache gelernt, so viele Städte gesehen, so unvergessliche Nächte erlebt, so inspirierende Gespräche geführt, bin irgendwie erwachsener geworden und auf eine Art und Weise ein ganz anderer Mensch als noch vor nur einem halben Jahr. Wow. Ich wäre von mir aus niemals auf die Idee gekommen, gerade in Russland meinen Freiwilligendienst zu machen, aber gerade deshalb danke ich dem Schicksal tausend Mal, dass es mich nach St Petersburg verschlagen hat.

 

Das Nachbereitungssemianar 

Es war unfassbar schön, meine Freunde von den beiden alten Homezones wiederzusehen. Wir konnten uns sogar die Zimmer aussuchen und so konnte ich besonders viel Zeit mit Judith und Vanessa verbringen, mit allen anderen aber natürlich auch. Einmal wurde ein Abendessen mit der Homezone vom Vorbereitungsseminar organisiert, das war auch sehr schön.

Die Seminareinheiten und Workshops waren wieder meistens sehr interessant und da wir wahnsinniges Glück mit dem Wetter hatten, waren wir fast jeden Tag zwei Mal im See, das was einfach nur toll und entspannend. Das Seminar war ein guter Ort, um langsam in Deutschland anzukommen, aber noch nicht direkt in das „Zu-Hause-Umfeld“ geschmissen zu werden, sondern sich langsam mit Leuten einzugewöhnen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Ich hab zwei witzige Begegnungen gehabt. Einmal habe ich mich mit Merlin aus meiner neuen Homezone unterhalten und wir haben festgestellt, dass eine meiner besten Freundinnen aus Frankreich vor ewiger Zeit für mehrere Monate im Rahmen eines Schülraustauschs auf seiner Schule war und die beiden sich kennen! Die Welt ist so klein.

Meine zweite Begegnung war Merle. Sie ist kulturweit-Alumna und war für zwei Tage am Werbellinsee. 2013 war sie die erste kulturweit-Freiwillige an der Deutschen Schule St Petersburg! Wir konnten uns super über unsere Erfahrungen und Lieblingsorte austauschen, über Menschen reden, die wir beide kennen und haben sogar rausgefunden, dass sie in der gleichen WG gewohnt hatte wie ich, sogar im gleichen Zimmer! Wir waren direkt auf einer Wellenlänge und haben den ganzen Abend miteinander gequatscht und ich konnte ihr direkt sehr persönliche Dinge anvertrauen. Am Ende des Seminars habe ich sie sogar ein zweites Mal am Berliner Hauptbahnhof getroffen, weil wir beide zufällig gleichzeitig dort waren.

Tja, und hier geht mein kulturweit-Abenteuer wohl ganz wirklich zu Ende… Es waren tolle, inspirierende sechs Monate, die ich immer in wunderbarer Erinnerung halten werde. Jetzt ist es Zeit, in die Zukunft zu blicken und sich dem Studium in einer neuen Stadt und ganz vielen neuen Eindrücken zuzuwenden.

Besuch, Weliki Nowgorod und wieder Besuch

VINCENT

Ich habe mich sehr gefreut, dass mein Freund extra nach Russland geflogen ist, um mich zu besuchen.

Ganz früh morgens haben wir uns am Flughafen getroffen, anderthalb Stunden nachdem ich aus Jekaterinburg zurückkam. Dann haben wir eine Kleinigkeit gegessen und sind sehr lange einfach durch die Stadt spaziert und ich habe ihm meine Lieblingsorte und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gezeigt. Abends sind wir früh völlig übermüdet schlafen gegangen, weil wir beide kaum länger als zwei Stunden geschlafen hatten. In der Woche haben wir vor allem die gemeinsame Zeit sehr genossen und uns aber natürlich auch die Stadt angeschaut.

Hier sind Vincents Eindrücke von seiner Woche in St Petersburg:

Smolny 

Spieleautomatenmuseum 

Offene Brücken 

Pawlowsk 

 

Katzencafé

New Holland Island

Kasan Kathedrale 

Blutskirche 

Singer Haus 

Hermitage

Die Stadt

 

Wir beide

Sehr schön fand ich auch, dass Vincent ein paar meiner Freunde kennengelernt hat. An einem Abend waren wir mit Nastja und ihrem Freund Julian, der auch extra aus Deutschland hergeflogen ist, Essen. Unseren letzten gemeinsamen Abend haben wir sehr nett und lustig mit Slava, Grischa, Anja und noch einer Freundin von Slava verbracht und dann war die Zeit auch schon um…

 

WELIKI NOWGOROD

Auf Maltes Empfehlung hin habe ich mir Weliki Nowgorod angeschaut. Ich habe auf den kulturweit Seminaren viele Leute getroffen, die mir erzählt haben, wie toll es ist, allein zu reisen. Dafür hatte ich bisher nie Gelegenheit bzw. auch einfach kein das Bedürfnis danach. Jetzt allerdings fand ich die Idee ganz verlockend und dachte, zwei Tage mal irgendwo nicht ganz so weit weg sind vielleicht ein guter Einstieg. Also habe ich mir sehr spontan Montagmorgen Tickets gekauft und bin dann Montag Mittag mit dem Zug hingefahren. Zuerst bin ich einfach ein bisschen rumgelaufen und habe ein kleines Kloster entdeckt.

Dann habe ich mir den Kreml angeschaut.

 

Nationaldenkmal Tausend Jahre Russland

 

Dort befindet sich unter anderem ein ewiges Feuer, wie in so vielen Städten.

Und natürlich wieder Kirchen.

Außerdem kann man oben ein bisschen rumlaufen und die Aussicht genießen, was besonders toll ist, da sich hinter den Mauern des Kremls ein Strand verbirgt.

 

Außerdem bin ich noch mehr oder weniger ausversehen in ein Mini Glockenmuseum gegangen.

In der Nähe des Kremls befindet sich ein schöner Brunnen.

Am späten Nachmittag habe ich mich auf den Weg zum Hostel gemacht. Das hat alles reibungslos und tatsächlich komplett auf Russisch funktioniert und ich hatte das 6er Zimmer sogar für mich allein. Den Abend habe ich, bis es zu dunkel wurde, mit meinem Buch Meister und Margarita am Strand verbracht, das war sehr schön.

Ich hatte seit Ende Mai nicht mehr alleine in einem Zimmer geschlafen oder hatte mehr als eine halbe Stunde für mich. Ich liebe Menschen und ich liebe vor allem die Menschen sehr, die in dieser Zeit um mich waren, aber irgendwie war es auch schön, mal wieder Raum für sich zu haben.

Am nächsten Tag habe ich mir eine Kirche in der Nähe des Hostels angeschaut.

 

Ich bin durch einen großen Park zu einem Kloster gelaufen. Die Anlage war sehr schön grün und am Wasser gelegen, die Kirche hatte nur leider geschlossen.

Später habe ich mir noch weitere Kirchen auf der Nicht-Kreml-Seite angesehen.

 

Zum Schluss habe ich dann ein wirklich schönes Kunstmuseum besucht, in dem ich allerdings erstaunlicherweise fast in jedem Raum komplett allein war.

Diesen Briefkasten muss ich unbedingt noch erwähnen:

Gegen Ende hat es leider geregnet und ich habe mich in ein Café gesetzt und dort mein Buch weitergelesen. Danach hatte ich noch Zeit, mit meinen beiden Omas zu telefonieren, was mir sehr gutgetan hat, und danach ging auch schon mein Zug.

 

 

Zurück in St Petersburg habe ich mir das Museum für Religionsgeschichte angeschaut, was Grischa mir empfohlen hat und was auch wirklich sehr interessant war! Am besten haben mir die Räume zum Buddhismus gefallen.

 

CORI UND FYNN

Vier Tage Alleinsein hat dann auch gereicht und ich habe mich sehr gefreut, dass meine lieben Schulfreunde Cori und Fynn mich besucht haben! Auf dem Weg vom Flughafen nach Hause haben wir einen ersten Stopp beim Siegespark gemacht.

Bei mir angekommen haben wir als allererstes ganz klassisch Pelmeni mit saurer Sahne gegessen, um das Russland-Feeling zu erwecken, und sind dann einfach ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Außerdem konnten die beiden direkt am ersten Abend die Erfahrung machen, um vier Minuten vor zehn zum Laden zu rennen und das erstbeste Bier zu kaufen, weil nach zehn kein Alkohol verkauft werden darf. Schon ziemlich witzig, wenn man dabei noch vom Ladenbesitzer angefeuert wird, der einen auch schon kennt.

Den zweiten Tag haben wir mit einer Bootstour über die beiden Kanäle und die Newa gestartet. Wir hatten wahnsinnig Glück mit dem Wetter und es war einfach nur toll.

    

Anschließend sind wir durch den Sommergarten spaziert.

Die Hermitage war (nach einer riiiesigen Sushi Platte bei Tokyo City…) natürlich auch Pflicht! Gerade Cori, die Restauratorin, war hellauf begeistert und hat alle Holzmöbel fotografiert und gesagt, wie schwierig solche Muster im Holz sind, und andererseits die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn etwas nicht perfekt restauriert war. Das war sehr witzig und auf jeden Fall mal ein anderer Blickwinkel.

   

Den Abend haben wir auf dem Dach von Этажи verbracht und den Ausblick genossen.

Am nächsten Tag haben wir uns die Vladimirskaya Kirche angeschaut, die Vincent, als er hier war, liebevoll Starbucks Kirche getauft hat, weil sie seiner Meinung nach nicht aussieht wie eine Kirche und da auch ein Starbucks drin sein könnte. Cori und Fynn waren da Gott sei Dank anderer Meinung.

Danach haben wir bei Cinnabon gefrühstückt. Himmlisch.

Völlig satt sind wir weitergegangen zu Castle Rock, einem Rock & Metal Geschäft, wo Cori und Fynn sich beide ein paar Aufnäher von ihren Lieblingsbands gekauft haben.

Die Kasan Kathedrale habe ich den beiden natürlich auch gezeigt.

Und sogar eine katholische Kirche haben wir entdeckt.

Vor der Blutskirche mussten wir eine kleine Fotosession veranstalten:

…bevor wir uns weiter kulturell gebildet haben, diesmal im Russischen Museum. Dort war ich ganz stolz, denn als ich das erste Mal dort war (im März, lang ist’s her…), hat mir keiner der russischen Künstlernamen etwas gesagt und diesmal habe ich so viele Namen und Bilder erkannt und hab sogar bei einem gedacht, das könnte Schischkin sein und es WAR Schischkin!

  

Abends haben wir uns mit Slava und Grischa getroffen und waren bei Mickey and Monkeys und sind danach fast geplatzt…

Cori und ich haben geteilt und es war trotzdem zu viel

 

Danach waren wir in unserer Stammbar, der Hölle, Nastja ist auch noch für eine Weile dazugekommen, und nachdem die anderen drei schon nach Hause mussten, habe ich Cori und Fynn mit dem russischen Nachtleben vertraut gemacht und wir hatten sehr viel Spaß.

Nach dem Ausschlafen ging es ins letzte Museum, ins Erarta, was einfach eins meiner absoluten Lieblingsmuseen ist und das ich auch gern ein viertes Mal besucht habe.

Später waren Cori und ich noch im Katzencafé (Fynn wollte sich lieber ausruhen), bevor wir alle drei zu meinem liebsten georgischen Restaurant gegangen sind, wo wir himmlisch gegessen und viel mit dem Kellner gelacht haben, alles auf Russisch! Ich habe übrigens Cori und Fynn auch das kyrillische Alphabet und ein paar einfache Wörter und Sätze beigebracht und die beiden haben das echt gut gemeistert, Cori hat sich sogar zwei Mal selbst was bestellen können! (Und ja, wie man merkt, haben wir einfach wahnsinnig viel gegessen, weil die beiden doch so viel an Köstlichkeiten probieren müssen, die es hier gibt! Wir haben auch fast alles von der Essen-Probier-Liste geschafft!)

Sehr spät abends sind wir mit der roten Metro Linie bis fast ganz in den Süden gefahren und sind dann auf dem Rückweg an jeder Station einmal ausgestiegen, haben uns die umwerfende Architektur angeschaut, Fotos gemacht und sind dann alle sechs Minuten weitergefahren.

     

Der krönende Abschluss der Reise war die Öffnung der Brücken. Am Ufer der Newa stehen wahnsinnig viele Leute, nur um sich diese paar Minütchen anzuschauen, und das Ganze wird von russischer Ballettmusik aus Lautsprechern untermalt. Der Flair wird ergänzt durch die zahlreichen Boote auf dem großen Fluss.

Russland Reise

Malte und ich haben unsere Ferien genutzt, um zweieinhalb Wochen gemeinsam durch Russland zu reisen. Es war eine sehr tolle Zeit voller spannender Erlebnisse und Eindrücke:

MOSKAU

Malte war schon vorher ein paar Tage mit Anne dort und ich bin später nachgekommen. Meinen ersten Tag habe ich dann mit beiden zusammen verbringen können. Zuerst sind wir sehr lange im Gorki-Park spazieren gegangen.

 

Anschließend haben wir uns die Tretjakov-Galerie angeschaut, was ich damals im Mai leider nicht mehr geschafft hatte. Dort haben mich vor allem die Bilder von I.I. Levitan beeindruckt, aber auch viele andere Gemälde und Skulpturen waren sehr schön.

 

Am Abend des ersten Tags musste Anne leider schon wieder zurück nach St Petersburg.

Am zweiten Tag haben Malte und ich uns auf Annes Empfehlung hin auf den Weg zum Multimedia Art Museum gemacht. Dort konnte man im Erdgeschoss direkt neben dem Eingang mit Lego spielen, was besonders Malte sehr fasziniert hat, aber vor allem gab es mehrere Foto-Ausstellung über verschiedenste Themen. Die meisten Bilder waren schwarz-weiß und auch hier waren viele einfach wahnsinnig toll.

Anschließend sind wir beide zum zweiten Mal ins ВДНХ (VDNKh) gefahren, weil es einfach soo schön ist!

Außerdem befindet sich dort ebenfalls ein Museum für sowjetische Spielautomaten, wie in St Petersburg, in dem wir einen sehr witzigen Nachmittag verbracht haben.

Den letzten Tag haben wir genutzt, um uns zwei Gebäude der Pushkin-Galerie anzuschauen. Zuerst waren wir in einem Nebengebäude, wo es eine Ausstellung über die Fondation Louis Vuitton gab. Außerdem Giacometti und Gerhard Richter, den ich eigentlich echt nicht mag, aber Malte ist es tatsächlich gelungen, mich ein bisschen zu einem unvoreingenommeneren Standpunkt zu bewegen. Der Eintritt war zwar leicht überteuert, aber die Ausstellungen waren eigentlich ziemlich cool. Danach haben wir uns in eine sehr lange Schlange zum Hauptgebäude gestellt, aber der Besuch hat sich absolut gelohnt! Momentan befindet sich dort nämlich die Kunstsammlung des Impressionismus- und Post-Impressionismus-begeisterten Щукин (Schukin), die zu großen Teilen aus Monet, Matisse, Picasso, Gaugin, Rousseau, Signac und Degas besteht und das ist einfach Kunst, die ich absolut liebe! Es war unglaublich toll und ich hatte die ganze Zeit ein Dauer-Grinsen drauf, weil ich einfach so begeistert war! Auch sehr schön war, dass Der Tanz von Matisse extra für diese Ausstellung nach Moskau verlagert wurde und zwar von der Hermitage, dh. ich habe dieses Bild sowohl in St Petersburg als auch in Moskau bewundern können!

 

Nach einer Stärkung bei einem All-you-can-eat-Buffet für ca. 4,50 € ging es für uns weiter zum roten Platz.

Auf dem Weg zurück zum Hostel haben wir noch einen kurzen Abstecher in die Christ-Erlöser-Kirche gemacht, was sich absolut gelohnt hat! Einfach nur wunderschön von innen, leider durfte man keine Fotos machen.

Direkt neben unserem Hostel auf der Arbat Straße befindet sich ein Foltermuseum. Das war leider weniger spektakulär als wir uns erhofft hatten, aber es kann auch nicht alles toll sein.

Den letzten Abend in Moskau haben wir in einem nah gelegenen Park verbracht und dann war Moskau auch schon vorbei.

 

JAROSLAWL

Nach fast fünf-stündiger Zugfahrt sind wir endlich in Jaroslawl angekommen. Die ehemalige Hauptstadt hat uns sehr beeindruckt. Es gibt sehr viele sehr tolle Kirchen und endlich mal ein paar, die nicht von Gold strotzen! Die erste Kirche, die wir uns angeschaut haben, war sehr schlicht mit tollen Wandbemalungen, die überall abgeblättert waren, gemütlichen Sesseln, in denen wir uns erstmal ausgeruht haben, Teetassen, die einfach so rumstanden, und Gesangsnoten, in denen ich ein bisschen rumblättern konnte, weil sowieso niemand außer uns dort war.

       

Aber auch die anderen Kirchen haben uns sehr beeindruckt sowie einfach die gesamte Stadt. Da sie an der Wolga liegt, gibt es sehr schönen Strand, außerdem ein Planetarium und viele Parks, besonders beeindruckend derjenige, in dem das 1000 Jahre Jaroslawl Denkmal steht.

Außer in Kirchen und einem Kloster waren wir im Zeit- und Musik-Museum. Dort haben wir an einer russischen Führung teilgenommen, haben aber tatsächlich gar nicht sooo wenig verstanden und konnten u.A. Grammophone, Plattenspieler Glocken und Klaviere anschauen, viele tatsächlich sogar deutsch.

Ein kleines Highlight war die Fahrt mit dem Riesenrad bei Sonnenuntergang.

 

SUSDAL

Von Jaroslawl nach Susdal wollten wir morgens mit Bla Bla Car fahren. Als unser Fahrer dann fast eine Stunde zu spät ankam, haben wir schnell festgestellt, dass es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, unser Gepäck im Auto unterzubringen. Dieser Plan war also ins Wasser gefallen. Die Alternative war ein Bus, der erst nachmittags von einem Busbahnhof fährt, der auf Google unfassbar schlechte Rezensionen hat, super dreckig ist und wo nichts zu funktionieren scheint. Mit diesem Bus wären wir um 22h abends erst angekommen und so haben wir dann die absolute Notlösung gewählt: dreieinhalb Stunden Taxi. Tatsächlich in Russland für nur 25€ pro Person. Ein etwas komisches Gefühl und die Fahrt war auch ziemlich aufregend zumal der Fahrer echt oft am Handy war, auf der Autobahn einen Sicherheitsabstand von ca. einem Meter gehalten hat, super gefährliche Überholmanöver veranstaltet hat oder auch einfach mal rechts überholt hat und irgendwo falsch abgebogen ist, weswegen wir ca. 10km über eine Straße gefahren sind, die zu 100% aus Schlaglöchern bestand, was weder einer vollen Blase noch einer Anfälligkeit für Übelkeit guttut. Nun gut, wir sind heil in der Stadt auf dem goldenen Ring angekommen, in einer absolut tollen Pension, und haben nach einer kurzen Pause angefangen, die Stadt zu erkunden. Es war unfassbar toll, einfach klein und niedlich, mal richtig Natur, vor jedem süßen, kleinen, selbst zusammengezimmertem, bunten Häuschen wunderschöne Blumenbeete.

 

Am ersten Abend haben uns zusätzlich das Frauenkloster angeschaut.

Am nächsten Tag haben wir herrliches russisches Frühstück bekommen. Kascha (Porridge) mit Marmelade, Joghurt, Brot mit Pilz-Frischkäse und Wurst, Pfannkuchen mit saurer Sahne, Muffins und Tee. Das war natürlich viel zu viel, aber einen Teil konnten wir zum Glück mitnehmen. Gestärkt haben wir uns auf den Weg zum Erlöser-Euthymios-Kloster gemacht. Die ganze Klosteranlage ist sehr schön, groß und blumig und dort befinden sich mehrere kleine Museen, in denen es unter anderem Glocken, alte Bücher und sowjetische Propaganda-Plakate zu sehen gibt.

„Ich kenne kein anderes Land, in dem man so frei atmen kann!“ (wie in der UDSSR)

 

Anschließend haben wir uns selbstverständlich den Kreml auch nicht entgehen lassen!

 

WLADIMIR

Nach einer Dreiviertelstunde mit dem Taxi sind wir im verregneten Wladimir angekommen.

Nicht nur wegen des Regens aber auch grundsätzlich haben wir die Atmosphäre in der Stadt als eher bedrückend empfunden. Die meisten Sehenswürdigkeiten, sprich Kirchen und Kloster, liegen an einer viel befahrenen und dementsprechend unglaublich lauten Hauptstraße und auch in vielen Kirchen ist es nicht still, da entweder die Geräusche der Straße zu hören sind, Leute sich laut unterhalten oder irgendwelche Tonbänder abgespielt werden. Trotz alldem hatten wir nach anfänglicher Skepsis einen ganz schönen Tag, die Kirchen waren schön und wir konnten mehrere Aussichten auf die Stadt erhaschen.

Außerdem ist uns etwas sehr Peinliches, aber im Nachhinein irgendwie Lustiges, passiert: Wir haben das Apotheken-Museum besucht, vorne den Studentenpreis bezahlt und angefangen, uns alles anzuschauen. Dann kam ein Raum, in dem mehrere Reagenzgläser mit Duftessenz auf einem Tisch mit Bänken standen. Wir setzen uns also hin, riechen an den verschiedenen Sorten, zeigen uns gegenseitig, wenn wir etwas Gutes gefunden haben. Auf einmal kommen zwei Museumsangestellte und eine textet uns leicht sauer auf Russisch zu, sehr schnell, sodass wir kaum etwas verstehen. Als wir ihr das sagen, merkt sie erst, dass wir gar keine Russen sind und erklärt uns, dass wir das „nichts anfassen“ Schild übersehen haben. Wir entschuldigen uns, stehen auf und hören, wie die eine zu der anderen sagt, dass wir ja als Nicht-Russen eigentlich gar keinen Studentenrabatt hätten bekommen dürfen. Nun ja, bevor die beiden zu Ende diskutiert hatten, haben wir den letzten Raum einfach übersprungen und waren weg, damit das Ganze nicht noch unangenehmer wird.

Was den Tag endgültig zum Guten gewendet hat, war das Essen! Wir haben ein wahnsinnig tolles georgisches Restaurant gefunden und da Malte vorher noch nie georgisch gegessen hat, haben wir die Klassiker bestellt: Chachapuri (Teig mit flüssigem Käse und Ei), Chinkali (Teig mit Fleischfüllung) und Schaschlik. Zum Nachtisch gab’s Schokoladencremetorte. Einfach nur himmlisch.

 

NISCHNI NOWGOROD

Nach zweistündiger Zugfahrt hat uns Nischni Nowgorod mit strahlendem Himmel und den ersten wirklich sommerlichen Temperaturen in diesem Jahr erwartet! Wir waren einfach hin und weg von der Stadt, anders kann man es nicht sagen.

Der Kreml und ein Teil der Stadt liegen oben auf einem Berg, was sehr ungewöhnlich für Russland ist. Dadurch hat man einen fantastischen Blick auf den unteren Teil der Stadt, die Wolga und die Oka!

Im Hostel hat uns ein Marokkaner beim Übersetzen geholfen. Er konnte sowohl Russisch als auch Französisch, was eine große Hilfe war, weil es anfangs ein paar kleine Schwierigkeiten mit dem Zimmer gab. Anschließend war er so nett, uns auf einen Tee einzuladen und wir haben uns relativ lange unterhalten; für Malte habe ich übersetzt. Ich finde es immer sehr spannend, Geschichten von anderen Ausländern in Russland zu hören und zu erfahren, was sie bewegt, hierhin zu kommen oder gar – wie in diesem Fall – hierhin zu ziehen.

Danach haben wir das tolle Wetter genossen, sind lang am Fluss entlanggelaufen und haben uns selbstverständlich wieder Kirchen angeschaut. Abends haben wir vom Kreml aus den Sonnenuntergang schauen können, wirklich sehr schön.

  

Am zweiten Tag haben wir zuerst wieder eine Kirche angeschaut. Ich musste natürlich wie immer ein Kopftuch anziehen, aber diesmal auch einen langen Rock, weil meiner nicht über die Knie ging. Malte hatte allerdings auch eine kurze Hose an und musste deshalb auch einen langen Rock anziehen, das war schon sehr lustig.

Danach haben wir die gesamte Innenstadt abgeklappert und sind dabei unter anderem auf eine tolle Kunstgalerie gestoßen. Dort ging ein Plakat von einem Gambe spielenden Igel, was ich als Tochter eines Gambisten natürlich total toll fand.

 

In der Nähe haben wir die wunderbare, famose Skulptur der fröhlichen Ziege entdeckt.

Außerdem waren wir nochmal im Kreml und haben uns dort ein schönes Museum für moderne Kunst, eine Kapelle und eine Kirche angeschaut.

Nachmittags sind wir dann relativ weit zu dem sehr schönen Petscherski Himmelfahrt Kloster gelaufen.

In der Nähe befindet sich ebenfalls eine Gondelstation und so sind wir nach ewigem Schlange Stehen über die Wolga auf die andere Seite geschwebt. Da auf dieser Seite absolut nichts ist und man ewig zurück gebraucht hätte, sind wir auch wieder mit der Gondel zurückgefahren und haben dieses Mal sogar zehn Heißluftballons gesehen!

Am letzten Tag haben wir uns die Alexander Newski Kathedrale auf der anderen Flussseite angeschaut.

Malte ist der ultimative Fußballfan und ich habe mich niiie wirklich dafür interessiert. Allerdings wurde in Nischni Nowgorod für die WM 2018 ein Stadion gebaut und nachdem ich unglaublich viel mit Fußball zugelabert wurde, war dann tatsächlich ich diejenige, die vorgeschlagen hat, mal ins Stadion zu gehen. Nischni Nowgorod hat 2:1 gegen Torpedo Moskau gespielt, erster Saisonsieg, und ich muss schon zugeben, dass das ziemlich cool war…

Nach dem Spiel ging’s dann auch schon zügig weiter zum Bahnhof, wo wir einen Schlafzug zu unserer nächsten Station genommen haben.

 

KASAN

Kasan ist die Stadt, auf die ich mich am allermeisten gefreut habe.

Unser Hostel lag in der Fußgängerzone, deshalb sind wir erstmal einfach dort durchgelaufen und haben uns einen Überblick verschafft, haben natürlich wieder ein paar Kirchen angeschaut, ebenso wie Moscheen, von denen es in Tatarstan zahlreiche gibt.

 

Wir haben außerdem einen Wasserspielplatz gesehen, an dem Malte großen Spaß hatte.

 

Das Tataren-Viertel hat uns sehr gut gefallen.

Danach habe ich Malte dazu überreden können, endlich zu Cinnabon zu gehen und die köstlichsten Zimtschnecken dieser Welt zu essen (und er war begeistert, wie könnte es auch anders sein). Ich habe mir in Kasan den ersten Kaffee meines Lebens bestellt, vielleicht mag ich’s doch irgendwann mal?

Unser Nachmittag stand unter dem Motto Sowjetunion. Zuerst haben wir uns das Museum der glücklichen Kindheit angeschaut, in dem alle möglichen Gegenstände aus der UdSSR ausgestellt sind, die eben etwas mit der Kindheit zu der Zeit zu tun haben, z.B. Spielzeug, Spielautomaten, erste Computer, Kleidung, Kassetten etc. Dort konnten wir auch eine UdSSR Pepsi probieren.

 

Zwei Straßen weiter befindet sich das Museum des sowjetischen Alltags, das stilistisch ähnlich aufgebaut ist, sich allerdings eher auf die Freizeit konzentriert. Hier findet man zahlreiche signierte Gitarren und Plakate von bekannten Bands sowie eine riesige Sammlung an Kleidungsstücken, vor allem Jeans in jeglicher Form.

Den Abend haben wir nach dem Besteigen eines kleinen Aussichtsturms sehr gemütlich bei einer guten Partie Canasta verbracht.

Am zweiten Tag haben wir uns morgens eine kleine Kirche in der Fußgängerzone angeschaut und wurden dort von einem Priester angesprochen, der uns halb auf Russisch halb auf Deutsch erklärt hat, dass die Kirche (wie so viele andere Kirchen auch) in der Zeit des Kommunismus geschlossen war.

Den Rest des Tages haben wir dem Kreml gewidmet. Dort steht eine riesige Moschee, sowohl von außen als auch von innen sehr beeindruckend. Da sich dort viele Touristen aufhalten, darf man als Nicht-Gläubiger nicht in die Gebetsräume, es gibt allerdings einen Balkon für Besucher, von dem aus man die betenden Männer sehen kann. Das war natürlich einerseits toll, andererseits würde ich mich als Betender glaube ich sehr beobachtet und unwohl fühlen und der Ort verliert ein bisschen an spiritueller Atmosphäre. Trotzdem ein Wahnsinnsgebäude!

  

Die christliche Religion wird durch die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale vertreten. Ebenfalls ein umwerfendes Gebäude und auch von innen sehr schön.

 

Ebenfalls im Kreml befindet sich die Kasaner Hermitage, in der wir uns mit Шишкин (Schischkin) vertraut gemacht haben. Sehr schöne Landschaftsmalerei sowie beeindruckende Bleistiftzeichnungen.

Vom Kreml aus hat man einen schönen Blick auf ein Ministerium und weitere Kirchen, die wir uns anschließend auch angeschaut haben. Vor dem Ministerium befindet sich ein riesiger (unechter) Baum, was irgendwie beeindruckend ist.

 

Kazan hat eine sehr schöne Promenade am Wasser, an der wir den Abend verbracht haben. Leider war es wirklich sehr kalt, weswegen wir nicht allzu lang bleiben konnten.

Am letzten Tag haben wir uns das Konstantin Wassilijew Museum angeschaut. Seine Kunst kannte ich vorher nicht, hat mir aber gut gefallen.

Danach sind wir zum Tempel aller Religionen gefahren. Das ist ein Ort mit mehreren Gebäuden, die die verschiedenen Religionen repräsentieren. Das Projekt wurde mit dem Ziel entworfen, einen angenehmen Ort der Kultur und Bildung für Erwachsene sowie Kinder zu schaffen. Drinnen hängen verschiedenste Kunstwerke, es gibt einen Musiksaal für Konzerte und andere Veranstaltungen und mehrere Kunstwerkstätten. Wir hatten so etwas Kreatives überhaupt nicht erwartet und waren hin und weg! Es war einfach nur toll, diese unfertigen Arbeiten und diese kreative Atmosphäre!

      

Dort lief auch eine Katze rum, die ganz von allein auf meine Schultern gesprungen ist und sich dort dann eine Viertelstunde erholt hat. Sehr süß!

Und noch ein paar Bilder:

 

Und dann war Kasan auch schon wieder vorbei und wir sind in den letzten Schlafzug in diesem Urlaub gestiegen und über 14 Stunden nach Jekaterinburg gefahren. Zu zweit ist so eine lange Zugfahrt aber natürlich weniger langweilig.

 

JEKATERINBURG

Die Stadt im Ural ist laut Malte ähnlich wie Perm, wo er arbeitet. Es ist schon ein großer Unterschied zu den Städten, die wir bisher gesehen haben. Anders als St Petersburg und Moskau ist es sowieso, aber auch anders als Nischni Nowgorod und Kasan. Irgendwie einsamer. Es gibt ein paar Attraktionen, aber nach spätestens einer Woche gibt es nichts mehr zu tun, kaum jemand kann Englisch und Austauschstudenten wird es auch wenn überhaupt wenige geben. So habe ich mal Maltes Russland erlebt. Für zwei Tage Urlaub ist das absolut okay, aber ein ganzes halbes Jahr in so einer Stadt zu verbringen, muss schon schwer sein, gerade wenn die sozialen Kontakte aus gegebenen Gründen so gut wie ganz fehlen. Großen Respekt an Malte an dieser Stelle. Naja, wir haben uns natürlich die paar Attraktionen angeschaut. Die Alexander Newski Kirche hat uns sehr gut gefallen.

Es ist immer toll, wenn zufällig gerade Gottesdienst ist, wenn man in die Kirche kommt. Die Gesänge sind einfach immer und überall so unfassbar schön. Das ist uns auch hier in einer Kirche passiert und wir haben auf Aufforderung hin sogar mitgemacht, zumindest ein bisschen.

Auch ganz nett war das Beatles Denkmal.

Abends hat es geschüttet wie aus Eimern, weswegen wir den Abend wieder mit Canasta verbracht haben.

Am nächsten Tag haben wir einen netten Platz mit Blumen und einer Kapelle entdeckt.

Die sogenannte Kirche auf dem Blut hat uns auch gut gefallen.

Und diese süße blaue Kirche haben wir uns auch angeschaut.

Ganz zufällig hat Malte dieses kleine Streichquartett entdeckt, das fand ich natürlich wieder super.

Später haben wir die Sicht von einem Aussichtsturm auf die Stadt genossen.

Hier haben wir sogar gratis ein Ticket für das Wyssozki Museum dazubekommen und haben uns ein bisschen über das Leben des Schauspielers, Dichters und Sängers informiert.

Das letzte Museum auf dieser Reise war das Museum der Bildenden Künste, welches das größte Kunstmuseum im Ural ist. Dort sind wir sogar dank Freiwilligenausweis komplett gratis reingekommen. Wieder mal tolle Gemälde und was ich besonders cool fand, war eine Statue von Don Quixote mit Sancho Pansa, weil ich diese Geschichte einfach liebe!

Neben dem Museum

 

Nach einem weiteren Canasta Abend war die Reise dann auch schon vorbei. Wir hatten eine tolle Zeit und die Möglichkeit, mehrere Seiten von Russland zu entdecken: die sehr europäisch geprägten Großstädte, die kleinen Städte auf dem goldenen Ring und die großen typisch russischen Städte. Wenn wir eine Rangliste der Städte machen müssten, sähe sie folgendermaßen aus: St Petersburg, Moskau, Nischni Nowgorod, Kasan, Jaroslawl, Susdal, Jekaterinburg, Wladimir. Die zweieinhalb Wochen sind vergangen wie im Flug und jetzt freue ich mich darauf, die letzten drei Wochen in St Petersburg zu genießen, bevor es dann so bald schon wieder zurück nach Deutschland geht.

 

Ferien in Sankt Petersburg

Pünktlich zum Beginn der Ferien konnte ich ein letztes Mal umziehen. Jetzt wohne ich im Zentrum und Anne ist sogar meine Mitbewohnerin. Es ist wirklich toll, nicht jedes Mal früher nach Hause gehen zu müssen, weil sonst keine Metro mehr fährt oder man wegen der offenen Brücken nicht mehr auf die Insel kommt. Orte, die früher immer „total weit weg“ waren, sind auf einmal gar nicht mehr so weit weg und soo viel ist plötzlich zu Fuß erreichbar!

 

Am 08. Juli habe ich meinen ersten Geburtstag ohne meine Familie gefeiert. Es war schon ein bisschen seltsam, die gewohnten Traditionen nicht zu haben, aber Nastja hat mir einen Kuchen gebacken und ein Lied gesungen, weil ich ihr erzählt habe, dass wir das zu Hause immer so machen, das war sehr süß und ich hatte einen sehr schönen Tag. Nastja und ich waren in einem meiner russischen Lieblingsrestaurants essen, waren ein bisschen shoppen und haben die Party vorbereitet. Abends haben wir alle zusammen in der neuen Wohnung gefeiert: meine drei Nastjas, Slava, Angèle und Anne waren da und Jannis, mein neuer Mitbewohner, war auch zwischenzeitlich mit dabei. Wir hatten einen sehr schönen, lustigen Abend und auch die Menschen, die sich vorher nicht kannten, haben viel miteinander gelacht! Ich habe sehr süße Geschenke bekommen: sehr witzige Karten mit lieben Texten, ein Nackenkissen mit Van Gogh Motiv, Bücher, eine Teedose in Matrioschka-Form, eine Flasche Wodka und eine Flasche Amaretto (ich wollte seit einem Monat Amaretto kaufen und habe einfach nirgends welchen gefunden!), Süßigkeiten und einen Kurs, bei dem ich meine eigene Matrioschka anmalen kann!

Ich habe mich sehr gefreut, dass Malte, ein anderer kulturweit-Freiwilliger, der in Perm an einer Deutschen Schule arbeitet, mich in SPB besucht hat! Manche Dinge hat er sich allein angeschaut, bei anderen bin ich mitgekommen. Wir waren z.B. zusammen im Erarta Museum, was wirklich eins meiner liebsten Museen hier ist.

Am letzten Tag sind wir auf den Turm der Smolny Kirche gestiegen, von wo aus man einen tollen Blick auf die Stadt hat.

Das absolute Highlight in dieser Woche war eine relativ spontane Tour über die Petersburger Dächer bei Sonnenuntergang. Es war einfach nur grandios, die Bilder sprechen für sich:

     

Ich hatte mir immer vorgenommen, nach Vyborg zu fahren und habe es jetzt endlich geschafft. Meine Stern Nastja und ich haben einen sehr schönen Tag zu zweit dort verbracht. Das Wetter war toll und wir haben uns einfach die Stadt angeschaut, sind durch einen Park mit dem wunderschönen Namen Monrepos (frz. für meine Erholung) spaziert, haben gegessen und mal wieder richtig gequatscht.

 

Ehrlich gesagt habe ich nicht ganz Ferien, sondern musste Texte für das Jahrbuch der Deutschen Schule korrigieren. Allerdings von zu Hause aus und auch keine Unmengen, weswegen es sich trotzdem anfühlt wie Ferien. Es tut so gut, auch einfach mal auszuschlafen, einfach mal einen Tag lang nichts zu machen, was mir sonst so schwerfällt. Eine sehr schöne Abwechslung, andererseits freue ich mich sehr auf meine baldige Russland-Reise! Dazu mehr im nächsten Blogeintrag…

 

Besuch von Clem

Langsam kommt die Ferienzeit und genau das hat meine französische Austauschpartnerin Clémentine, die ich mittlerweile seit fast fünf Jahren kenne, genutzt, um mich hier in St Petersburg besuchen zu kommen! Es war unglaublich schön, sie wiederzusehen und wir haben unglaublich viele Dinge innerhalb einer Woche unternommen.

Am ersten Tag war Slava so nett, uns eine Tour durch die Stadt zu geben, sodass sie einen ersten Eindruck von den wichtigsten Orten bekommen konnte.

 

 

Den zweiten Tag haben wir außerhalb von St Petersburg verbracht, da meine Eltern mir einen tollen Ausflug zum Geburtstag geschenkt haben. Früh morgens sind wir mit der Metro Richtung Norden gefahren und haben dann einen Bus genommen, der uns zu einem Hafen gebracht hat. Von dort aus haben wir eine sehr schöne Bootstour nach Walaam gemacht, eine Kloster-Insel im Norden des Ladogasees. Dort hatten wir eine Führung, leider nur auf Russisch, und haben uns die gesamte Insel angeschaut. In die orthodoxe Kirche durften wir nur mit Kopftuch und langem Rock, aber es war auf jeden Fall lohnenswert! Ich habe ja schon viele orthodoxe Kirchen gesehen, aber es ist und bleibt einfach absolut beeindruckend. Mein persönliches Highlight war ein kleines Konzert von einer fünf-köpfigen a-capella Mönchsgruppe, die ein paar Lieder für uns gesungen haben. Mittags gab es typisch russisches Essen, Fischsuppe und Salat als Vorspeise, dann Buchweizen mit Fisch als Hauptgericht und пряники (eine Art Lebkuchen) mit schwarzem Tee zum Nachtisch. Anschließend hatten wir noch etwas Freizeit auf der Insel und konnten walaamskij Eis probieren, das tatsächlich anders geschmeckt hat als normales Eis, und dann ging es abends wieder mit Boot und Bus zurück.

     

 

An einem Abend sind wir als vorträgliches Geburtstagsgeschenk von Clem im Restaurant Sunduk essen gegangen, in dem jeden Abend live Musik gespielt wird. Das war sehr schön und lecker.

 

Clémentine ist ein absoluter Museumsmensch und ich bin natürlich überall mitgekommen und hab tatsächlich viel entdeckt, was ich vorher noch nicht kannte.

Der Stroganow Palast ist Teil des Russischen Museums und wurde, wie so viele andere berühmte Gebäude in St Petersburg, von Rastrelli gebaut.

 

 

Der Marmorpalast ist ebenfalls Teil des Russischen Museums.

 

Der Moika-Palast bzw. Jussupow-Palast hat uns sehr beeindruckt, vor allem wegen des Theaters, das einfach so bei den Jussupows zu Hause war?! Schon cool, wenn man abends ins Theater geht und nicht mal das Gebäude verlassen muss, um sich 5 Minuten später schlafen zu legen.

 

Die Hermitage war natürlich für Clem ein Muss und obwohl ich mit meinen Eltern schon dort war, bin ich sehr gerne ein zweites Mal mitgekommen und habe noch viel Neues entdeckt.

 

 

Die Peter und Paul Festung von innen zu sehen stand auf meiner To Do Liste immer in Klammern, weil mir gesagt wurde, „es seien halt Särge“, aber ich bin sehr froh, dass Clem mich überredet hat! Super schöne Kirche von innen und es war immer toll, Berühmtheiten zu entdecken und einzuordnen, wer wann gelebt hat und wer mit wem verwandt war.

   

 

Die Nikolaus-Marine-Kathedrale haben wir extra um 18h besucht, um bei der Messe zuschauen zu können, die in orthodoxen Kirchen ja komplett gesungen wird.

 

Die Moschee war auf jeden Fall einen Besuch wert, wir wurden sehr nett von einem alten Herrn empfangen, der uns Kopftücher gegeben und alles gezeigt hat. Wahnsinnig spannende, gläubige, respektvolle Atmosphäre. Man traut sich, wenn überhaupt, nur zu flüstern.

 

Die Synagoge haben wir uns auch nicht entgehen lassen. Sehr spannend im Vergleich zur Moschee war zu sehen, wie anders die Atmosphäre dort war: Leute reden und lachen laut, machen Selfies mit dem Handy usw., also alles sehr familiär und oben gibt es Gemeinschaftsräume und Bereiche für Kinder, wo z.B. gemalt und gebastelt wird.

 

Das Rimsky-Korsakov-Appartement war interaktiv und so konnten wir viele seiner Kompositionen über Kopfhörer anhören, selbst versuchen, ein Orchester zu dirigieren und erfahren, dass Rimsky-Korsakov Farben gehört hat, jeder Akkord hatte in seinem Kopf eine bestimmte Farbe. Außerdem konnten wir ein Klavier bewundern, auf dem so ziemlich jeder wichtige Musiker der damaligen Zeit, der mal in Sankt Petersburg war, schon gespielt hat.

Das Museum für politische Geschichte hat sich Clem selbstverständlich nicht entgehen lassen und auch für mich war es toll, ein zweites Mal hinzugehen, weil Clem sich wahnsinnig gut mit Geschichte auskennt und immer ein paar interessante Fakten zu erzählen hatte.

 

 

Das Spieleautomatenmuseum musste ich ihr auch zeigen und wir hatten wieder wahnsinnig viel Spaß dort!

 

Meine Mond-Nastja hatte Geburtstag und wir haben ihr eine Bootstour bei Nacht geschenkt und so konnten Nastja, Nastja, Anja, Slava, Grischa, Clem und ich die Öffnung der Brücken bewundern. Es war ein sehr schöner und witziger Abend (bzw. Nacht) und am Ende gab es sogar ein kleines Feuerwerk.

  

 

Damit war dann Clems Besuch auch leider schon vorbei, aber wir haben echt in den paar Tagen alles gemacht, was irgendwie ging!

Zurück in der Stadt der weißen Nächte

Es ist so viel passiert, seit ich wieder zurück bin und ich bin gar nicht richtig zum Schreiben gekommen, also hier ein kleiner Nachtrag:

Es war so schön, wieder zurückzukehren. Meine Couchsurfing Nastja war so süß, mich vom Flughafen abzuholen und dann sind wir zusammen zu mir gefahren, wo meine Nastja aus der Mondgruppe auf mich gewartet hat, weil wir ab da nämlich zusammen dort gewohnt haben! Wir hatten vorher beide ein bisschen befürchtet, dass es vielleicht anstrengend werden könnte, wenn wir uns ein Zimmer teilen, aber es gab auch später überhaupt keine Probleme und ich war viel lieber zu Hause als vorher. Nicht nur meine Beziehung mit Nastja ist in den letzten Wochen intensiver geworden, sondern auch die mit Slava, meinem Russisch Lehrer und seinem Freund Grischa. Nastja und ich haben den beiden an einem Abend einfach vorgeschlagen, abends zusammen was essen und trinken zu gehen und seitdem sind wir wirklich Freunde geworden! Soweit zu persönlichen Beziehungen, was ist sonst noch so passiert? Ich habe mir rechts ein zweites Ohrloch stechen lassen, leite jeden Mittwoch einen Deutschen Sprachclub für Menschen, die Deutsch lernen und mehr oder weniger gut sprechen. Mein Russisch ist zwar immer noch nicht gut, aber irgendwie merke ich Fortschritte und komme zumindest in alltäglichen Situationen komplett ohne Englisch aus. Wir waren ein paar Mal am Strand mit einer Decke, einer Gitarre und was zu knabbern und haben den Sonnenuntergang angeschaut, gesungen und gequatscht.

Außerdem ist meine Zeit im Kindergarten schon vorbei. Am letzten Donnerstag hat das Sommerfest stattgefunden, bei dem unsere großen ABC-Kinder offiziell in die Hände der Schule übergeben wurden und dann – zack – war’s auch schon zu Ende. Am Anfang hatte man das Gefühl, es zieht sich total, ich weiß noch, wie wir irgendwann mal ausgerechnet haben, dass es noch 16 Wochen sind und jetzt ging es doch alles so schnell. Die Kinder sind mir in der Zeit wirklich ans Herz gewachsen und bei manchen war es wirklich nicht leicht, Tschüss zu sagen. Schon komisch, dass ich sie niemals wiedersehen werde, irgendwie unwirklich. Am allerletzten Tag haben wir eine kleine Abschiedsfeier für Nastja, Nastja und mich gemacht (Nastja und Nastja haben beide gekündigt und andere Pläne für’s nächste Jahr) und – obwohl man das ja eigentlich nicht darf – unsere drei Geburtstage vorgefeiert, weil wir alle im Juli Geburtstag haben. Ich habe eine Matrioschka mit Sehenswürdigkeiten aus St Petersburg geschenkt bekommen, was ich total cool finde, weil ich früher schon überlegt habe, mir eine zu kaufen zumal ich doch in Russland lebe bzw. gelebt haben werde, aber irgendwie hab ich’s dann doch nie gemacht. Die Kollegen habe ich danach noch gesehen, weil der Kindergarten und die Schule in ein neues Gebäude ziehen und wir Kartons packen mussten, die wir Ende August in meiner allerletzten Woche hier im neuen Gebäude wieder auspacken werden.

Und zum Schluss noch ein paar Fotos:

 

Letzte Tage im Kindergarten

 

 

Das Smolny Kloster

 

 

Ballett Schwanensee im Michailowski Theater

 

Baskin (Inklusions-Basketball)

 

Алые паруса – Fest für „Abiturienten“ in SPB

 

International Partys (Rooftop und Boat)

 

Betriebsfeier vom Kindergarten (mit dem Schiff nach Kronstadt und wieder zurück)

Das Zwischenseminar

Ende Mai bin ich zurück nach Deutschland geflogen, um mein zweites Visum zu beantragen. Das war zwar teuer, hat aber zum Glück ohne Probleme geklappt. Ich hatte eine sehr schöne Woche, in der ich Familie und Freunde sehen konnte.

Am Sonntag, den 02. Juni habe ich mich auf den Weg nach Řehlovice, Tschechien gemacht, weil dort unser kulturweit Zwischenseminar stattgefunden hat. Im zweiten Zug habe ich Sara getroffen und im dritten Zug dann auch alle anderen. Wir drei aus Russland hatten unser Seminar nicht mit unserer Homezone vom Vorbereitungsseminar, sondern mit den Leuten aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Ein paar kannte ich ein bisschen, viele aber noch nicht. Sie haben uns aber sofort sehr gut integriert und wir hatten super viel Spaß zusammen!

Am ersten Tag haben wir zuallererst das Gelände bewundert. Řehlovice ist ein kleiner Ort mit viel Natur. Wir haben in einem großen Haus gewohnt, in dem wir uns alle zusammen einen Schlafsaal geteilt haben. Es gab zwei Duschen und eine Küche, in der wir selbst kochen konnten. Außerdem gab es einen kleinen Teich, eine Schmiede, einen Lagerfeuerplatz und ein super großes Gelände in der Natur. Ehrlich gesagt waren viele von uns vorher etwas skeptisch, aber als wir dann dort waren, waren wir total begeistert!

          

Unsere Trainer Matze und Kristina haben uns mit einer selbstgekochten Suppe begrüßt und dann haben wir ein paar Kennlernspiele gespielt und Organisatorisches besprochen. Abends haben wir Salat geschnippelt und gegrillt.

Am Montag haben wir intensiv unsere Erfahrungen ausgetauscht und konnten einige Parallelen entdecken. Generell kann man sagen, dass die allermeisten ziemlich glücklich sind. Es ist nie alles perfekt, aber niemand bereut seine Entscheidung, den Freiwilligendienst anzutreten, und alle haben bereichernde Erfahrungen gemacht und schöne Geschichten zu erzählen. Wir haben auch darüber gesprochen, welche Aufgaben wir an unseren Einsatzstellen bekommen und was uns Spaß macht und was eher weniger. Es war sehr schön, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen und vor allem auch den Geschichten der Anderen zuzuhören. Am Nachmittag ist eine Zeitzeugin zu uns gekommen, die uns über die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland nach dem zweiten Weltkrieg erzählt hat. Das war wirklich toll und interessant. Die Frau war kurz vorher gestürzt und ihr ganzes Gesicht war voll von Blutergüssen, aber sie ist trotzdem zu uns gekommen!

Am Dienstag sind wir nach Theresienstadt gefahren. Dort waren während des zweiten Weltkriegs einerseits Gestapo-Gefängnis und andererseits ein Ghetto. Wir hatten zu beiden Teilen je eine Führung und konnten sehen, unter was für schrecklichen Bedingungen die Gefangenen leben mussten. Sehr interessant ist, dass Theresienstadt als Vorzeige-KZ benutzt wurde. Das Deutsche Rote Kreuz wollte nämlich einen Besuch abstatten und deshalb wurde an diesem Tag alles so hergerichtet und geschauspielert, dass es so aussah, als hätten die Juden dort ein gutes Leben. Es gab viel Kultur, Musik und Theater und die Kinder hatten ein eigenes Heim. Das Krematorium wurde für genau einen Tag abgestellt. Der anschließende Bericht des Roten Kreuzes ist außerordentlich positiv ausgefallen und hat die schreckliche Wahrheit total ignoriert.

Nach dem Besuch haben wir im Steinofen Pizza gebacken und Lagerfeuer gemacht und abends eine kleine Party in der Küche veranstaltet.

   

Am Mittwoch hat uns jemand von der deutschen Botschaft aus Prag besucht und uns von seinen verschiedensten Arbeitsfeldern und Auslandseinsätzen erzählt. Außerdem hat er uns erklärt, welche Voraussetzungen man braucht, um in der Botschaft arbeiten zu können usw. An dem Tag haben wir außerdem in Kleingruppen über unsere Projekte gesprochen, über verschiedene Schulsysteme und über Persönlichkeitsentwicklung. Nachmittags haben wir auf dem Gelände Bewegungsspiele gespielt, hauptsächlich mit Verstecken und Fangen. Am Abend durften wir in der Schmiede tatsächlich selbst etwas schmieden, das war sehr cool. Danach haben wir alle zusammen am Lagerfeuer gesungen und getanzt.

   

Am Donnerstag haben wir über Probleme gesprochen und versucht, uns gegenseitig so gut wie möglich zu helfen. Zum Abschluss hat jeder ein paar Sätze aufgeschrieben mit schönen Erlebnissen mit einer anderen Person auf dem Seminar, aber ohne den Namen zu nennen, z.B. „Wir hatten tolle, intensive Gespräche und ich freue mich, dich wiederzusehen.“ Dann haben wir uns in einen Kreis gesetzt, die Augen geschlossen und Kristina hat die Sätze nacheinander vorgelesen. Bei jedem neuen Satz hat sie zwei Personen angetippt, die dann rumgegangen sind und alle Personen berührt haben, auf die der Satz für sie persönlich zutrifft. Das war wirklich sehr sehr schön. Danach haben wir alle zusammen aufgeräumt und dann sind die meisten von uns weiter nach Prag gefahren. Dort hatten wir ein Hostel gebucht und sind bis Sonntag zusammen dortgeblieben.

 

Wir sind sehr viel gelaufen, haben an einer Free Walking Tour teilgenommen, den Ausblick von einem Aussichtsturm genossen, Museen besucht, zusammen gekocht, gefeiert, gequatscht und einfach ein paar wundervolle Tage verbracht!

       

Musik Museum Prag

 

Fotogalerie

 

Kafka

Peterhof, Pushkin und die Petersburger Museumsnacht

Peterhof
Am 18.05. habe ich mir mit Jessi die Fontäneneröffnung im Peterhof angeschaut. Es gab zuerst eine Musik- und Tanzaufführung, dann eine kurze Rede und schließlich ein Feuerwerk, zu dem die Fontänen zum ersten Mal dieses Jahr angegangen sind.
Danach sind wir noch in dem riesigen Park am Meer spazieren gegangen. Alles ist sehr akkurat geschnitten und gepflegt und erinnert ein bisschen an Versailles.

   

 

Pushkin
Dort bin ich mit Nastja hingefahren. Ich habe mir allein den Katerinenpalast angeschaut (sie war schon zu oft dort) und habe mir deshalb einen deutschen Audioguide gekauft. Die Zimmer sind sehr prunkvoll, wie immer ist alles voll von Gold. Das berühmte Bernsteinzimmer habe ich mir natürlich auch angeschaut. Die Menge an Bernstein, die Formen und die Farbabstufungen sind schon sehr beeindruckend.
Anschließend sind wir noch lange im Park spazieren gegangen, der natürlicher ist als im Peterhof, und Nastja war so süß und hat mir eine Blumenkrone aus Löwenzahn geflochten!

    

 

Museumsnacht
Im Mai gibt es immer eine Museumsnacht in St Petersburg. Sie fängt um 18h an und endet um 6h morgens des folgenden Tages. Ein Ticket kostet 400 Rubel und dafür kann man sich alle Museen anschauen, die teilnehmen und das sind wirklich viele.
Zum Einklang haben wir uns ein Konzert in der Philharmonie angehört. Dort wurde Filmmusik von einem Sinfonieorchester gespielt, u.a. Harry Potter und Star Wars. Das war sehr schön.

Anschließend sind wir ins Museum für sovietische Spieleautomaten gegangen und konnten dort diverse alte Spiele ausprobieren, was wirklich total witzig und eindeutig das Highlight der Museumsnacht war. Wir konnten sogar an einem Gewinnspiel teilnehmen und haben kleine Geschenke bekommen.

 

Als nächstes haben wir das Museum für politische Geschichte besucht. Das ist sehr gut gemacht und natürlich super interessant. Leider waren wir mitten in der Nacht nicht mehr ganz so aufnahmefähig und konnten uns nicht so gut auf die historischen Texte konzentrieren, deswegen werde ich wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal dorthin fahren.

Als letztes haben wir den botanischen Garten besucht. Es war schon stockdunkel und die Gewächshäuser waren beleuchtet. Die Anzahl der Pflanzen, besonders in diesem Licht, war sehr beeindruckend. Außerdem gab es auf dem Gelände ein paar Konzerte und eine lustige Nebelmaschine, die blau geleuchtet hat.

 

Moskau

Am 09. Mai wird in Russland der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland gefeiert. Deswegen hatten die beiden Nastjas und ich ein 4-Tage-Wochenende und haben die Gelegenheit genutzt, um nach Moskau zu fahren!

Mittwochabend nach der Arbeit ging es los, wir sind über Nacht mit einem Schlafzug gefahren. Das wollte ich unbedingt mal machen! Die Betten waren natürlich sehr simpel und alles war eng und gequetscht, Privatsphäre gab es auch keine, aber für eine Nacht war’s irgendwie kultig! Wir hatten zum Glück keine schreienden Babys oder schnarchenden Deduschkas in der Nähe und konnten tatsächlich ein paar Stunden schlafen.

Am nächsten Morgen sind wir dann in Moskau angekommen und haben dann erstmal relativ lange unser Hostel gesucht. Anschließend haben wir versucht, ins Zentrum zu kommen, aber da unser Zug erst relativ spät ankam, war an ein Durchkommen zum Roten Platz nicht zu denken. Alles war wegen der Parade zum 09. Mai abgesperrt, aber wir haben trotzdem den gigantischen Menschenumzug sehen können. Unzählige sind mit Plakaten von ihren Großeltern, die im Krieg gekämpft haben, durch die Straßen gezogen.

Abends gab es als krönenden Abschluss des wichtigsten Feiertags in Russland ein gigantisches und wunderschönes Feuerwerk, das wir uns gemeinsam mit Jessi angeschaut haben, die auch über die Feiertage nach Moskau gefahren ist. Wir saßen am Flussufer und hatten einen tollen Blick auf eine Brücke, hinter der man das Feuerwerk super gesehen hat.

    

Wir haben das VDNH besucht, einen wunderschönen Park im Norden der Stadt. Wir hatten tolles Wetter und haben bei Sonnenschein mit Eis in der Hand den Blick auf zahlreiche schöne Gebäude und Springbrunnen genossen.

     

Nebenan befindet sich das Kosmonauten Museum, wo man so ziemlich alles betrachten kann, was mit Raumfahrt zu tun hat: Bilder von berühmten Kosmonauten, echte Meteoriten, Raketen, Raumstationen und so weiter.

     

Der Besuch des botanischen Gartens Aptekarsky Ogorod hat sich absolut gelohnt. Dort gibt es sowohl Gewächshäuser als auch einen großen Park mit See, wo man spazieren gehen kann. Alles duftet nach Sommer und überall sind Tulpen und andere Blumen. Einfach nur toll und entschleunigend!

Auch die Musik kam nicht zu kurz. Über die Feiertage hat das Moskauer Frühlings a capella Festival stattgefunden und wir konnten uns gratis open air ein Konzert anhören.

Wir sind ein bisschen im Zaryadye Park spazieren gegangen, von dem aus man einen tollen Blick auf die Basilius-Kathedrale hat und haben uns anschließend den roten Platz abgeschaut.

   

Auch durch das GUM Luxuskaufhaus sind wir einmal durchgelaufen.

Den Alexandergarten neben dem roten Platz haben wir uns auch angeschaut und konnten dort gemütlich picknicken.

Irgendwo haben wir unverhofft riesige Schaukeln entdeckt und konnten es uns nicht nehmen, mal wieder ein bisschen Kind zu sein.

Was in Deutschland Goethes Faust ist, ist in Russand Bulgakows Meister und Margarita. Das Haus des Autors kann man sich in Moskau anschauen. Ein wirklich cooles Museum mit vielen alten Gegenständen wie Schreibmaschinen und Nummernschalter, außerdem natürlich mit vielen Gegenständen und Referenzen zu dem Buch.

Wir haben uns die Arbat Straße angeschaut, eine der ältesten Straßen in Moskau. Die Atmosphäre dort ist sehr schön, alles ist künstlerisch, man hört viele Straßenmusiker, sieht Pantomime Künstler und Maler. Dort befindet sich außerdem die Stena Tsoya, eine Mauer, die zum Gedenken an den verstorbenen Sänger der russischen Band Kino gestaltet wurde.

Im Süden der Stadt gibt es eine Art „Aussichtsbalkon„, von dem aus wir uns den Sonnenuntergang angeschaut und unseren letzten Abend genossen haben.

 

Den letzten halben Tag haben wir auf einem gigantischen Flohmarkt in Ismailowo verbracht. Dort gab es unfassbar viele Souvenirs, vor allem Matrioschkas, Pelzmützen und Fabergé Eier, aber auch Essen, Kleidung und ganz viel altes Zeug. Das war wirklich sehr schön und die ein oder andere Sache haben wir auch gekauft.

 

Generell muss ich sagen, dass Moskau mich positiv überrascht hat. Ich habe von vielen gehört, die zuerst in St Petersburg und danach erst in Moskau waren, dass ihnen die Hauptstadt im Vergleich gar nicht so gut gefallen hat. Mir persönlich gefällt St Petersburg zwar auch besser, trotzdem ist auch Moskau wunderschön. Die Stadt ist unfassbar grün, überall sind Parks, Bäume und Tulpen und alles riecht nach Sommer. Im Vergleich zu St Petersburg ist es erstaunlicherweise in Moskau viel leiser und eigentlich fühlt es sich gar nicht so nach Hauptstadt an.

         

Diverse schöne Ausflüge

Jelagin Insel

Dort war ich mit Nastja. Auf der Insel befindet sich ein schöner Park und ein Schloss und wir sind einfach lange spazieren gegangen und haben gequatscht. Sie hat mir ein paar neue russische Wörter beigebracht und wir haben eine Kleinigkeit gegessen.

 

 

Grillen am Strand

Ich bin durch einen glücklichen Zufall in einer „Freiwillige in St Petersburg“ WhatsApp-Gruppe gelandet und dort wurde vorgeschlagen, am Strand zu grillen. Ich habe mir Anastasia mitgenommen und wir sind (ewig) hingefahren. Es war ein super netter Abend, ich habe viele tolle Leute kennengelernt, mit denen ich mich auch danach oft getroffen habe, mit unserem Pseudo-Grill hat das Fleisch eine ganze Stunde gebraucht, wenn nicht länger, aber es war toll. Dominik hatte seine Gitarre dabei und wir haben im Sonnenuntergang alle zusammen gesungen.

 

 

Kasan Kathedrale

Dort war ich eher zufällig mit Jessi, die ich bei dem Grillabend kennengelernt habe, weil wir auf die anderen gewartet haben. Ich war sehr positiv überrascht, alles war wie immer gold und wir hatten das große Glück, einen Ostergottesidienst mitzubekommen! In den orthodoxen Messen wird, zumindest wie ich das bisher mitbekommen habe, ausschließlich gesungen. Manchmal singt nur ein Mann, von dem man übrigens die meiste Zeit nur den Rücken sieht, manchmal singt ein Männerchor vorne, dann ein gemischter Chor vom Ende der Kirche aus, mal alle zusammen. Alles ist a capella und erstaunlich sauber! Sehr sehr beeindruckend!

   

 

Maifeiertage

Am 1. Mai (Mittwoch) ist Tag der Arbeit und Donnerstag und Freitag waren auch frei, weil Feiertage nachgeholt wurden, die vorher auf ein Wochenende gefallen sind. So musste ich nur zwei Tage arbeiten und hatte ein langes 5-Tage-Wochenende!

 

Am Mittwoch bin ich also mit Jessi an den Strand nach Sestrorezk gefahren. Es war tolles Wetter, wir haben gepicknickt und sind dann den Strand entlang bis zum Laskovyy Beach gelaufen.

      

Am Donnerstag war ich mit Jessi und Anne (auch eine deutsche Freiwillige) in der Kunstkammer. Eigentlich wollten wir nach Gatchina fahren, aber das Wetter war scheußlich und wir haben uns entschlossen, lieber in ein Museum zu gehen. Leider mussten wir anderthalb Stunden im Regen anstehen. Ich hatte zum Glück einen Regenschirm dabei, trotzdem waren wir am Ende nass und durchgefroren. Die Kunstkamera, wie sie auf russisch heißt, ist das älteste Museum ganz Russlands. Es gibt dort eine ethnographische Abteilung, in der mehrere Kontinente und Länder vertreten sind. Zu Nordamerika kann man sich beispielsweise die indianische Kultur anschauen, zu Afrika gibt es diverse Instrumente und zu Japan Masken. Aus Indonesien kommen die drei berühmten Affen, die nichts hören, nicht sehen und nichts sagen. Berühmt allerdings ist die Kunstkammer für die Sammlungen von in Alkohol konservierten Missgeburten und anderen anatomischen Abnormitäten. Hier gibt es wirklich alles: siamesische Zwillinge, Kinder mit zu vielen Zehen, missgebildete Kinderköpfe, ein Kind mit zwei Gesichtern etc. Peter der Große reiste für diese Sammlung quer durch Europa. Es ist schon beeindruckend und auch interessant, so etwas mal zu sehen, aber ich persönlich fand es ziemlich schrecklich. Es ist wirklich eine erschreckende Menge an konservierten Babys und manche wurden einfach in viel zu kleine Gläser gestopft und der Aspekt der Seele und des Mensch-Seins wird auch vollkommen ignoriert, es geht nur um die Wissenschaft. Mein Fazit: interessant, aber ein bisschen grenzwertig…

       

 

 

Am Freitag und Samstag waren Anastasia und ihre Eltern so lieb, Jessi und mich mit dem Auto mit in die Pushkin Berge, nach Pskov, Pechory und Izborsk zu nehmen. Diese Städte liegen alle ca. 5-7 Stunden südlich von St Petersburg.

Pushgory (Pushkin Mountains)

An unserem ersten Stopp haben wir uns das Holy Assumption Monastery angeschaut. Auch dort war wieder innen alles sehr golden und wir haben jeder eine Kerze angezündet.

    

Auf dem Gelände befindet sich außerdem das (Familien-)Grab von Pushkin und etwas weiter weg hängen viele Glocken, an denen man sogar läuten darf. Man muss übrigens als Frau überall ein Kopftuch anziehen.

Danach sind wir ein kleines Stück weitergefahren und haben uns die Häuser von Pushkins Vater und Großvater angeschaut. Auf dem Grundstück befindet sich auch ein sehr schöner Garten, eigentlich eher ein Wald, und wir sind ein Stückchen gelaufen. Mir ist aufgefallen, dass es im Süden schon deutlich grüner ist als in St Petersburg.

 

 

Pskov

In Pskov angekommen haben wir zuerst im Hotel eingecheckt, was sehr schwierig war, weil Jessi und ich beide nicht wussten, dass wir eine Registrierungsbescheinigung mitbringen müssen… Am Ende hat dann aber doch alles geklappt und es wurde ein Auge zugedrückt. Anschließend haben wir uns den Kreml von Pskov angeschaut und sind in ein Restaurant gegangen.

 

 

Pechory

Auch hier haben wir uns ein Mönchskloster angeschaut, in dem sogar heutzutage noch ca. 20 Mönche wohnen. Jeder hat eine Aufgabe, die er für alle erledigt (kochen, backen, putzen, waschen, etc.). Sie bekommen dafür kein Geld und müssen aber auch eigentlich nichts oder wenig kaufen, weil sie alles selbst anbauen.

Dort haben wir auch die Straße gesehen, wo Iwan der Schreckliche den Kopf eines Mönchs hat runterrollen lassen, weil ihm gerade so danach war, jemanden grundlos zu köpfen. Es gibt dort außerdem in einer Höhle ein riesiges Grab, in dem ganz viele Heilige und Mönche liegen, die zum Teil einbalsamiert sind. Man kann aber nur die Steinplatten sehen, hinter denen sie liegen. Wir hatten eine Führung durch diese Höhle, in der es vollkommen dunkel ist, weswegen wir alle eine Kerze bekommen haben. Die Führung war leider auf Russisch und man durfte nicht sprechen, während der Mönch spricht, deswegen konnte Anastasia auch kaum übersetzen, aber es war trotzdem ganz interessant, diesen Ort mal zu sehen.

 

Izborsk

Unser letzter Stopp war, wie mir gesagt wurde, der Ursprung Russlands. Hier haben die ersten Russen gelebt und die Legende sagt, dass sie Skandinavier eingeladen haben, weil sie einen Herrscher brauchten. Dort gibt es einen Aussichtsturm, von dem aus man einen schönen Blick auf viel grüne Natur und einen See hat. Wenn man ein kleines Stück läuft, kommt man zu der Quelle des Sees, aus der man das Wasser trinken kann, das auch wirklich gut schmeckt. Auf dem See haben wir Schwäne gesehen. Außerdem konnten wir auf dem Weg dorthin Kwass mit Birkensaft probieren!

      

 

Am Sonntag sind Anastasia, Jessi, Dominik und ich nach Kronstadt gefahren. Die Stadt liegt auf der Insel Kotlin in Sankt Petersburg, zu der man ca. eine Stunde mit dem Bus fährt und die zu Verteidigungszwecken als Marinestützpunkt gebaut wurde. Damals war St Petersburg die Hauptstadt und die Stadt der Krone sollte verteidigt werden, daher der Name. Dort haben wir die Kathedrale besichtigt, ein Picknick am Strand gemacht und das russische Kartenspiel Durak gespielt.

   

 

Und sonst so… 

Mein Lieblingsmädchen aus dem Kindergarten hatte ihren letzten Tag bei uns. Sie konnte außer Nein und Oh mein Gott! kaum Deutsch und meine Russisch Kenntnisse haben auch nicht wirklich für eine Unterhaltung gereicht, aber irgendwie haben wir uns trotzdem total gut verstanden und sie hat mich immer an die Hand genommen, mich durch den Kindergarten geführt, auf Dinge gezeigt und mir gesagt, wie sie auf Russisch heißen. Sie hat sehr bitter geweint, als sie gehen musste, weil sie nicht von mir weg wollte und ich war auch total traurig.

„Ich liebe Nora, du gefällst mir, von Dascha“

 

 

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