Chinesischer Schulalltag an der Jiaxing Gaoji Zhong Xue

Auf die Jiaxing Gaoji Zhong Xue gehen fast 1.700 Schüler. Hier werden die letzten drei Schuljahre unterrichtet. In China  wird das letzte Schuljahr mit der „gao kao“ abgeschlossen, theoretisch könnte man diese Prüfung mit dem Abitur vergleichen.

Letztens erzählten mir zwei chinesische Schülerinnen von ihrem Schulalltag. Jetzt weiß ich nicht mehr wie ich mich in Deutschland jemals über zu viel Unterricht oder zu viele Hausaufgaben beschweren konnte. Aber lest selbst, was sie mir erzählten.
Beide Schülerinnen wohnen, wie die Meisten, auf dem Schulgelände. Es lohne sich einfach nicht jeden Tag nach Hause zu fahren, die wertvolle Zeit nütze man lieber zum Lernen und zum Schlafen, erzählten sie mir. Die Schülerinnen und Schüler teilen sich jeweils 6 Bett Zimmer in einem der Schülerwohnhäuser auf dem Schulgelände. Mädchen und Jungen natürlich getrennt, Badezimmer gibt es auf dem Gang.
Um 6 Uhr stehen die beiden Schülerinnen auf und frühstücken in der Mensa. Es gibt, genau wie zum Mittagessen und zum Abendessen, Reis mit einem Gemüse- oder einem Fleischgericht und dazu Suppe. Um 7 Uhr müssen sie schon in der Schule sitzen, denn von 7 – 7.20 Uhr wird Lesen geübt. Es werden Texte in chinesischer, englischer oder deutscher Sprache laut vorgelesen. Ab 7.30 Uhr folgt dann der reguläre Frontalunterricht, bis die Mittagspause um 11.35 Uhr beginnt. Wenn die Schulklingel zur Pause trällert, rennen die beiden Schülerinnen los um noch etwas von dem Essen abzubekommen. (Ich schreibe ganz bewusst „trällert“: an meiner Schule klingelt nämlich keine Schulklingel zur Pause sondern stattdessen klassische chinesische Musik oder zur Abwechslung mal die Backstreet Boys). Das Mittagessen nehmen die beiden meistens in einer der der vielen Schulmensen zu sich. Es besteht aber auch die Möglichkeit sich im Supermarkt oder in dem Fast Food Restaurant auf dem Schulgelände etwas zu kaufen.

Um 12.20 Uhr finden sich wieder alle Schüler im Klassenraum ein. Dort sollen nun eigentlich Hausaufgaben erledigt werden, die Meisten sind aber zu müde und schlafen auf den Tischen ein.
Um 13.30 Uhr geht der reguläre Unterricht weiter, noch einmal 4 Stunden. Nach 2 Schulstunden gibt es immer eine ca. 5 minütige Unterbrechung für die Augenübungen. Dafür wird eine Musik eingespielt mit einer Stimme, die den Schülerinnen und Schülern Anweisungen gibt. Um 17.15 Uhr ist der offizielle Unterricht vorbei und es gibt Abendessen. Wieder rennen alle Schüler los. Diejenigen, die nicht in der Schule wohnen, können jetzt nach Hause gehen. Am Schultor werden sie dann von zwei Lehrern und zwei Schülern verabschiedet.
Die wenigsten gehen jetzt aber nach Hause! Es besteht nämlich noch die Möglichkeit bis 21.30 Uhr im Klassenraum zu sitzen um seine Hausaufgaben zu machen und um zu lernen. Die meisten Schüler nehmen diese Gelegenheit wahr. Manchmal wird zu dieser Zeit auch noch Zusatzunterricht angeboten. So ist es auch bei unseren Deutschklassen. An einem Abend der Woche treffen wir uns mit einer der beiden Deutschklassen um Deutsch zu sprechen.
Um  21.30 Uhr ist der lange Schultag dann endlich vorbei. Die Schüler gehen in ihre Zimmer. Die beiden Schülerinnen erzählen mir, dass sie dann oft noch heimlich im Bett lernen. Obwohl sie das nicht dürfen und sehr müde sind. Um das zu vermeiden geht jeden Abend um 22.00 Uhr nochmal ein Lehrer durch die Zimmer und kontrolliert, dass alle ihr Buch weggelegt haben und das Licht ausmachen.
Da die beiden Schülerinnen Deutsch lernen und sich auf das deutsche Sprachdiplom vorbereiten, haben sie am Wochenende noch einmal Extra-Unterricht. Jeden Samstag und Sonntag  haben sie noch zwei Extrastunden Deutsch.

Und auch wenn man jetzt denkt, das Leben als Schüler könnte nicht noch schrecklicher werden: Doch es kann! Jede Woche werden nämlich am Samstagvormittag Tests geschrieben. In der einen Woche in allen naturwissenschaftlichen Fächern, in der nächsten Woche in allen anderen Fächern. Nur jedes zweite Wochenende dürfen die Schülerinnen und Schüler nach Hause. Wobei Wochenende demnach von Samstagnachmittag bis Sonntagnachmittag bedeutet.

Obwohl Schule in China hart ist, sind die Schüler sogar abends um 19 Uhr, wenn wir uns zur Deutschgesprächsrunde treffen, sind die Meisten noch voller Begeisterung und Motivation!
Dagegen gucke man sich doch mal die Begeisterung und die Motivation der deutschen Schüler freitags in der 6. Stunde an… .

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„Und was hast du so zu tun?“

Das ist wahrscheinlich die Frage, die man sich unter Kulturweit-Freiwilligen am häufigsten stellt.

Auch wenn ich die Frage super interessant finde und selber gerne frage, bin ich jedes Mal überfordert, wenn sie mir dann jemand stellt.
Deswegen versuche ich sie (mir) jetzt mal zu beantworten.

Mein Aufgabenbereich ist auf jeden Fall ziemlich weit gestreut.
Wahrscheinlich besteht meine Hauptaufgabe einfach darin zu existieren. Zwar muss ich nicht oft im Büro sein, doch soll ich immer dann da sein, wenn die chinesischen Deutschlehrer Fragen bezüglich der deutschen Grammatik haben.
Den Tag über werde ich mal mit Abtipp-, mal mit Druck- oder auch mit Bastelaufgaben (Nein, kein Kaffee kochen 😉 ) beschäftigt. Da die meisten meiner Schüler in Deutschland studieren wollen, soll ich zudem noch ein Heft „Landeskunde Deutschland“ erstellen, in dem ich auf die deutschen Gewohnheiten speziell im Gegensatz zu den chinesischen eingehe.
Zweimal die Woche hospitiere ich im Deutschunterricht: zwei Stunden in der 10. Klasse und zwei Stunden in der 11. Klasse. Anschließend bin ich auch bei der Besprechung dabei.
Doch was mir am meisten Spaß macht sind die Deutsch-Gesprächsrunden, die wir an zwei Abenden der Woche haben: an einem Abend mit der 10. Klasse und an einem mit der 11. Klasse. In diesen 40min unterhalte ich mich auf Deutsch mit den Schülern, versuche sie zum spontanen Sprechen zu bewegen und wiederhole was sie im Unterricht gelernt haben. Es ist toll denn obwohl die Gesprächsrunden für die Schüler Zusatzstress und weniger Zeit für die vielen Hausaufgaben bedeuten, sind viele Schüler sogar noch zur späten Stunde sehr lernmotiviert und fröhlich. Oft wollen sie gar nicht mehr aufhören.

Auch wenn ich nicht gerade viel zu tun habe, langweile ich mich nur selten. Zu der Arbeit kommt nämlich noch der Chinesisch Unterricht und die dazugehörigen Hausaufgaben und, natürlich, der ganze Haushaltskram: putzen, aufräumen, waschen, abwaschen, einkaufen – damit geht einfach unglaublich viel Zeit verloren!

Jaa. Ich glaube ich kann guten Gewissens sagen: das habe ich in etwa so zu tun.

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Unglaublich

Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht.
Kaum war ich am Werbellinsee in Berlin zum Vorbereitungsseminar angekommen begannen auch schon die vielen verschiedenen Workshops, die einen kulturell und pädagogisch auf seinen Auslandsaufenthalt vorbereiten sollten. Die 10 Tage gingen durch das umfangreiche Programm unglaublich schnell vorbei und schon fand ich mich in einem großen Kreis von 250 Kulturweit-Freiwilligen wieder, die sich mit einem „mazunga“ voneinander verabschiedeten und sich viel Glück für die Zukunft wünschten. Nach dem Seminar fuhr ich noch einmal nach Hause um dem Pack- und Abschiedsstress dort mutig entgegenzutreten.
Das alles ging so unglaublich schnell vorbei, dass ich ohne es zu realisieren auf einmal – schwups – im Flugzeug ans andere Ende der Welt saß.
In meinem Falle hieß das andere Ende der Welt Shanghai: Die Stadt die sich innerhalb kürzester Zeit von einem kleinen unbedeutenden Fischerdorf zu einer blühenden Weltmetropole gewandelt hat! Ist das nicht unglaublich?! Bereits aus dem Flugzeug sah ich die Hochhäuser aus dem Boden empor schießen. Das muss man mal gesehen haben.
Ich hatte das Glück neben den Vorbereitungsseminar von Kulturweit auch noch an dem einwöchigen Einführungsseminar von der „Abteilung für Kultur und Bildung“ des Goethe Instituts in Shanghai teilnehmen zu dürfen. Bei dem Seminar haben wir (6 Kulturweit-Freiwillige) noch einmal viel gelernt und konnten uns langsam an die chinesische Kultur gewöhnen bevor wir auf unsere Einsatzstellen losgelassen wurden. Außerdem hatten wir so auch noch Zeit uns Shanghai anzugucken. Eine beeindruckende Stadt mit  unglaublichen architektonischen Gebäuden, interessanten und sehr leckerem Essen, unglaublich vielen Leuten, verängstigendem Verkehr mit unglaublich vielen lauten Hupen und trotzdem gibt es erstaunlich viele vergleichsweise ruhigere Stellen.
Am Montag wurde ich von einer Deutschlehrerin meiner Einsatzstelle abgeholt und zur Jiaxing High School gebracht. Dort werde ich für ein halbes Jahr als Deutschassistentin arbeiten, auf dem Schulcampus wohnen und hoffentlich der Sprache, Kultur und den Menschen näherkommen.
Die anderen drei Deutschlehrer sind sehr nett, die Schule ist unglaublich groß – obwohl hier immer wieder betont wird wie klein die Schule doch für chinesische Maßstäbe sei – und die Stadt erscheint mir um einiges entspannter und ruhiger zu sein als Shanghai. Was in China natürlich nicht bedeutet, dass hier nicht ein Hochhaus neben dem anderen steht bzw. gerade gebaut wird.
Die Schüler der Schulklasse in der ich mit u.a. assistieren  soll sind auch sehr nett. Sie können schon unglaublich gut Deutsch dafür, dass sie die Sprache erst seit einem Jahr lernen.
Und ihr Lieblingswort ist: Unglaublich!

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