33 – Wenn Tom Odell am Bushäuschen klebt

Wir kamen Freitags an einem schönen, noch kühlen Junimorgen wieder in Tbilissi an. Haben ausgiebig ausgeschlafen, uns unter die Dusche gestellt und die Waschmaschine laufen lassen, während sich draußen in den Straßen der Stadt die Hitze staute. Abends nahmen wir einen der rumpeligen, gelben Busse, die Nummer, die direkt hinter unserem Haus den Berg zum Lisi-Lake hinauffährt.
Wir hatten nämlich, „sobald Tom Odell am Bushäuschen hing“, wie meine liebste Mitbewohnerin sagte, Karten für das Tbilissi Open Air Festival da oben gekauft. Von Freitag bis Sonntag sollten sich die Wiesen hinter dem See, umgeben von Bäumen und oberhalb der Hitzeglocke der Stadt, in das Wohnzimmer der Stadt, mit Livemusik, verwandeln. Wir sahen Roisin Murphy, Rachel Yamagata, Papooz, Tom Odell, meine Georgische Lieblingskünstlerin Salio (die hundertpro ihr Kind in meiner Schule hat, ich bin mir so sicher, ich hätte sie erkannt), Georgischen Rap und andere Dinge.
Es gab verschiedenen Bühnen, auf denen parallel gespielt wurde, auch eine Jazz-Bühne und viel Techno. Wegen den heißen Temperaturen tagsüber, ging es über Nacht und bis zum nächsten Morgen in den Vormittag. Wir passten unseren Tagesrhythmus an und flohen vor der drückenden Hitze und der stechenden Sonne. Neben der Musik waren die Wiesen mit Schaukeln, Hängematten, Decken, Kissen, Bänken, Lichterketten und Wimpel-ketten gesprenkelt. Es gab Zuckerwattestände – die heißt auf Georgisch übrigens Eis der Watte, Stände von Bars und Bistros aus der Stadt, einen kleinen Designermarkt und einen Stand für Kriegsbemalung, die im Schwarzlicht leuchtet.
Zwischendurch erwischte uns ein Regenschauer, der Tom Odell-Auftritt wurde der fulminante Höhepunkt und irgendwann, nachdem wir eben noch vor der Bühne zu Papooz’s „Loouuiise, won’t you take it eeeaasyy“ getanzt hatten, bemerkte ich, wie meine Mitbewohnerin von eben diesen Typen, die grade auf der Bühne rumgesprungen waren, hier unten zwischen dem Puplikum, was dem nächsten Künstler zuhörte, ein Foto machen… .

Da die Sommerferien hier doch sehr lang sind und ich ja eigentlich zum Arbeiten hier bin, machte ich mich in den folgenden 2 Wochen auf Arbeitssuche. Ich begann mit einem Abstecher in die Schule, weil ich wusste, die Lehrerinnen müssen noch mindestens bis Ende Juni dort sein. Ich konnte mir aber nicht so richtig vorstellen, was sie dort trieben, mit den Schüler*innen alle am Schwarzen Meer oder bei der Oma auf dem Dorf.

Ich kam spät, erst gegen 11 oder halb 12 an, meine Mentorin wurde von irgendetwas aufgehalten, also gesellte ich mich in das Lehrerzimmer, zu meinen Kolleginnen. Ein Paar mussten noch die Klassenbücher vervollständigen oder Korrigieren, in ein paar Zimmern fand Privatunterricht statt, aber eigentlich verbrachte ich den Tag damit Obst zu essen, mit dem mich die Lehrerinnen fütterten, und mit Quatschen.

Lustig fand ich, auf der schuleigenen Facebookseite Fotos zu entdecken, wie ein Kommittee meiner Schule, einer Schule auf dem Land einen Besuch abstattet und diese offensichtlich mit Sachspenden, Geld und inhaltlichen Tipps unterstützt. Diese Bilder waren nämlich seltsam ähnlich denen, die zwischen meiner Schule und den Förderern*innen der Deutschen Auswärtigen Bildungspolitik entstehen.

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