Halbzeit

Anfang und Abschied, Berge und Baustellen, Zukunft und Zweifel. In meinem ersten Beitrag habe ich ein Abecedarium der ersten drei Wochen meines Freiwilligendienstes erstellt. Seitdem sind ungefähr 21 Wochen vergangen und nun fallen mir bei jedem Buchstaben viele neue Erlebnisse und Gedanken ein (na gut, bis auf C, X und Y vielleicht).

Ich war zum ersten Mal in meinem Leben an Weihnachten ohne meine Familie in einem anderen Land. Ich saß stundenlang im Unterricht, sowohl in der Lern- als auch als Lehrrolle. Ich habe interessante rumänische Städte besucht und wunderschöne Zeit in der Natur verbracht.

Jetzt ist es Ende März und der Frühling beginnt nicht nur auf dem Kalenderblatt. Die Bäume fangen an zu blühen, Vögel zwitschern und die Luft riecht frischer. Alles wird sonnig und hell und grün. In Rumänien ist der Frühlingsanfang sogar so besonders, dass es den Festtag „Marțisor“ dafür gibt. Am ersten März schenken sich die Menschen gegenseitig rot-weiße Bändchen mit Anhängern, die den Frühling symbolisieren. Aber zu rumänischen Feiertagen bei Gelegenheit mehr (höchst interessantes Thema).

Gewissermaßen befindet sich mein Leben gerade auch im Frühling. Ich fühle mich, als ob auch an mir grüne Blätter wachsen und Knospen sprießen. Woran das liegt? An zahlreichen Veränderungen: Mein Schulalltag spielt sich mehr und mehr in Präsenz anstatt vor dem Bildschirm ab. Ich bekomme neue Aufgaben und Herausforderungen. Und ich treffe Menschen – altbekannte und ganz neue.

Seit zweieinhalb Wochen bin ich nicht mehr die einzige Freiwillige in Oradea. Klara (https://kulturweit.blog/klarafallro/) wird nun das nächste halbe Jahr gemeinsam mit mir an der Schiller-Schule verbringen. Nun ist da eine Person, mit der ich Arbeitserfahrungen, Plăcintă-Liebe und Stadtspaziergänge unmittelbar teilen kann.

Außerdem habe ich gerade Besuch aus Deutschland: Meine Mutter ist hier und gemeinsam werden wir in der nächsten Woche noch einige Abenteuer erleben. Es ist wunderschön, nach so langer Zeit einen ganz besonderen Menschen wiederzutreffen. Und es zeigt mir, dass räumliche Distanz in vielerlei Hinsicht gar nicht so relevant ist, wie ich immer dachte. Manche Dinge verändern sich, manche bleiben aber auch genau gleich. Dieser Satz steht jetzt einfach mal so kryptisch im Raum.

Zurück zum Frühling und dem breiten Spektrum an Metaphern, das sich mir bietet. Bevor neue Blüten wachsen, vergehen die alten (ok, jetzt ist aber Schluss damit). Ob gewollt oder ungewollt – mit Anfang ist oft auch Ende verbunden. Es hieß also „La revedere!“ zu denjenigen Freiwilligen, die nur ein halbes Jahr lang kulturweit machen. Teilweise war es ein wirklich trauriges „Auf Wiedersehen!“.

Aller Abschied/Anfang ist schwer. Trotzdem ist Grün meine absolute Lieblingsfarbe und ich freue mich herauszufinden, welche Nuancen dieser Farbe mir der Frühling noch so bringen mag.

Eu mănânc

Mittlerweile bin ich schon seit vier Monaten hier. Es wird also höchste Zeit, dass ich mal übers Essen rede. Schließlich esse ich sehr gerne und oft auch sehr viel und manchmal auch sehr langsam (aber wirklich nur manchmal).

Ich habe festgestellt, dass mich Kochen extrem entspannt. Gemüse schnippeln, Nudeln kochen, Zwiebeln anbrennen – irgendwie hat das alles eine wirklich beruhigende Wirkung auf mich. Aber so viel nur am Rande.

Eigentlich geht es in diesem Eintrag nämlich um landestypisches Essen. Dieses darf ich mittlerweile ziemlich regelmäßig jeden Dienstagabend genießen. Denn zu meinem Glück beschränkt sich mein Sprachkurs nicht nur auf die Vermittlung der rumänischen Vokabeln und Grammatik, sondern bringt mir überdies den Genuss einiger traditioneller Speisen.

Ich habe Einzelunterricht bei Anca, einer der Grundschullehrerinnen. Zweimal die Woche treffen wir uns für eineinhalb Stunden in der Wohnung ihrer Mutter. Und während ich mich bemühe, die Unterschiede zwischen a, ă und â in meiner Aussprache möglichst deutlich zu machen, bereitet Ancas Mutter Essen vor. Dafür bin ich ihr wirklich jedes Mal aufs Neue extrem dankbar.

„Sarmale cu ciuperci“ ist das erste Gericht, das mir serviert wurde. Es handelt sich dabei um eine Art Kohlrouladen, bloß in viel besser. Traditionellerweise sind die Kohlblätter mit Reis und Hackfleisch gefüllt, in meinem Fall gab es sie aber extra mit Pilzen (=ciuperci). Ich habe sehr viele davon gegessen, aber wohl nicht so viele wie Ancas Mutter an Weihnachten. Dafür durfte ich welche mit nach Hause nehmen und auch noch am nächsten Tag genießen.

Eine Woche später gab es dann wieder Pilze, diesmal mit Kartoffelbrei. Daran ist jetzt eigentlich nichts typisch rumänisch, aber es war trotzdem lecker. Die Pilze waren von einem Bekannten von Anca selbstgepflückt und deswegen eine willkommene Abwechslung zu den Supermarkt-Champignons.

Den Dienstag darauf aßen wir Lángos. Diese Teigfladen dürften von deutschen Weihnachtsmärkten bekannt sein und sind eigentlich typisch ungarisch. Der rumänische Name dafür ist „plăcintă“, wobei ich gestehen muss, dass ich das mit den Namen bisher noch nicht ganz verstanden habe. Denn Plăcintă gibt es hier auch in Bäckereien oder an anderen Ständen zu kaufen und die sehen dann ganz anders aus. Deswegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass hier jede*r die Bezeichnungen so verwendet, wie es gerade passt. Aber letztlich ist der Name des Essens ja auch egal, nur der Geschmack zählt. Und obwohl Ancas Mutter nicht ganz zufrieden mit ihren Lángos war (angeblich zu dick und nicht kross genug), fand ich sie sehr lecker. Typisch belegt mit „smântână, brânză și usturoi” = Sahne, Käse und Knoblauch, wurde ich auch schnell satt davon und durfte wieder etwas mitnehmen.

Heute habe ich „ciorbă/supă de fasole“, also Bohnensuppe, probiert. Diese besteht aus braunen Bohnen, Karotten und Sauerkraut (zumindest in der fleischlosen Fastenvariante). Ja richtig, Sauerkraut… ehrlich gesagt habe ich das noch nie zuvor in einer Suppe gegessen. Doch ich wurde positiv überrascht und bin erstaunt, wie gut Kohl in rumänischen Gerichten immer wieder wegkommt. Während ich das schreibe, habe ich immer noch den leicht sauren Geschmack auf meiner Zunge.

An dieser Stelle würde ich wirklich gerne Bilder einfügen, die das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Leider habe ich keine gemacht. Deswegen müsst ihr euch das Essen einfach vorstellen, es im Internet suchen oder selbst mal nach Rumänien kommen, um es zu probieren. Letzteres kann ich nur empfehlen.

Eine lange Fahrt und ein noch längeres Wochenende

Heute schneit es in Oradea. Das ist für mich wirklich etwas Besonderes, schließlich hatten wir hier vor einem knappen Monat noch ein sehr spätsommerliches Wochenende mit Temperaturen von fast 20°C. Wie schön, dass sich der Winter nun endlich auch in dieser Stadt zeigt. Ich mache heute also einen Spaziergang durch die nassen Straßen und schreibe bei einer warmen Tasse Tee aus meinem ganzjahrestauglichen Teeadventskalender diesen Blogeintrag. Denn die weißen Flocken erinnert mich an den ersten rumänischen Schnee, den ich erleben durfte…

Als ich Ende November/Anfang Dezember in Bukarest war. Glücklicherweise fielen die beiden Feiertage 30. November und 1. Dezember auf Montag und Dienstag, sodass es für alle ein langes Wochenende gab. Da lohnen sich also auch mehr als 12 Stunden mit dem Nachtzug, um einmal in die Hauptstadt zu reisen. Wichtigste Lektion dieser Zugfahrt: Ein Laptop ist weder so weich wie ein Kissen, noch übersteht er darauf gebettete Köpfe genauso unbeschadet. Nur, falls irgendjemand so wie ich auf dumme Ideen kommen sollte.

Dezent übermüdet kam ich samstagmorgens am überfüllten Bukarester Bahnhof an. Es ging auf in die Freiwilligen-WG, die die wohl coolste Dachterrasse des ganzen Landes zu bieten hat. Von dort aus konnte ich ein wunderbar nebliges Panorama der Stadt betrachten und bekam direkt Lust auf einen Spaziergang. Gegen Mittag begaben wir uns also auf Erkundungstour und ließen uns von den einheimischen Freiwilligen die riesigen Gebäude zeigen. Zum Glück hatten wir es nicht eilig und konnten in aller Ruhe das Theater, die Museen und das Parlament von außen begutachten. Besonders der Parlamentspalast ist sehr prachtvoll und beeindruckte mich mit seiner enormen Größe. Nach einer kleinen Stärkung traten wir den Heimweg an und schlenderten so gemütlich durch die Straßen, dass wir schließlich vollkommen durchgefroren wieder in der WG ankamen.

Am nächsten Tag wünschte ich mir, meine Altgriechisch-Kenntnisse wären noch etwas aktueller. Denn wir besichtigten das landesgeschichtliche Nationalmuseum, in dem es vor allem sehr viele Steine mit antiken Inschriften zu sehen gab. Außerdem wurden dort Gipsabdrücke der Trajanssäule sowie Schmuckstücke und Wertgegenstände ausgestellt. Leider waren die Infotafeln nur bruchstückhaft auf Englisch vorhanden waren, weswegen ich versuchte, einige der rumänischen Texte zu verstehen (leider eher erfolglos). Nach dieser anstrengenden geistigen Arbeit wollten wir uns noch körperlich ertüchtigen und spazierten wir durch einen großen Park, der nahe dem Wasser und dem Triumphbogen gelegen ist.

Obwohl es schon an den beiden Tagen zuvor sehr kalt gewesen war, überraschten uns die dicken Schneeflocken am nächsten Morgen alle. Also hieß es, nichts wie hoch aufs Dach. Dort bauten wir erst einmal einen Schneemenschen auf die Brüstung und genossen die Aussicht auf die verschneiten Dächer um uns herum. In einem nahegelegenen Park stellte ich dann schließlich fest, dass der Schnee von oben wesentlich anziehender ausgesehen hatte, als es der auf den Straßen liegende Matsch dann wirklich war. Aber die frische Luft tat gut und da die Museen wegen des Feiertags alle geschlossen hatten, blieb uns auch gar nichts anderes übrig als draußen zu sein. Die kleine Geburtstagsfeier am selben Abend verbrachten wir trotzdem doch lieber drinnen, irgendwann reicht die frische Luft dann nämlich auch mal.

Der letzte Tag in Bukarest war schließlich ein eher kurzer, denn wir standen spät auf und ich musste schon am frühen Abend wieder in den Zug. Gegen Nachmittag allerdings war ich mir gar nicht mal so sicher, ob ich es wirklich in den Zug schaffen würde. Denn zu diesem Zeitpunkt tigerte ich einsam und orientierungslos durch die Bukarester Innenstadt. Dazu kam es, weil ich noch ein letztes Mal ausgedehnt durch die Straßen der Hauptstadt spazieren wollte, nachdem ich eine andere Freiwillige zum Bahnhof begleitet hatte. Leider gab der Akku meines Handys irgendwann den Geist auf, sodass ich mich auf mein Gedächtnis verlassen musste. Aber naja, leider sehen die Straßen ab einem gewissen Punkt alle gleich aus, vor allem bei Dunkelheit. Ohne einige äußerst hilfsbereite Menschen, die mir schließlich den Weg zurück zur Wohnung erklärten, würde ich wohl heute noch dort herumirren.

Dank der fremden Hilfe schaffte ich es aber pünktlich zum Zug und kam nach weiteren 12 Stunden in meinem mittlerweile schon recht vertrauten Heimatstädtchen Oradea an. Mein persönliches Fazit zu Bukarest: Es ist sehr groß, vielleicht zu groß und zu laut für mich. Außerdem brauche ich einen Fluss, der die Innenstadt an zentralen Punkten durchfließt, und mir so bei der Orientierung hilft. Allerdings gibt es noch viele Museen, die ich mir noch nicht anschauen konnte. Deswegen werde ich wohl früher oder später eine weitere Reise in die Hauptstadt Rumäniens unternehmen.

Eine turbulente Reise nach Turda

Ein regnerischer Freitagnachmittag mitten im November. Was gibt es Besseres an solchen Tagen, als eine lang im Voraus geplante und gut organisierte Reise nach Turda anzutreten? Viel zu spät dran und voller Vorfreude verließ ich also meine Wohnung, um wieder einmal gemütlich zum Busbahnhof zu rennen. Aber ich schaffte es noch rechtzeitig (Spoiler: Auf der Rückfahrt würde es nicht so sein) und nutzte die dreistündige Fahrt, um mich von den Anstrengungen dieses Sprints zu erholen. Bei Dunkelheit kam ich dann in Turda an, einem kleineren Städtchen im Kreis Cluj. In unserem Airbnb traf ich auf die Freiwilligen Lena, Henning und Fynn (https://kulturweit.blog/notizenausderwalachei/ – dort gibt’s nochmal eine andere Sichtweise und qualitativ hochwertigere Bilder unseres Ausflugs). Essen und viel Trinken und gute Gespräche rundeten diesen Abend erfolgreich ab und wir legten uns wenigstens noch für ein paar Stunden hin.

Der nächste Morgen begann mit einem ausgiebigen Frühstück und drei hübschen Katzen, die neugierig vor unserer Wohnung herumstrichen. Leider waren sie etwas schüchtern und wollten sie sich trotz meiner geduldigen Anlockversuche nicht von mir streicheln lassen. Sehr schade. Irgendwann mussten wir dann aber auch mal los, schließlich wollten wir die berühmte Salzmiene noch im Tageslicht erleben. Doch wie das berühmte Sprichwort sagt, der Weg ist das Ziel… und auf dem Weg gab es Spielplätze. So testeten wir die Karussells der Stadt auf ihre Tauglichkeit, vier theoretisch Erwachsene gleichzeitig bei vollem Tempo zu tragen – Test zum Glück für uns bestanden.

Außerdem entdeckten wir etwas noch viel Interessanteres: ein riesiges nicht fertiggestelltes Gebäude, das sehr einladend auf uns wirkte. Wie sich viele Steine und undefinierbare Flecken später herausstellte, handelte es sich um eine Art Theater. So kamen drei von uns schließlich in den Genuss einer Ballettaufführung des bisher noch nicht entdeckten Ausnahmetalentes H.B. Tief beeindruckt stiegen wir weiter die Treppen hinauf und gelangten auf das Dach, von dem aus wir eine wunderbare Aussicht auf unsere Umgebung genießen konnten. Dort verbrachten wir einige Zeit mit Gucken und Fotos, bis uns wieder die Salzmiene einfiel! Und so machten wir uns auf den nun noch einstündigen Weg dorthin.

Zum Glück war das Innere der „Salina Turda“ den langen Fußmarsch wert: Durch lange Gänge und beeindruckende Höhlen ging es immer weiter hinab. Fasziniert betrachteten wir weißgemusterte Wände und salzige Tropfsteine. Tief unten in einer der Abbauhöhlen entdeckten wir schließlich einen See und mehrere Ruderboote. Diese sahen natürlich wie gemacht für fünf Freiwillige aus (Joena war nach diversen Anreiseproblemen endlich zu uns gelangt). Eine große Karriere als Ruder*innen steht uns allen wohl nicht bevor, aber es machte viel Spaß und so verließen wir die Salzmiene zufrieden. Vor dem Ausgang fand ich schließlich auch eine Katze, die sich mit Begeisterung von mir streicheln lassen wollte. Nun fehlten nur noch eine leckere Pizza und gute Getränke, die wir uns schnellstmöglich besorgten, für einen gelungenen Abend.

Am Sonntag hieß es dann früh aufstehen, frühstücken und aufräumen. Danach ging es in die Klamm Cheile Turzii. Bei Sonnenschein wanderten wir durch die Schlucht und genossen die von der Sonne angeleuchteten Berggipfel und den Bach, der für angenehme Hintergrundgeräusche sorgte. Wir erkundeten Brücken und Höhlen und nicht selten stolperte eine*r von uns über seine eigenen Füße, weil er*sie zu abgelenkt von unserer wunderschönen Umgebung war.

Nach dieser kleinen Auszeit in der Natur stand uns allen aber auch schon wieder die Rückreise bevor. Nun sollte ich meine erste schlechte Erfahrung mit dem öffentlichen Verkehrsnetz Rumäniens machen: Nachdem wir von Taxis heil wieder in die Stadt zurückgebracht worden waren und uns noch mit ausreichend Essen eingedeckt hatten, warteten wir ganz entspannt am Busbahnhof. Und warteten und warteten, bis wir schließlich bemerkten, dass es in der kleinen Stadt Turda scheinbar doch nicht nur einen Busbahnhof gab und wir scheinbar am falschen saßen. Aber wo war der, zu dem wir eigentlich mussten? Ehrlich gesagt weiß ich es bis heute nicht. Tatsache war aber, dass wir mehrere Busse an uns vorbeifahren sahen und einer davon höchstwahrscheinlich der war, den wir eigentlich nehmen wollten. So blieb uns nichts anderes übrig, als zwei Stunden zu warten und zu hoffen, dass die letzte Verbindung dieses Tages dort abfuhr, wo sie sollte. Zum Glück musste ich aber nicht alleine warten, sondern gemeinsam mit Lena und Fynn, die mich auch nach Oradea begleiteten. Es war wirklich ein Moment großer Freude, als wir unseren Bus schließlich erblickten und nach zwei Stunden Hoffen und Bangen endlich einsteigen konnten.

Gerade sitze ich übrigens auch im Zug. Ich denke, dass ich ohne größere Probleme in Braşov ankommen werde und meine weiteren Erfahrungen mit den rumänischen Öffis überwiegend positiv verlaufen werden.

Drei Wochen in Rumänien: Ein Überblick

Heute bin ich auf den Tag genau drei Wochen lang in Rumänien. Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um endlich mit dem Blog zu beginnen? Nein. Deswegen habe ich mich von einem der Workshops auf dem Vorbereitungsseminar inspirieren lassen und meine bisherige Zeit als Freiwillige in alphabetischer Reihenfolge zusammengefasst. Hier ist, was ich bisher so erlebt/gedacht/gelernt habe:

Arbeit: macht mir Spaß. Ich wurde an der Schiller-Schule herzlich aufgenommen und bringe mich nun dort im Schulgeschehen ein, wo es gerade passt.

Bücher: gibt es in der Schulbibliothek viele. Sehr, sehr viele. Ich helfe der Bibliothekarin Aurelia beim Aussortieren der Bücher, die niemand mehr liest oder die so veraltet und verstaubt sind, dass es nicht mehr gesund ist, sie zu lesen. Trotzdem kommt es vor, dass ich in dem ein oder anderen Buch ein wenig blättere, denn es verstecken sich doch einige historische Schmuckstücke unter all den Spinnweben.

Cluj-Napoca: ist die erste rumänische Stadt, die ich gesehen habe. Dort bin vor exakt drei Wochen angekommen und habe mich gemeinsam mit Lena, Henning und Joena auf Erkundungstour begeben.

Deva: dort war ich von Freitag bis Samstag, um Joenas Geburtstag zu feiern. Es gibt eine Burg, von der aus wir eine tolle Aussicht auf die Stadt genießen konnten. Deva von oben sieht sowohl bei Tag als auch bei Nacht wirklich hübsch aus.

Emese und Pascal: sind meine Ansprechpartner in der Schule und haben mich am Mittwoch vor zweieinhalb Wochen vom Bahnhof abgeholt. Gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin waren sie ein richtiges Empfangskomitee. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie mich so lieb begrüßt haben.

Fahrrad: besitze ich nicht. Das ist aber auch nicht so schlimm, weil die Schule nur ungefähr 7min von unserer Wohnung entfernt liegt. Auch sonst ist alles ganz gut zu Fuß erreichbar.

Geige: Ich habe den Musiklehrer meiner Schule gefragt, ob er vielleicht weiß, wo ich eine Geige leihen kann. Daraufhin hat er mir gleich am nächsten Tag eine Geige aus seinem Besitz mitgebracht, die ich nun benutzen darf. Ich bin froh und Bela sehr dankbar, dass ich mit seiner Hilfe diesem Hobby nun wieder nachgehen kann.

Hedvig: ist der Name meiner Mitbewohnerin. Es ist eine echte Bereicherung für mich, dass wir zusammenleben, und sie mir stets mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ideen: bzw. konkrete Pläne zur Umsetzung dieser brauche ich ganz viele. Schließlich ist das Jahr lang und ich möchte mich möglichst viel am Schulgeschehen beteiligen.

Joggen: gehe ich immer am Fluss Sebes Körös entlang. Allerdings muss die perfekte Route immer noch von mir entwickelt werden.

Kartoffeln: muss ich nicht kaufen, sondern darf welche aus dem Garten von Hedvigs Familie benutzen. Besonders gut schmecken diese Kartoffeln, wenn Hedvig Pommes daraus macht. Auch Zwiebeln, Paprika etc. wachsen bei Hedvigs Familie im Garten und stehen uns zum Kochen zur Verfügung.

Lernen: ist ein großer Teil meines Alltags. Es gibt noch viel Neues zu entdecken.

Mămăligă cu lapte: ist ein rumänisches Nationalgericht, das mir von ein paar Schüler*innen aus der 6. Klasse empfohlen wurde. Beim ersten Versuch ist mir leider die Milch komplett übergekocht, weswegen es nicht geklappt hat. Nach einer Erklärung von Hedvig klappt es jetzt aber besser und ich esse den Maisgrieß nun ganz gerne mit Gemüse.

Nicole: Das ist mein Name. Für alle, die ihn noch nicht kannten oder bis hierhin schon wieder vergessen hatten 😉

Oradea: ist die Stadt, in der ich lebe, und von der ich in der nächsten Zeit bestimmt noch mehr berichten werde.

Präsenzunterricht: gab es zwar anfangs, findet aktuell aber leider nicht mehr statt. Mal schauen, wie lange wir hier noch online sind…

Quite miss home: Am ersten Wochenende hatte ich starkes Heimweh. Musikhören und Kommunikation haben aber ganz gut dagegen geholfen.

Regeln: Die deutsche Sprache ist eine schwere Sprache. Das merke ich beispielsweise, wenn ich versuche, den Schüler*innen zu erklären, warum genau jetzt „das“ oder „dass“ geschrieben wird.

Sibiu: dort war ich am zweiten Wochenende und habe die Menschen, die für die ZfA arbeiten, und die anderen Rumänien-Freiwilligen kennengelernt. Die Stadt ist die siebenstündige Anfahrt mit dem Bus auf jeden Fall wert.

Traumhaft: wäre es, wenn ich wirklich bis zum nächsten Jahr in Oradea bleiben könnte. Trotzdem frage ich mich regelmäßig, wie sich die Coronapandemie wohl noch entwickelt und was das für einen Einfluss auf mich haben könnte.

Ungarisch: würde ich auch echt gerne ein bisschen beherrschen. Ich komme mit dieser Sprache immer wieder in Berührung – hauptsächlich, weil Hedvig sie spricht. Nicht, dass ich jedes einzelne Wort verstehen müsste, das sie mit ihrer Familie bespricht, aber ein paar Ausdrücke können ja nicht schaden.

Vorurteilsbekämpfung: ist mir für mich selbst wichtig. Als ich einmal mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren bin, hatte ich nicht genug kleines Bargeld, um den Fahrer zu bezahlen. Ich bin also zuerst zum Busfahrer und habe dort für mein Busticket Rückgeld bekommen. Damit bin ich dann wieder zum wartenden Taxifahrer und habe ihn bezahlt. Klingt zwar langweilig, aber mir ist dieses Erlebnis immer noch recht gut im Gedächtnis. Denn während ich beim Busfahrer war, befand sich mein Gepäck immer noch im Taxi. Der Taxifahrer hätte also jederzeit damit wegfahren können – und dieser Gedanke hat mich so sehr beschäftigt, dass ich es extrem eilig hatte, zurück zum Taxi zu kommen. Ich frage mich, ob ich mir genauso große Sorgen gemacht hätte, wenn ich in exakt dieselbe Situation in Deutschland geraten wäre… oder wenn der Taxifahrer eine Taxifahrerin gewesen wäre… oder wenn…

Wetter: ist bisher recht gut. So richtig kalt ist es aktuell nicht und geregnet hat es auch noch nicht so oft.

Xenia: heißt die Freiwillige, die vor mir hier war. Ihr Name dient immer wieder mal zur Erklärung meiner Rolle an der Schule, weil sie allen noch ganz gut im Gedächtnis geblieben ist. Vor Antritt meines Freiwilligendienstes hat sie netterweise ein sehr langes und hilfreiches Gespräch mit mir geführt.

Yellow: Das hat jetzt zwar weniger etwas mit Gelb zu tun, aber Englisch brauche ich oft. Sprachliche Hürden sind in meinem Alltag durchaus häufig zu bewältigen, aber wenigstens…

Zählen: kann ich auf Rumänisch mittlerweile gar nicht so schlecht. Zumindest bin ich dazu in der Lage, die Zahlen von 1 bis 100 aufzusagen. Und wenn an der Kasse im Supermarkt nicht rasend schnell gesprochen wird, verstehe ich manchmal sogar auf Anhieb, wie viel ich zahlen muss.

So, das ist also mehr oder weniger das Wichtigste aus meinen drei Wochen in Rumänien. Weitere Erlebnisse und Erkenntnisse folgen!