Erste Eindrücke

Hallo zusammen!

Jetzt bin ich schon fast zwei Wochen weg von zu Hause und angekommen in Pécs, es ist schon einiges passiert.

Los ging es am 14. September in Freising um 6:29 Uhr mit einem 80l Wanderrucksack, einer riesigen Reisetasche und einem normalen Rucksack, alles rappelvoll und insgesamt wahrscheinlich 500 kg schwer. Um 7:24 Uhr fuhr der Zug von München nach Budapest ab.

Vom Bahnhof Budapest Kelenföld kann man leider aktuell nicht die übliche, ca. zweistündige, Verbindung mit der Bahn nach Pécs nehmen, da die Gleise erneuert werden (genervte Pécser erzählen, dass das schon seit einem Jahr so geht und die Strecke eigentlich im August schon fertig hätte sein sollen – jetzt ist November angesetzt). Deshalb muss man zuerst eine ganze Weile mit dem Bus zum Bahnhof Százhalombatta (wie merkt man sich bitte so einen Namen?) fahren, weil der Zug erst ab dort wieder fährt.

An dem kleinen Bahnhof angekommen dauerte es leider wieder eine halbe Stunde, bis man in den Zug einsteigen konnte. Das Gewicht des Gepäcks schien stetig zu wachsen und schon kleinste zu Fuß zurückgelegte Strecken erwiesen sich als äußerst anstrengend. Die Zug-Fahrt wurde immer wieder unterbrochen, leider habe ich die ungarischen Erklärungen nicht verstanden, aber mir wurde von sehr freundlichen Mitreisenden die Quintessenz übersetzt: „Wir müssen ein bisschen warten.“

Gegen halb acht war es dann endlich soweit: Ankunft in Pécs! Ágnes, meine Ansprechperson und schon im Vorfeld sehr hilfsbereite Mentorin, stand schon am Bahnhof und empfing mich herzlich. Nach nur wenigen Minuten Fahrt mit dem Auto kamen wir bei meiner Wohnung fürs kommende Jahr an, die 4 Stockwerke mit dem Gepäck zu überwinden war die letzte Hürde des Tages, danach konnte ich entspannen.

Mit Ágnes und Sohn wurde der Abend dann in der sehr pittoresken Innenstadt bei einem Burger abgerundet. Jetzt war ich also wirklich da!

Die Wohnung ist noch relativ nackt, aber ich habe alles was ich brauche. Leider ist die Küche ziemlich klein, im Wesentlichen besteht sie aus einem zweiflammigen Gasherd, einer Spüle und einer kleinen Arbeitsfläche. Letztere macht mir besonders zu schaffen, weil ich kein Geschirr trocknen und schnippeln gleichzeitig kann, für beides einzeln ist auch schon zu wenig Platz da… Dazu kommt ein großer Kühlschrank, eine Mikrowelle, Stauraum und ein Wasserkocher, der es mir sehr angetan hat. Tee in nur 5 Minuten! Für mich, der ich bisher ausschließlich in einem pfeiffendem Teekessel Wasser erhitzt hat, ist das eine Offenbarung.

Da der Esstisch aus 4 wackligen Beinen mit einer losen Platte besteht, findet mein Leben vorallem am Schreibtisch (und im Bett) statt. Ein Manko sind leider die Fenster, die sowohl Lärm als auch Luft und Insekten herein lassen, vielleicht lässt sich da noch eine Lösung finden. Mittlerweile habe ich in der Wohnung dicke rote Vorhänge gefunden, die ich unter Aufwand aller meiner Kräfte (besonders in der Schulterpartie) aufgehängt habe. Jetzt weckt mich die Sonne nicht mehr früher auf, als mir lieb ist. Juhu!

Nachdem ich also am Freitag angekommen bin, habe ich die Valeria-Koch Schule schon am Samstag beim Deutschen Familientag der Landesverwaltung der Ungarndeutschen kennengelernt. Dort gab es viele Stände mit Spezialitäten und traditionelle Tänze und Musik zu bestaunen, auch ein paar Lehrer/innen habe ich hier zum ersten Mal getroffen.

Was mich total geflasht hat: Fast alle Mitglieder des Lehrerkollegiums können Deutsch! Und damit meine ich umfangreiches Vokabular, korrekte Grammatik und sehr gute Aussprache. Auch die Schüler/innen sind äußerst gut dazu fähig sich mit mir zu verständigen. Es lohnt sich offensichtlich, ab dem Kindesalter eine Fremdsprache in der Schule zu lernen!

Abgesehen von den tollen Sprachkenntnissen ist die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft seitens der Lehrer/innen hervorzuheben, im Lehrerzimmer werde ich stets begrüßt wie ein alter Bekannter und in allen Bereichen umsorgt.

Diese Woche (meine zweite) gestaltet sich noch einmal ganz anders als der normale Schulalltag: Ich begleite ein Filmprojekt, bei dem acht Schüler die Aufgabe haben, einen Film über die Fassbinderei zu planen, zu drehen und zu schneiden. Angeleitet werden sie dabei von einem Fotografen und einer Video-Künstlerin aus Berlin. Ich arbeite und lerne mit, Fotografie und Film interessieren mich sowieso, und die Kunst, ein Fass herzustellen, ist auch äußerst beeindruckend.

Nachdem wir am Montag eine Einführung in das Thema Film und Kamera bekommen haben, ging es gestern auf Exkursion nach Palotabozsok, zur Fassbinderfirma European Hungary Coopers, bei der wir Interviews und atmosphärische Aufnahmen der Arbeitsabläufe produzierten. Heute ging es mit dem Schneiden und Aussortieren weiter, wir hoffen, dass der Film morgen vollendet werden kann!

Am morgigen Donnerstag wird außerdem meine erste Doppelstunde Ungarisch-Unterricht mit Antonia, Jule und Paula stattfinden! Meine Wohnung wird dann für 90 Minuten zur Sprach-Schule umfunktioniert, danach kann ich hoffentlich mehr als „Jó reggelt!“ (Guten Morgen!), „Szia“ (Hallo/Tschüss) und „Köszönöm“ (Ich danke) sagen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Lehrerin und die Methoden. Es ist vielleicht erwähnenswert, dass wir von Englisch aus Ungarisch lernen, nicht von Deutsch. Auch das wird mit Sicherheit spannend!

Da langsam die Temperaturen sinken und in meiner Wohnung noch keine Heizung läuft, werden meine täglichen Kannen Tee (min. 2) immer wichtiger, aber Schlafsack + Decken tun ihren Job gottseidank auch einigermaßen. Ich bin halt leider echt kein Kälte-Fan!

Sonnige Grüße und bis bald

euer Nick

Mein erstes Abendessen im neuen Heim: Spaghetti Bolognese – Dazu natürlich eine Tasse heißer Tee

In der Fassbinder-Werkstatt

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