Bella Ciao.

So ganz habe ich das alles noch nicht realisiert. In weniger als zwei Wochen werde ich in Constanta sein. Zum ersten Mal „so richtig“ weg von zu Hause. Natürlich war ich schon auf Klassenfahren und Schüleraustausch, aber das hier ist dann doch schon eine Nummer größer. Naja erstmal geht’s ja nur nach Berlin. Also das bis Rumänien dauert dann ja doch noch etwas… Meine größte Fehleinschätzung in der Vorbereitung bisher.

Noch fünf Mal schlafen.

Ein bisschen klarer wurde mir, das ganze, als es Zeit zum tschüss sagen wurde. Das war vor etwa einer Woche. Besonders wurde mir das bewusst, als ich mich von meiner Lacrosse-Mannschaft verabschieden musste. Obwohl ich mit großem Abstand jüngster im Team war sind die Jungs, die mindestens vier Jahre älter sind, wie eine zweite Familie geworden. Jeder in diesem Team ist nicht nur ein Mannschaftskamerad, sondern auch Freund geworden. Beim letzten Training dann hieß es also Abschied nehmen. Schon komisch. Dieser Sport, den ich lieben gelernt habe, das Team, die Coaches, die Spiele, die Schmerzen der Fortschritt. All das werde ich verlassen. Und vermissen. So ganz hab ich das immer noch nicht realisiert. Es fühlt sich so an, als würde ich nächste Woche wieder mit den Jungs auf dem Rasen stehen. Werde ich aber nicht.

Noch vier Mal schlafen.

Nächster Tag, nächster Abschied. Dieses Mal von meinen Kameraden der DLRG. Hier festigte es sich dann langsam: bald bist du weg. Trotzdem, es fühlt sich nicht so an. „Das ist doch noch voll lange hin, du hast doch noch viel Zeit“, dachte ich mir in den letzten Wochen. Doch die Zeit ist so schnell vergangen und Zeit zum tschüss sagen wird auch immer knapper. Gerne hätte ich mich noch persönlich von Freunden, die außerhalb leben verabschiedet. Das habe ich aber königlich verpennt, denn es ist ja noch „so viel Zeit“.

Noch drei Mal schlafen.

Der Alltag geht für mich ganz normal weiter. Aufstehen, Hausarbeit, arbeiten gehen, YouTube, Bett. Vielleicht bin ich deshalb noch nicht so in Aufbruchsstimmung. Kein Ereignis, was mir signalisiert: jetzt geht’s los. Vielleicht bin ich da auch etwas eigen, aber so richtig ist das immer noch nicht in meinem Kopf angekommen. Dennoch: das Datum rast unaufhaltsam auf einen zu. 01.09.2019.

Noch zwei mal schlafen.

Es klingelt. Ein paar hektische Bestellungen von Amazon kommen doch noch pünktlich. Glück gehabt. Trotzdem: so richtig ist der Abschied noch nicht angekommen. Ich sitze an meinem Schreibtisch, arbeite und gehe meinem alltäglichem Leben nach. Auch wenn es vorerst das letzte Mal ist, dass ich für die Lübecker Nachrichten schreibe, es fühlt sich nicht danach an. Ganz normale Arbeit halt. Nichts besonderes. „Morgen arbeitest du doch eh wieder“, sagt mein Hinterkopf, obwohl die Realität eine ganz andere ist. Vielleicht sollte ich auch mal anfangen zu packen… Und ein Video wollte ich ja auch noch drehen. Gott so lang ist das ja gar nicht mehr…

 

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