Mein Dach

Eben noch von einem Geschirrtuchverkäufer verfolgt (habe im vorbeilaufen wohl etwas zu interessiert auf seinen riesigen Stapel bunter Handtücher geschaut) der den halben Weg zum Goethe Institut hinter mir herlief und ununterbrochen ‚hey bhay’=’hey Bruder‘ rief, bin ich jetzt in meinem schönen, klimatisierten Büro und trinke Wasser aus einer Wodkaflasche.
Falls ihr zufällig in letzer Zeit mit mir telefoniert habt, ist euch sicher aufgefallen, dass der Empfang endlich mal halbwegs in Ordnung war. Das ist purer Zufall. Aber nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Der Zufall bei der Sache, begann letzten Freitag.

Ich verließ die Wohnung, es war schon Mittag, doch ich war gerade erst aufgestanden und hatte mir für diesen glorreichen ersten Tag des Wochenendes vorgenommen, ein LAN-Kabel zu kaufen. Da hier jedes ‚Elektro’geschäft eigentlich nur Handys und Zubehör verkauft, (spottbillig) wollte ich in ein nahegelegenes Einkaufszentrum gehen, (Metro) um mal nachzuschauen ob die dortigen ‚Computer Stores‘ halten, was ihr Name verspricht.

– Spoileralarm: unter Computer Store, verstanden die Ladenbesitzer wohl eher Computer Game and Movie Store, immerhin hab ich jetzt noch ein T-Shirt für 1,50€ mehr –

Als ich in den Aufzug stieg, fuhr dieser aber erstmal in den obersten, den fünften Stock. Die Türen gingen auf und natürlich stand dort, genau: niemand. Noch im Halbschlaf musterte ich den Flur und schon hatten sich die Aufzugtüren wieder geschlossen.
Ich lief die Hauptstraße entlang und dachte darüber nach, was mich am Anblick des fünften Stockwerks so irritiert hatte. Vor lauter Nachdenken fiel ich fast in einen der zahlreichen nur provisorisch abgedeckten Kanäle. Gottseidank war ein Stadtangestellter jedoch gerade damit beschäftigt diesen chemisch zu verseuchen (wegen den gefährlichen, unglaublich heimtückischen, sich heimlich an dich heranpirschenden und tödlichen
Mücken) und der betäubende Duft seiner Spritzdüse ließ mich unwillkürlich zurückweichen – gerade noch rechtzeitig. Wer weiß, was genau für Chemikalien gerade in meinen Blutkreislauf gelangt waren, jedenfalls fühlte ich mich noch benommener als zuvor, aber mir fiel plötzlich ein, warum der fünfte Stock so interessant gewesen war: es gab noch eine Treppe nach oben!
Sobald ich zurück war, warf ich meine Einkäufe in die Ecke, benutzte einen Vorwand um die Wohnung zu verlassen, ging die Treppe hoch in den fünften Stock, noch einmal Treppen nach oben, öffnete eine Türe und stolperte in eine gespannte Wäscheleine. Obwohl diese Wäscheleinen ein ungehindertes Umherlaufen äußert schwierig gestalteten, wusste ich sofort, auf diesem Dach glücklich zu werden…
Wo sonst in Dhaka, hat man eine Sicht weiter als 20 Meter?
Wo sonst sieht man auch mal die Flugzeuge, anstatt sie nur zu hören?
Wo sonst hat man richtig guten Handyempfang?
Wo sonst sieht man nachts auch ab und zu einen Fetzen Mond?

Also – ab sofort werde ich mich mit Sprite und Laptop aufs Dach setzen und E-Mails schreiben…
… und nachts den Mond anheulen.

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