Luca im Lande Draculas

Woche 8 – Das Donau Delta

Zitat der Woche: „Lieber fünf Mal nachgefragt als einmal nachgedacht!“ (Unknown)

Hallöchen!

Erstmal tut es mir sehr Leid, dass ich diesen Eintrag einen Tag zu spät hochgeladen habe, es ist wirklich viel passiert und das gesammelte Material legitimiert die Verspätung. Ich hoffe ihr seht das auch so!

Auf in die Woche. Da wir die Vorwoche der orthodoxen Ostern hatten, gab es nicht wirklich etwas zu tun. Ich besorgte mir endlich einen Topf und klärte auf der Arbeit meine nächsten Aufgaben ab, die sich stark im Bereich von Social Media abspielen werden, nächste Woche wird es da einen stärkeren Input geben! Ich muss auch generell hier einmal sagen, dass sich meine Tätigkeit hier vielseitig über das Deutsch sprechen im Unterricht hinaus entfaltet! Ich mache auch echt viel für die Schule und, das denke ich zumindest, helfe eben viel beim drumherum!

Bis Donnerstag-Abend geschah ansonsten echt nicht viel, ich nutzte die Zeit für Sport und um ein wenig runter zu kommen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag begann die inhaltliche Füllung der Woche. Das Unwichtigste kam zuerst, der NFL-Draft. Ich blieb gekonnt bis drei Uhr nachts wach, um diesen inoffiziellen Start in die kommende NFL-Spielzeit zumindest teilweise mitverfolgen zu können. Ja, ich bin halt immer noch ein absoluter Football-Freak!

Nach einer Stunde Schlaf stand ich dann um 5:45 Uhr wieder auf und machte mich fertig. „Warum machst du das?!“, fragen sich nun bestimmt Einige von euch. Keine Sorge, genau wegen solcher Fragen schreibe ich ja Blog. Um sieben Uhr ging der angepeilte Bus, der uns zum Bukarester Flughafen brachte, von wo aus ich nach Dubai fliegen würde. Okay nein, ich weiß es war nicht so lustig. Vom Flughafen sollte es mit einem weiteren Bus in Richtung Tulcea, der Stadt, von welcher aus das Donau-Delta bereist werden konnte. Das war nämlich mein Reiseziel für die nächsten Tage.

Um 6:45 Uhr traf ich mich also am Brasover Bahnhof mit Joena (einer Freiwilligen aus Deva), um mit ihr den Kleinbus zum Flughafen zu besteigen! Wir kannten uns vorher nicht und das machte die doch eher lange Fahrt trotz aller Müdigkeit zu einer Fahrt mit vielen interessanten Gesprächsthemen! Der Bus war glücklicherweise eher wenig gefüllt, weshalb uns die Rückbank gehörte. Leider mussten wir nach einer entspannten Wartezeit am Flughafen feststellen, dass dies beim zweiten Kleinbus, welcher auch noch länger fuhr, nicht der Fall war. Dieser war voll und ich war sehr glücklich neben meiner FFP2-Maske meine Impfung bereits zu haben.

Nach einer coolen, aber auch teuren und übermüdeten Anreise, checkten wir in unserer Pension ein, kauften ein paar Dinge und warteten auf die anderen Freiwilligen, die bald eintreffen würden. Ich bezog ein Zimmer mit einem 1,20 m-Bett nur für mich, was im Gegensatz zu meiner harten 80 cm Matratze im Wohnheim wirklich befreiend wirkte. Abends trafen dann auch Nicole, Klara, Samuel und Henning, Freiwillige aus Oradea und Sebes, ein, wir aßen zu Abend, ich lernte sie alle kennen und wir besprachen den Plan bzw. die Ziele für die Tage.

Die gesamte Planung in diesem Urlaub zeigte mir generell mal wieder, dass der Schlüssel zu einem entspannten Leben in Rumänien Spontanität mit sich brachte. Beide unserer Touren wurden nämlich ungefähr 2-3 Stunden vor Abfahrt gefunden und gebucht.

Wir wussten also am Samstag Morgen zwar, dass wir nach Sulina, die östlichste Stadt des EU-Festlandes und Stadt am Schwarzen Meer/Ende der Donau, wollten, aber noch nicht wie. Wir fanden zum Glück ein Wassertaxi, dass uns dann mittags nach Sulina brachte. Vormittags besuchten wir noch das Donau-Delta-Museum, in dem wir neben interessanten Informationen über dieses riesige Naturschutz-Gebiet auch Nemo und Dorie sahen, das war lustig.

Die Stars aus „Findet Nemo“ und „Findet Dorie“

In Sulina angekommen betrachteten wir ein wenig die Hafenpromenade und die Innenstadt. In Sulina herrscht 40% Arbeitslosigkeit, was sehr schade ist, da wir alle dachten, dass man mit ein wenig Geld aus Sulina eine super Touristen-Stadt machen könnte. Wir pilgerten natürlich auch zum Strand, an dem ich das erste Mal in meines Lebens meine Füße ins schwarze Meer hielt. Im Sommer werde ich das auf jeden Fall auch machen, dann aber in Konstanz. Wir mussten nach einem schnellen Gruppenfoto zwar zurück hetzen, um unser Boot nicht zu verpassen, doch der Strandbesuch war es wert.

Der Strand des schwarzen Meers, mit Schirm und der rumänischen Version von Flensburger

Das Bild ist kurz vor dem Aufbruch entstanden, weshalb ich leider als einziger Schuhe trage. Von links an haben wir Henning, Klara, Joena, mich, Samuel und Nicole. Eine super Gruppe!

Am Abend gingen wir dann erstmal irgendein offenes Lebensmittelgeschäft suchen. Aufgrund des stattfindenden, orthodoxen Osterfest, war nämlich Samstag-Abend und Sonntag fast alles geschlossen. Zum Glück fanden wir dann einen offenbar unorthodoxen Gemischteren-Laden, in welchem wir uns nochmals eindeckten. Zurück gekommen lernten wir dann den Leiter der Pension kennen. Die Organisation lag zwar bei seiner Familie, die im gleichen Haus wohnten, aber er leitete alles andere. Er ging mit uns in eine Bar am Hafen. Ich war erstaunt, dass Bars für Außenbetrieb geöffnet waren, hielt mich aber zurück. Radu ist ein Opernsänger in Bukarest und wirkt wie ein klarer Freigeist. Er hat uns aber sehr gut behandelt und uns echt gerade bezüglich der Erkundung des Deltas sehr geholfen.

Dies war nämlich am nächsten Tag, meinem letzten Tag, der Plan. Um 8:30 wussten wir nur noch nicht, wie genau wir ins Delta, also die vielen Nebenflüsse, die vom großen Arm von Sulina abgingen, kommen sollten. Zum Glück fand Radu jemanden der uns mit seinem überdachten, aber nicht windgeschützten Boot kutschieren würde. Die Kleinboote in dieser Gegend fahren echt ziemlich schnell und der Wind kann auch mal schnell kalten werden. Um zehn Uhr machten wir uns also auf die Reise. Vorweg gesagt, das Delta ist riesig und voll mit verschiedensten Tier- und Vogelarten. In einer Fünf-Stunden-Tour wie der Unseren war es nicht möglich alles zu erkunden. Das hätte Tage gebraucht. Wir fuhren trotzdem über die engen Kanäle und riesige Seen nach Mila 23 und zurück.

Mila 23 ist ein Fischerdorf mitten im Delta, in welchem das Leben auf Familie, Gott und der Fischerei beruht. Unterwegs sahen wir unberührte Natur, abgeschottete, aber bewohnte Fischerhäuser und stellenweise auch tollten Vögel. Diese waren aber generell nicht so präsent, da Brutzeit ist. Dieser Trip hat mich mit wirklich vielen interessanten Gedanken und Eindrücken bereichert und er war das Geld zu 100% wert. Ich würde jedem, wirklich jedem, der einmal die Möglichkeit hat, ein Trip ins Delta hinein empfehlen. Natürlich präsentiere ich Bilder, doch man sollte das Delta selbst gesehen haben! Wir sahen auf dem Rückweg sogar Wildpferde!

Radu, Joena und ich machen faxen auf dem Kleinboot.

Einer der vielen, hunderten Kanäle im Delta

Pure Natur, wirklich wunderschön

Das Donaudelta wurde schon in der Bronzezeit von Menschen besiedelt, aber die meisten Populationen bewegen sich bis heute nur am Rande. Natürlich ist Fischerei das mit Abstand größte Geschäft in diesem Teil Rumäniens, was sich zum Beispiel dadurch zeigt, dass schon bei Einfahrt in den Landteil Tulcea, 50 Kilometer vom Delta entfernt, Händler mit Fischen aus dem Delta auf dich warten! Das Delta ist wirklich wunderschön, birgt aber für unerfahrene Menschen auch große Gefahren! Ich bin wirklich fasziniert von diesem Spektakel.

Zurück im sicheren und heißen Tulcea (27 Grad Celsius) aßen wir dann natürlich Fisch und begaben uns dann an einen idyllischen kleinen See in der Nähe des Hafens, wo wir uns dann verdienter Maßen im Schatten ausruhten. Meine Reise (die Anderen blieben einen Tag länger, aber ich musste zurück) ließen wir dann mit Snacks und Spielen ausklingen. Wir unterhielten uns zudem darüber, wie schnell man doch zusammenwächst, wenn man als Gruppe ein so tolle Zeit verbringt!

Das ist wirklich so ein kulturweit-Erlebnis. Ich gehe mit Mensch auf Reisen, die ich davor noch nie kennengelernt habe, und kann sie drei Tage später als Freunde bezeichnen! Am Montag morgen, als ich in aller Frühe aufstand, um mich von Ihnen zu verabschieden, hatte ich nicht das Gefühl diese fünf Menschen erst am Freitag kennengelernt zu haben. Ich bin wirklich froh diesen Trip spontan angetreten zu haben und dankbar in einer so coole Truppe aufgenommen worden zu sein! Cheers oder auf Rumänisch „Noroc“!

Die Anderen machten sich noch auf eine weitere Tour auf, während ich mich wieder schlafen legte. Mittags machte ich mich dann nach einem schönen Frühstück mit klassisch rumänischen Süßbrot auf den Weg nach Brasov. Ich wurde von Radu mit nach Bukarest genommen, von wo ich praktischerweise stündlich verkehrende Züge nach Brasov nehmen konnte. Die Autofahrt war wirklich cool und gefüllt von musikalischen Fakten, denn Radu hat Musik studiert! Auf diese Weise musste ich auch nur den Zug nach Brasov bezahlen, was mir wirklich Einiges an Kosten ersparte. Ich weiß, du liest das hier nicht, aber Danke, Radu!

Jetzt sitze ich gerade im Zug nach Brasov, wo dann ab morgen der Alltag wieder beginnt. Ich bin gefüllt mit positiven und spannenden  Eindrücken und froh über fünf neue Freunde, die ich auf jeden Fall wiedersehen will! Nur leider ruft jetzt erstmal die Arbeit, da die Ferien enden und der Unterricht wieder anläuft!

Nächste Woche werde ich eine kleine dienstliche Tages-Reise unternehmen und am Mittwoch startet zudem ein neues Kleinprojekt mit Neunt-Klässlern meinerseits. Das wird bestimmt spannend.

Ab nächster Woche werden die Einträge auch erstmal wieder kürzer, ich hoffe euch hat dieser wirklich lange Bericht trotzdem gefallen! Ich grüße nochmal ganz herzlich Henning, Joena, Klara, Nicole und Samuel! Folgt mir gerne auf Instagram (@luca_ccr3) und bleibt gespannt auf die Berichte der nächsten Woche! Nachträglich wünsche ich frohe orthodoxe Ostern aus dem immer wärmer werdenden Rumänien! Bis Sonntag!

Luca

P.S. Glückwunsch an Trevor Lawrence, der an der ersten Stelle ausgewählte Spieler im NFL Kraft 😉

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