Ostern bringt Veränderungen

06/05/2021

Der Übergang von griechischem Mokkakaffee zu Fredo Cappuccino und von Doppelsocken zu Sandalen verlief sehr schnell. Dass ich noch vor zwei Wochen mit Jacke am Esstisch saß, ist heute undenkbar für mich. Die Heizstrahler in unserer Wohnung könnten bald gegen  Ventilatoren eingetauscht werden, denn es ist endlich warm. Ich kann meiner Schwester am Telefon kaum glauben, dass es in Berlin bei neun Grad in Strömen regnet und ich im Schatten von Athener Häusern zum blauen Himmel hinauf schaue. Es hat sich einiges geändert in den letzten Tagen, denn nach dem Osterfest am 2. Mai durften Cafés und Restaurants endlich ihre Türen öffnen. Die Tische und Stühle wurden auf die Straßen verfrachtet, sodass Athen und Kalavryta mir nun eine vorher verborgene Szenerie ausstrahlen. Während der Osterfeiertage war ich in Athen und durfte mich von der Lebensfreude der Griechen anstecken lassen. Jeder Tisch war abends in den engen Gassen der Großstadt besetzt, was ein bisschen Hoffnung ins Bild brachte. Auch wenn die Maskenpflicht im Freien nicht aufgehoben ist und Lokale keine Musik spielen dürfen, was auf großes Unverständnis trifft.  Außerdem ist die Ausgangssperre noch nicht komplett aufgehoben (aber wenigstens minimiert für 23 Uhr). Letzte Woche fühlt sich an wie letzten Monat und eigentlich liegt dazwischen nur das größte Fest des Jahres – Ostern. „Kalo Pas-cha” sagte ich am Freitag und Samstag gefühlt hundertmal, denn bereits an den Tagen vorher wurde sich mit süßen Hefezöpfen eingedeckt und Eierfarben eingekauft. Eier werden in Griechenland nur mit roter Farbe bemalt und auch nicht gesucht, sondern wenn gegeneinander geklopft bis die Kalkschale bricht. Normalerweise geht die ganze Familie in die Kirche, singt und trägt Kerzen umher. Danach wird gegessen – mehrere Stunden lang. Dieses Jahr sowie letztes Jahr findet Ostern im Lockdown statt und die ganze Familie darf sich nicht besuchen, wenn sie nicht gerade in einem Haus wohnt. Auch der Kirchenbesuch findet, wenn überhaupt, in kleinem Rahmen statt. Das Einzige was bleibt, ist das fette Essen. Am Abend des Ostersonntags roch ganz Athen nach Lamm und ein Rauchschwaden verteilte sich mit Hitzewellen über der Stadt. An diesem Tag war es ganz schön merkwürdig durch Athen zu spazieren, da die Stadt wie leergefegt war. Nur machmal konnte ich einen Blick erhaschen, wenn schick gekleidete Leute mit Körben in Autos stiegen oder Gesang und Gelächter durch die Gartenmauern und Fenster hören. „Was macht ihr am Ostermontag?”, frage ich eine Ranger des Geoparks. Er lächelt, „We relax”, nach so viel Essen auch verständlich. 

 

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