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Über den Wolken

Obwohl die  Corona Maßnahmen  in Griechenland verlängert wurden, waren wir diese Woche viel unterwegs: am Donnerstag sind wir zum Styx gefahren. Zwei Studenten von George, dem Professor, mussten irgendwelche Steine für ihre Masterarbeit anschauen und Maya brauchte Fotos vom Styx für ihre Datenbank.

Der Styx ist nämlich nicht nur aus geologischer Sicht ein interessanter Wasserfall, sondern auch ein wichtiges Element in der griechischen Mythologie:

Diese besagt, dass der Fluss Styx in die Unterwelt führt und somit eins der drei Tore in die Unterwelt ist, in der der Gott Hades regiert.

Styx-Wasserfall

Der Fluss wurde nach Styx, der Göttin des Flusses, benannt, die die älteste Tochter von Oceanus und Tethys ist. Styx wird oft als schreckliche Göttin beschrieben, die von den anderen Göttern verachtet wurde, weshalb der Fluss Styx oft auch als Fluss des Hasses bezeichnet wird. Es ist jedoch auch der Fluss der unbrechbaren Eide. Während der letzten Schlacht der Titanen entschied sich Styx dafür, auf der Seite von Zeus und den anderen Göttern des Olymps zu kämpfen. Um Styx für ihre Hilfe zu danken, entschied Zeus, dass die heiligsten Eide bei dem Styx-Gewässer gesprochen werden sollten. Die Botin des Olymps, Iris, ist die einzige Göttin, die das Wasser durchqueren konnte. Wann immer auf dem Olymp ein Eid geleistet werden soll, sandte Zeus Iris, um das Wasser vom Styx in einen Krug aus Pferdehuf (Krüge aus Gold, Silber, Ton, Glas usw. würden durch das Wasser des Styx brechen) zum Olymp zurückzubringen. Die Gottheit, die beim Wasser von Styx schwor, durfte nur die Wahrheit sagen. Die Strafe für das Brechen des Eides ist ein Jahr ohne Ambrosia oder Nektar.

Der Tradition zufolge hatte das Wasser die Kraft, jemanden unverwundbar zu machen. Thetis badete ihren Sohn Achilles im Wasser von Styx, um ihn unsterblich zu machen. Sie hielt ihn an der Ferse fest, was dazu führte, dass er mit Ausnahme seiner Ferse unverwundbar war. Daher kommt auch der Name Achillesferse. Für Menschen soll das Wasser aber giftig sein. Das Wasser also nicht trinken!

So trafen wir uns am Donnerstagmorgen mit dem Ranger Panagotis, George, Penelope und den zwei Studenten Vasilis und Irena am Fuß des Neirodachi. 

Doch bevor es mit dem Aufstieg losging, wurden erstmal griechische Käse- und Spinatblätterteigtaschen verteilt. Nachdem sich alle ausgiebig gestärkt hatten liefen wir los. Zuerst wanderten wir einen bewaldeten aber recht steilen Hang hinauf, bis die Vegetation endete und man nur noch nackten Felsen sehen konnte. Dann ging es weiter über e

inen Kiespfad den Berg hinauf. Während einer Pause, in der sich die Studenten etwas zu den Steinen notierten, konnten wir Vögel beobachten, die nur wenige Meter über uns kreisten.  Der darauffolgende Weg schlängelte sich nun an einer Steilwand entlang, in welche Metallösen und ein Stahlseil eingelassen wurde, welches hier auch dringend benötigt wurde. Zu unserer linken hatten wir einen atemberaubenden Blick in die Schlucht, durch diese sich der Krathis, der Fluss, der vom Styx abgeht, schlängelte. Nach einigen Minuten waren wir hoch genug, um im Schnee zu stehen! Auf dieser Höhe hatte man nicht nur die einmalige Gelegenheit griechischen Schnee zu bestaunen, sondern man stand wortwörtlich in den Wolken. Dies ließ sich daran erkennen, dass die atemberaubende Aussicht alle paar Minuten in dichten Nebel verschwand. So stapften wir noch eine Weile weiter durch den tiefen Schnee den Berg hinauf, bis zum Fuße des Styx Wasserfalls. Dort war es nicht nur windig und neblig, sondern man konnte auch ein paar kleine Lawinen beobachten. All diese Faktoren und der Fakt, dass Panagotis, der Ranger, Hunger hatte (seine Frau hatte an dem Tag Schwein zubereitet und er wollte auf gar keinen Fall zu spät nach Hause kommen), trugen dazu bei, dass wir beschlossen umzukehren. Doch nur weil es bergabging und Panagotis in gefühlter Lichtgeschwindigkeit den Berg hinunterlief, kamen wir nicht schneller voran als beim Aufstieg. Denn wenn man mit Geologen unterwegs ist, erklären sie beim Berg hochklettern nicht nur alle möglichen Theorien , wie der Berg entstanden ist und wie dieser sich weiterentwickelt, sondern packen beim Abstieg den halben Berg ein, um ihn im Labor untersuchen zu können. So saß Panagotis jedes Mal auf einem Stein, während wir George und seinen Studenten dabei zusahen, wie sie jeden Stein zwei Mal umdrehten, mit Hämmern darauf rum klopften und ihn dann in die Jackentaschen oder Rucksäcke steckten. Währenddessen brachten wir Penelope das sehr wichtige deutsche Wort „Doch“ bei, welches sich schon in den darauffolgenden Sekunden als sehr nützlich erweisen sollte. Denn George, der Professor, ist ein lebendes Wikipedia, was es sehr schwer macht mit ihm zu diskutieren. Er kann in einem Moment von Steinen reden und im nächsten Moment erklärt er die Unterschiede verschiedener Affenarten und bei welchen Arten Kannibalismus auftritt. Als er mitbekam, dass wir Penelope deutsch beibringen, konnte er sogar etwas dazu beitragen: „Alles ist Pupsegal“. In diesem Sinne bis nächstes Mal!

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καλά Χριστούγεννα

Frohe Weihnachten euch allen,

Seit dem 13. Dezember ist hier viel passiert, eigentlich hat sich schon am selben Abend einiges getan: Sind am Morgen noch wichtige Würdenträger Griechenlands durch das mit schwarzen Fahnen geschmückte Kalavrtya zur Gedenkstätte gefahren, so hat sich die Stimmung am Abend schlagartig verändert:

Wie aus dem nichts ist die ganze Stadt von Menschen, die Weihnachtsschmuck aufhängen, gefüllt. Denn Kalavryta wird erst nach den Gedenkveranstaltungen weihnachtlich geschmückt. Inzwischen sind die Straßen voller Lichter, auf dem Dorfplatz steht eine Krippe und vor dem Bahnhof wurde sogar ein Weihnachtsbaum aufgestellt.

Chelmos

Obwohl es durch den Lockdown auf den Straßen sehr leer ist, ist die weihnachtliche Stimmung deutlich zu spüren. Getoppt wird das Ganze nur noch durch den Blick auf den 2500 m hohen Chelmos Berg, auf dem schon der erste Schnee liegt. Diesen dürfen wir nächste Woche hoffentlich hautnah erleben, denn George, der Professor hat einen Ausflug geplant und gefragt, ob wir nicht mitkommen möchten.

Bis dahin wünschen wir euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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13.12.1943 – Massaker von Kalavryta

Heute ist der 77. Jahrestag des Massakers von Kalavryta. Hier sind die Opfer nicht in Vergessenheit geraten, in Deutschland hört man jedoch nur wenig über die Verbrechen des 13. Dezembers. Anlässlich des 77. Jahrestages, möchten wir in diesem Blogbeitrag mit euch unsere Gedanken zu dem Kriegsverbrechen teilen und erklären, was an diesem Tag vorgefallen ist.

Als 1941 deutsche Soldaten Griechenland brutal eroberten, brachte dies viele Opfer mit sich. Anfangs konnten die Griechen noch Widerstand leisten, nachdem jedoch mehrere Orte erobert wurden, teilten die Sieger (Italien, Deutschland und Bulgarien) Griechenland unter sich auf. Griechische Organisationen, wie die Nationale Befreiungsfront, bildeten sich, um gegen die Wehrmacht vorzugehen. Auch in Kalavryta schlossen sich mehrere Menschen zusammen, um ihr Land von der NS-Führung zu befreien. Die deutschen Soldaten gingen von Kalavryta als Zentrum der Unruhen aus. Um weitere Widerstandshandlungen zu verhindern, ordnete der Kommandeur der 117. Jäger-Division die „Operation Kalavryta“ an. Bereits am darauffolgenden Tag, dem 9. Dezember 1943 begann die Operation. Die Wehrmachtstruppen brannten auf ihrem Weg nach Kalavryta Dörfer und Klöster in der Region nieder und erschossen Zivilisten.

Vier Tage später, am 13. Dezember 1943, erreichten die Soldaten der 117. Jäger-Division ihr Ziel und verhafteten die unbewaffnete Bevölkerung. Die Frauen und Kinder wurden in ein Schulgebäude gedrängt und eingesperrt. Alle Männer und Jungen über 15 Jahren, welche mögliche Widerstandskämpfer sein könnten, wurden auf ein Feld über dem Dorf getrieben. Auf dem Hügel von Kappi wurden 498 Männer und Jungen von den Deutschen mit Maschinengewehren hingerichtet. Nur 13 von ihnen überlebten, weil sie unter den Körpern der Toten versteckt waren.

Währenddessen hörten die Frauen und Kinder die Schüsse, mit denen ihre Männer, Brüder und Väter hingerichtet wurden.

Nachdem die Soldaten alle Wertgegenstände und Lebensmittel auf die Zahnradbahn geladen hatten, zündeten sie die Stadt an, einschließlich des Schulgebäudes. Den Frauen und Kindern gelang es jedoch zu fliehen. Wie sie dem Feuer im Schulgebäude entkommen sind, ist unklar. Eine Theorie besagt, dass ein österreichischer Soldat der 117. Jäger-Division den Frauen dabei half, zu entkommen, bevor die anderen Soldaten mit der Zahnradbahn zurück fuhren.

Statue der Frauen am Platz der Hinrichtung https://theplacesihavebeen.com/site_ao/kalavryta-sacrifice-memorial/

Heute befindet sich auf dem Hügel von Kappi, wo die Männer ermordet wurden,  das Denkmal „der Platz der Hinrichtung“. Oben auf dem Hügel steht ein großes, weißes Kreuz und der Eingang des Denkmals ist von vier Betonwänden umrandet, wo die Namen der Oper eingraviert sind. Außerdem wurde dort eine Skulptur errichtet, welche das Leid der Frauen symbolisiert. Zudem wurde 1992 das Schulgebäude, in welchem die Frauen und Kinder gefangen waren, zu dem Museum des „Holocaust der Stadt Kalavryta“ umgebaut.

Normalerweise findet jedes Jahr, am 13. Dezember ein Trauerzug von dem Stadtzentrum bis zum Denkmal statt. Aufgrund von der Corona-Pandemie, musste dieser jedoch abgesagt werden. Stattdessen wird dazu aufgerufen, auch ohne Trauerzug den Opfern des Massakers zu gedenken.

Lara und ich leben nun schon zwei Monate in Kalavryta. Als wir das erste mal Kalavryta in unserer Stellenbeschreibung lasen, konnten wir zunächst nicht viel damit anfangen. Bei den Griechen ist das anders: obwohl die Stadt mit seinen 2000 Einwohnern recht klein ist, ist er im ganzen Land als Märtyrerort bekannt. Natürlich ging uns anfangs viel durch den Kopf, ob uns die Menschen hier aufgrund unserer Herkunft wohl anders behandeln würden. Bis jetzt können wir aber nur die griechische Gastfreundschaft bestätigen. Wir fühlen uns sehr wohl und werden von allen sehr freundlich und offen behandelt. Vergessen kann man die Ereignisse des 13. Dezembers hier jedoch nicht. Das Kreuz des Denkmals sieht man fast überall von der Stadt aus und auch das Museum des Holocausts in Kalavryta erinnern die Besucher an die Geschehnisse.

Museum des Holocaust der Stadt Kalavryta https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/kalavryta.html

Wir haben bereits mit einigen Leuten über das Thema geredet. Ein sehr interessantes Gespräch hat sich mit unserem Kollegen George ergeben, nachdem wir zusammen das Kloster Mega Spileo besucht hatten, wo die Wehrmachtstruppen am 9.12.1943 mehrere Mönche umgebracht hatten. Nachdem er merkte, wie sehr uns das Thema als Deutsche bedrückt, meinte er, dass es nicht unsere Schuld sei, dass so viele Menschen durch die Nazis starben. Er habe das Gefühl, dass man stattdessen die Zusammenarbeit unter den jungen Menschen weiterhin fördern sollte. Heute sei es nicht mehr von Bedeutung, ob man aus Deutschland oder Griechenland kommt, ihr seid meine Freunde, wir kommen aus Europa. Trotzdem sollten die Kriegsverbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Auch wir müssen daran arbeiten, dass solche Ereignisse in Zukunft verhindert werden.

1961 zahlte die Bundesrepublik an Griechenland 115 Millionen D-Mark als „Wiedergutmachung“. Dieses Geld war an die Opfer der Kriegsverbrechen zu zahlen, viele gingen jedoch leer aus. Über diese Zahlung hinaus verweigert Deutschland Griechenland bis heute weitere Schadensersatzleistungen, da dies weltweit viele ähnliche Forderungen nach sich ziehen könnte. Es gibt bislang unzählige Klagen von Opfern und deren Familien, die von den Folgen der Kriegsverbrechen betroffen sind. 2012 wurde von dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag entschieden, dass die Bundesrepublik nicht vor ausländischen Gerichten für NS-Verbrechen verurteilt werden könne.

Als Geste der Versöhnung besuchte im Jahr 2000  Bundespräsident Johannes Rau Kalavryta. Er legt einen Kranz nieder und sagte: „Ich empfinde hier, an dieser Stätte, tiefe Trauer und Scham.“ Trotz dessen, empfinden viele, vor allem die betroffenen Generationen, dass von deutscher Seite mehr Anerkennung und weitere Entschädigungen kommen müssen.

Wenn man als Deutsche/r an Griechenland denkt, denkt man an Sommerurlaub, Meer und Sonnenschein. Die Kriegsverbrechen der Deutschen in griechischen Städten geraten beim Entspannen am Strand eher in den Hintergrund. Vielen ist oft nicht klar, dass auch die typischen Urlaubsorte wie z.B. Kreta von der tragischen Geschichte betroffen sind. Unter Urlaub stellen wir uns etwas anderes vor.

An dem heutigen Tag möchten wir den Opfern von Kalavryta gedenken und euch dazu aufrufen das die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten.

 

Das Kreuz des Denkmals

 

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Baby its Covid outside

Obwohl draußen meist strahlender Sonnenschein über den mediterranen Bergen herrscht, fühlt es sich mittlerweile doch sehr weihnachtlich an. Natürlich sind die Temperaturen auf circa 10 Grad gesunken, da die Griechen dies aber als Kälteeinbruch deuten und die Zentralheizungen anschalten, überall Heizstrahler aufstellen und die Winterjacke quasi nicht mehr ablegen, kann man im Büro trotzdem noch gemütlich im T-Shirt sitzen.  Die weihnachtliche Stimmung ist vermutlich mehr dem Lockdown geschuldet, der inzwischen bis zum 14. Dezember verlängert wurde. Zwar können wir nach wie vor dank unserer Bescheinigung zur Arbeit gehen, aber sonst verbringen wir den Großteil der Zeit in unseren vier Wänden.

Das hat natürlich auch Vorteile: man kann alle Weihnachtslieder rauf und runter hören und sich somit ordentlich auf den Keks gehen. Wir haben uns dann allerdings doch (mal wieder) fürs Kekse backen entschieden.  Dank Lebkuchengewürz, das per Post aus Deutschland eingeflogen wurde, konnte es auch schon losgehen. Nun  haben wir Unmengen an Zimtsternen, Butterplätzchen, Linzer-Plätzchen und Lebkuchen.

 

Melomakarona

Inzwischen haben wir aber auch sehr leckeres griechisches Weihnachtsgebäck kennengelernt. Die Lebkuchen und Weihnachtsmänner kann man ja bereits Anfang Oktober in Deutschland kaufen, hier in Kalavryta ist das Weihnachtsgebäck erst im Dezember aufgetaucht. Die Ankunft des besagten Gebäcks wurde uns von George dem Förster freudestrahlenden verkündet und er brachte uns dieses prompt ins Büro mit. Nach einer ausgiebigen Kostprobe können wir vor allem „Melomakarona“, ein Honig-Zimtgebäck, empfehlen.

 

Aber wir haben die Zeit im Lockdown nicht nur zum Plätzchen backen genutzt, sondern auch Weihnachtsdeko und einen WG-Adventskalender gebastelt, sowie an unseren Projekten für den Geopark weitergearbeitet.

Nachdem wir die Broschüren übersetzt hatten, hat jede von uns ein eigenes Projekt bekommen, dass zu den jeweiligen Interessen passt. Ich hatte ursprünglich angegeben, dass ich mich für nachhaltigen Tourismus interessiere. Durch den Lockdown ist der Tourismus jedoch ganz zum Erliegen gekommen. Somit arbeite ich jetzt an einem Nachhaltigkeitslabel für regionale Produkte und Restaurants, die ihre Zutaten aus dem Geopark beziehen. So können wir nicht nur eine umweltfreundliche Herstellung bei den Produzenten fördern, sondern auch mit dem Siegel für die Region und ihre traditionellen Produkte, wie Honig, Pasta, Feta, Oliven und Wein werben. Das Projekt macht mir super viel Spaß, da ich meine eigenen Ideen einbringen kann und mit vielen unterschiedlichen Leuten in Kontakt komme. Letzte Woche hatten wir zum Beispiel ein Skype Meeting mit Sara, die in einem norwegischen Geopark arbeitet. Im Magma-Geopark gibt es ein solches Siegel schon. So konnten wir uns über Erfahrungen, Vorgehensweisen und ähnliches austauschen.

Maya arbeitet an einer Datenbank, in der sie die Ergebnisse ihrer Recherche zu den historischen und kulturellen Hintergründen der Sehenswürdigkeiten im Geopark zusammenträgt. Dies ist sehr interessant, da wir dadurch viele verschiedene Orte besuchen können.

Außerdem haben wir ein Kooperationsprojekt mit den Freiwilligen in Sitia, einem Geopark auf Kreta, geplant. Mal sehen, was sich da noch ergibt. Jetzt müssen wir uns erstmal um unseren Griechisch-Sprachkurs kümmern und überlegen, wie wir Weihnachten verbringen wollen.

Wir wünschen euch eine schöne Adventszeit!

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99 Schokokekse

Am Donnerstag kam die plötzliche Nachricht:  der griechische Premierminister hat einen landesweiten Lockdown bis Ende November angeordnet. Zwar ist Griechenland mit nicht mal 2000 neuen Coronafällen pro Tag weit hinter Deutschland, aber man möchte, auf Grund der Knappheit der Intensivbetten, nichts riskieren. Jetzt müssen wir, bevor wir unsere Wohnung verlassen möchten eine SMS mit dem Grund (einkaufen, Sport, Arztbesuch etc.) an die zuständige Nummer schicken und auf eine Bestätigung warten. Nur für die Arbeit haben wir eine Bescheinigung, die belegt von wann bis wann wir zur Arbeit bzw. auf dem Weg nach Hause sind.  Alle Schulen (außer die Grundschulen und die Kindergärten) sind geschlossen, sowie die Gastronomie. Als wir am Samstag einkaufen waren und über den Dorfplatz zurück gelaufen sind, war alles wie ausgestorben. Sogar die Stühle und Tische der Cafés und Tavernen sind entweder gestapelt oder ganz verschwunden. Somit haben Maya und ich das gesamte Wochenende (bis auf unseren Wocheneinkauf) erstmal in unserer Wohnung verbracht. Ich hatte Zeit zum Schreiben, was gar nicht so schlecht ist. Allerdings riecht es jetzt schon seit geraumer Zeit nach frisch gebackenen Keksen, da Maya sich die Zeit vertreiben wollte. Auch wenn die Musik, die in der Wohnung läuft, mittlerweile die 80er erreicht hat, würde ich unseren mentalen Zustand noch auf ganz gut schätzen, wir haben ja Kekse.

Und so verabschiede ich mich mit „Taaake on meee, take on me“

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Die Griechen sagen Nein und wir treffen einen Esel

Der letzte Blogbeitrag liegt schon etwas zurück…

In der Zwischenzeit sind zwei Wochen vergangen und es ist wieder einiges passiert. Die Zeit vergeht hier wie im Flug und bevor man realisiert hat, dass schon wieder Montag ist, ist die Woche auch schon wieder rum. Wir wohnen jetzt  schon fast seit einem Monat in Griechenland und mir kommt das Ganze immer noch etwas unwirklich vor. Im Nachhinein hätte ich mir nicht vorstellen können, dass meine erste Wohnung im Ausland sein wird. Aber insgesamt schlagen wir uns ganz gut. Der „Putzsamstag“ klappt besser als zuhause und auch kochen, abwaschen etc. stellen keine Hürden dar. Anders verhält es sich z.B. mit dem Strom. So scheint es unsere Nachbarn zumindest nicht wirklich zu stören, dass dieser zwei Mal in der Woche von 8:40 bis ca. 15:00 Uhr, meistens ist es eher 17:00 Uhr, nicht vorhanden ist. Im Gegenteil, bei der Post wird dann halt schon um 8:45 Uhr Feierabend gemacht, da die Systeme ja eh nicht funktionieren. Das ist deshalb etwas kompliziert, weil wir keinen Briefkasten haben und unsere Pakete bei der Post abholen müssen. Dann steht man am nächsten Tag eben wieder 10 min früher auf, nur um zu erfahren, dass das Packet noch in Athen ist. Eine weitere Schwierigkeit stellt auch das Einkaufen dar. Wir haben unsere Fähigkeit, einen Wocheneinkauf zu planen nun zwar perfektioniert (in den ersten zwei Wochen waren wir quasi jeden Tag einkaufen, weil wir immer irgendetwas vergessen hatten), allerdings ist der Gewürzkauf immer noch eine Herausforderung. Wenn man die Buchstaben nicht lesen kann, muss man jedes einzelne Gewürz im Regal mit dem Google-Übersetzter einzeln übersetzten, bis man endlich Thymian gefunden hat. Aber in der nächsten Woche steht man wieder vor dem gleichen Regal , nur dass man diesmal eben Majoran oder Muskatnuss braucht. Wenn man dann bemerkt, dass man sich an keine einzige Übersetzung erinnert und die Suche von Neuem beginnen kann, hinterfragt man schon mal die Funktion des eigenen Hirns.

Auch bei der Arbeit waren die letzten vier Wochen sehr produktiv: die Broschüren sind inzwischen fertig übersetzt. Bevor wir mit unseren Projekten starten meinte Eleni, die Managerin des Verwaltungsbüros, dass wir uns den Park ein bisschen anschauen sollten, damit wir wissen, über was wir eigentlich die ganze Zeit schreiben. Außerdem wäre es nicht schlecht, wenn wir auch die Website übersetzen könnten. Also saßen wir die letzten zwei Wochen abwechselnd entweder im Büro und haben die Website übersetzt, oder in einem Jeep, um die Sehenswürdigkeiten des Parks zu erkunden. So waren wir mit George dem Ranger im Wald von Kalavryta und haben 200 Jahre alte Bäume bestaunt und sind mit George dem Professor auf dem Gipfel des Chelmos (2355m) rumgekraxelt. Hier raubt einem nicht nur die beeindruckende Sicht den Atem, sondern auch der Aufstieg. Denn der Wanderweg entsteht hier erst noch, somit war das Ganze mehr klettern, als laufen. Während wir atemlos die Aussicht bestaunten erzählte uns George begeistert von seinen Infotafelideen, auf denen man nicht nur über die Namen der umliegenden Gipfel, sondern auch über deren Entstehung aufgeklärt werden soll.

Chelmos

Da der Professor über Letzteres aber nur eine Theorie hat, wurden erstmal Proben gesammelt, damit man diese im Labor der Universität Patras  bestätigen kann. Bis der Wanderweg fertig ist, wird es also noch ein bisschen dauern. Allerdings bekamen wir eine spontane Führung durch das Aristarchus-Teleskop, das zweitgrößte Teleskop Europas, welches auf dem Gipfel des Neraidorachi, eine der dunkelsten Regionen Europas, steht. Zufälligerweise lief der diensthabende Ingenieur gerade vorbei und weil George den Professor des Astronomie-Instituts kannte, durften wir das riesige Gerät, welches neben dem Skicenter von Kalavryta steht, bestaunen.

Aristarchus-Teleskop

Auch die Höhle der Seen, welche wir zwei Tage später besuchten war atemberaubend. Diese ist über 2 km lang, enthält insgesamt 13 Seen, 10 verschiedene Fledermausarten und einige imposante Stalagmitformationen.

Höhle der Seen

Höhle der Seen

Eines Dienstags, wir waren gerade dabei die Website zu übersetzten, erfuhren wir, dass wir am Mittwoch frei haben. Aber erstmal von vorne: am 28. Oktober ist der griechische Nationalfeiertag, der Ochi (griechisch für Nein) – Tag. Schon am Dienstag war der Dorfplatz vor der Kirche mit Fahnen und Wimpeln dekoriert, aber auf Grund von Corona fanden keine weiteren Festlichkeiten statt, nur die Cafes waren alle voll besetzt. Man braucht auch nicht auf einen freien Platz warten, denn von George dem Ranger wussten wir, dass die Griechen für ihren Kaffee gut und gerne mal 2-3 Stunden brauchen. Auf diesen kulturellen Unterschied wurden wir aufmerksam, als wir innerhalb von 20 Minuten mit unserem Kaffee fertig waren und George uns entsetzt fragte, warum wir diesen nicht genießen würden. Wir nutzten den Feiertag schlussendlich nicht zum Kaffee trinken, sondern unternahmen einen kleinen Spaziergang in der Nähe von Kalavryta. Dabei trafen wir unseren neuen Freund, den Esel.  Nach einer kurzen Diskussion über den Namen (zur Auswahl stand noch George), tauften wir den Esel schlussendlich Benjamin. Am Abend gingen wir noch mal bei Nikki vorbei, die für den Nationalfeiertag extra geöffnet hatte, um uns zur Feier des Tages eine Runde Loukoumades zu holen. Bei Nikki sind wir inzwischen Stammgäste. Dieser Status hat zwei Vorteile:

  1. man wird von Nikkis Mann mit einem dröhnenden „GUTEN MORRRGEN!“ begrüßt, auch wenn man nur am Laden vorbeiläuft und
  2. wir kriegen inzwischen zwei Mal Loukoumades zum Preis von einem.

Wenn die Entwicklung so weiter geht, brauchen wir keinen Flug zurück nach Deutschland, wir rollen einfach zurück.

Loukoumades

Dieser Plan wurde aber schon am nächsten Tag durchkreuzt, als wir den ganzen Tag mit George dem Ranger durch die Vouraikos-Schlucht wanderten. Die Schlucht enthält nicht nur riesige Felsformationen, sondern auch die engste, aktive Zahnradbahn der Welt. Diese ist seit 1897 in Betrieb und verbindet Kalavryta mit Diakofto.

PS.: Liebe Grüße von Benjamin

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Pommes sind frittierte Sonnenstrahlen

Wir sind jetzt schon seit genau zwei Wochen in Kalavryta, einem kleinen Bergdorf mit fast 2000 Einwohnern, in Griechenland. Dieses kann man in Zeiten von Corona nur mit einem Flug nach Athen, zwei Zügen und einem Taxifahrer namens George erreichen.  Mittlerweile haben wir uns  sehr gut eingelebt und die letzten Tage sind wie im Flug vergangen. Vielleicht erstmal zu uns, wir sind Lara und Maya, unser verbindendes Lieblingshobby ist Essen und wir haben mit der Ausreise Oktober 2020  unseren Freiwilligendienst im Geopark Chelmos-Vouraikos  im Norden des Peloponneses gestartet. Auch wir konnten mit den vielen griechischen Namen erstmal wenig anfangen. Inzwischen wissen wir aber, dass Chelmos die Bergkette und Vouraikos einer der Flüsse sowie dessen Schlucht sind. Auch sonst ist unser Geopark sehr facettenreich, wie wir dank unserer ersten „Aufgabe“, die Flyer des Parks ins Deutsche zu übersetzen, um noch mehr Leute zu erreichen, gelernt haben.

Zum Geopark gehört nicht nur eine Küstenlinie, an der es gefühlt immer 10 Grad wärmer ist, als im 800 Höhenmeter höher liegendem Kalavryta, sondern auch ein Skigebiet, welches in der bis zu 2300 Meter hohen Bergkette liegt. Außer Broschüren in dem für uns extra eingerichteten Büro zu übersetzten, welches eigentlich der Seminarraum neben der Ausstellung zum Geopark ist, in dem  es normalerweise Vorträge, Diskussionen und sonstige Veranstaltungen mit Schülern, Studenten und Besuchern gibt – welches allerdings durch Corona nicht möglich ist- , sind wir auch schon viel mit den Rangern unterwegs gewesen. Dabei durften wir nicht nur die beeindruckende Landschaft bestaunen, sondern haben auch viel über die Entstehung und Geologie des Gebietes von George dem Professor, aber auch über die Tiere, vor allem Vögel, (wir durften zwei Steinadler beobachten) und Bäume von George dem Waldranger lernen. Warum hier alle – inklusive dem Chef des Forstamts – George heißen, wissen wir nicht so genau, aber George der Ranger meinte, dass alle Georges super sind. Diese These bestätigte uns (ein weiterer) George, der Förster des Geoparks, indem er uns Kekse zur Arbeit brachte. Da, wie schon erwähnt, Essen eine unserer Lieblingsbeschäftigungen ist, kam auch das Gespräch mit George dem Waldranger schnell auf die wunderbare griechische Küche. Die Begeisterung seinerseits erhielt zwar recht schnell einen kleinen Dämpfer, als er erfuhr, dass er mit zwei Vegetarierinnen in einem Jeep saß, die beide nicht viel für Gyros, Suvflaki oder Bifteki übrig hatten. Dies hielt ihn aber nicht davon hab, mit uns durch das gesamte Dorf zu fahren, um uns die guten bzw. überteuerten („Stay away“) Supermärkte zu zeigen. Auch zu jeder Taverne gab es einen guten Rat. Schlussendlich endeten wir in der Taverne seines Freundes, dem wird prompt mit „Sie essen aber nur vegetarisch“ vorgestellt wurden.  Darauf folgte ein kurzer, zweifelnder Blick und die Aussage „naja ein bisschen was hätte man schon da, die Auswahl sei halt nicht ganz so groß“. Da wir allerdings Goerge versprachen, auf jeden Fall mal bei seinem Freund zu essen, wurde dies noch am selben Abend in die Tat umgesetzt. Obwohl erneut betont wurde die Auswahl sei nur sehr klein, am Samstag hätte man zwei vegetarische Gerichte mehr (welche wir am folgenden Samstag natürlich auch direkt probierten), hatten wir ein Festessen aus Zuccinibällchen, griechischem Salat, Saganki (frittierter Feta, seht empfehlenswert), griechischem Wein, gefüllten Auberginen, Brot  und Pommes, all das schmeckte so wundervoll, dass man sich wie im Urlaub vorkam. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle der fantastische Tzaziki, mit dem wir uns in den letzten zwei Wochen so vollgestopft haben, dass wir eine ganze Armee von Vampiren mit einem Atemzug erledigen könnten.

In der Zwischenzeit hatte sich der Fakt, dass wir kein Fleisch oder Fisch essen, schon, wie gefühlt alles, in Lichtgeschwindigkeit im ganzen Dorf verbreitet. So hatte es anfangs die Leute noch überrascht, dass wir ganze 6 Monate hier bleiben, (die durchschnittliche Zeit der meisten Touristen, die von den Bussen oder der Zahnradbahn hier ausgespuckt werden schätze ich auf wenige Stunden), mittlerweile scheint das aber allen bekannt zu sein. Genau wie die Tatsache, dass wir keine Waschmaschine in unserem Apartment haben, allerdings wurde uns beim Einkaufen in dem von George dem Ranger empfohlenen Supermarkt, versichert, dass man sich darum kümmere. Mittlerweile haben wir zum Glück eine Lösung: die liebe und sehr verständnisvolle Frau von der örtlichen Reinigung kümmert sich nun drum. Wie lange es wohl dauern wird, bis diese Nachricht alle erreicht hat? Vermutlich hat es das längst, da gegenüber von unserer Haustür ein kleines Cafe ist, welches anscheinend den Klatsch und Traschtreff überhaupt darstellt (außerdem scheint es auch das Polizeirevier zu sein, da der Dorfsheriff eigentlich immer dort anzutreffen ist, wenn er nicht gerade mit seinem Auto durchs Dorf düst). Da wir mit unserer gesamten Dreckwäsche an eben diesem Cafe vorbei gelaufen sind, wird man die Neuigkeit vermutlich schon bis Athen wissen.

Manchmal ist es aber auch sehr hilfreich, wenn alle Bescheid wissen, so gab uns George, der Förster, aufgrund unserer gemüsereichen Ernährung, den Tipp, dass es Samstags in Kalavryta einen kleinen Markt gäbe, an dem lokale Bauer aus der Region ihr Gemüse und ihr Obst verkaufen. Diesen hatten wir bislang noch nicht entdeckt, da er ein bisschen versteckt ist. Allerdings war es ein hervorragender Hinweis, denn so kamen wir nicht nur in den Genuss frische Feigen zu probieren, sondern konnten die griechischen Sätze, die uns George der Ranger beigebracht hatte, gleich testen und siehe da, wir kamen auf einem einheimischen Markt zurecht.

Wir fanden nicht nur auf dem Markt neue Freunde, die unsere Begeisterung über alles Essbare teilten, sondern auch in einem kleinen niedlichen Laden, an dem wir unter der Woche mehrfach vorbeigelaufen sind, der aber immer geschlossen war. Es stellte sich heraus, dass der Laden von Nikki, der Englischlehrerin der örtlichen Schule, als Hobby am Wochenende betrieben wird. Dort sind wir innerhalb der letzten zwei Wochenenden zu Stammgästen geworden. Denn bei Nikki gibt es nicht nur warme Bubblewaffeln mit Eis, sondern auch Loukoumades, ein typisch griechisches Dessert:  frittierte Teigbällchen, die so ähnlich schmecken wie kleine Donuts. Dazu gibt es eine schier unendliche Auswahl an Schokosoßen, sodass wir jedes Mal aufs Neue Entscheidungsschwierigkeiten haben. Auch hier freut man sich über jedes neue griechische Wort, das wir präsentieren können, und während uns Nikkis Tochter stolz ihre, in der Schule gelernten, deutschen Wörter aufzählt, kommt der Vater der Familie, nicht weniger begeistert, mit seinem selbstgemachten Glühwein „nach griechischer Art“ um die Ecke, welchen man  allerdings eher als Glühschnaps bezeichnen sollte.

Nach diesen zwei doch sehr aufregenden Wochen sitzte ich hier nun an einem Montagabend und habe endlich Zeit gefunden all das aufzuschreiben, Morgen geht’s wieder mit George dem Ranger durch den Park, mal sehen, welche neuen Wörter wir morgen lernen werden.