Flughafen, Bus und ein Bienvenido

 

„Jetzt müssen wir aber wirklich los“, sagte mein Kumpel Theo, nachdem wir genau zwei Stunden Zeit hatten, meinen 18. Geburtstag zu feiern, denn ich kam erst am Nachmittag vom Vorbereitungsseminar zurück. Damals war mein vorletzter Abend in Deutschland und ich konnte noch gar nicht richtig realisieren, dass ich in wenigen Tagen in irgendeiner fremden Stadt in Mexiko sein würde. Doch die Zeit verging schnell und so fand ich mich an einem Montagmorgen erst im Flug nach Frankfurt und später in einem 12-stündigen Flug nach Mexiko-Stadt. Ich war erleichtert als ich dann die erste Hürde, nämlich die Einreise, nach einem sehr anstrengenden Gespräch mit der Grenzbeamtin, die zu recht kritisch fragte, warum ein gerade 18-jähriger Junge ohne Visum und mit einem eher stockenden Spanisch jetzt hier in Mexiko als Lehrer arbeiten wollte, geschafft hatte. Als ich dann aus dem Flughafen hinausging, wurde ich direkt von einer Stadt erschlagen, die gut sechsmal so groß ist wie meine Heimatstadt Berlin und nicht zu enden schien, so weit man auch schaute.

Im Hotel angekommen, ging ich direkt ins Bett, denn morgen sollte ich schon in meine neue Heimat, zumindest für die nächsten sechs Monate, aufbrechen.

 

In Puebla, einer 3-Millionen-Einwohner-Stadt, 2130 Meter über dem Meeresspiegel, kam ich mit dem erstaunlicherweise sehr komfortablen Reisebus an. Ein Freund meiner Eltern holte mich an der Busstation ab und ich durfte die ersten zwei Tage bei ihm wohnen. „Bienvenido en México“, sagte er zu mir und wir fuhren in sein Haus in einer Gated Community. Am nächsten Tag ging ich dann das erste Mal alleine durch die Straßen dieses Viertels. Ein Viertel, das in den letzten 10 Jahren aus dem Nichts errichtet wurde, um den Leuten, die in Mexiko Geld haben, ein „sicheres“ Zuhause zu bieten. Ich weiß noch, wie ich mir dachte: „Das soll Mexiko sein?“. Ich sollte aber einige wenige Tage später realisieren, dass eine solche Lebensweise hier die Ausnahme darstellt.

 

Am nächsten Tag fuhr ich in meine Wohnung, die ich auf Facebook gefunden hatte, und lernte meine beiden Mitbewohner Carlos und Bernardo kennen. Zu meiner Erleichterung sprachen beide ein passables Englisch, was mir am Anfang ein Gefühl von Sicherheit gab. Trotzdem war mir klar, dass ich hier war, um mein Spanisch zu verbessern. Meine Wohnung hat einen Balkon mit einem atemberaubenden Blick auf den aktiven Vulkan Popocatepetl, den ich niemandem vorenthalten möchte.

Am nächsten Montag ging ich zum ersten Mal in meine neue Einsatzstelle, eine Schule am anderen Ende der Stadt. Alle Deutschlehrer und meine neue Chefin empfingen mich sehr herzlich. Ich bekam sogar mein eigenes Büro, in dem ich arbeiten konnte. Als meine Chefin jedoch mit einem riesigen Stapel Prüfungen kam, die ich sortieren sollte, dachte ich mir: „Na toll, Bjarne, so sehen jetzt deine nächsten sechs Monate aus.“

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