Gesungene Identität

Die vergangene Woche herrschte Ausnahmezustand in Riga. Bis heute dauerte das größte kulturelle Ereignis Lettlands an, das Sängerfest „Dziesmu svetki“, welches etwa alle fünf Jahre stattfindet. Die Sängerkultur hat im Baltikum einen großen Stellenwert. Für die Letten ist das gemeinsame Singen und Tanzen und das Bewahren der alten Lieder ein Ausdruck der gemeinsamen Identität und nationalen Unabhängigkeit. Die baltischen Sängerfeste schauen auf eine lange Geschichte zurück und so wurden sie im Jahr 2003 auch von der UNESCO als immateriellen Kulturerbe anerkannt. Ich selbst habe zum Einen ein bisschen Sängerfestatmosphäre in der Innenstadt und in einem der Stadtparks bei öffentlichen Konzerten und Tanzveranstaltungen genossen. Besonders cool war hierbei, dass die Menschen, die in Chören oder Tanzgruppen sind, oft einfach spontan auf Wiesen oder der Straße getanzt haben bzw manchmal die Gäste im Café plötzlich atemberaubend gut das Singen angefangen haben. Auch unterschiedliche Volkstänze und Trachten aus anderen Ländern zu sehen, war sehr spannend. Zum anderen habe ich durch mehr Glück als Planung noch zwei Karten für die Generalprobe des großen Abschlusskonzertes bekommen. Mein erster Versuch Karten für das fest zu bekommen scheiterte an dem Onlineshop, der ab der ersten Minute wegen Überlastung down war. Mir wurde erzählt, dass viele Leute vor den Verkaufsstellen gezeltet hatten, um Karten zu bekommen und andere standen über 3h für Karten an. Besonders auch weil zwei Freundinnen von mir und meine Mentorin selbst mitsangen, wollte ich dieses seltene Ereignis auf keinen Fall verpassen. Dank einem Tipp meiner Mitbewohnerin hatte ich dann jedoch wenige Tage vor Festivalbeginn doch zwei Karten. Zusammen mit meinem Freund, Arnolds, konnte ich mich so am Samstag von über 13 000 Sängern im Mezapark beeindrucken lassen. So viele Stimmen, so viel Emotion, das muss man wirklich gesehen haben.

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