37 – Matsantsala

Ist ein Name für eine Person, die nie Zuhause aufgefunden wird, wir gönnen uns auch nur einen Tag Koffer-Umpacken und wir beginnen unsere letzte Reise. Wir nehmen die Marshrutka ab Metro Isani bis Lago Dekhi http://apa.gov.ge/en/protected-areas/cattestone/lagodexis-daculi-teritoriebis-administracia , ein Nationalpark an der Ecke Georgiens, die an Aserbaidschan und Russland angrenzt.

Auch hier hatten die letzten Tage ungewohnt heftige Regenschauer gewütet, wir fuhren durch Siedlungen, in denen sich Sturzbäche auf der Straße gebildet hatten. Flüsse und Bäche waren über die Ufer getreten und die Anwohner standen auf den Straßen zusammen und begutachteten das Ausmaß. Unser Fahrer meinte, er stamme aus dieser Gegend, aber an so etwas könne er sich nicht erinnern! Auch die Fahrgäste ergingen sich in fassungslosem Gemurmel.

Im Ort Lago Dekhi angekommen, fanden wir unser wunderschönes, grün umranktes Gästehaus Green House sehr einladend, sauber und ordentlich vor. Wir schliefen in einem gemütlichen Zimmer mit Birkenwald-Tapete, sahen von unserem grün umrankten Fenster in den Garten und wurden morgens von einem Hahn geweckt. Die Küche war draußen, auf einem schönen Balkon, was wir alles mit benutzen durften. Leider gefiel es den Mücken genauso gut wie uns.

 

Das Unwetter hatte auch hier zugeschlagen, es gab leider kein fließendes Wasser, weswegen wir auch die ganze Zeit die einzigen Gäste blieben. Der Nationalpark war wirklich schön gemacht, es gab ein sehr informatives Besucher-Zentrum und die Wege waren gut ausgeschildert. Das dazugehörige Wald-Hotel hatte ein Café mit schönem „Biergarten“ samt Pizza und Georgischem Essen dabei, weswegen wir die ganze Zeit gut versorgt waren.

Ein bisschen lästig war der 20minütige Marsch eine schnurgerade Straße hinauf, vom Gästehaus bis zum Park. Sie war gesäumt von schönen Häusern mit Gärten, aber die Sonne brannte hier unbarmherziger als im schattigen Park und ich hätte ich mich irgendwann am liebsten unsichtbar gemacht, während wir täglich mehrmals mit unseren Rucksäcken und Wanderklamotten als bunte Hunde an den Anwohner*innen vorbei liefen, die im Schatten auf Bänken vor den Häusern saßen und quatschten oder die herumtobenden Kinder beaufsichtigten.

 

Der Nationalpark war gut besucht, wir liefen immer wieder einer Deutschen und einer Georgischen Pfadfindergruppe über den Weg. Leider waren durch den Regen verschiedene Bäche stark angeschwollen oder hatten sich neu gebildet und so kam es, dass wir in den Tagen zwar alle Wanderwege mal angefangen hatten, aber immer ziemlich schnell nicht mehr weiter kamen.

 

Hier haben wir auch den letzten Geburtstag des Jahres gefeiert. Ich hatte morgens einträchtig mit dem älteren Hausherrn das Überraschungsfrühstück vorbereitet. Er passte auf, dass ich auch nichts vergaß, zum Beispiel einen Schnaps zum Anstoßen und Blumen aus dem Garten.

Im Handumdrehen waren auch diese Tage vorbei und die Heimfahrt war wohl die letzte Überlandfahrt in einer Marshrutka.

 

Wir trösteten uns mit einem formidablen Abendessen im Lolita, da hatte ich meinen Geburtstag gefeiert. Waren wir da vielleicht auch zum letzten Mal? Diese exzessive Blogeintrag-Session fand gestern im Memo-Café in Vake in der Nähe meines ehemaligen Arbeitsplatzes statt, das Radio hielt sich wohl für lustig, uns ein Cover von „Take Me Home County Roads“ zu spielen. Heute saß ich im Mziuri-Cafe im Park, womöglich mein liebstes Café hier. Es ist so wunderschön und eine so typische Tbilissi-Atmosphäre! Die Menschen, die vorbei laufen, sehen auf eine bestimmte Art vertraut aus. Als wir gestern Abend nach Hause kamen, fanden wir kleine Geschenktütchen auf unseren Schreibtischen. Unsere Vermieterin hatte für jede ein Paar Ohrringe ausgesucht, zum Abschied.

Vorhin haben sich die zwei Jungs aus der Wohnung über uns verabschiedet, sie fliegen schon nach Deutschland. Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, wo ich bis in weniger als einer Woche die Fotos, Poster und Karten von der Wand abnehmen muss und meine Sachen aus dem Schrank nehmen. An unserem Kühlschrank in der Küche hängen ganz viele Polaroids, die verteilt werden müssen. Die Küche müssen wir auch leer machen und die schönen Tassen aus der Fabrika mitnehmen. Sie war so gemütlich! Dann machen meine Mitbewohnerin und ich wohl bald keine Spaghetti oder Couscous-Essen mehr, mit den immer gleichen Beilagen: Fetakäse, Walnüsse, schwarze Oliven, Ajika oder Pesto xD. Unsere Vermieterin meint, dass sie nach uns erst mal nur kurzzeitige Feriengäste bekommt. Wie seltsam, wir haben hier sogar im Winter gewohnt und Weihnachtsdekor aufgehangen, in einer Zeit, in der niemand Klimaanlagen anschaltet!

In ein paar Minuten werde wir uns auf den Weg zum Summer Set Festival machen, da spielen heute Cigarettes After Sex. Schon am Mittwoch Abend werde ich meiner Mitbewohnerin Tschüss sagen. Mein Flug geht dummerweise genau 24h später als ihrer und den Donnerstag werde ich mir alleine vertreiben müssen.

Noch das Nachbereitungsseminar vom 27. bis zum 31. August und dann hab ich jetzt also 1 Jahr im Ausland gelebt. Mein Taschenkalender wird mir noch bis Silvester die Monate und Tage auf Georgisch ansagen und vielleicht gibt es ein Wiedersehen mit einer Lehrerin und Schüler*innen meiner Einsatzstelle zur Frankfurter Buchmesse im Oktober. Jetzt reicht es erst mal mit dem Blog-Eintrag-Explosionen, einen will ich noch nach dem Nachbereitungsseminar verfassen, vielleicht fällt mir dann ein passendes Schlusswort ein. Aber bis dahin muss ich mit einer Rechnung abspeisen, die alle Georgier*innen sehr erheitert, wenn zwar Georgische Wurzeln verneinen muss, aber etwas anderes anbieten kann: Ich bin jetzt 19 Jahre alt, 18 davon habe ich in Deutschland gelebt, 1 in Georgien. Dann bin ich jetzt so gut wie zu einem Neunzehntel Georgierin.

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