110 Tage. Von mehr oder weniger konstruktiven Gesprächen, Erfolgen und Anderem

14. Mai 2011
von Juliane Henn

Ist es gut oder schlecht, dass ich in meinem Timer schon die Tage bis zu meiner Abreise nach Berlin, zum Nachbereitungsseminar, zähle? Heute sind es noch genau 110.

Street Art bei Vyšehrad. Familienbesuch Ostern 2011

Das heißt zum einen – ich kann es nicht erwarten, endlich wieder Nachhause und nach Deutschland zu kommen. Endlich die vielen tollen Menschen auf dem Nachbereitungsseminar wieder zu sehen (Treffpunkt an der Säule in der Kantine, vergesst das nicht, liebe Menschen!). Endlich mit dem nächsten Lebensabschnitt anzufangen – Studentin sein und endlich mit diesem blöden, nervenzerreißenden Nachdenken über die Studienfachwahl aufhören. Endlich wieder näher an Mama wohnen (hoho, Mamakind! Wobei das nicht mal garantiert ist. Berlin is schon weiter weg als Prag, wenn es denn klappt). Endlich wieder (was neues) lernen dürfen / müssen (oder auch – endlich wieder schlauer werden! Hoho, Streber).Endlich wieder normale Versandgebühren zahlen und nicht dauernd den CZK -EUR -Kurs im Auge haben zu müssen (wobei das auch unbestreitbare Vorteile hat! Hoho, Geizige).

Das heißt aber auch zum anderen – ich muss mir jeden Tag vor Augen führen, wie verdammt schnell das Alles vorbeigeht und vorbeigegangen ist! Neulich alte Blogeinträge gelesen. Erstens war ich überzeugt, nicht so viele geschrieben zu haben. Zweitens war ich leicht deprimiert, weil sich meiner Meinung nach mein Schreibstil verschlechtert hat. Ich muss eine unglaublich lustige Person gewesen sein ^^ Tja, is eben wie Kopfrechen-Fähigkeiten oder Kondition. Man sollte es nicht vernachlässigen! Dafür hab ich bestimmt (hoffentlich) an anderen Stellen nicht ab-, sondern aufgebaut. Oder vielleicht liege ich auch komplett falsch. Egal, ich schweife ab! Das wäre mir früher niemals passiert! : D

Spaziergang durch den Friedhof aller wichtigen Tschechen - hier ein unbekannter Wichiger ; )

Was auch immer das heißen mag, die 110 Tage. Vielleicht erzähl ich kurz, was in den letzten Wochen passiert ist. Wäre glaub ich ne gute Idee. Also. Oh, nee, niemals mit „Also“ anfangen. Ähm…(und damit auch nicht. Also von vorne.)

Das wichtigste in den letzten beiden Monaten war wohl zum einen das Gespräch mit meinem Mentor und der Fachschaftsleiterin für Deutsch. Ich hatte eine Zeit lang wirklich die Nase voll. Ich habe insgesamt 2mal mit meinem Mentor gesprochen. Das erste Mal war irgendwann Anfang März. Leider hat er, obwohl ich mindestens 4 Mal einen neuen Versuch gestartet habe, mein Problem zu erklären, mich gar nicht verstanden. Ich dachte mir also, dass ich dann eben die Ärmel hochrempel und mich selber aus dem Schlamassel ziehe. Hat mehr oder weniger geklappt. Situation wurde nicht besser, ich wurde dann auch gut krank wegen dem ganzen Stress, den ich mir selber gemacht habe. War dann auch ganz gut, dass ich über Ostern erst mal Besuch von meiner Familie hatte und dann eine wundervolle Woche in Deutschland war.

Kurz nach den Ferien, vor anderthalb Wochen, dann das von mir verlangte zweite Gespräch, dieses Mal auch mit meiner anderen Kollegin, die Fachschaftsleiterin ist. Und nicht, ohne davor bei kulturweit angerufen zu haben (wo ich direkt zu Frau Vahldiek durchgestellt wurde, mit der ich mich eine Stunde lang sehr, sehr gut unterhalten habe. Die Betreuung durch unsere Chefs ist eben TOP!) und mich versichert zu haben, wie meine Position ist. Das genau war nämlich das Problem. Das früher oder später aufgetaucht worden wäre. Bei den meisten ist es ja schon beim Zwischenseminar da gewesen. Was ist ein kulturweit-Freiwilliger, wozu beantragen die meisten Schulen einen, wo setzen sie ihn ein, wieviel Eigeninitiative ist gut und was ist zu viel? Meiner Meinung hatte meine Einsatzstelle nämlich keinen Plan und nicht mal die Trilaterale Vereinbarung richtig gelesen. Anders als in Deutschland habe ich aber die Schuld erstmal bei mir gesucht. Und mich deshalb auch so spät „beschwert“, wenn man es so nennen will. Denn in der Tat muss die Schule ja auch einen Teil zur Gestaltung des FSJ leisten – einen Freiwilligen zu nehmen bedeutet eben auch Verantwortung zu übernehmen und sich Gedanken machen zu müssen. Und wenn man eben nebenher dauernd Geschichten von anderen Freiwilligen hört, die aufgrund ihrer Arbeit durch ihr Gastland reisen (zum Teil nichts anderes als das), ständig bei irgendwelchen Workshops, Austauschen, Projekten und Fortbildungen teilnehmen (dürfen), während ich das Gefühl habe, zur Last zu fallen (auch finanziell), dann platzt einem schon mal (nur innerlich) der Kragen. Tut es jetzt immer noch. Aber wenigstens hat sich ein bisschen was gebessert, auch wenn meine Schule sich für den nächsten wesentlich mehr überlegen muss.

Konkret bedeutet das: Juliane verschafft sich immer noch zu 85% alleine ihre Aufgaben. Das Entgegenkommen meiner Einsatzstelle, dass ich bei einem Austausch mitarbeiten könnte, sah so aus, dass ich mich darum gekümmert habe, dass der Beamer ging, größtenteils aber nur rumstand, und in Eigeninitiative den (ziemlich aufgeblasenenen und meinen armen tschechischen Sekundanern gegenüber ziemlich herablassenden) Deutschen Manieren beigebracht habe. Ein Punkt, an dem ich mal wieder gemerkt habe, dass sich Deutsche und Tschechen doch oft unterscheiden. Oha, Vorsicht, Stereotype.

So, das war Teil eins. Ich muss mich jetzt fertig machen, das Nachtleben ruft ; ) was sonst ! Und damit ich (endlich mal) pünktlich bin und ihr nicht so sehr viel auf einmal lesen müsst, ist jetzt mal Schluss. Viel Spaß heute noch!

2 Kommentare
  1. 17. Mai 2011
    Tim permalink

    Super schön zu lesen!
    Dürfte ich dich fragen, wie du am rechten Rand dieses Menü hingekriegt hast? … welches Theme verwendest du?

    Liebe Grüße aus Chile,

    Tim

    • Profilbild
      17. Mai 2011

      Aber sicher darfst du fragen! Und Danke für den ersten Satz deines Kommentars : )
      Antwort ging eben als Mail an tjakobgt@web.de raus. Hoffe, auf verständliche Art und Weise !

      Danke fürs Lesen und dein Kommentar! Ich werd mich auch mal auf die Suche nach deinem Blog machen (: Liebe Grüße aus Prag, Juliane

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