Schon vor etwas laengerer Zeit hatte mich meine interessierte Gastfamilie nach typischen deutschen Gerichten gefragt. Und nachdem ich ihnen ein paar regionale Essen genannten hatte, baten sie mich, einmal Pfannkuchen fuer sie zu machen. Pfannkuchen esse ich sehr gerne, und das Rezept und die Zubereitung stellen einen Kochlaien eigentlich auch vor keine grosse Aufgabe – dachte ich jedenfalls. So weit, so gut. Letzten Sonntag war es dann soweit: Die Kuechenschlacht konnte beginnen.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, die Pfannkuchen mit Obst zu machen. Nun war mir aber ueber den Lauf der Zeit gedaemmert, dass eine anstaendige Mahlzeit immer mit Fleisch, oder zumindest Wurst und Ei zubereitet wurde. Ich entschied mich also fuer die Variante Speck und Zwiebeln. Als ich im Kuehlschrank allerdings kein Speck, Schinken, Bacon o. ae. fand, bedurfte es der ersten Improviasation. Fleisch gibt es bei uns immer im Haus und so zerlegte mein Gastvater fuer mich den grossen Brocken in kleine Portionen. Es wuerde also (Hack-)Fleisch und Zwiebeln- Pfannkuchen geben. Den Teig zuzubereiten war bei der simplen Anweisung, alle 5 Zutaten ordentlich zu vermischen, kein Problem. Nachdem das Fleisch unter den wachsamen Augen meiner Familie angebraten worden war, kam der schwierigste Teil.
Vorsichtig gab ich einen Schoepfloeffel Teig in die Wokpfanne (ich hatte keine andere, „normale“ Pfamme gefunden) und stellte eine niedrige Temperatur ein. (Zur Erklaerung: Meine Gastfamilie kocht fast immer auf einer Kochplatte, bei der man die exakte Gradzahl angeben kann. Diese Platte benutze auch ich an jenem verhaengnisvollen Sonntag). Es brutzelte und der Teig begann langsam fest zu werden. Meine Gastschwester stellte eine Stufe hoeher und innerhalb von wenigen Sekunden zog der Geruch von Angebranntem durch die Kueche. Mein Rettungsversuch, den Pfannkuchen zu wenden, misslang und in meiner Pfanne lag kein Pfannkuchen, sondern ein Haufen Teig: Auf der einen Seite schwarz, die andere noch roh. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, dieses Teighaeuflein meiner Familie als Kaiserschmarrn vorzustellen, kapitulierte jedoch. Beim zweiten Versuch, einen Pfannkuchen zu machen, uebernahm mein Gastvater den Pfannenwender. Das Problem war jetzt nur: Wie bekomme ich meine Fleisch-Zwiebel-Mischung in bzw. auf den Pfannkuchen? Dieser war so duenn, dass schon das Wenden Probleme bereitete, und mit der schweren Fleisch-Masse wuerde er erst recht kaputtgehen. Zeit fuer Improvisation Nummer Zwei: Die Mischung kommt auf den fertig gebackenen Pfannkuchen und dieser wird dann zusammengerollt. Ich erklaerte der Familie also die Vorgehensweise und mein Vater versuchte sein Glueck mit dem Pfannkuchen. Und tatsaechlich, es gelang ihm, dass der kleine Fladen weder anbrannte noch halb roh war, sondern eine appetitliche gold-gelbe Faerbung erhielt. Ich war begeistert. Doch leider war der Pfannkuchen nur so gross wie eine Hand und das Befuellen und Rollen wuerde kompliziert werden.
Doch auch dieses Problem wurde geloest: Der Herd, der in der Kueche als Ablageflaeche dient und von dem ich nicht wusste, dass er noch funktionierte, wurde sekundenschnell leergeraeumt und angeschlossen. Aus den Tiefen eines Kuechenschranks zauberte meine Mutter dann auch eine richtige Pfanne und mein Gastvater machte sich daran, den restlichen Teig zu Pfannkuchen zu verarbeiten. Diese waren zwar sehr duenn, konnten aber problemlos gefuellt werden. In all der Hektik hatte ich aber leider vollkommen vergessen, die Fleisch-Zwiebel-MIschung warmzuhalten, sodass diese schon kalt war. So langsam hatte ich das Gefuehl, ich waere ein Kandidat fuer „Die versteckte Kamera“. Es war mir schon ziemlich peinlich, dass an meiner Stelle mein Gastvater die Pfannkuchen briet. Aber er konnte es einfach besser. Schliesslich legten wir auch die fertig gerollten Pfannkuchen nocheinmal zum Erhitzen in die Pfanne. Das Essen war fertig.
Der gesamte Kochprozess hatte knapp eine Stunde gedauert. Und das Ergebnis waren sieben improvierte, zusammengerollte Pfannkuchen mit einer improvisierten Fleisch-Zwiebel-Mischung. Und – oh Wunder! – es schmeckte. Es schmeckte gar kein bisschen improvisiert. Ruf gerettet. Zum Abschluss des Essens meinte meine Gastmutter dann noch, wir koennten ja mal oefter Pfannkuchen machen, und verschieden Fuellungen ausprobieren. Und natuerlich koenne ich auch gerne nocheinmal etwas deutsches kochen. Nun ja, ein wenig Angst habe ich ja schon. Vielleicht brenne ich die Kueche ab (Wobei…ich bin ja mit Dr. Walter versichert). Oder verschandel den Ruf der deutschen Kueche. Aber vielleicht wage ich mich auch nochmal dran – aber nur mit tatkraeftiger Unterstuetzung! 🙂


Hi Sarah,
nicht so schnell. Das Rezept geht so:
1 Zwiebel klein schneiden und zusammen mit 400 g Hackfleisch in einem Topf (oder Wog; hö, hö) gut anbraten. Dabei immer wieder gut klein drücken. 2-3 Teelöffel Brühe und 1/2 l Wasser dazu, durchrühren und 200 g Spiralnudeln rein. Das Ganze 15 Min. kochen, bis die Nudeln gar sind und das Wasser vollständig aufgesogen wurde. Dann 1 Becher saure Sahne, Schmand oder Creme freche rein rühren, fertig. Entweder so oder mit einem Salat servieren. Ich würde sagen, die Portion reicht für 3 hungrige Leute.
Du musst also irgendetwas finden, das ähnlich wie Schmand ist. Zur Not mit Naturjoghurt probieren.
Berichte mal, ob Du es ausprobieren konntest und ob Du einen Kochstern verliehen oder des Landes verwiesen wurdest. Wenns geschmeckt hat, suche ich mal weiter.
Liebe Grüße
Uwe
Hallo Uwe, vielen Dank fuer das Rezept! Das ist alles machbar. Ich werde mal anfragen, wann ich das naechste Mal die Kueche verwuesten darf. Liebe Gruesse, Sarah
Hi Sarah,
ich glaube, ich komme in unserer Küche schon ganz gut zurecht, doch kann nach diversen deutschen Ferienwohnungen nachvolliehen, dass das richtige Arbeitswerkzeug und gewohnte Zutaten mehr als die halbe Miete sind. Ich überlege mal, ob mir ein einfaches heimisches Rezept einfällt.
Liebe Grüße, Uwe
Halloechen, habe neulich mal eine Tomatensuppe gekocht. Fand meine Familie „interessant“, war aber zu wenig Fleisch! 🙂 LG Sarah
Hallo Sarah,
mir ist ein einfaches, leckeres Rezept mit Fleisch (!) eingefallen. Bekommst Du Hackfleisch, Spiralnudeln, Fleisch- oder Gemüsebrühe und so etwas wie Schmand?
Liebe Grüße
Uwe
Hallo Uwe, bis auf den Schmand kann ich alles besorgen. Und die Zutaten hoeren sich schon sehr lecker an!! 🙂 Brate ich das Hackfleisch mit ein wenig Gemuesebruehe an, koche die Nudeln und dann als Sahnehaeubchen den Schmand? Liebe Gruesse, Sarah
na, da kannst du ja fast mit meinen Kochkünsten konkurrieren 😀 Obwohl ich beim ersten Versuch schon mit einer normalen Pfanne gescheitert bin…
Ich freue mich übrigens über jeden Artikel von dir!!! (und bin echt neidisch, was du so alles erlebst)
Hey Franzi, vielen, vielen Dank..ich erinner mich da nur an den Versuch, ein anstaendiges Pesto zu machen 😀 Wenn ich wieder da bin, koennen wir unser Kochtalent ja mal zusammen testen! 🙂 Ganz liebe Gruesse, Sarah 🙂