159 Tage

Dass es Zeit für einen Zwischenbericht sei, fand kulturweit schon am 31. Oktober. Letzte Woche fand dann auch das Zwischenseminar statt (19.11-23.11.2018), und am 03. Dezember ist dann auch wirklich schon Halbzeit. Halbzeit von gerade mal 159 Tagen. 159 Tage, die mir sehr oft zu kurz, und sehr oft zu lang vorkommen. Zu lang, weil 900km manchmal doch ganz schön weit sein können. Weil die schönsten Weihnachtsmärkte nicht das Gefühl von Weihnachten ersetzen können (auch nicht wenn sie Anfang November beginnen). Weil man mit Unterrichtsassistenz dann doch nicht die Welt rettet. Weil eine fremde Sprache ständige Anstrengung bedeutet.
Zu kurz weil 900km manchmal genau der richtige Abstand sind. Weil fünf Kerzen, 2 Glühwein, Zimtschnecken und eine handvoll Herzmenschen dem Gefühl von Weihnachten sehr nahkommen können. Weil man mit kleinen Spielen und Aufmunterungen die ein oder andere Deutschstunde rettet und Lächeln erhascht. Weil jede Bestellung und jeder Einkauf auf ungarisch ein Erfolgserlebnis ist.

– ja, ich bin hin- und hergerissen.  Hin- und hergerissen zwischen Glück, Freude und Spaß. Hin- und hergerissen zwischen Anstrengung, Heimweh und dem „es fehlt etwas“ Gefühl.

Dazu eine kurze Bestandsaufnahme:
Für mich hat sich relativ schnell ein Alltag eingependelt: Meistens bin ich von 10 bis 15 Uhr in der Schule, danach bereite ich noch 1-2h den Unterricht vor/nach (mehr dazu in einem extra Beitrag).  Montag und Mittwoch geht es am Abend noch weiter mit Schule, aber diesmal bin ich die Schülerin- Ungarischunterricht. Den Dienstagnachmittag verbringe ich mit zwei lieben Schülerinnen, wir essen Nudeln und üben ungarisch oder deutsch. Am Donnerstagabend gehe ich in ein Frauenfitnessstudio zum Zumba (ich kann wirklich nur empfehlen einen Sportkurs in einer Sprache zu machen, die man nicht versteht- dann macht man nämlich einfach nur mit – ohne sich Gedanken zu machen) und den Freitag nenne ich liebevoll „Homeoffice Tag“, meistens habe ich an diesem Tag sehr wenig Unterricht und kann entweder schon zu einem Ausflug aufbrechen oder mir Zeit für die Unterrichtsvorbereitung nehmen. An den Wochenenden haben wir meistens Besuch oder ich nutze diese Zeit für Ausflüge in Budapest, Ungarn oder Osteuropa.  Und wenn ich sonntags in Budapest bin, gehe ich zu Food Not Bombs und probiere dort ein wenig zu helfen. Ansonsten gehört natürlich noch zum Alltag, auf den Markt zu gehen, zu kochen und zu lesen.

[Food Not Bombs rettet jeden Samstag Obst und Gemüse vom Markt, am Sonntag wird dann geschnippelt und gekocht. Die fertigen Gerichte werden an Obdachlose und Bedürftige verteilt]

Insgesamt vergeht die Zeit sehr schnell und ich habe oft Spaß- trotzdem habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich gerne etwas sinnvolleres machen würde, dass ich meine Zeit etwas anders nutzen will. Glücklicherweise (und darüber bin ich wirklich, wirklich froh) hat unser Zwischenseminar in der Aurora – einem Kulturzentrum in Budapest – statt gefunden . Einige NGOs treffen sich dort regelmäßig und arbeiten an ihren Projekten (auch Food Not Bombs findet dort statt).
Ich hatte schon länger mit dem Gedanken geliebäugelt, mich dort zu engagieren und hatte mich bereits im Oktober bei ihnen gemeldet- leider ohne Rückmeldung.
Meine Befürchtung, dass es ohne Ungarischkenntnisse, nicht möglich sein würde, sich in einer lokalen NGO zu engagieren, bewahrheitete sich. Der Wunsch sich zu engagieren wurde jedoch ernst genommen und nächste Woche werden wir dann darüber sprechen, was für ein Projekt ich machen könnte und  bereits diese Woche können Sophie und ich an einem Sprachcafe mitwirken.

Was wird sich in den nächsten Wochen noch ändern?
Wir haben unsere 30h Sprachkurs absolviert und belegen einen weiteren Kurs- nur noch einmal pro Woche. Dafür werde ich mich einmal mehr in der Woche mit Schülerinnen treffen um ein bisschen zu quatschen, Tee zu trinken und die Eislaufbahn auszuprobieren.

Langweilig wird mir hier also nicht.
Isa

 

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